Kiautschou und Tsingtau: Deutschlands Musterkolonie in Fernost

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Kiautschou mit seiner Hauptstadt Tsingtau fiel als Pachtgebiet an das Deutsche Reich. In China würdigt man noch heute die Aufbauleistungen der Langnasen. Ein Auszug aus dem Kolonial-Dossier „Unser Platz an der Sonne“ in der Juli-Ausgabe von COMPACT. Hier mehr erfahren.

Am 14. November 1897 setzten mehrere Kriegsschiffe unter dem Kommando von Konteradmiral Otto von Diederichs eine etwa 700 Mann starke Landungstruppe in der Bucht von Kiautschou an der chinesischen Ostküste ab. Der Chef der Kreuzerdivision war kurz zuvor von Schanghai aufgebrochen – mit der Order, «geeignete Punkte und Ortschaften» zu besetzen und «vollkommene Sühne» zu erzwingen.

Der Grund: Zwei deutsche Missionare waren am 1. November von Einheimischen auf bestialische Weise umgebracht worden. Als die Männer nun an Land gingen, stießen sie auf keinerlei Widerstand. Die wenigen chinesischen Soldaten, die sich im Fischerdorf Qingdao aufhielten, ergriffen die Flucht.

Flaggschiff: Die SMS «Kurfürst Friedrich Wilhelm» wurde 1900 zur Unterstützung des Ostasiatischen Kreuzergeschwaders der deutschen Marine von Kiel nach Fernost entsandt. Foto: CC0, Wikimedia Commons

Sofort stellte Berlin Peking ein Ultimatum zur Überlassung der etwa 515 Quadratkilometer großen Region Kiautschou als Pachtgebiet. Dazu schreibt Hans Georg Prager in seinem Buch Tsingtau/Qingdao. Deutsches Erbe in China: «Am Pachtvertrag schieden sich die Geister. Er wurde vom Pekinger Kaiserhof mehrheitlich als eine gravierende Demütigung empfunden, in Europa jedoch schnell zum Meisterstück deutscher Diplomatie verklärt. Tatsächlich wurde der Vertrag in einigen Teilen zugunsten Chinas abgewandelt.»

Gruß aus Kiautschou: Deutsches Postkartenmotiv im Pachtgebiet am Gelben Meer, um 1900. Foto: CC0, Wikimedia Commons

Letztlich einigte man sich auf einen Kompromiss: Kiautschou inklusive der beiden Halbinseln Hai-si und Tsing-tau wurde für 99 Jahre an das Deutsche Reich abgetreten, blieb formell aber dem Herrscher der Qing-Dynastie unterstellt.

Prager: «Konkret überließ der Kaiser von China den Deutschen die Hoheitsrechte über zwei unterschiedlich große Landzungen auf beiden Seiten des Eingangs zur Bucht von Kiautschou und dazu deren Wasserfläche. China erkannte außerdem eine 50 Kilometer breite Neutrale Zone rings um das Pachtgebiet an. (…) Als Kuriosität verdient die Tatsache Erwähnung, dass die Stadt Kiautschou – als seine Namensgeberin – gar nicht in dem Pachtgebiet, sondern in der Neutralen Zone lag.»

Enklave der Freiheit

Die Deutschen waren von Anfang an bemüht, Kiautschou nicht als territoriale Eroberung erscheinen zu lassen. Alle in dem Gebiet lebenden 200.000 Chinesen behielten ihre Staatsbürgerschaft und wurden nicht wie Menschen zweiter Klasse behandelt.

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Im Gegenteil: In den 275 Dörfern der Region waren die ansässigen Dorfältesten weiterhin Träger der lokalen Selbstverwaltung, der Mandarin blieb im Amt. Die Bucht am Gelben Meer diente zwar als Stützpunkt für die dann zum Geschwader erweiterte Ostasiatische Kreuzerdivision der Kaiserlichen Marine, aber eben auch als Tor für den Handel und kulturellen Austausch mit Asien.

Unter deutscher Ägide wurde das Gebiet infrastrukturell erschlossen, Straßen und Bahntrassen wurden errichtet, vor allem aber sollte Qingdao förmlich aufblühen: Die ärmliche Fischersiedlung mit ihren Lehmhütten verwandelte sich binnen weniger Jahre in die aufstrebende Metropole Tsingtau. Der Hafen wurde ausgebaut, Schulen eröffnet und 1909 sogar eine deutsch-chinesische Universität eingeweiht.

Die früheren deutschen Kolonien. Wir planen, diese Doppelseite aus unserem Kolonial-Dossier als Schmuckplakat in A1 aufzulegen. Diese können Sie dann unter compact-shop.de bestellen. Zum Vergrößern bitte auf das Bild klicken. Quelle: deutsche-schutzgebiete.de; Illustration: COMPACT

Der US-Politologe Bruce Gilley schreibt in seinem Buch Verteidigung des deutschen Kolonialismus: «Oskar von Truppel, der deutsche Gouverneur zwischen 1901 und 1911, richtete einen gewählten Ausschuss chinesischer Händler ein, die ihn in der Handelspolitik beraten sollten, eine im restlichen China unbekannte Einrichtung. Zivilrechtliche Streitfragen wurden von einem chinesischen Beamtenrat geschlichtet.» So sei Tsingtau «nach und nach eine liberale, demokratisierende Enklave» geworden… Ende des Textauszugs.

Den vollständigen Beitrag lesen Sie im Dossier „Unser Platz an der Sonne“ in der Juli-Ausgabe von COMPACT. Außerdem beinhaltet unser Kolonial-Schwerpunkt in dem Heft folgende Beiträge:

🌴 Trockene Wüste, blühende Fantasie – Die Lüge vom Herero-Völkermord: Die Bundesrepublik hat ein Schuldkonto übernommen, das dem Deutschen Reich angelastet worden war: Der Völkermord am Stamm der Herero im Jahr 1904. Doch gab es den überhaupt? Stichhaltige Argumente und Beweise sprechen dagegen.

🌴 Eine zivilisatorische Leistung – Deutsche Erfolgsbilanz in Ostafrika: Dem deutschen Kolonialismus wird wieder einmal der Prozess gemacht – die Selbstgerechten haben Konjunktur. Der US-Politologe Bruce Gilley (Autor des Buches Verteidigung des deutschen Kolonialismus) stellt den Verleumdungen und Verzerrungen ein umfassendes Bild gegenüber, das insbesondere den Abenteurer Carl Peters nicht als Übel-, sondern als Wohltäter erscheinen lässt.

🌴 Zudem beinhaltet unser Kolonial-Dossier eine prächtige Übersichtskarte über unsere einstigen „Plätze an der Sonne“ in der ganzen Welt – mit den Grundinformationen über die Kolonien und in schmuckvoller Vintage-Optik (siehe oben).

Gönnen Sie sich eine zu Unrecht verteufelte Episode deutscher Geschichte – und lesen Sie die Wahrheit über den Kolonialismus im Kaiserreich im Dossier „Unser Platz an der Sonne“ in COMPACT 7/2021. Hier bestellen oder auf das Banner unten klicken.

Über den Autor

Daniell Pföhringer, Jahrgang 1973, stammt aus Bayern, wuchs in Hamburg auf und studierte dort Politikwissenschaft, Soziologie und Kulturwissenschaften. Seit Oktober 2017 ist er Redakteur von COMPACT-Magazin und betreute federführend diverse Sonderausgaben wie COMPACT-Spezial „Finanzmächte“, „Politische Morde“ oder „Tiefer Staat“. Seit Januar 2021 ist er Online-Chef von COMPACT.

25 Kommentare

  1. Duis Libero am

    Kolonalisierung ist falsch. Wir hatten da als Besatzer nichts zu suchen.

    Wenn wir schon nach dem Guten im Falschen suchen, dann sollte man weniger auf Straßen, Brücken und Schienen abheben, sondern lieber die Errichtung einer deutschen Bierbrauerei vor Ort hervorheben, mithin die Schulung des chinesischen Volkes in die Herstellung des Gerstensaftes.

    Beim nächten Besuch im Chinarestaurant daher bitte Qingdao-Bier für alle bestellen, und die anwesenden Chinesen um Entschuldigung bitten. Sie werden Verzeihung erfahren!

    • Deutschösterreicher aus dem Wienerwald am

      Ich habe keinem Chinesen etwas getan und werde nicht um Entschuldigung bitten. Hinknien wollen wir lieber der "Mannschaft" überlassen.

  2. Qingdao ist eine schoene Stadt. Alte, sehr gut erhaltene deutsche Haeuser, tolles Nachtleben, freundliche Menschen, Strand und Jachthafen etc. Die Stadt ist ein Grund einmal nach China zu kommen. Moeglichst zum Oktoberfest. Da kann Muenchen einpacken.

    • @RABE

      Sagen sie mal, ist das in etwa die Zeit, wenn die Asiaten zu uns kommen, hauptsächlich nach München. Ich kenne die Münchener Gaudi nicht, aber irgendwie muss dieses Jahresereignis ein Magnet für Asien sein.

      Sorry, aber ich habe bei solchen Ereignissen immer Herzbeklemmungen, wenn man nicht mehr zum Locus kommt und der ganze Laden nach Bier und Urin stinkt.

  3. jeder hasst die Antifa am

    Die Roten Garden Maos sind Ausgewandert sie sind jetzt in Deutschland und veranstalten hier ihre Kulturrevolution,das Rot wurde hier nur durch Grün verstärkt.

  4. Historisch gesehen stellt sich hier die Frage, ob es sich um einen Eroberungskrieg oder um die Sicherung von Handelswegen handelt.

    Damals wie heute reicht der Güterverkehr auf dem Schifffahrtswege ohne Sicherung der Handelsstützpunkte und Seestraßen nicht aus. Worin besteht denn bitte ein Unterschied, wenn heutzutage die Schifffahrtswege um Afrika herum gesichert werden müssen. Die Piraterie zeigt sich eben nicht mehr eindeutig mit der Totenkopf-Fahne.

    Die Chinesen selbst wünschten sich damals eine militärische Unterstützung ihrer Handelsbeziehungen. Heute können sie die Piraterie mit ihren eigenen Schiffen bestens bekämpfen.

    Im Jahr 1897 mit der Ermordung der beiden deutschen katholischen Missionare Franz Xaver Nies und Richard Henle eskalierte die Situation dann zu einer zwangsweisen Besetzung. Dies wurde durch die Boxerkriege und weitere Auseinandersetzungen fortgesetzt. Damit setzte sich der chinesische Untergrundkampf gegen fremde Besetzung fort.

    Vielleicht kann mir jemand den Unterschied zwischen heutigem Ölhandel und damaligem Porzellanhandel erklären!

  5. thomas friedenseiche am

    ich kann der menschheit nur eines wünschen
    dass das erobern und töten
    bald ein ende hat

    mögen kulturen wie die aborigie inuit und pygmäen auch in 100 jahren ihren kindern noch die alten geschichten ihrer vorfahren vermitteln

    mögen die menschen schon bald in frieden und liebe miteinander leben

  6. Ursprung des ganzen Kolonialismusses war der dämliche, unfriedliche "Missionsbefehl" des Christentums "Gehet hin und lehret alle Völker!" Toleanz ist das krasse Gegenteil! Auch Zitate wie " Der Mensch ist die Krone der Schöpfung." (Natürlich nur der Bekehrte.) und "Machet euch die Erde untertan!" zeugt gerade nicht von Naturverständnis und Umweltfreundlichkeit!
    Als der Protestantismus vor 500Jahren dazukam, der wirtschaftliche Erfolg – egal wie! – dem Segen gleichkam, hat der Kolonialismus seine Legalität gesehen und voll zugeschlagen. Im 19.Jh., der Hochbllüte desselben, meinte D. vor allem das protestantische, mit England verschwägerte Preußen da auch mitmachen zu müssen. Es hielt sich aber insofern zurück, als daß es nichts mit Gewalt eroberte, sondern eben pachtete oder kaufte.
    Wenn heute sich über diese Vergangenheit beschwert wird, sollte man bei den Angloamerikanern anfangen! Die benehmen sich immernoch als Kolonialherren: Die verbreiten ihre Sprache, ihre (POP-)Kultur, ihre Lebensart rücksichstlos über die ganze Welt! Und der "Rest der Welt" ist nur Absatzmarkt, Ausbeutungspotential für ihre Superreichen.

    • "… meinte D. vor allem das protestantische, mit England verschwägerte Preußen da auch mitmachen zu müssen. Es hielt sich aber insofern zurück, als daß es nichts mit Gewalt eroberte, sondern eben pachtete oder kaufte."

      Was genau … hat Preußen durch Kauf oder Pacht ‚kolonial erobert‘?

  7. Ein weiterer Beweis dafür, mit welcher heimtückischen Perfidie diese widerlichen Nazis (= Deutsche) schon damals vorgingen, um die von ihnen bösartig Unterworfenen arglistigen über ihre tatsächlichen Absichten zu täuschen. Glücklicherweise gelang über den Sieg der westlichen Wertegemeinschaft im ersten und zweiten Weltkrieg und deren selbstlos aufopfernde Geschichtsarbeit dann gerade noch so … die Aufklärung der Chinesen, Afrikaner und sonstigen von den Deutschen Geknechteter und dadurch ihre Rettung vor der endgültigen geistigen und seelischen Versklavung – von der körperlichen ganz zu schweigen.

    Und jetzt … gehe ich in meinen privaten Schrein, um dort den erlösenden Errungenschaften der westlichen Wertegemeinschaft in Demut zu hulidgen ….

    • heidi heidegger am

      nix! gehma besser lange wandern wie der große Dichter Robert Walser (Schweiz) dereinst..Deine heidi wandert in Gedanken mit..wörd! + Grüßle!

      • Der Walser saß in einer Anstalt … und durfte nur zum Wandermarathon mal raus. Und dann hatte er einen wohl recht besitzergreifenden Freund mit dabei … – und Bier hat er wohl auch nicht trinken dürfen. Nix für mich …

      • heidi heidegger am

        Nun, einen leichten Tiroler(wein) haben die beiden getrunkään bei der Einkehr, ja? Grüßle! und ordentlich zu essen in der Kriegszeit in den Gasthöfen gab es auch, mja.

  8. heidi heidegger am

    herrlich!..tsingtaoBier = (ganz) lecker!

    OT: Im Gespräch mit der Sinnologin (hihi) heidi über Parteigeschichtsschreibung in China
    »Der Einfluss der Sokisten äh Maoisten ist gewachsen«
    Für Chinas Kommunisten war die eigene Geschichtsschreibung immer ein Mittel, um Konsens in der Partei herzustellen. Seit Xi Jinping Generalsekretär der Partei ist, wächst die Kontrolle über Geschichtsschreibung in China wieder, mja.

    • heidi heidegger am

      Teil 2 (von ditt OT, mja):

      Seit 2012 gelten noch strengere Auswahlkriterien (zwecks Parteimitgliedschaft / anm. hh), seither sind erstmals mehr Akademiker (2019 waren es 50,7 Millionen) als Arbeiter und Bauern (34,8 Millionen) Mitglied. Nicht geändert hat sich, dass Frauen mit 27,9 Prozent in der Minderheit sind. Die Führungskader der Partei waren schon immer zumeist Männer, nur ein Mitglied des 25köpfigen Politbüros ist eine Frau. /quelle: junglewörld

      • heidi heidegger am

        Attenti al ²cane! sente tutto! se ti sente entrare attacca!..ein ²Basset Hound wie ditt heidi merkt alles und attackiert innerhalb von 3 Minuten (das ist der Weg von der Haustür bis zum Forums-Gartentor)..*wuff*

    • jeder hasst die Antifa am

      Du olles Brenneisen hast es andauernd mit dem Alkohol erst Corona Bier und jetzt China Bräu der Arzt hat die doch Ziegenmilch verordnet.haha zacknwech und Aukidauki Proost

      • heidi heidegger am

        ich denke von einem Bier zum anderen (zit. Martin Heidegger äh Kippenberger), mja. Attenti al cane! sente tutto! se ti sente entrare attacca! LOL

      • Das soll wohl heißen:

        „Vorsicht vor dem Hund! alles hören! wenn er dich eintreten hört, greift er an!“

        Muss ich denn für diese Römersprüche noch den kleinen Pizzabäckerei in meinem IPad bemühen?

        Er hatte gezuckt mit die Schulter und hatte gesagt:

        „Si,Si hatte gesagt so! Weiste ich auch nicht, was te wollte sage!“

      • heidi heidegger am

        Nun, der vermeintlich kleine Pizzabäcker ischd ein großer Filosof und Filou: gib ma, wannse magst, den Spruch ein in ditt Google und dann nach Bildern kucken und den *Basset mit die fliegenden Ohren* bewundern..dann, mja. *lach*

        *Cave canem* (räppte JE früher öfters hier im Forum, wanns ein/e Forist/in zuu frisch wurde, hihi) è una locuzione latina che significa letteralmente "attenzione al cane".

        www.cartellibhu.it/Cartello Attenti al cane basset hound-id15.html

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