Der Trickfilm »Latte Igel und der magische Wasserstein« ist der Film zum Dürre-Sommer 2018. So lernen Kinder frühzeitig, was richtig und was falsch ist. (Regie: Regina Welker, Nina Wels; Start: 25. Dezember)

    Jeder kennt die Geschichte vom Hasen und vom Igel, der immer früher da ist, wo der Hase hin will. Auch in der Verfilmung des 1958 erschienenen Kinderbuchs »Latte Igel und der Wasserstein« von Sebastian Lybeck ist ein Igel als erster am Ziel und erringt einen heroischen Sieg. Allerdings wird hier nicht einfach so um die Wette gerannt; es geht ums Überleben des ganzen Waldes. Zumindest wenn man den Worten des schrulligen Raben Korp trauen darf, der davor warnt, dass das schon jetzt extrem knappe Wasser ganz ausbleiben könnte, sollte der magische Wasserstein, den Bärenkönig Bantur eigenmächtig an sich gerissen hat, nicht an seinen Ursprungsort zurückgebracht werden.

    Der Wasserstein allein also verheißt Rettung. Wer aber – so mahnt schon der alttestamentliche Prophet Jesaja – »glaubt dem, was uns verkündet wurde«? Einzig Igelmädchen Latte, lautet in diesem Fall die Antwort. Die widerborstige junge Dame, die – kleine genderpolitische Korrekturmaßnahme – im Buch noch durch und durch männlich war, macht sich ganz allein auf die Suche nach dem Erlöserstein. Heimlich folgt ihr Eichhörnchenjunge Tjum, den mit Latte eine nicht ganz spannungsfreie Beziehung verbindet. Dass unterwegs eine Reihe von Gefahren lauern, lässt sich an drei Fingern abzählen.

    Filmplakat

    Und wer vor nicht allzu langer Zeit gelernt hat, bis drei zu zählen, der darf sich auch als Zielpublikum dieses niedlichen Kinderfilms betrachten. Dank großartiger Computeranimationen lernen Kinder die heimische Tierwelt kennen, allen voran die unliebsamen Migranten der jüngeren deutschen Fauna-Geschichte: Problembären und Problemwölfe, die auch in dieser Filmfabel gewaltigen Ärger machen. Außerdem liegt ein Luchs auf der Lauer und lehrt Eichhörnchen und Igel das Fürchten.

    Dass sich Tiergeschichten prima als Ökoparabel eignen, ist spätestens seit dem Neue-deutsche-Welle-Hit »Karl der Käfer« Anfang der Achtziger Allgemeinwissen. Kindgerecht veranschaulicht »Latte Igel« den Zusammenhang zwischen Wasser und Leben und liefert so ganz nebenbei Erklärungshilfen für den Dürre-Sommer 2018. Wenn das Drehbuch Latte den Satz in den Mund legt: »Könntest du mir jetzt bitte das Wasser reichen?«, darf man das wohl als selbstironischen Verweis darauf deuten, dass die deutsch-belgische Koproduktion es mit Disney & Co. nicht aufnehmen kann. Den subversiv-doppelbödigen Witz und die hektische Unübersichtlichkeit der meisten Abenteuer aus der digitalen Traumfabrik der Gegenwart sucht man bei Latte und Tjum vergeblich.

    Der Film ist mehr beschauliches »Bambi« als turbulenter »Shrek«, könnte man auch sagen. Wer seine kleinen Racker, weil ja nun mal Weihnachten ist, trotz der ideologischen Anpassungen ins Kino begleiten möchte, darf sich entschädigt fühlen durch stimmungsvolle Bilder von Wald und Flur und die eigens vom Leipziger Symphonieorchester unter der Leitung von Robbert van Steijn eingespielte Filmmusik. Produzentin Lilian Klages betont: »Die Musik gehört bei uns selbstverständlich dazu, es ist ein Film für die große Leinwand, den großen Saal, und da ist sie wichtig für die Emotionen.«

    »Latte Igel und der magische Wasserstein« ist eine in mancher Hinsicht ungewohnt altmodisch erzählte Fabel über Freundschaft, Solidarität, Mut und Opferbereitschaft. Wenn am Ende das Lob erklingt: »Du hast alles richtig gemacht, mein Sohn«, werden Kinderaugen leuchten wie Christbaumkugeln. Fast zu schön, um wahr zu sein.

    Im Propaganda-Nebel der Mainstreampresse werden freie, unabhängige Medien unverzichtbar – Medien wie COMPACT. Stärken Sie COMPACT durch ihr Abo der monatlichen Printausgabe. Klicken Sie dazu auf das untere Banner:

    Kommentare sind deaktiviert.