Es gibt eben doch nur einen Rudi Völler! Der DFB-Sportdirektor hat die Nationalspieler vor der anstehenden Fußball-Weltmeisterschaft um politische Zurückhaltung gebeten. Endlich! Vielleicht wird es dann doch eine spannende WM. Wir liefern Ihnen den COMPACT-Flaschenöffner, so dass es nicht an kühlen Getränken scheitern wird. Hier mehr erfahren.

    DFB-Fußballlegende Rudi Völler, als Spieler 1990 selbst Weltmeister, hat wenige Tage vor Beginn der WM in den USA, Mexiko und Kanada angemahnt, Sport und Politik voneinander zu trennen. In einer Erklärung vor Pressevertretern am Rande des Vorbereitungsquartiers in Herzogenaurach forderte er von den Nationalspielern diesbezügliche Zurückhaltung. Es werde zwar „keinen Maulkorb“ geben, so Völler, aber er glaube, „dass wir gut daran tun, das ein bisschen zu trennen. Wir „sind da, um eine Weltmeisterschaft zu spielen“.

    „Ich hätte auch gerne mehr Frieden“

    Wenn sich einer der 26 Spieler äußern wolle, könne er „das gerne im Vorfeld tun“, aber nicht während des Turniers. Denn: „Wir sind Fußballer. Wir wollen die Leute begeistern, dass sie vielleicht auch mal auf andere Gedanken kommen.“

    Ihm selbst würden viele Dinge auf der Welt gegenwärtig nicht gefallen. „Ich hätte auch gerne mehr Frieden. Überall. Aber das wird jetzt nicht zu lösen sein bis zum Eröffnungsspiel“, erläuterte Völler. Deshalb werde es im DFB-Trainingslager vor dem Abflug in die USA auch keine spezielle mediale Schulung für die Kicker geben.

    Der DFB wird doch wohl nicht etwa lernfähig sein?! Bei den Turnieren in Russland (2018) und Katar (2022) war die Mannschaft als Ansammlung von Weltverbesserer-Spießern aufgetreten und jeweils im hohen Bogen bereits in der Vorrunde aus dem Turnier katapultiert worden.

    Auch der frühere Bundestrainer Jürgen Klinsmann hat gegenüber der Rheinischen Post eindringlich davor gewarnt, die politische Debatte rund um das Gastgeberland USA erneut über den sportlichen Fokus zu stellen. 2018 und 2022 habe man „alles kaputt geredet“. Und: „Damit haben wir unsere Mannschaft praktisch bestraft.“

    Der frühere Nationalmannschafts-Direktor Oliver Bierhoff hatte zuletzt ebenfalls gefordert, dass man „die Spieler schützen muss. Sie dürfen sich nicht treiben lassen. Man sollte ihnen sagen: Lasst die Medien meckern und konzentriert euch auf den Sport“, sagte Bierhoff dem Stern.

    Bierhoff, vormaliger Fußball-Manager, galt bisher nicht gerade als besonders meinungsstark. Umso erstaunlicher waren seine deutlichen Aussagen. Er dürfte wissen, wovon er spricht. Viele halten gerade ihn als Verantwortlichen für den misslungenen DFB-Auftritt während der WM 2022 in Katar ausgemacht. Damals sollten die Spieler die schräge „One-Love“-Binde tragen, nachdem ihnen der Weltfußballverband das Präsentieren einer Regenbogenbinde verboten hatte. Aus Protest dagegen kam es dann zu der peinlichen Mund-zu-Geste unserer Kicker vor Fotografen. Die Nationalelf wurde seinerzeit zum Gespött der Fußball-Welt, Bierhoff trat anschließend zurück.

    Wundern über Belehrungs-Deutsche

    Es sei jetzt wichtig, nicht wieder zwanghaft in die politische Positionierung zu geraden, so Bierhoff. Dies sei auch eine Lehre, die man aus dem Verlauf der WM vor vier Jahren ziehen solle. Bierhoff erinnert sich an die Regenbogenbinden-Diskussion: „Die Idee kam aus der Mannschaft. Einige Spieler hatte die Debatte sehr beschäftigt, sie wollten eine Reaktion zeigen. Heute denke ich: Man muss sehr gut überlegen, ob man sich als Team bei einem Turnier politisch positioniert.“ Über seine eigene Rolle sagt er:

    „Damals hätte ich mir gewünscht, dass sich das Präsidium des Verbandes klarer zu Katar äußern und vor die Mannschaft stellen würde. Stattdessen hatte ich das Gefühl, dass man sich eher hinter der Mannschaft und mir versteckt. Die Spieler sollten sich aber nicht verpflichtet fühlen, etwas zu sagen. Das zu verlangen, halte ich für überzogen und unangebracht. Im Übrigen: Die Welt wundert sich über uns Deutsche, weil wir glauben, alle belehren zu müssen.“

    Ob es dieses Mal wirklich besser läuft? Schon seit geraumer Zeit tobt eine Debatte um die Frage, ob die Mannschaft überhaupt an der Weltmeisterschaft 2026 teilnehmen solle. Bierhoff:

    „Ich finde die meisten Diskussionen verlogen. Robert Habeck hat als damaliger Wirtschaftsminister einen Kniefall vor dem Emir von Katar gemacht, weil er dessen Flüssiggas kaufen wollte. Bei Habeck hat es keinen Aufschrei gegeben, da spielten Menschenrechtsverletzungen keine Rolle. Wir brauchten eben dringend Energie aus Katar. Unsere Nationalspieler dagegen sollten sich rechtfertigen, weil sie an der WM dort teilnehmen? Ernsthaft? Jetzt geht eine ähnliche Debatte los, jetzt stören wir uns an den USA.“

    Sein Fazit: „Ich halte generell nichts von einem Turnierboykott. Lasst die Fußballer ihren Sport in Wettkämpfen ausüben, für die sie 365 Tage im Jahr hart arbeiten.“

    Die Weltmeisterschaft findet vom 11. Juni bis zum 19. Juli statt. Wie solle man denn mit dem Gastgeber umgehen? Bierhoff. „Es gibt enge wirtschaftliche Verbindungen zu den Vereinigten Staaten und unsere Regierung ist weiterhin um gute Beziehungen bemüht. Warum sollte ausgerechnet die Nationalmannschaft eine andere Haltung einnehmen?“ Und: „Tragt eure Moraldebatten gerne aus, aber nicht auf dem Rücken der Spieler.“

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