Reisten deutsche Forscher auf das Dach der Welt, um die Relikte einer arischen Superrasse zu finden? Peter Meier-Hüsing klärt in seinem Buch Nazis in Tibet darüber auf. Eine faszinierende Zeitreise. Hier mehr erfahren.

    Tibet, Anfang 1939: Der Zoologe Ernst Schäfer, vier weitere deutsche Wissenschaftler und ihre Sherpas kommen nach einer beschwerlichen Tour durch den Himalaja in Lhasa an. In der heiligen Stadt verweilen sie einige Monate und knüpfen die ersten diplomatischen Kontakte zwischen dem Deutschen Reich und dem buddhistischen Priesterstaat.

    Das kleine, dünn besiedelte Land auf einer Höhe von durchschnittlich 4.500 Metern war 1912 unabhängig geworden. Das Gesellschaftssystem erinnerte an das europäische Mittelalter: An der Spitze stand der Dalai Lama als höchste weltliche und geistliche Autorität. Das politische und kulturelle Leben Tibets wurde durch den Buddhismus bestimmt. Die Mönche waren zugleich spirituelle Führer und Träger der Macht.

    Expeditionsleiter Schäfer hatte das Hochland bereits 1931 und 1934/35 bereist. 1936 hatte ihm Heinrich Himmler die Finanzierung einer weiteren Forschungsreise angeboten, die schließlich 1938/39 im Auftrag der SS-Organisation Ahnenerbe und unter der Schirmherrschaft Himmlers durchgeführt wurde. Der Reichsführer-SS hoffte, dass der Expeditionstrupp auf dem Dach der Welt Spuren einer alten „arischen Zivilisation“ und Urreligion finden würde – eine These, von der Schäfer, der den Rang eines SS-Sturmbannführers bekleidete, selbst wenig hielt.

    Tibeter und Expeditionsteilnehmer: Von links nach rechts: Rabden Khazi, Kaiser Bahadur Thapa, Schäfer (stehend), Krause, Geer, Wienert, Beger (sitzend). Foto: Bundesarchiv, Bild 135-KA-10-062 / Krause, Ernst / CC-BY-SA 3.0

    Auch sein Kollege Bruno Beger Anthropologe und SS-Hauptsturmführer, der unter anderem die Schädel der ansässigen Bevölkerung vermaß, will keine ideologischen Zielvorgaben Himmlers verfolgt haben. „Alle Forschungsziele und -aufgaben setzten sich die Teilnehmer unter der Führung Schäfers selbst. Sie hatten rein wissenschaftlichen Charakter auf dem Stand der Dreißigerjahre“, beschließt der Wissenschaftler Bruno Beger seine Erinnerungen Mit der deutschen Tibet-Expedition Ernst Schäfer 1938/39 nach Lhasa (1998).

    Die Tibet-Connection

    Doch was stimmt wirklich? In seinem Buch Nazis in Tibet. Das Rätsel um die SS-Expedition Ernst Schäfer begibt sich Religionswissenschaftler und Journalist Peter Meier-Hüsing auf die Spuren der damaligen Forschungsreise und trennt Fakten von Legenden.

    Tatsächlich gibt es eine Erzählung über geheime Verbindungen nach Tibet, die in etwa wie folgt lautet: Der Geopolitiker Karl Haushofer, väterlicher Freund und Mentor von Rudolf Heß, soll zum Kreis des Esoterikers Georg Iwanowitsch Gurdjieff gehört haben.

    An dessen Seite soll der deutsche Professor zwischen 1903 und 1908 fünf Mal in dem asiatischen Bergland gewesen und von ihm in okkulte Geheimlehren eingeweiht worden sein. So habe der mysteriöse Magier dem Professor auch die Verwendung des Hakenkreuzes geraten.

    1923 soll Haushofer selbst eine esoterische Gruppe gegründet haben. Über die tibetanische Kolonie in Berlin, mit der der Geopolitiker regelmäßige Verbindung gehalten habe, soll der Geopolitiker 1928 einen engen Kontakt zu mönchischen Geheimgesellschaften in Tibet hergestellt haben. Kommuniziert worden sei über eine Funkverbindung, aber auch auf spirituellem Weg mithilfe eines tibetanischen Tarots.

    Karl Haushofer (links) und Rudolf Heß, um 1920. Foto: Friedrich V. Hauser, Bundesarchiv Berlin, CC0.

    Während der Zeit des Dritten Reiches sollen die Verbindungen in den Himalaja überwiegend über das Forschungsamt Ahnenerbe gelaufen sein. Als Höhepunkt wird die Deutsche Tibet-Expedition 1938/39 von Ernst Schäfer gehandelt. Ziel der Expedition sei es gewesen, von „geheimen Meistern“ die Nutzung übersinnlicher Kräfte zu erlernen und Nachkommen der „Ur-Arier“ von Atlantis ausfindig zu machen…

    Buddha aus dem All

    Meier-Hüsing überprüft in Nazis in Tibet solche Theorien. Er beschreibt, wie Schäfer mit Himmler und dem SS-Ahnenerbe eine Art faustischen Pakt einging, um sich selbst als Forscher zu profilieren. Wörtlich spricht der Autor von „Opportunismus“.

    Fakt ist: Im Umfeld Himmlers gab es durchaus Vertreter der These, dass sich auf dem Dach der Welt Spuren einer „nordisch-atlantischen Urkultur“ finden ließen, die bei einem Mondabsturz vernichtet worden sei. Dazu gehörte etwa der „Chefmystiker“ des Reichsführer-SS, Karl Maria Wiligut, der unter dem Decknamen Weisthor in die Schutzstaffel eingetreten war und unter anderem den SS-Ehrenring entworfen und Weiherituale auf der Wewelsburg abgehalten hatte.

    Viele sahen sich in ihrer Ansicht, dass auch Schäfers Expedition nach Tibet einen esoterischen Charakter hatte, bestätigt, als vor wenigen Jahren ein „Buddha aus dem Weltall“, den die SS-Leute angeblich aus dem fernen Osten nach Deutschland mitgebracht hatten, auftauchte. Auf der Skulptur prangte als Glückssymbol ein rückwärts gedrehtes Hakenkreuz.

    Buddha-Figur vor Swastika auf dem Neujahrsfest in Kuala Lumpur. In Asien gilt das Hakenkreuz als Glückssymbol. Foto: IMAGO / Xinhua

    Tatsächlich ergab eine Analyse des Stuttgarter Instituts für Planetologie, dass das Artefakt aus dem eisenhaltigen Chinga-Meteoriten gefertigt wurde, der vor über 10.000 Jahren zwischen Sibirien und der Mongolei niederging. Doch eine genauere Untersuchung ergab: Bei dem Buddha aus astralem Werkstoff handelte es sich um eine Fälschung, die nicht, wie zunächst angenommen, 1.000 Jahre alt war, sondern weitaus jüngeren Datums. Der Schöpfer der Skulptur hatte die Herkunftslegende erfunden, um den Wert zu steigern.

    Im Dienste der Wissenschaft

    Einem Wissenschaftler wie Schäfer wäre eine solche Panne nicht unterlaufen. Meier-Hüsing schreibt in Nazis in Tibet, dass der Zoologe ziemlich genervt von Himmlers Ur-Arier-These gewesen sei. Zeitweise sei der SS-Führer, der zugleich Präsident des Ahnenerbes war, über die Skepsis des Tibet-Forschers so empört gewesen, dass er ihm die Mittel streichen wollte.

    In seinen Memoiren Aus meinem Forscherleben berichtete Schäfer später von einem Gespräch in Himmlers engstem Kreis, das im Vorfeld der Expedition stattfand. „Ob ich in Tibet Menschen mit blonden Haaren und blauen Augen begegnet sei“, soll der Reichsführer-SS ihn bei diesem Treffen gefragt haben.

    Schäfer, der die Region bereits sehr gut kannte, verneinte dies und legte seinen Wissensstand über die stammesgeschichtliche Entwicklung der Menschen dar. Sowohl die Forderung des Reichsführer-SS, je einen Runenforscher, einen Urgeschichtler und einen Religionswissenschaftler in die Expeditionsmannschaft aufzunehmen, als auch der Versuch, Schäfer durch eine Zusammenkunft mit Wiligut von der Arierthese zu überzeugen, scheiterten.

    Auch nach seiner Rückkehr wollte Schäfer keinen esoterischen Deutungen Futter geben. In der Zeitschrift Asienberichte erläuterte er seine Motive für die Expedition. Ihm sei es um die systematische Forschung in Teilsparten gegangen und vor allem um die Synthese von Ergebnissen verschiedener wissenschaftlicher Disziplinen.

    Schäfer schrieb:

    „So war es schon die Aufgabe meiner letzten Expedition 1938/39, (…) eine Gesamtschau anzustreben, bei der engste Berührung der verschiedensten Wissensgebiete ebenso Voraussetzung ist, wie die gemeinverständliche Tatsache, dass die einzelnen Spezialisten Hand in Hand arbeiten, um sich den Stoff gegenseitig zu erklären und sich in ihren Erkenntnissen zu ergänzen; immer mit dem Ziel, die großen Zusammenhänge klarer erkenntlich werden zu lassen.“

    Hauptaufgabe sei es gewesen, „den zu erforschenden Lebensraum ganzheitlich zu erfassen“, daher seien „Erde, Pflanze, Tier und Mensch Gegenstand unserer Forschungen“.

    Mehr über die Forschungsreise, Himmlers Erwartungen und die Ergebnisse lesen Sie in Nazis in Tibet. Das Rätsel um die SS-Expedition Ernst Schäfer. Peter Meier-Hüsing enträtselt in seinem Buch eines der letzten großen Geheimnisse des Dritten Reiches. Hier bestellen.

    14 Kommentare

    1. Tatsächlich hatte die Organisation an anderer Stelle als Tibet, einen spektakulären Fund gemacht, der aus der Megalithzeit stammen wird. Und zwar im Westkaukasus, während einer bis heute kaum bekannten Hochgebirgsexpedition. Es war offensichtlich schon das Vorauskommando der geplanten Kaukasusexpedition der Organisation Ahnenerbe, die hier im Winter 1942/43 gehörnte Schädel humanoider Wesen fanden. Die Funde wurden 2014 wiederentdeckt und zwar in zwei Koffer mit dem Symbol von Ahnenerbe drauf. Nach russischer Darstellung kamen die meisten Angehörigen in einer Lawine um, vermutlich bei dem Versuch sich aus dem abgelegenen Tal zu den eigenen Truppen durchzuschlagen. Die Fotos vom Inhalt dieser Koffer sind im Netz einsehbar, auch BILD hatte 2015 einmal darüber berichtet und die gehörnten Schädel als Alienfunde bezeichnet. Ob Fotos schon dabei waren, weiß ich nicht. Ein Beitrag darüber mit Quellen und Fotos findet sich im Forum Ahnenhalle xobor.de
      Er befindet sich im Themenkomplex „Abnorme humanoide Wesen“.

      • Querdenker der echte an

        Klaasen
        "….gehörnte Schädel humanoider Wesen fanden. …)
        Jaaaaa! Und noch heute gibt es tausende solcher Schädel. Nur- die Hörner sieht man nicht- weil: sie haben sich anscheinend zurückgebildet!
        Nur- die Schädel sind so hohl wie nie!
        Ganz so wie man auch bei Maggi Messer das Messer nicht sieht.
        Und nun an Alle hier noch ein schönes und Gokolores freies Wochenende.

    2. die esten deutschen truther waren rudolf steiner und general ludendorff. ludendorff, seine frau und anhängerschaft führten tibet (mit fug und recht) als nwo-machtzentrum, neben jerusalem, london (fm), new york (wallstreet) , moskau und rom. es macht von daher sinn, daß von lhasa aus einfluss auf die große politik genommen wurde: mittels der theosophie (der steiner entstammte) und einer speziellen rosenkreuzerei, in deren umgebung auch memphis-misraim und der orientalische templer orden mauerten – auch wieder mit steiner als aktivisten, was den anthros heute den schreckensschweiss auf die denkerstirne treibt.

      • steiners okkult-engagment hatte nichts ehrenrühriges, da er augenscheinlich das system von innen heraus verändern/entahrimanisieren wollte. gleiches mag für DIE theosophin helena petrowna blavatsky gegolten haben, der steiner nahe stand und die zugang zu tibetischen geheimbibliotheken hate, was man an ihrer überwältigend dicht geschrieben "geheimlehre" ablesen kann. wenn blavatsky, wie sie behauptet, eine emissärin höchster wesenheiten vom dach der welt war, dann ist diese weltrettungsmission letztlich auf lhasa zurückzuführen – das mit anderen nwo zentren immer wieder in natürlicher konkurrenz stand. dass der buddhismus – zumindest in seiner exoterischen variante – sich erheblich vom alttestamentarischen hass abhebt (und erst recht vom frankismus, der diesen noch vertiefte) dürfte klar sein. für jene 90%, die die (um)erziehungsmühlen durchlaufen (haben) ohne selbiges zu bemerken, muss es nahezu unmöglich sein, die person hitlers in dieses zivilisationsrettende wendemanöver einzuorten. nichtsdestoweniger haben das verschiedene tibetische und indische gelehrte in der vergangenheit getan, darunter osho .

    3. wenn man die spur tibet-deutschland verfolgt sollte man auch ignatz trebitsch-lincoln nicht vergessen, der 1920 die reihen der kapp-putschisten bereicherte und als lamaistischer emissär vom "dach der welt" bis in die 40er hinein mit heini himmler zusammenarbeitete.
      empfehlendwert sind die bücher "der schatten des dalai lama. sexualität, magie und politik im tibetischen buddhismus" und
      "hitler – buddha – krishna. eine unheilige allianz vom dritten reich bis heute"

        • Querdenker der echte an

          Offenbar Null Ahnung.
          Oder mit was haben und erheben sich noch heute die Reichsflugscheiben in die Lüfte und noch weiter in die Höhe?? Um Irrtümer vor zu beugen: mit Buddha und Krisna natürlich nicht!
          (Es gibt auch Lügen die sind nicht wahr)

    4. der alte haushofer hatte mit esoterik nicht viel am hut, sein sohn (eine art 007 der deutschen aussenpolitik), dafür umso mehr. der memphis misraim orden, in dessen umfeld sich noch namhaftere größen der deutschen geschichte bewegten, dürfte für ihn das bindeglied richtung tibet gewesen sein. hier findet sich auch die erklärung, warum der dort gleichfalls eingebrüderte ns-urvater rudolf von sebottendorff , wie haushofer junior, so gern von tibet schwärmte. sebottendorff wurde vorgeblich am tag der deutschen kapitulation ´45 aus dem meer gefischt (ein sog. freitod, wobei es quellen gibt, nach denen er das kriegsende überlebte) und auch die haushofers verschwanden gegen kriegsende von der bildfläche: den senior fand man zusammen mit seiner gemahlin an einen baum geknüpft, der junior soll – dickes "soll" – in den letzten kriegstagen von der gestapo-erschossen worden sein; seine memoiren,. die ohne zweifel beeindruckend waren, wurden von einem britischen agenten in einer entlegenen almhütte aufgestöbert und verbrannt – weshalb die wahrheitssuchende gemeinde heute immer noch mit halbblinden wie schulze-rhonhof vorlieb nehmen muss

      • @Eggert.
        1.) Zu "hitler /Buddha/krishna” empfehle ich auch "The Saffron Swastika" von Koenraad Elst und auch sein Buch "the Dark Side of Buddhism".
        2.) Wer wagt sich ueber Sebottendorf zu schreiben?
        3.) Frage: Wurden die Memoiren vom Junior schon zu seinen Lebzeiten vervielfaeltigt oder von den Englaendern Kopien angefertigt bevor das Original vernichtet wurde? Wo koennte ich die Memoiren finden? Dazu die Frage: Koennte mir “The Demon of Geopolitics” helfen? Oder waere es besser Ebelings Werk “Geopolitik” auszuwerten?
        Bin Ihnen fuer Antworten dankbar.

        • die memoiren waren allesamt unveröffentlichte handschriftliche aufzeichnungen – ausdrücklich für die zeit nach dem krieg, daß die menschheit darauf lehren ziehen möge. das dokument wurde am fundort, in der almhütte verbrannt, kopiert werden konnte dort oben nichts, im prinzip dürften sich die tommys auch kaum für den inhalt interessiert haben, da sie ihre eigenen schweinerein gut kannten und nicht noch von einem deutschen halbwiderständler aufgearbeitet haben wollten; man darf davon ausgehen, daß in den verlorenen aufzeichnungen der historische beitrag von bruderschaften und auserwählten gleichfalls gewürdigt wurde; das ist dann der eigentliche türöffner zum verständnis der menschlichen geschichte, weshalb der laue althergebrachte revisionismus, der sich darum nicht bekümmert, auch ins leere läuft. geopolitik ist zweitrangig, weil sie eher ein staatliches geschütz ist, die staaten sind aber werkzeuge ganz anderer mächte, was die globalität der corona-irrsinns-massnahmen recht eindrucksvoll belegt

      • "… weshalb die wahrheitssuchende gemeinde heute immer noch mit halbblinden wie schulze-rhonhof vorlieb nehmen muss."

        Besser halbblind … als … ganz blind.

      • heidi heidegger an

        Tibet also, ey? Ohne mich, da jibbett als Erfrischung nur günen Tee mit viel Yak-Butter und ditt erzeugt Nierenkrebs mittelfristig..paar passgenaue Faßbomben allerdings (voll mit Enzian) wären aber schon okay, dann vielleicht.., falls JE sowatt ausrüstet-mäzeniert, ähemm..hihi.