Regionalwahlen Italien: Die Fünf Sterne erlöschen, Teilsieg für die Rechte

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Bei den gestrigen italienischen Regionalwahlen in zwei italienischen Regionen fielen die Ergebnisse gemischt aus. Ein zweiter Blick auf die Resultate zeigt aber, dass diese durchaus das Zeug dazu haben, die Regierung in Rom zu sprengen, auch wenn die meisten Medien die gestrige Doppelwahl als Sieg für das italienische Polit-Establishment deuten. COMPACT hatte Matteo Salvini, den Hoffnungsträger der italienischen Rechten, noch im vergangenen Jahr für ein Interview gewinnen können, das für Leser von COMPACT-Digital+ weiterhin einsehbar ist.

In der süditalienischen Region Kalabrien gelang dem Rechtsbündnis um die Anwältin Jole Santelli ein Kantersieg gegen den von der sozialdemokratischen PD aufgestellten Unternehmer Pippo Calippo. Die Kandidatin von der patriotischen Partei Forza Italia, die von dem Medienmogul Silvio Berlusconi begründet wurde, erhielt 55,7 Prozent der Stimmen und wird künftig der Regierung der Region vorstehen, die an der Stiefelspitze Italiens liegt.

Im Würgegriff der ’Ndrangheta

Dieser Sieg hätte durchaus mehr Beachtung verdient, kam in den deutschen Medien heute aber kaum vor. Dabei hat in der süditalienischen Region ein echter Regierungswechsel stattgefunden, denn zuvor regierte dort Mario Oliverio von der sozialdemokratischen PD, den die Parteioberen aber schon gar nicht mehr für eine Wiederwahl aufstellten.

Kalabrien zählt zu den ärmsten Regionen Italiens und steckt weiter im Würgegriff der Mafiaorganisation ’Ndrangheta. Umso unglücklicher war es, dass der Kandidat der Fünf-Sterne-Bewegung, der Universitätsdozent Francesco Aiello, aus Sicht von Nicola Morra, dem Vorsitzenden der nationalen Anti-Mafiakommission, als nicht kandidabel eingestuft wurde, da einer seiner Cousins der ’Ndrangheta zugerechnet wird.

Die Fünf Sterne schmierten in Kalabrien dann auch auf ein Ergebnis von 7,4 Prozent der Stimmen ab, obwohl der Süden des Landes einst der Ausgangspunkt ihrer Erfolge gewesen war. Der Blick auf die zweiten Regionalwahlen an diesem Tag, die in der Emilia Romagna stattfanden, zeigte aber, dass es durchaus noch schlimmer kommen kann.

Dämpfer für Salvini

Hier erreichte Fünf-Sterne-Kandidat Simone Benini nämlich nur 3,4 Prozent der Stimmen, womit die Partei in der norditalienischen Region endgültig auf den Status einer Splitterpartei stürzte. Auch das wurde von den Medien aber kaum wahrgenommen, die fast einhellig den Sieg des sozialdemokratischen PD-Kandidaten Stefano Bonaccini feierten, der damit die seit 1948 währende linke Vorherrschaft in der roten Herzkammer Italiens fortsetzte.

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Sein Ergebnis von 51,4 Prozent wurde in den meisten Berichten über die Wahl als politische Trendwende in Italien dargestellt und mit den Aktivitäten der neuen Anti-Rechts-Bewegung der „Sardinen“ in Verbindung gebracht.

Dennoch ist die Selbstverständlichkeit, mit der die politische Linke ihre Siege in der Region früher errungen hat, dahin. Der Kandidat der Lega, Lucia Borgonzoni, erhielt 43,7 Prozent der Stimmen, und das in einer Region, in der die PCI, also die 1991 umbenannte Kommunistische Partei Italiens, zwischen 1970 und 1990 unangefochten absolute Mehrheiten geholt hatte.

Dämpfer für die Lega

Weit wichtiger sind aber noch die krachenden Niederlagen der Fünf-Sterne-Bewegung, die sich, seit sie im Jahr 2018 Regierungsverantwortung übernommen hat, komplett selbst entzaubert hat. Es fragt sich, wie lange die Basis noch bereit ist, dem dramatischen Niedergang der einst so starken Protestpartei weiter zuzusehen. Wenn die Geduld endgültig geschwunden ist, dann könnten sehr schnell Neuwahlen in Italien anstehen.

Der Lega-Vorsitzende Matteo Salvini hat gestern hingegen einen Dämpfer erlitten, mehr aber auch nicht. Wer die politischen Traditionen der Emilia Romagna kennt, der weiß, dass die 43,7 Prozent für den Lega-Kandidaten dort ählich zu bewerten sind wie ein entsprechendes Ergebnis der AfD im Ruhrgebiet. Die politische Situation in Italien bleibt weiter spannend.

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10 Kommentare

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    ,,Der Lega-Vorsitzende Matteo Salvini hat gestern hingegen einen Dämpfer erlitten, mehr aber auch nicht. Wer die politischen Traditionen der Emilia Romagna kennt, der weiß, dass die 43,7 Prozent für den Lega-Kandidaten dort ählich zu bewerten sind wie ein entsprechendes Ergebnis der AfD im Ruhrgebiet. Die politische Situation in Italien bleibt weiter spannend."
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    Das ist der entscheidende Satz in diesem Artikel, weil er aufzeigt, welche historische Abwärtsbewegung bei den Sozis stattfindet und wie stark das rechte Lager wächst. Der Vergleich mit der AfD in NRW verdeutlicht ganz klar die erfolgreiche Arbeit der Rechtskoalition unter Führung der Lega. Freiheit statt Sozialismus!

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    Es kommen nicht nur durch die Italienwahl und mit ihr einhergehenden Kräfteverschiebung nach rechts unruhige Zeiten auf die EU zu.

    Laut „Times“ einigte sich das für die Ausstiegsstrategie zuständige Brexit-Team von Boris Johnson auch darauf, nicht der EU, sondern zuerst den USA, Japan, Australien und Neuseeland Top-Priorität bei den Handelsgesprächen einzuräumen.
    Was bedeutet, dass mit diesen Ländern als Erstes Abkommen erzielt werden sollen.

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      Das ist schlau von Johnson. Damit kann er die EU unter Druck setzen. So holt man diese Bonzen von ihrem hohen Roß herunter, denn die glauben doch wirklich, gegen sie käme keiner an.

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    Aber ist das Ergebnis der Italienwahl für die EU nicht ein sogenannter Phyrrussiege, der ihr durch die Kräfteverschiebung nach rechts künftig schwer im Magen liegen wird?

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    Herbert Kratzer am

    Mir hat Salvini über Facebook schon zweimal Antwort gegeben als ich ihm damals gratulierte. Er war sich nicht zu schade mit mir in Kontakt zu treten, ist Volksnah und Freundschaftlich. Ich jedenfalls drücke ihm alle Daumen das er bei den nächsten, ich hoffe vorgezogenen Wahlen, als Ministerpräsident diesen EU ergebenen Conte endlich ablöst. Ich bin der Meinung, wir brauchen diese EU nicht sondern sollten als Nationalstaaten wieder unser eigenes Ding machen. Nach dem Krieg sind wir als solche tausendmal besser gefahren wie mit dieser bevormundenden EU, welche außer dämlichen Entscheidungen nichts zu bieten hat und ein Klotz am Bein jeden Nationalstaates ist. Ich habe die Erfahrung gemacht das eine Nachbarschaft über den Zaun viel besser ist als eine ohne Zaun. Die vernünftigen Briten haben den Anfang gemacht und ich hoffe Italien macht es mit Italexit bald nach und zieht dieser EU damit endlich den Stecker.

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    Ich kenne Salvini nicht, soll heißen, ich Urteile über keinen Menschen, den ich nicht kenne. Für mich besteht kein Primärinteresse, wenn es um Italien geht, ich kenne daher hauptsächlich nur die Mainstream Meinung und die Euphorie der Alternativmedien, das reicht für eine objektive Beurteilung aber nicht aus. Ich müsste ihn reden hören, da ich seine Sprache nicht verstehe, würde mir das aber nicht weiterhelfen. Es ist mir daher zu viel Aufwand, mich für Wahlen zu begeistern, von denen ich nichts habe bzw. die ich nicht beeinflussen kann. Was mir allerdings aufgefallen ist, das er offenbar für eine kleine Wende in der Flüchtlingsfrage verantwortlich ist und die neue Regierung das auch nicht wieder geändert hat. Ich hätte es zwar anders gemacht, aber er war so der nützliche Idiot, denn nun profitieren die anderen und er ist auch noch der Böse. Ich hätte den NGOs die Flüchtlinge weggeschnappt, so wäre ihnen schnell das Geld ausgegangen, weil die Sinnhaftigkeit nicht mehr dagewesen wäre. Auf den (Kriegs-)schiffen hätte dann, in internationalen Gewässern, bestimmt werden können, wer die EU betreten darf und wer wieder zurück muss. Was kein Vergleich zu Sofia wäre, denn dabei gab es nur eine Richtung.

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      heidi heidegger am

      Hmm, die neue Regierung in Österreich bleibt ja auch bissi restriktiv i. d. Flüchtlingsfrage, ja? Was leiten wir daraus ab, häh? Dass die Grünis alles (mit)machen?-ja, das machen die und etwas weiter nördlich muss oder kann man sie gegen die Wand drücken, dasse quietschen oder aufgeben und sich stattdessen sattfressen in der freien Wirtschaft wie Rezzo Schlauch und noch paar andere Kunden, achach..

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        heidi heidegger am

        absolut OT: — Die Leitung eines Erfurter Kindergartens will nicht, dass die Kinder am Rosenmontag und Karnevalsdienstag verkleidet in die Einrichtung kommen. Der Grund dafür: In dem Kindergarten verfolgen die Erzieherinnen und Erzieher eine kultursensible Pädagogik. So soll Kindern beigebracht werden, welche Geschichte hinter dem Begriff "Indianer" steckt – und warum man Menschen aus anderen Kulturen damit verletzen kann, wenn man ein solches Kostüm trägt.. —

        *lmaa*: meine exGeliebte (tatsächlich aus Thüringen, tsstss..) mochte es als Kind sehr, an den MarterFfahl gebundään zu werdään und *omg*-dies PrachtWeib war eine äh Granate im Bett..kann ich das so.., häh? immerhin schrieb ich über uns vor – hmm – 8? Jahren ja schon mal im anderen Forum damals, ja?

        *zacknweg*

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        und Oberganove Klaus äh Joschka Fischer nicht zu vergessäään!
        Konnteste wieder mal nit einschlafe?
        Nachschlag äh Nachtrag von dunnemals:Ich schaue über den Kesselrand in der Nähe meiner Payerstr.Gerne auch die Stiegen rauf und runter. Hält ziemlich fit.
        Wenn ichs mal nicht mehr schaffen tu, sag ich bescheid fürs Kranz sammeln.
        lol und lel und niemals kek.
        Und schon wieder bei Arbeit
        Grüssle

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        heidi heidegger am

        Hmm, drrDihdrr wohnt also quasi Halbhöhenlage? Bass blohss uff, dort wimmelt es vor Anthros ("Dr." Rudi Steiner Anhänger, hihi). Kennsch Du die Rebenreute im Südwesten? – Das *Möchtegern Beverly Hills* des gemeinen Stuttgarters – dort wohnte ich vor Jahrzehnten zur Miete als Zivi..auch sehr viele Stäffl/Stufen runter zur alten Heslacher Feuerwehr und dann wieder hinauf zum Dornhaldenfriedhof/Stammheimer-RAF onnd so mit drr Seilbahn, woisch?

        Grüßle! onnd: edd schwätza! schaffa! 🙂

        Grüßle!

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