Rassismusvorwurf: HBO sperrt „Vom Winde verweht“. Bei Amazon steigt er zum Bestseller auf

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Seit einigen Jahren steht der US-Filmklassiker „Vom Winde verweht“ (Gone with the Wind, 1939) im Kreuzfeuer der Political Correctness. Vor drei Jahren verbannte ihn ein Arthaus-Kino in Memphis (Tennessee) aus dem Programm. Begründung: Der Film propagiere die Überlegenheit der Weißen. Jetzt folgt der PAY-TV-Sender HBO. Aber trifft dieser Vorwurf wirklich zu?

Vorgestern bestätigte ein Sprecher des Pay-TV-Senders HBO, dass „Vom Wende verweht“ aus dem Streaming-Angebot entfernt wurde. Der Film verzerre mit seiner Darstellung „glücklicher Sklaven“ die historische Realität. Man werde den Klassiker jedoch zu einem späteren Zeitpunkt wieder freigeben, angereichert mit Aufklärung über die realen Verhältnisse auf den Baumwollplantagen.

Ob das nötig ist? Schließlich klären populäre TV-Serien wie „Roots“ (1977) oder Spielfilme wie Quentin Tarantinos „Django Unchained“ (2012) oder „12 years a Slave“ (2013) schon seit Jahrzehnten über die schreckliche Plantagen-Realität auf. Das Gros des Publikums dürfte diese Zeit kaum mehr idealisieren. Tatsächlich reagierten die Zuschauer keineswegs nach Wunsch der HBO-Oberlehrer. Gestern, also einen Tag nach Verkündung der temporären Sperrung, avancierte „Vom Winde verweht“ bei Amazon zum Bestseller.

Aber ist die Skandalisierung des Film überhaupt berechtigt? Mehr noch: Leistete der Filmklassiker nicht sogar einen wichtigen Beitrag zur Etablierung farbiger Künstler im Filmgeschäft? Bot er ihnen nicht einen frühen Ausgang aus dem medialen Ghetto? Fragen, die im aktuellen Mediendiskurs keine Beachtung finden.

Schon seit vielen Jahren stehen Margaret Mitchells Romanvorlage „Gone withe the Wind“ (1936) ebenso wie Mark Twains „Tom Sawyer und Huckleberry Finn“ im Kreuzfeuer der Political Correctness, weil sie den neuesten (Sprach-) Anforderungen nicht genügen. Dass Maßstäbe der Gegenwart auf Produkte vergangener Epochen nicht anzuwenden sind, stört die Hypermoralisten nicht.

Es war nur eine Frage der Zeit, bis auch die Verfilmung des Bestsellers unter Beschuss geriet. Vor drei Jahren ging es los: Das Filmtheater Orpheum in Memphis, Tennessee, hat jetzt entschieden, den Klassiker nicht länger aufzuführen. Die Mission des Hauses, das Publikum mit seinem Programm zu „unterhalten, zu bilden und aufzuklären“, sei inkompatibel mit einem Film, der „die Überlegenheit der Weißen“ behauptete (“tributes to white supremacy”).

Brett Batterson, Präsident der Orpheum Theatre Group, bezeichnet weitere Vorführungen als „unsensibel gegenüber einem großen Teil der hiesigen Bevölkerung“ – 64 Prozent der ansässigen Bevölkerung sind Farbige –, obwohl der Film bis jetzt ganze 34 Jahre lang im Orpheum gespielt wurde. Freilich wurde die Entscheidung unter dem Einfluss der Charlottesville-Krawalle gefällt. Seitdem werden zahlreiche Denkmäler von Südstaaten-Kämpfern zerstört oder abgerissen. Ebenso ist die aktuelle Sperrung des Films durch HBO wohl auf die Tötung des Farbigen George Floyd durch einen weißen Polizisten zurückzuführen.

Bei früheren Rassismusvorwürfen gegen Margaret Mitchells Roman durch US-Medien wurde fairerweise erwähnt, dass diese Kritik nicht auf den Film zuträfe. Man anerkannte, dass Produzent David O. Selznik für seine Leinwandadaption alle N-Wörter und sämtliche Verweise auf den Ku-Klux-Klan der Buchvorlage hatte streichen lassen.

Hattie McDaniel (links) in „Vom Winde verweht“, 1939.

Zugegeben: Dass ein Film, der auf den Baumwollplantagen der Südstaaten im 19. Jahrhunderts spielt und 1939 gedreht wurde, nicht dem allerneuesten PC-Codex folgt, dürfte selbstverständlich sein. Dennoch ist seine Darstellung der Südstaatengesellschaft und ihrer Sklavenhaltung keineswegs verherrlichend.

Schon der Vorspann erklärt den Bürgerkrieg aus der Weigerung der Südstaaten, Abraham Lincolns Forderung nach Beendigung der Sklaverei endlich nachzukommen. Auch präsentiert Vom Winde verweht die Plantagenbesitzer als ein Ancien Régime, als eine verwöhnte, weltfremde, in idiotischen Konventionen gefangene und sich maßlos überschätzende Klasse.

Bald verlieren die Südstaaten-Hipster den Krieg, und der Film trauert ihnen keine Sekunde nach. Im Gegenteil: Er fixiert sich auf die Heldin Scarlett O’Hara, die sich im Alleingang aus dem Dreck zieht, ihr Leben selbst in die Hand nimmt. Im Gegensatz zu universitären Jaul- und Jammer-Feministinnen ist Scarlett wirklich emanzipiert. Ein echtes Vorbild für junge Mädchen. (Fortsetzung des Artikels unter dem Werbebanner)

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Der einzige Protagonist, der den alten Zeiten der Sklavenplantagen nachtrauert, ist der Fulltime-Loser Ashley Wilkes – wofür Scarlett ihn verachtet. Durch den Kontrast zwischen ihr und Ashley wird deutlich: Wer sich selbst befreit, braucht auch keine Sklaven. Unterdrücker sind Schwächlinge.

Die von Vivien Leigh gespielte Scarlett O’Hara, also die positive Heldin des Films, zeigt gegenüber Farbigen weder Verachtung noch Berührungsängste. Nein, Vom Winde verweht feiert keine „white supremacy“. Wurde Casablanca (1942) wegen langer Dialogszenen zwischen einem Schwarzen (Sam) und einer weißen Frau (Ilsa) seinerzeit als fortschrittlich gewertet, dann gilt das erst recht für Vom Winde verweht.

Butterfly McQueen als Prissy. Screenshot

Das ist noch nicht alles: Der mit acht Oscars und zwei Ehren-Oscars gewürdigte Film wurde zum Karriere-Sprungbrett für zwei schwarze Schauspielerinnen: Der Komikerin Butterfly McQueen gelang mit der Rolle der durchgeknallten Prissy ihr Durchbruch. Noch im hohen Alter erzählte sie bei Retro-Aufführungen dem Publikum von ihren Erfahrungen bei den Dreharbeiten. Zwar stand auch Mrs. McQueen dem Film kritisch gegenüber, aber einen Aufführungsstopp hätte sie kaum befürwortet.

Ebenfalls den Durchbruch mit Vom Winde verweht erlangte Hattie McDaniel. Für ihre Nebenrolle als Scarlett O’Haras Nanny erhielt sie 1939 als erste farbige Darstellerin den Oscar! Wer heute klagt, dass farbige Filmschaffende bei der Oscar-Verleihung unterrepräsentiert seien, sollte ermessen können, was diese Auszeichnung vor 81 Jahren bedeutete. Darüber hinaus erhielt McDaniel einen Stern auf dem Broadway Walk of Fame. Vom Winde verweht hat ihr all das ermöglicht. Ironie: Vor zwei Tagen, am 10. Juli, feierten Filmfans in sozialen Netzwerken ihren 135. Geburtstag. Genau an diesem Tag verkündete HBO die Sperrung des Films…

Hattie McDaniels (links) erhält den Oscar für ihre Darstellung in „Vom Winde verweht“, 1939

Und noch eine antirassistische Besonderheit des Films: Während der Dreharbeiten beklagten sich farbige Darsteller über die Separierung ihrer Sanitäranlagen von denen ihrer weißen Kollegen. Im Amerika der 1930er war solche Rassentrennung gängige Praxis, dennoch lenkte Produzent Selznik sofort ein und ließ die Separierung aufheben. Sein Assistent Eric Stacey sagte den farbigen Darstellern: „Bitte, wenn Ihr unbedingt weiße Flöhe haben wollt.“ Dieser Vorstoß von Selznik gegen den rassistischen Zeitgeist, 25 Jahre vor Martin Luther King, lässt sich gar nicht hoch genug einschätzen. Kurzum, „Vom Winde verweht“ ist nicht nur ein Meilenstein der Filmgeschichte, sondern ebenso einer für die Etablierung farbiger Künstler in den USA.

 

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14 Kommentare

  1. Avatar
    HERBERT WEISS am

    Guter Beitrag! Auch ich habe in diesem Film keine Verherrlichung der Sklaverei sehen können. Erst recht nicht in "Huckleberry Finn". Der Neger Jim war ein anständiger Kerl, der auch seinen Kopf zum eigenständigen Nachdenken benutzte. Und dann gab es noch den alten Finn, einen notorischen Säufer, zwei Familienclans, die sich erbarmungslos wegen einer saudummen Fehde bekriegte und so manches Gelichter, wie die beiden Erzgauner, mit denen es die beiden Ausreißer eine Zeitlang zu tun hatten. Alles übrigens Weiße.

    Also, ich fand’s echt gut!

  2. Avatar

    Falsche Fragestellung. Selbst wenn der Film/ das Buch (es ist mir nie gelungen,mich durch den dicken Schmöker zu quälen) genau diese Botschaft transportieren würde,was wäre daran nicht in Ordnung? Es ist nun mal Tatsache, daß die Weißen bis jetzt die einzige Rasse waren, die alle anderen beherrscht hat. Das Fest war kurz, wenig mehr als 200 Jahre, weil sie es vorzogen,sich untereinander zu bekriegen und das Kapital der Mutterländer die Gewinne aus den Kolonien exclusiv in seine Taschen schaufelte. Vom Winde verweht, unwiederbringlich.

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    Der Fernaufklärer am

    Dann am besten auch gleich den Tatort verbieten – darin wimmelt es nur so von beschönigten Szenen mit (den allerdings meist weißen) Sklaven des BRD-Regimes ..

    • Avatar
      Jeder hasst die Antifa am

      Das ist bei den Massenverblödungsanstalten Prinzip,die meisten Straftaten werden von Ausländern begangen aber die Gangster werden nicht von Mohamed,Ali,Hassan und Muwanga dargestellt sondern Klaus,Rudi,Paul sind die Bösewichter und Rechtsextremisten und die Kulturbereicherer sind die armen Opfer das ist der blanke Rassismus gegen Deutsche

    • Avatar
      Professor_zh am

      Dem würde Professor_zh allerdings nicht hinterhertrauern, denn da hat die Schwarz-Weiß-Malerei überhandgenommen!

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    Bye-bye, Orange Hitler…

    BOMBSHELL: John Bolton Book Claims Impeachable Offenses Across ‚Full Range‘ of Trump’s Foreign Policy

    BIDEN 2020!

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    Sachsendreier am

    Leute, dieser herrliche Film war ein absolutes Muss vor 20, 30 Jahren. Ich glaube, ich habe ihn, schon wegen der wunderschönen Hauptdarstellerin und deren tollen Kleidern über 10 Male gesehen. Der Folgefilm war so eine Enttäuschung, den man nach dem Fortsetzungsroman, von anderer Autorinnenhand geschrieben, gedreht hatte. Will man denn alle Klassiker verbieten? Was folgt danach? Dornevögel und Co.? Ein Teil der Menschheit, uns leider der, der den Kurs angeben darf, ist verrückt geworden. MfG – falls überhaupt möglich, meinen Kommentar zu sehen…

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    Markus Kranz am

    Es ist doch völlig klar, dass Linksextreme Rassismus immer dann gut finden, wenn die Täter IS, Hamas und BDS sind – und immer dann schlecht, wenn es Amerikaner, Israelis oder Deutsche sind.

    Man muss sich das ja nur mal durch den Kopf gehen lassen – die Linken halten keine Antira Demos gegen den IS ab, stattdessen verbannen sie irgendeinen lächerlich harmlosen Film. Diskriminierender und rassistischer können Linke ja gar nicht mehr sein.

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    Deutschösterreicher aus dem Wienerwald am

    Den Sezessionskrieg als durch die Frage der Sklaverei entstanden zu bezeichnen ist dermaßen plumpe Siegerpropaganda, dass man den Film allein dafür nicht zu sehen braucht. Den 2 Weltkrieg haben sie dann geführt, um die Juden zu befreien. Dafür haben sie zwar nicht die Gleisanlagen nach Auschwitz sondern die deutschen Städte bombardiert, aber dank re-education glauben die meisten auch das.

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    HEINRICH WILHELM am

    Eigentlich ist es wurscht, wie die Amis mit ihrer eigenen Kultur und Kulturgeschichte umgehen. Ich erinnere mich nur daran, dass dieser Film vor Jahrzehnten in den bundesdeutschen Medien x-mal lief und wiederholt wurde. Das ist als Kult und fast sinnstiftend angesehen worden und einen Aufschrei gab es auch nicht. Was also soll’s?
    Wie die Grünen nachweislich keine Umwelt- und Friedensschützer sind, so sind die heutigen "Antirassisten" nichts weiter, als aktive und gewalttätige Gesellschaftsspalter, also Stifter von Hass und Unfrieden.

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      heidi heidegger am

      hehe, ein ehrlicher Film gaaanz am Ende: Clark Gable nach 10 Jahren nein-nein-ja? und dann ohjaaaaa! so *LMAA*..tia-isso! LOOOOOHL

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        heidi heidegger am

        Teil 2

        Nun, ganz hasenrein zwischendurch ist’s wohl nicht,wie C. Gable sein Begehren ausstellt (Stichwort Vergewaltigung, ähem), aber Jäck Nicholson griff die äh Problematik irgendwie im "zweiten Teil" von CHINATOWN auf: "Etzala habe ich aber die Faxen dicke, runter auf die Knie und den Arsch in die Höh‘!" und Madeleine Stowe als Lillian Bodine präsentiert ihm dann auch folgsam ihren seidenen grossen! weissen Schlüpper, oha!

        — Die Spur führt zurück – The Two Jakes (Originaltitel: The Two Jakes) ist ein US-amerikanischer Kriminalfilm von Jack Nicholson aus dem Jahr 1990. Er ist eine Fortsetzung des Films Chinatown von Roman Polański aus dem Jahr 1974. —

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