Stille Jäger, tote Signale: Der Iran positioniert seine Mini-U-Boote als «unsichtbare Wächter» am wichtigsten Seeweg der Welt. Gleichzeitig häufen sich Störungen der Schiffsortungssysteme im Persischen Golf. Teherans Blockade weitet sich aus. Unsere aktuelle Ausgabe kommt zur rechten Zeit: „Zions Höllenritt. Wie Netanjahu die USA in den Untergang reißt.“ Hier mehr erfahren.
Rund 120 Schiffe zeigten am Montag Positionen tief im Landesinneren der Vereinigten Arabischen Emirate an, bei Geschwindigkeiten von bis zu 100 Knoten. Keine dieser Angaben stimmte. Was die Bildschirme der Reedereien und Geheimdienste weltweit in diesem Moment zeigten, war gezieltes Signal Jamming, mutmaßlich ausgelöst durch elektronische Abwehranlagen der Golfstaaten nach jüngsten iranischen Angriffen. Mark Douglas, Analyst beim Dienst Starboard Maritime Intelligence, sagte gegenüber Bloomberg:
«Die Schifffahrt und vor allem die AIS-Daten gerieten ins Kreuzfeuer.»
Das Ergebnis: ein digitales Phantom-Theater, in dem kein Kapitän, kein Geheimdienst und keine Reederei mehr wusste, wo welches Schiff tatsächlich liegt.
Gebaut für den Engpass
Während die Signale frei drehten, tauchte die iranische Marine ab. Die staatsnahe Nachrichtenagentur Tasnim, Sprachkanal der Revolutionsgarde, meldete die Stationierung von Booten der Ghadir-Klasse als «unsichtbare Wächter» der Meerenge. Laut dem Londoner International Institute for Strategic Studies verfügt Teheran über mindestens 16 dieser Boote, gebaut im Iran nach nordkoreanischen Konstruktionsplänen, aber speziell angepasst für die flachen, trüben Gewässer des Persischen Golfs, der an seiner tiefsten Stelle gerade einmal 100 Meter misst. Jedes Boot trägt weniger als zehn Mann und kann zwei Torpedos oder zwei chinesische C-704-Anti-Schiffs-Raketen abfeuern.

Allerdings: Eine interne Quelle sagte Bloomberg, die Boote seien im Vergleich zu modernen U-Booten laut, die Besatzungen unerfahren, die Fahrzeuge wartungsanfällig. Emma Salisbury vom Foreign Policy Research Institute und dem Royal Navy Strategic Studies Centre nannte das eigentliche Drohpotenzial:
«Abgesehen vom allgemeinen Abschreckungsfaktor wäre das größte Risiko das Verlegen von Seeminen.»
Bei einem koordinierten Großangriff, so Salisbury, könnten die Boote gemeinsam mit Schnellbooten und Drohnen zu einer tödlichen Kombination werden: «Wenn ich der Iran wäre und einen großen Auftritt wollte, würde ich sie zusammen mit Schnellangriffsbooten und Drohnen für einen massiven Schwarmnangriff auf ein US-Kriegsschiff einsetzen.»
Tanker fahren unsichtbar
Trotz allem schlüpfen Schiffe durch die Blockaden. Am Sonntag passierten die Großtanker (etwa 300 meter lang) «Agios Fanourios I» und «Kiara M» den Seeweg mit deaktivierten Transpondern, je rund zwei Millionen Barrel irakisches Rohöl im Bauch. Die «Agios Fanourios I», im Besitz des griechischen Reeders Thanasis Martinos und unter maltesischer Flagge fahrend, hatte zuvor mindestens zweimal erfolglos versucht, die Durchfahrt zu erzwingen. Nicht der Iran ließ sie passieren, die Tanker fuhren schlicht lautlos an der Blockade vorbei, das Ortungssystem abgeschaltet, das Risiko kalkuliert. Bereits Anfang Mai hatte die staatliche Abu Dhabi National Oil Company mehrere Tanker mit abgeschalteten Ortungssystemen losgeschickt. Eine Stellungnahme gab es nicht.

Was westliche Reeder im Verborgenen tun, kann Teheran auch: Laut einer Auswertung des Analyseunternehmens Vortexa passierten in den ersten neun Tagen der US-Blockade bis zu 34 Tanker die Blockadelinie, sechs davon mit iranischem Öl an Bord, Ortungssysteme abgeschaltet, Ziel unbekannt. Der Tanker «Interstellar», seit Jahren auf der Sanktionsliste der US-Behörde UANI geführt, tauchte am 8. Mai plötzlich im Arabischen Meer auf: iranisches Naphtha geladen, die Blockade offenbar unbemerkt durchbrochen. Andere Schiffe fuhren eng an der iranischen Küstenlinie entlang, um dem Zugriff der US-Marine zu entgehen.
Waffenruhe am Tropf
Das Bild, das sich ergibt, ist das eines Konflikts ohne Ausweg: Iran blockiert, die USA gegenblockieren iranische Häfen, Tanker schleichen sich im Verborgenen durch, Drohnen greifen die Emirate an, Kriegsschiffe beschießen sich gegenseitig, und beide Seiten behaupten, die Waffenruhe bestehe noch. Seit den ersten US- und israelischen Angriffen am 28. Februar ist der wichtigste Energiekorridor der Welt weitgehend geschlossen. Durch ihn flossen einst 20 Prozent des weltweit gehandelten Öls und Flüssigerdgases.
US-Präsident Donald Trump sagte am Montag im Oval Office, Irans jüngster Gegenvorschlag zur Beendigung des Krieges sei «vollständig inakzeptabel». Die Waffenruhe, die er Anfang April verkündet hatte, bezeichnete er als «auf massivem Lebenserhalt» reduziert. Zugleich warf Trump Teheran vor, die USA seit 47 Jahren hinzuhalten:
«Sie haben uns 47 Jahre lang an der Nase herumgeführt. Sie werden nicht mehr lachen.»
Irans Gegenvorschlag, über Pakistan übermittelt, verlangte die Anerkennung iranischer Souveränität über die Straße von Hormus, Kriegsreparationen, die Aufhebung aller Sanktionen und die Freigabe eingefrorener Vermögen. Auch sollte die US-Präsenz in der Golfregion beendet werden. Das Atomprogramm, Kernforderung Washingtons, ließ Teheran unbeantwortet. Parallel dazu weitet der Iran seinen Machtanspruch über die Meerenge geografisch aus. Mohammad Akbarsadeh, ranghoher Offizier der Revolutionsgarden-Marine, erklärte gegenüber der staatlichen Nachrichtenagentur Fars:
«Früher wurde die Straße von Hormus als begrenzter Bereich um Inseln wie Hormus und Hengam definiert, doch heute hat sich diese Sichtweise geändert.»
Die strategische Zone erstrecke sich nun von der Stadt Dschask im Osten bis zur Insel Siri im Westen, bereits die zweite derartige Ausweitung seit Kriegsbeginn.
Heute beraten die Verteidigungsminister von 40 Staaten auf britische Initiative per Videokonferenz über einen möglichen Marineeinsatz zum Schutz des Schiffsverkehrs. Deutschland hat seine Teilnahme bestätigt. Ein konkretes Mandat liegt nicht vor.
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