Noch raucht das Schlachtfeld, da treten die Diplomaten bereits durch die Hintertür. Nur Stunden nach den gegenseitigen Angriffen am Golf verdichten sich die Zeichen auf einen möglichen Frieden. Das Zünglein an der Waage könnte am Ende Netanjahu spielen. Alle Hintergründe zur brandgefährlichen Eskalation in Nahost liefert die COMPACT-Ausgabe „Zions Höllenritt. Wie Netanjahu die USA in den Untergang reißt“, die schonungslos mit der westlichen Kriegstreiberei aufräumt. Hier mehr erfahren.
Unterhändler beider Seiten sollen sich bereits auf eine 60-tägige Absichtserklärung geeinigt haben. So berichtet es Axios unter Berufung auf US-Beamte. Die New York Times bestätigt: Man stehe kurz vor einer Übereinkunft. US-Vizepräsident JD Vance gab sich vorsichtig optimistisch:
«Die Iraner scheinen, zumindest Stand jetzt, in guter Absicht zu verhandeln.»
Ob Trump unterzeichnet, ließ er offen. Teheran seinerseits betonte, eine vorläufige Einigung sei bisher nicht ausformuliert.
Zwischen Hoffnung und Dementi
Was Axios und die New York Times da berichten, klingt nach einem großen Wurf. Beim Blick in die Details aber trübt sich das Bild. Der Iran soll die Straße von Hormus ohne Gebühren öffnen, binnen 30 Tagen sämtliche Minen räumen und die Schifffahrt uneingeschränkt passieren lassen. Washington würde im Gegenzug die Seeblockade iranischer Häfen aufheben. Schwerer noch wiegt die Nuklearfrage: Teheran wolle sich grundsätzlich dazu verpflichten, auf Atomwaffen zu verzichten. Bei vertieften Verhandlungen solle es zudem darum gehen, was mit dem bereits angereicherten Uran geschehen soll.
Trump hatte mehrfach betont, die USA wollten das Uran unter ihre Kontrolle bringen. US-Außenminister Marco Rubio empfängt laut Fox News noch heute in Washington den pakistanischen Chefdiplomaten Ischak Dar. Pakistan vermittelt seit Monaten zwischen den Fronten.
Doch Teheran hat Hormus nicht zur Waffe gemacht, um sie kampflos abzugeben. Die iranische «Persian Gulf Strait Authority» ist ein Souveränitätsinstrument, mit dem Teheran seinen Anspruch auf Hormus dauerhaft institutionalisiert hat. Pro Schiff kassieren die Mullahs bis zu zwei Millionen US-Dollar. Diesen Anspruch aufzugeben wäre für die iranische Führung ein erheblicher Gesichtsverlust und eine geopolitische Niederlage. Die iranische Nachrichtenagentur Tasnim dementierte prompt:
«Der Text ist weder finalisiert noch bestätigt. Teheran hat die pakistanischen Vermittler nicht informiert, dass der Text fertig sei.»
Westliche Medienberichte, wonach eine Einigung vorliege, seien «falsch». Vance rettete sich ins Ungefähre: «Hoffentlich machen wir weiterhin Fortschritte.»
Warum verhandelt Teheran dann überhaupt? Hans-Jakob Schindler, Nahost-Experte beim Thinktank Counter Extremism Project, gab gestern im ZDF-Heute-Interview eine ernüchternde Antwort:
«Das iranische Regime möchte eine Einigung, wenn möglich, noch etwas hinauszögern.»
Teheran versuche, möglichst nah an die US-Kongresswahlen im November heranzukommen. Der Grund ist klar: Trumps Zustimmungswerte liegen aktuell bei 37 Prozent, die Ablehnung bei 62 Prozent , der schlechteste Wert beider Amtszeiten. Im November stehen alle 435 Sitze im Repräsentantenhaus zur Wahl, dazu ein Drittel des Senats, in beiden Kammern halten die Republikaner nur knappe Mehrheiten. Ein Iran-Deal könnte Trumps Werte retten.
Netanjahu will 70 Prozent erobern
Während die Diplomaten verhandeln, eskaliert Netanjahu auf zwei Fronten gleichzeitig. Bereits vor neun Tagen geriet er in einem nächtlichen Telefonat mit Trump heftig aneinander, laut Axios brannten dem israelischen Premier danach «die Haare». Der Grund: Netanjahu lehnt die laufenden Friedensverhandlungen ab und will den Krieg fortsetzen, um Irans militärische Fähigkeiten weiter zu schwächen. Trump antwortete kühl:
«Er [Netanjahu] wird tun, was immer ich von ihm verlange.»
Gestern folgte Netanjahus nächster blutiger Schachzug: Er wies die israelische Armee an, die Kontrolle über den Gazastreifen auf 70 Prozent auszuweiten, weit jenseits der rund 53 Prozent, die Israel unter dem US-vermittelten Waffenstillstand vom Oktober 2025 kontrollieren darf. Die sogenannte «gelbe Linie» markiert die vereinbarte Demarkationslinie zwischen israelisch und Hamas-kontrolliertem Gebiet. Netanjahu schert sich darum wenig. Bei einer Konferenz im besetzten Westjordanland stellte er klar:
«Wir waren bei 50, dann bei 60. Meine Direktive ist, auf 70 zu gehen.»
Es folgte ein feuriges Appell an die IDF:
«Fangen wir damit an. Wir drücken Hamas von allen Seiten.»
Im Libanon läuft es nach demselben Muster. Die israelische Armee hat ihre Bodeneinsätze im Süden des Landes intensiviert, mit Angriffen auch jenseits der vereinbarten Waffenruhelinie. Netanjahu kündigte an, die Operation auch unter Einsatz von Bodentruppen zu «vertiefen». Verteidigungsminister Israel Katz drohte bei einem Treffen im April mit der UN-Sonderkoordinatorin für den Libanon, Jeanine Hennis-Plasschaert:
«Ein Feuer wird ausbrechen und die Zedern des Libanons verbrennen.»
Sollte sich die libanesische Führung nicht klar von der Hisbollah distanzieren, gebe es blutige Konsequenzen. Dabei ist genau das ein Kernpunkt der iranischen Verhandlungsposition: Teheran besteht darauf, dass Israel seine Angriffe auf den Libanon und die Hisbollah einstellt als Vorbedingung für jeden dauerhaften Frieden.





