Unwort des Frühjahrs 2020: Lockerungen

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Die Vokabel »Lockerungen« ist der Framing-Begriff des Monats. Er soll kaschieren, dass ein repressiver Staat ohne viel Federlesens die Grundrechte ausgehebelt hat. Jetzt alles über die  Corona-Diktatur lesen.

Der Privatsender Radio Schleswig-Holstein forderte am vergangenen Sonntag seine Hörer auf, Vorschläge für ihr persönliches »Unwort« im Zusammenhang mit der »Corona«-Krise einzureichen. Mein Kandidat für die Wahl zum Unwort des Jahres ist »Lockerungen«. »Lockerungen« insinuiert, dass irgendwo etwas festsitzt, das es nun nach und nach zu lösen gilt. Aber da sitzt nichts fest. Da ist was weg. Weg ist die Freiheit. Weg sind elementare Bürgerrechte. Für jeden, der es noch immer nicht begriffen hat: Aktuell immer noch deutschlandweit unwirksam sind Artikel 2 (Freiheit der Person), 8 (Versammlungsfreiheit) und 11 (Freizügigkeit) des Grundgesetzes. Staatliche Überwachungsmaßnahmen, veranlasst von denselben Politikern, die vor einem Jahr noch das Grundgesetz feierten, verhindern, dass Bürger sie in Anspruch nehmen. Denunzianten und ein regoebbelisierter Rundfunk mit gewollt lustigen Moderatoren, die die Staatspropaganda konformistisch nachbeten und die Aufopferung für die Volksgesundheit solidarisch mittragen helfen, arbeiten einem gefühlten Polizeistaat zu. Der ach so unabhängige Kunst- und Kulturbetrieb steht zu den »Corona-Beschränkungen« wie Leni Riefenstahl zum Führer. Anschaulichstes Beispiel ist das »Corona«-Solidaritätslied »Machen wir das Beste draus« von Silbermond, eine schwer erträgliche Speichelleckerei, mit der die deutschen Sendeanstalten landauf, landab den gesunden Menschenverstand ihrer Hörer beleidigen. Textkostprobe: »Auch wenn um uns grade alles wackelt und es Abstand braucht, rücken wir die Herzen eng zusammen, machen wir das Beste draus.« Man möchte sich lieber nicht vorstellen, was Silbermond 1935 zu den Nürnberger Gesetzen eingefallen wäre, wenn es die Band damals schon gegeben hätte.

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Die jährlich zum Jahresende durchgeführte »sprachkritische Aktion« der »Unwort des Jahres«-Wahl soll Worthülsen entlarven, die böse Absichten kaschieren. So vermuteten die Sprachkritiker hinter »Überfremdung«, dem Siegerwort von 1993, Ausländerfeindlichkeit, die rhetorisch so gut getarnt ist, dass der Bürger das dunkle Motiv gar nicht bemerkt. Neuerdings nennt man das auch »framing«. Mit dem Framing-Begriff »Lockerung« soll nun der Eindruck erweckt werden, die Freiheit sei gar nicht weg, sie sei nur vorübergehend eingeschränkt. Fragen wir zum besseren Verständnis doch mal ganz dumm: Befindet sich ein Mensch, der als rechtskräftig Verurteilter in einer zehn Quadratmeter großen Gefängniszelle seine Strafe absitzt, noch im Besitz seiner Freiheitsrechte? Sind sie nur vorübergehend eingeschränkt? Und wie stark überhaupt? Immerhin kann er ja in seiner Zelle noch von Gitterstab zu Gitterstab wandern. Außerdem können die Beschränkungen mit der gnädigen Gewährung von »Freigängen« nach und nach »gelockert« werden. Genau genommen sitzt er gar nicht im Knast. 

Fragen wir weiter: Was heißt »vorübergehend«? Wie lange darf »vorübergehend« sein? Waren die zwölf Jahre NS-Diktatur auch nur vorübergehend und die Freiheit danach wieder da, als wäre nichts gewesen? Das sind die Fragen, die jetzt jeder liberale Demokrat stellen muss. Die jüngst zu Ende gegangene Delegiertenversammlung der Partei, die sich dem Namen nach aus westdeutschen Ökologisten und ostdeutschen Bürgerrechtlern zusammensetzt, stellte ganz andere. Die Frage, die die Bündnisgrünen am meisten zu bewegen schien, war: Wie können wir daraus, dass das deutsche Volk bei der Abschaffung seiner Freiheit so willig mitgemacht hat, eine Ermächtigung für ähnliche Maßnahmen zur »Klimarettung« ableiten? Einen »Pakt für Nachhaltigkeit« forderte Robert Habeck. der ein liberales Wirtschaftssystem in ein ökofundamentalistisches umformen soll. Der Freiheitswille, der einst die Bürgerrechtler von »Bündnis 90« beseelte, ist bis zur Unkenntlichkeit verblichen. Die notorisch blasse Vorsitzende Annalena Baerbock ist Sinnbild dieser Entwicklung. Die Liebe zur Freiheit war allerdings, mit Ausnahme von FDP und AfD und einigen Ausreißern in der Union (Laschet, Schäuble), auch bei der Konkurrenz nicht besonders ausgeprägt. Die AfD verpasste die Chance, sich in der Krise als neues »Bündnis 20« zu empfehlen. Es erwies sich als Bumerang, dass Alice Weidel bereits vor dem 16. März im Bundestag strengere Schutzmaßnahmen gefordert hatte, um die damals noch untätigen Regierungsparteien mit einem Gesundheitsminister, der Deutschland Ende Januar für »gut vorbereitet« erklärte, unter Druck zu setzen. Riefe sie jetzt nach den Bürgerrechten, wäre das nicht besonders glaubwürdig. Aber auch die Liberalen, denen der konformistische Staatsfunk in »Report München« süffisant sinkende Umfragewerte vorhielt, blieben in Anbetracht der illiberalen »Corona«-Maßnahmen viel zu zahnlos. Wo sind die Politiker, die sagen: »Es geht hier nicht um Lockerungen, es geht um die Wiedereinsetzung des Bürgers in seine verfassungsmäßigen Rechte«?

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29 Kommentare

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    Thüringer I. am

    Mein Unwort heißt "systemrelevant"! Der größte Blödsinn den die Leute aufsitzen und nachjubeln.
    Krankenhäuser, Krankenwagen, technische Geräte, Straßen, Kaufhallen, was zum Anziehen, das Dach über dem Kopf usw. werden demnach von absolut entbehrlichen Leuten entworfen und produziert. Kann man ja auch drauf verzichten. Die machen das eh nur aus Langeweile.

    Für mich sind ALLE wichtig, welche einem ehrlichen Beruf nachgehen!

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      Vollkommen richtige Feststellung. Die Gesellschaft ist ein komplexes Prozessmodell. Wie die Mechanik in einer analogen Uhr oder auf eine Platine….. verändert man nur ein Zahnrad oder geht nur ein elektronisches Bauteil kaputt, hat dieses Auswirkung an einer ganz anderen Stelle. Weil man den "Prozessfluss" nicht kennt (und damit meine ich ausdrücklich nicht die Wertschöpfungskette, welche nur den Produktionsgang betrachtet) sind solche Aussagen bestenfalls Amateurhaft.

      Was "systemrelevant" ist und was nicht, nimmt jeder Mensch für sich anders war. Da ich z.B. keine Haustiere habe, sind die Öffungszeiten von Tiergeschäften für mich nicht relevant. Da ich kein Eigenheim besitze, sind die Öffnungszeiten von Baumärkten, für mich weniger relevant. Da ich aber oft das Auto nutze sind die Öffnungszeiten von Tankstellen und auch die Nutzung von Autowaschanlagen für mich relevant. Dieses ließe sich endlos fortsetzen.

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    Käptn Blaubär am

    J.E. Hat die Parolen ausgegeben und eine Menge Narren beten sie nach. So viel zum "selbstständigen Denken" der Freiheit-Süchtigen. Zum Glück ingesamt ein Häuflein. "Die Hunde bellen,die Karawane zieht weiter",sagt der Orientale.

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      heidi heidegger am

      zit. Helmut Kohl??..mja, per Schnurtelefon ditt Bimbes verteilen hat(te) was haschisch- äh bakschisch-haftes, hehe.

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    Scheinopposition am

    Ja die gute Frau Weidel. Sie macht immer das Falsche zur richtigen Zeit, oder das Richtige zur falschen.

    Mittlerweile aber egal, AFD ist Geschichte.

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    Na toll. Mein Beitrag wurde schon zensiert! War wohl zu coronakritisch????

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    Der linke Schweinehund war noch nie ehrlich am

    Sie sagen Afd Pegida sind Rechts und ich sage das ist auch gut so, denn es heißt ja auch immer Rechts anwalt und Rechts sprechung Recht muss eben Recht bleiben und wer sein Recht haben will muss auch bereit sein das Recht zu erstreiten

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    t. schnieder am

    Phil Mehrens,
    zu meiner Situation: Mein Vater liegt im Bundeswehrkrankenhaus in Koblenz mit einer Covid-19-induzierten Pneumonie. Der gute war am Wochende – entgegen meines Rats – im wiedereröffneten Ikea in Godorf bei Bonn. (Wir wohnen rechtsrheinisch, in der Nähe des Drachenfels). Es gab auf dem Parkplatz am Samstag unfassbare Szenen. Rund tausend Leute – darunter mein Vater – warteten eng beieinander vor dem Möbelhaus, die meisten ganz ohne Maske, bei anderen hing sie irgendwo unter der Nase im Gesicht herum. Der Express berichtete darüber. Meinem Vater war das egal. Er wollte partout einen defekten Beistelltisch ersetzen. Nun kämpft er um sein Leben. Diesen Massenansturm haben wir dem Irren Laschet zu verdanken ("NRW ist das Land der Küchenbauer"), der, von Lobbyisten bedrängt, Lockerungen erlaubte. Ich wünsche Ihnen, Herr Mehrens, nicht, dass Sie das durchmachen müssen, was ich gerade durchmache.. obwohl… wenn ich es recht bedenke.. doch, ich wünsche es Ihnen doch. Jeder Compact-Redakteur, der die Pandemie verharmlost, sollte mindestens einen Angehörigen an Covid-19 verlieren. Das wünsche ich mir von ganzem Herzen.

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      Michael_b am

      Was wollen Sie damit sagen? Dass sich möglichst viele Menschen ähnlich verhalten sollten wie Ihr Vater? Um Ihren Wunsch zu erfüllen, dass jeder einen Corona-Patienten in seiner Bekanntschaft haben sollte? Oh je, oh je!!!

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        Käptn Blaubär am

        Will er wohl nicht sagen. Geben Sie sich etwas mehr Mühe beim Denken,Stirnfalten glätten sich wieder.

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      HEINRICH WILHELM am

      Es ist bitter, was ihrem Vater widerfahren ist und ich wünsche ihm, dass er die Krankheit besiegt.
      Dennoch: In dem Beitrag wurde "Corona" weder negiert, noch verharmlost.
      Das Thema ist doch, WIE und mit welchen MITTELN die Pandemie "bekämpft" wird und welche a) wirtschaftlichen und b) gesellschaftlichen Schäden daraus erwachsen.
      Mit denen werden Alle zu kämpfen und sehr viele auch darunter zu leiden haben.
      Und wir haben erlebt, wie es zu der heutigen Situation, mit den noch nicht absehbaren Folgen kommen konnte. Wir haben es gesehen und sind verpflichtet, die Lehren daraus zu ziehen.
      Nicht irgendwann. Jetzt!
      Das nächste Corona-Virus, oder was es immer sein wird, steht schon parat!
      Wollen wir das nächste Mal wieder eine solche widersinnige Krise und dann immer wieder?

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        Käptn Blaubär am

        Wurde doch,wenn auch nicht direkt. Die ganzen Grundrechts-Enthusiasten, die nicht mal 6 Wochen ihre Haxen stillhalten können, kotze mich nur noch an.

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      Otto Nagel am

      -Sagen Sie uns doch bitte, welche ernsthaften Vor-bzw. Haupterkrankungen nicht coronainduziert ihr Vater hat und dazu noch die Altersangabe. Das fehlt mir zur Einordnung !

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        Käptn Blaubär am

        Otto,ich könnte Ihnen sagen,welche Haupterkrankung SIE haben,aber die ist nicht Corona-relevant und Sie würden es als Beleidigung auffassen und nicht einsehen,also lasse ich`s.

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      Ist ja komisch. Die Inkubationszeit beträgt doch mindestens 10 Tage. Ich kenne keinen der einen kennt, der eine kennt usw. der an " Corona" gestorben ist!!!!

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        t. schnieder am

        Inkubationszeit: 2 – 14 Tage.
        https://www.lungenaerzte-im-netz.de/krankheiten/covid-19/ansteckungsgefahr-inkubationszeit/

        Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal <piep> halten.

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        Käptn Blaubär am

        Geduld! Kommt schon noch.Wir stehen doch ganz am Anfang. Erst 250.000 Tote weltweit. Bis zu 20 Millio wie bei der "Spanischen Grippe" 1919 ist`s noch weit. Damals war das 1% der Weltbevölkerung. Bleibt es dabei,müßten es diesmal 80 Mio werden. Auch damit ist natürlich die Chance,daß SIE zu den 80 Mio gehören, nur 1:99 ;nicht gerade russisches Roulette,eh? Womit für Sie und Ihresgleichen alles in Butter wäre.

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        Vollstrecker am

        @blaubär

        Überlass das Entwerfen apokalyptischer Szenarien gefälligst den Verschwörungstheoretikern!

        Unfassbar lächerlich dieser Typ.

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      Hein Blöd am

      Ihr Vater hätte besser auf einer Kanonenkugel zu Ikea reiten sollen, genau wie sein Sohn.

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      HERBERT WEISS am

      Echt traurig. Aber dafür kann Laschet nichts (ich zähle mich übrigens nicht zu seinem Fanclub). Ab und zu wird in Berlin und auch anderswo ein Radfahrer von einem rechtsabbiegenden LKW überrollt. Soll man deshalb das Radfahren verbieten? Oder nicht vielmehr den Radlern raten: "Rechnet stets mit dem Fehlverhalten der anderen! "?

      @ Michael_B, @ Vollstrecker: Wenn bei compact-online.de die Seite vom Vortag erscheint, einfach mal F5 drücken. Dann wird die Seite auf den aktuellen Stand gebracht.

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        Käptn Blaubär am

        Wieso kann Luschet nix dafür? Natürlich kann er. Für jede einzelne Infektion in einem unnötigerweise geöffneten Möbelhaus. Und unter einen r-abbiegenden LKW geraten, können Radfahrer sehr leicht verhindern: Die Geschwindigkeit vor Kreuzungen so weit verringern,daß es möglich wird die Kalbsaugen zu öffnen+ Mitdenken.

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      Sokrates' am

      @T. SCHNIEDER

      Gute Ansage Herr Schnieder. Aber das wollen und können viele Leser und Schreiber hier leider nicht begreifen. Und gute Besserung für ihren Vater 🙂

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    Sokrates' am

    Zitat aus dem Leit Post da oben : "Fragen wir zum besseren Verständnis doch mal ganz dumm:"

    Das müssen sie nicht extra betonen 😀

    Der ganze Post strotzt nur so vor Dummheit:-)

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      Hier spricht der Experte.
      Eine Großzahl der Leser dürfte darin übereinstimmen, das Sie es ja am besten wissen müssen.

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      HERBERT WEISS am

      1000 x nix = nix! – @ Tausendnicks, was wäre denn aus Deiner Sicht klug?

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