Der Nahostkonflikt ist erneut entflammt. Vor wenigen Tagen attackierten die amerikanischen Streitkräfte den Südiran, trotz laufender Friedensgespräche. Teheran antwortet mit Raketenangriffen auf eine US-Militärbasis im Golf. Alle Hintergründe zur brandgefährlichen Eskalation in Nahost liefert die COMPACT-Maiausgabe „Zions Höllenritt. Wie Netanjahu die USA in den Untergang reißt“, die schonungslos mit der westlichen Kriegstreiberei aufräumt. Hier mehr erfahren.
Der Krieg um die Vorherrschaft im Persischen Golf lodert wieder auf. Die Waffenruhe, seit dem 8. April offiziell in Kraft, hält nur noch auf dem Papier. Vorgestern bombardierten US-Streitkräfte iranische Stellungen nahe Bandar Abbas, mitten in Friedensgesprächen, die Pakistan zwischen den Fronten vermittelt. US-Präsident Donald Trump sagte tags darauf bei einer Kabinettssitzung im Weißen Haus:
«Entweder wir erzielen eine Lösung, oder wir müssen den Job eben zu Ende bringen.»
Teheran antwortete heute in den frühen Morgenstunden mit Raketenangriffen auf einen US-Luftwaffenstützpunkt in Kuwait, nach Angaben der Revolutionsgarden (IRGC) jene Basis, von der aus Bandar Abbas zuvor angegriffen worden war. Das kuwaitische Militär bestätigte, die Luftabwehr sei im Einsatz gewesen. Ob der Stützpunkt getroffen wurde, blieb zunächst offen. Das Pentagon schweigt. Jeder neue Angriff riskiert, das Kartenhaus endgültig zum Einsturz zu bringen.
Der Golf kocht
Immer mehr Details sickern durch über den US-Angriff von vorgestern. Der Funke zündete auf offener See: Ein US-Öltanker versuchte die Straße von Hormus zu passieren, ohne Genehmigung der iranischen «Persian Gulf Strait Authority», die Kriegsbeginn durch die USA und Israel von jedem Schiff eine förmliche Registrierung und teils Durchfahrtsgebühren verlangt. Die Passierkosten liegen bei rund zwei Millionen US-Dollar pro Schiff. Die IRGC-Marine eröffnete das Feuer, zwang den Tanker zur Umkehr. US-Kampfjets antworteten umgehend: Sie beschossen iranische Marineboote im Golf und zerstörten eine Drohnenkontrollstation nahe dem Flughafen Bandar Abbas, die gerade dabei war, eine weitere, sechste Angriffsdrohne zu starten. Einer iranischen Quelle gegenüber Al Jazeera zufolge wurden dabei mehrere IRGC-Marineangehörige getötet. Vier Tote wurden von iranischen Inlandsmedien gemeldet, offiziell bestätigt hat Teheran den Angriff nicht.

Doch der brisanteste Teil dieser Geschichte ist noch unbestätigt: Spekulationen kursieren über das Schicksal von Brigadegeneral Ali Azmaei, dem neu ernannten Kommandeur der IRGC-Marine. Die Beobachtungsgruppe Iran Watcher berichtet von «unbestätigten Meldungen», wonach Azmaei beim US-Angriff gezielt getötet worden sein könnte. Das iranische Staatsfernsehen dementiert bislang. «Diese Maßnahmen waren zurückhaltend, rein defensiv», erklärte CENTCOM (US-Hauptkommando im Nahen Osten). Das iranische Außenministerium verurteilte die Angriffe als groben Waffenstillstandsbruch.
Teheran feuerte heute früh zurück. Um 04:50 Uhr Ortszeit feuerten die Revolutionsgarden Raketen auf einen US-Luftwaffenstützpunkt in Kuwait, nach IRGC-Angaben jene Basis, von der aus der Angriff auf Bandar Abbas koordiniert worden war. Die offizielle Erklärung: «Diese Antwort ist eine ernste Warnung.» Und weiter:
«Aggression bleibt nicht unbeantwortet — und wenn sie sich wiederholt, wird unsere Antwort entschiedener ausfallen.»
Das alles geschieht, während Pakistan versucht zwischen den Lagern vermitteln, flankiert von Ägypten, Saudi-Arabien und der Türkei. Doch die Gespräche stocken, die Kernforderungen sind unvereinbar: Washington besteht auf vollständiger Demontage des iranischen Nuklearprogramms und sofortiger Öffnung der Straße von Hormus, Teheran verlangt die Aufhebung der US-Seeblockade, die Trump als Gegenreaktion der iranischen Hormus-Blockade befahl, und Reparationszahlungen. Interne iranische Quellen sprechen sogar von 300 Milliarden bis zu einer Billion Dollar. Hinzu kommt die Forderung eines Rückzugs der israelischen Armee (IDF) aus dem Libanon.
Die brennenden Zedern
Während am Golf die Waffenruhe zerbröckelt, weitet Israel seinen Krieg im Libanon aus. Die israelische Armee hat ihre Bodeneinsätze im Süden des Nachbarstaates trotz geltender Waffenruhe intensiviert, mit Angriffen auch jenseits der sogenannten «gelben Linie», die sechs bis zehn Kilometer nördlich der israelischen Grenze entfernt verläuft. Am Dienstag erließ die Armee Evakuierungsbefehle für die Stadt Nabatija sowie ein Dutzend weiterer Ortschaften nördlich des Litani-Flusses. Bei einem Luftangriff auf Maschgara wurden zwölf Menschen getötet, darunter zwei Kinder.

Netanjahu ließ ebenfalls am Dienstag keinen Zweifel an seinen Absichten: Er kündigte an, die Operation im Libanon auch unter Einsatz von Bodentruppen zu «vertiefen», um die «Sicherheitszone» zu «befestigen». Der Hisbollah wolle man einen «vernichtenden Schlag» versetzen. Verteidigungsminister Israel Katz wurde noch deutlicher:
«Ein Feuer wird ausbrechen und die Zedern des Libanons verbrennen.»
Sollte sich die libanesische Führung nicht klar von der Hisbollah distanzieren, gebe es weiteres Blutvergießen. Dabei ist genau das ein Kernpunkt der iranischen Verhandlungsposition: Teheran besteht darauf, dass Israel seine Angriffe auf den Libanon und die Hisbollah einstellt, als Vorbedingung für jeden dauerhaften Frieden. Netanjahu torpediert damit nicht nur die Waffenruhe im Libanon, sondern auch die Friedensgespräche am Golf. Im Libanon wächst die Sorge vor einer erneuten dauerhaften Besatzung des Südens, wie sie das Land bereits von 1982 bis 2000 erlebt hat.
54 Kilometer halten die Welt in Atem
Während zu Beginn des Krieges die Trump-Regierung noch von einem Regime-Change träumte, geht es mittlerweile um eine einzige Frage: Wer kontrolliert die Straße von Hormus. Rund ein Fünftel des weltweiten Öl- und Gashandels läuft durch die 54 Kilometer schmale Meerenge. Seit Kriegsbeginn hat Teheran sie zur Waffe gemacht. Die iranische «Persian Gulf Strait Authority» beansprucht die Hoheitsaufsicht über einen Abschnitt, der weit in die Territorialgewässer der Vereinigten Arabischen Emirate und Omans hineinreicht. Schiffe, die ohne Genehmigung durchfahren wollen, werden seit Kriegsbeginn per Funk gewarnt. Die iranische Marine stellte Anfang Mai klar:
«Sollten Schiffe versuchen, ohne Genehmigung durchzufahren, werden sie zerstört.»
Nun planen Iran und Oman offenbar ein gemeinsames Gebührensystem, nicht als offizielle Durchfahrtsmaut, sondern als Abgabe für «Navigationsdienste und Umweltschutzmaßnahmen». Läuft am Ende selbiges hinaus. Für Washington ist das eine rote Linie. Trump drohte dem Sultanat, das jahrzehntelang als diskreter Vermittlungskanal zwischen Washington und Teheran diente, unverhohlen:
«Oman wird sich benehmen, oder wir müssen sie in die Luft jagen.»
Washingtons Ziele haben sich mittlerweile auf den Status quo vor dem Krieg reduziert. Es geht allein um Schadensbegrenzung.
Die deutschen Gasspeicher sind auf einem historischen Tiefstand, Anfang Mai nur zu 26 Prozent gefüllt. Der Ölpreis war in der Hoffnung auf einen Deal in den letzten Wochen um 17 Prozent gefallen, Brent notiert aktuell bei rund 93 Dollar. Doch die Märkte hatten zu früh gefeiert. Jede neue Eskalation am Golf treibt den Preis wieder nach oben.
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