Bismarck und die Emser Depesche: Die erste Alleinschuld-Lüge (Teil 2)

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Selbst das Blutvergießen von 1870/71 soll nach Ansicht von Extrem-Bewältigern dem Schuldkonto der Deutschen angelastet werden. Wollte der Eiserne Kanzler einen Krieg wirklich provozieren? Weitere historische Richtigstellungen von antideutschen Propagandalügen finden Sie in unserer neuen Sonderausgabe Geschichtslügen gegen Deutschland. Hier mehr erfahren.

_ von Sven Eggers

Lesen Sie hier Teil 1 dieses Beitrags.

Leopold ließ seine Ansprüche auf den spanischen Thron fallen. Frankreich ging dies allerdings nicht weit genug und verlangte von den Hohenzollern für Spanien eine grundsätzliche und unbefristete Verzichtserklärung auch auf künftige Kandidaturen – eine diplomatische Anmaßung!

Um dieser Forderung Nachdruck zu verleihen, wurde eigens der französische Botschafter Vincent Benedetti (1817–1900) nach Bad Ems entsandt, wo sich die beschauliche Sommerresidenz des Kaisers an der Lahn befand. Wilhelm I. traf Benedetti auf der Kurpromenade, tauschte sich ausführlich und freundlich mit ihm aus, wies das Gesuch letztlich aber doch nachdrücklich zurück.

Frankreich erklärt Preußen den Krieg

Über die Vorgänge in Bad Ems informierte Heinrich Abeken (1809–1872), ein Mitarbeiter des norddeutschen Auswärtigen Amtes, den in Berlin weilenden Bismarck per Depeche. Nur dieses Telegramm vom 13. Juli 1870 ist eigentlich als Emser Depesche zu bezeichnen. Doch in diesem Punkt sind viele Historiker nicht so genau. Jedenfalls nahm Otto von Bismarck vor allem die weitreichende Forderung der französischen Seite verärgert zur Kenntnis.

Die historische Wandelhalle im Kurort Bad Ems auf einer zeitgenössischen Postkarte. Foto: Rijksmuseum, CC0, Wikimedia Commons

Den Wunsch Wilhelms I., das Ergebnis des Zusammentreffens mit dem französischen Botschafter in Bad Ems öffentlich zu machen, setzte Bismarck denn auch umgehend um. Seine Presseerklärung garnierte er mit deutlichen Worten und mündete in einem geharnischten Zusatz: Man sei zu weiteren Empfängen des Botschafters nicht bereit und habe ihm „nichts weiter mitzuteilen“.

Die Wortwahl dieser Veröffentlichung, die in der etablierten Geschichtsschreibung hartnäckig mit der Emser Depesche verwechselt beziehungsweise als solche bezeichnet wird, verärgerte die französische Regierung angeblich sehr. Napoleon III. gab sich derart erbost, dass er am 19. Juli 1870 Preußen den Krieg erklärte.

Napoleons aggressive Außenpolitik

Doch war diese Presseerklärung tatsächlich der ausschlaggebende Kriegsgrund, wie es tonangebende Historiker bis heute darstellen? Das darf mit Fug und Recht bezweifelt werden. Ausgeblendet wird dabei nämlich, dass die politische Gesamtlage sich damals bereits seit geraumer Zeit hochgeschaukelt hatte und einem Pulverfass glich.

Die aggressive Außenpolitik Napoleons III. verfolgten nicht nur Deutsche mit großer Sorge. Der französische Kaiser hatte sich auf die Fahnen geschrieben, jede Vereinigung deutscher Kleinstaaten zu torpedieren und durch eine gezielte Bündnispolitik eine Einkreisung Preußens zu erreichen. Auch die Stimmung innerhalb der französischen Bevölkerung war giftig. Seit Preußen 1866 durch den Sieg über Österreicher und Sachsen die Machtverhältnisse zu eigenen Gunsten erheblich verschoben hatte, waren Rachegelüste weit verbreitet.

Bismarck und Napoleon III. nach der Schlacht von Sedan. Ausschnitt aus einem Gemälde von Wilhelm Camphausen (1878). Foto: CC0, Wikimedia Commons

Es ist nicht sehr glaubwürdig, ja, sogar äußerst unwahrscheinlich, dass der französische Kaiser mit der spanischen Thronfolge durch Leopold eine ernsthafte Gefahr für sein Land oder auch seine machtpolitischen Ansprüche gewittert haben könnte, zumal die Hohenzollern-Sigmaringen damals sehr freundliche Beziehungen zum französischen Hof pflegten.

Und schließlich hatte Napoleon III. gegen den Willen der Großmächte einige Jahre zuvor sogar selbst den Bruder Leopolds auf den Thron Rumäniens gesetzt. Man kann es nach Belieben drehen und wenden: Eine ernstzunehmende Bedrohung durch Leopold kann für Frankreich nicht bestanden haben.

Sternstunde deutscher Geschichte

Napoleon hatte offenbar nicht damit gerechnet, dass nach der französischen Kriegserklärung vom 19. Juli 1870 auch die süddeutschen Staaten auf Preußens Seite kämpfen würden. Bayern, Württemberg, Baden und Hessen waren Preußen seit 1866 durch geheime „Schutz- und-Trutz-Bündnisse“ verpflichtet. Folgerichtig unterstellten sie ihre Armeen dem preußischen Oberbefehl. Zudem verhielt sich Österreich neutral.

Schließlich bezwangen die deutschen Truppen Anfang September 1870 das französische Hauptheer bei Sedan. Kopf der deutschen Kriegsführung war der Chef des preußischen Generalstabs, Helmuth Graf von Moltke (1800–1891). Napoleon III., der kurz zuvor als moralische Unterstützung per Eisenbahn zu den französischen Truppen geeilt war, geriet in deutsche Gefangenschaft.

Am 27. Oktober 1870 ergab sich die französische Rheinarmee in Metz. An der Kurpromenade von Bad Ems ist heute ein Stein zu sehen, an dem eine Marmorplatte befestigt ist, die mit folgender Inschrift Spaziergänger innehalten lässt: „13. Juli 1870 9 Uhr 10 Min Morgens.“

Am 18.1.1871 wird im Spiegelsaal des Schlosses von Versailles das deutsche Kaiserreich proklamiert. Gemälde von Anton von Werner (1885). Foto: CC0, Wikimedia Commons.

Am 18. Januar 1871 wurde in Versailles, dem deutschen Hauptquartier, der deutsche Kaiser proklamiert. Das war eine Sternstunde unserer Geschichte mit weitreichenden Folgen. Denn immer dann, wenn sich Deutschland der Welt stark und einig präsentierte, führte dies zu Epochen des Friedens, wohingegen ein schwaches oder zersplittertes Deutschland Unruhestifter oder Landräuber geradezu anlockte.

Und so sicherte auch die Schaffung des Zweiten Deutschen Reiches ganz Europa neue Stabilität. Berlin vermittelte in der Folgezeit in zahlreichen kriegsgefährlichen Konflikten, sogar 1872 bei Grenzstreitigkeiten zwischen den USA und dem britisch beherrschten Kanada. Mehrfach zog Deutschland unter Bismarck andere Großmächte im letzten Augenblick vom Abgrund eines Weltkrieges weg.

Sinnbildlich ist Bismarcks Auftreten als ehrlicher Makler beim Berliner Kongress der Großmächte 1878. Erst als nach Bismarcks Verabschiedung die Initiative wieder auf Paris überging, verstrickte sich Europa in einem System, das die Staaten ins Elend des Ersten Weltkriegs stürzte.

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18 Kommentare

  1. Meinungsbild dazu ist in Schieflage, weil wieder fleißig gelöscht wurde. Versprechen nicht halten, daß Gegenteil des Versprochenen tun, einfach erbärmlich.

  2. @ 00Schneider
    Laut einer polnischen Studie spart man viel Geld im Supermarkt, wenn man statt zur Kasse direkt zum Auto geht.

  3. Bei dieser Widerlegung wäre auch ein Blick auf den Zeitpunkt der Veröffentlichung der redigierten "Emser Depesche" und dem Zeitpunkt, an dem die französische Regierung die Kriegserklärung beschloß, hilfreich. m.W. war der Bechluß bereits gefallen, bevor die Erklärung veröffentlicht war.
    Wäre zu klären.

  4. Dieselherold am

    Der einzige wahre Kanzler "Deutscher Einheit " ist und bleibt Otto von Bismarck.
    Alles andere nach ihm waren nur blasse Gestalten, und die nach dem 2. WK von den sogenannten Installierten Kungler haben eigentlich überwiegend wenig Gutes beigetragen, am schlimmsten ist Bimbes-Birne Kohl, der die Wiedervereinigung eher als westdeutsche Okkupation inszeniert hat und den Osten (z.B. Ostpreußen und auch Gorbatschov) verraten hat, sein "Mädel" BundesAbrißBirne Murksel ist noch schlimmer – so schweigsam und einsilbig wie sie ist- habe ich immer den Eindruck, dass Sie ständig im Tee ist … Wenn man mehr am Lallen ist, sollte man eben besser nichts sagen, was sie ja auch macht, deshalb erscheint sie so klug – ist aber eigentlich nur permanent angetütert. Und die kommenden Trauergestalten – ob Achim Luschet, aus dem Türken-Rein-(Deutsche-weg-)Land, diese diktaturgeile Bionade-Barbie namens Rammbock oder dieser falsche "Fuffzer" Olof Biergarten-Scholz – alle reingesteckt in einen Sack und feste draufgehauen, es trifft immer den richtigen Volksverräter, und die Murksel auch gleich mit rein ….
    Die weitere Entwicklung kann einem nur Angst machen, am besten weit weg, z.B. nach Neuseeland

    • Rechtsstaat-Radar am

      Kohls 10-Punkte-Plan verblasst, wenn man bedenkt, dass dieser Hochverräter das Angebot der Russen, das nördliche Ostpreußen mit der für jeden Preußen heiligsten aller Städte, Königsberg, wieder an Deutschland zurück geben zu wollen, abgelehnt hat.

      Dieser Hochverrat ist unverzeihlich!

      Ostpreußen geht alle Deutschen an. Wir bilden ein Volk, eine Schutz- und Trutzgemeinschaft. Das aber sehen mehr und mehr Deutsche Dank des verfluchten fremdnützigen Föderalismus nicht mehr

      • 00Schneider am

        @ RR:

        Na ja, aus heutiger Sicht kann man froh sein, dass er es nicht angenommen hat. Genau wie die Schlesier froh sein können, dass sie nun Warschau und nicht Berlin unterstehen.

      • Verehrter Radar,

        man kann in diesem Forum öfters lesen, daß Kohl das Angebot Ostpreußens ausgeschlagen hat.

        Was man nicht lesen kann ist, was wohl die anderen 3 Siegermächte dazu gesagt hätten. Ich kann mir kaum vorstellen, daß die das akzeptiert hätten.

        Außerdem: wenn ich auf die Landkarte schaue, warum fällt mir der Begriff "Korridor" ein und weckt unangenehme Erinnerungen?

      • # Borsti

        Die ‚anderen drei Siegermächte‘ sind in Wirklichkeit EINE Siegermacht: Die USA. Der Rest … hat nichts zu sagen. Nicht wirklich jedenfalls. Die ‚Gemeinde Neuhaus‘ hat die USA (und auch die anderen beiden ‚Siegermächte‘ des I. Weltkriegs) um einen Friedensvertrag gebeten bzw. ihn angeboten.

        Trump hat darauf positiv dergestalt reagiert als er gesagt hat, er wolle sehen was er machen könne. Er hat daraufhin wohl mit Putin über das Thema gesprochen und Putin hat danach öffentlich verlautbart "Rußland sei bereit das internationale Recht zu respektieren … sofern dies nicht auf Kosten der Souveränität Rußlands gehe."

        DAS … war ein ‚Ja‘ in diplomatischer Sprache. Leider hat es anscheinend außer mir niemand mitbekommen. Die Verlegung von amerikanischen Soldaten nach Polen – die jetzt natürlich unter Biden erst mal wieder gestoppt ist – diente dem Zweck, dafür zu sorgen, daß die Polen nicht wieder zu stänkern beginnen.

      • Teil II

        Das GANZE DEUTSCHE REICH im Zustand von 1914 ist nach wie vor rechtlich intakt und die ‚deutsche Frage‘ ist nach wie vor ungelöst … und wartet nach wie vor auf den Friedensvertrag zum 1. Weltkrieg, der aber nur von Personen geschaffen werden kann, die rechtlich dazu berechtigt sind.

        BUNDESREPUBLIKANER (Staatsangehörigkeit: deutsch) sind das SELBSTVERSTÄNDLICH N-I-C-H-T, weil sie sich ja noch nicht einmal als ’natürliche Personen‘ ausweisen können. Der ‚Friedensvertrag von Versailles‘ wurde nicht mit dem Kriegsgegner ‚Deutsches Reich‘ geschlossen, sondern mit der selbstmandtierten Weimarer Republik, die rechtlich dazu gar nicht in der Lage war.

        Der Friedensvertrag wird kommen … irgendwann – und die kleinen Verbrechergebilde, die als Profiteure des ersten Weltkriegs ihre Raubstaaten schaffen konnten, werden all das wieder verlieren was niemals ihres war und niemals ihres sein wird.

  5. Johannes Bergman am

    Bestellt habe ich –
    Das die Geschichte DL immer wieder durch die Großmächte verdreht worden ist, habe ich schon sehr schnell verstanden. Ich bin Rasend Neugierig auf die Einzelne Details. Ich Glaube das NUR das Deutsche Reich wieder wahrhafte Frieden in der Welt zurück bringen kann..

    • In dem Punkt liegen Sie völlig richtig. Kein Land hat sich so sehr um den Frieden bemüht, leider vergeblich, wie das Deutsche Reich in den verschiedenen Formen seiner Staatlichkeit.

      Ich zitiere einen Satz aus Émile Bourgeois (1857-1934) , *Manuel historique de politique étrangère* (Geschichtshandbuch der Außenpolitik: *Niemand hat auf den Frieden mehr wert gelegt als der Kanzler Bismarck* (La paix, nul n’y tenait plus que le Chancelier Bismarck).

      Aus der größten Friedensnation aller Zeiten, Deutschland, einen vom Tätervolk bewohnten Weltaggressor gemacht zu haben, bleibt die größte Leistung der angloamerikanischen Geschichtsschreibung, insbesondere seit dem ebenfalls in erster Linie angloamerikanischen IMT.

  6. Zu ergänzen wäre, daß am 9. Februar 1871, drei Wochen nach der Proklamation des Kaiserreichs, Benjamin Disraeli im britischen Unterhaus nicht etwa, wie zu erwarten gewesen wäre, Deutschland gratulierte, nach so vielen Katastrophen, Dreißigjährigem Krieg, Westfälischem Frieden und Napoleons Raubzügen, endlich seine Einheit gefunden zu haben, und stattdessen eine nur notdürftig verhüllte Kriegserklärung ausgesprochen hat.

    Von dort aus führt die Entwicklung zu beiden Weltkriegen, Flächenbombardements, Vertreibung, Gebietsverlusten und mittlerweile 76 Jahren Fremdherrschaft.

  7. Am 19. Juli 1870 teilte der französische Außenminister dem preußischen Botschafter in Paris mit, daß Frankreich Preußen den Krieg erklärt.
    Der Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 wurde von Frankreich ausgelöst.
    Preußen und der Norddeutsche Bund waren bereit, sich zu verteidigen.
    Und die eigentlich frankophilen Länder Süddeutschlands, vor allem Württemberg und Bayern, die im ständigen Wettstreit mit Preußen lagen, begriffen die Kriegserklärung aus dem Westen als das, was es war: ein Angriff auf ganz Deutschland und das Deutschtum schlechthin.
    In Scharen meldeten sich Deutsche trotz der Kleinstaaterei zu den Waffen gegen den französischen Aggressor, und Otto von Bismarck hielt seine berühmte Rede.

    • " … begriffen die Kriegserklärung aus dem Westen als das, was es war: ein Angriff auf ganz Deutschland und das Deutschtum schlechthin."

      Was würde diese Freiwilligen zu den ‚heutigen Doitschn‘ sagen…, die das Deutschtum erfolgreich überwunden und in ‚Weltoffenheit, Toleranz und sexuelle Perversion‘ verwandelt haben??

    • heidi heidegger am

      moooment! den Bayernkönig (ditt olle Schöngeist, tsstss) musste Bismarck zum jagen tragen quasi und zwar mit lecker Prä-Rrreicksmark für noch ein Schlössken (Schloß Dings..unvollendet), hoast mih? nix mit: *hurrrah hurrrah, jeder Stoß ein Franzos’* (damals noch! nicht), ja?

      • jeder hasst die Antifa am

        Damals haben noch Gerd Müller,Sepp Meier und Csik Caikowski mit Kohlköpfen auf die Preussen geschossen und hurrrra gerufen das waren noch Zeiten hihi mecker,mecker

      • heidi heidegger am

        ditt hiess: Tschick (Zigarette) Tschüssikowski, aber sonst ollns aukidauki, mein gutes Tiffi(li), hihi.

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