Tomá G. Masaryk: Benes geistiger Vater und der Weg in die tschechisch-deutsche Katastrophe

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Vor 100 Jahren konnte der Führer der nationalen Unabhängigkeitsbewegung Tomá G. Masaryk als Ministerpräsident des neuen tschechischen Staates zum zweiten Mal bestätigt werden. Für die sudetendeutsche Minderheit bedeutete es somit einen bleibenden Akt der Diskrimminierung, denn der Staatschef hatte für Deutsche nicht viel übrig.

Nur einen Monat nach der Ausrufung des tschechischen Staates, am 28. Oktober 1918, zeigte der neue Staat bereits seine Absichten gegenüber der deutschen Minorität, nachdem das Sudetenland von tschechischen Milizen besetzt wurde. Eine wilde Schießerei der Soldateska am Brünner Rathaus auf wehrlose Bürger hinterließ fünf Todesopfer. Ein Mann und vier Frauen.

 Besetzung des Sudentenlandes und Wilsons Dolchstoß

 Die Besetzung des Sudetenlandes begann bereits Anfang November 1919, also vor Entscheidung der sogenannten Friedenskommission von Versailes. Sanktioniert wurde diese Okkupation durch die Entente-Staaten jedoch nicht. Im Gegenteil, der Landraub erhielt im „Versailer Vertrag“ sogar noch eine formelle Bestätigung.

 Die Ankündigung zur Errichtung eines tschechischen Staates erfolgte sogar schon am 18. Oktober 1918 durch Masaryk. Im Namen einer sellbsternannten tschecho-slowakischen Regierung gab er seine „Washingtoner Erklärung“ ab, die als Erwiderung zum Manifest Karls diente, welches die Neugestaltung Österreichs zum Bundesstaat mit unabhängigen Nationalitätenvertretungen vorsah.

Allerdings haben die Vereinigten Staaten die neue Republik, die von vorn herein auch das Sudetenland ins Auge fasste, anerkannt. Dies bedeutete eine komplette Abkehr vom 10. Punkt des Wilsonschen Friedensplanes, wonach das Selbstbestimmungsrecht der Völker garantiert sein sollte. Im Wortlaut hieß es dort: „Den Völkern Österreichs-Ungarns ist die freieste Möglichkeit autonomer Entwicklung zu gewähren.“ Immerhin hatten die Sudetendeutschen sich für die Anbindung zu Deutsch-Österreich ausgesprochen und eine eigene Landesregierung gebildet.

 Masaryk Germanophobie als Lehrmeister Benes

Gleichwohl der tschechische Regierungschef in seiner Jugend deutsch sprach und schrieb, weil er durch seine Mutter deutsche Wurzeln aufwies, keimte in ihm allmählich eine germanophobe Abneigung auf. Ursächlich dafür könnten seine späteren Kontakte zum slowakisch-nationalistischen Schwiegervater, der ihn finanzierte, gewesen sein. Schon zu Beginn des Ersten Weltkrieges forderte er die Zerschlagung der Donaumonarchie. Gegen die Mittelmächte schürte er permanent allgemein Hass und plädierte für einen eigenständigen tschechischen Staat. In seinen Reden warf er den deutschsprachigen Völkern unter anderem einen Plan zur Errichtung einer pangermanischen Weltherrschaft vor und der österreichische Kaiser Franz-Joseph war bei ihm zu einer regelrechten Hassfigur auserkoren. In einem am 10. Januar 1919 geführten Interview mit dem gerade gewählten tschechischen Oberhaupt, das kurz vor den Pariser Verhandlungen stattgefunden hatte, werden erste Vertreibungsabsichten gegen Deutsche schon ersichtlich: „(…) unsere geschichtlichen Grenzen stimmen mit den ethnographischen Grenzen ziemlich überein. Nur die Nord- und Westränder des böhmischen Vierecks haben infolge der starken Einwanderung während des letzten Jahrhunderts eine deutsche Mehrheit. Für diese Landesfremden (franz. „étrangers“) wird man vielleicht einen gewissen modus vivendi schaffen, und wenn sie sich als loyale Bürger erweisen, ist es sogar möglich, dass ihnen unser Parlament (…) irgendeine Autonomie zugesteht. Im übrigen bin ich davon überzeugt, dass eine sehr rasche Entgermanisierung dieser Gebiete vor sich gehen wird“. In einer anderen Äußerung heißt es: „Die von den Deutschen bewohnten böhmischen Gebietsteile sind und bleiben unser. Wir haben diesen Staat erkämpft, und die staatsrechtliche Stellung der Deutschen, die einst als Immigranten und Kolonisten hierhergekommen sind, ist damit ein für allemal festgelegt. Wir haben ein gutes Recht auf die Reichtümer unseres gesamten Landes“.

Bei der Ausarbeitung der tschechischen Verfassung waren die Deutschen die einzige Volksgruppe, die von der Mitgestaltung ausgeschlossen wurde.

Edvard Benes, der als Außenminister die rechte Hand des Staatschefs war, muss bei seinen späteren Handlungen und Reden in Masaryk seinen Lehrmdeister gefunden haben. Wie Benes mit der sudetendeutschen Bevölkerung verfahren ist, kann in COMPACT-Geschichte Nr. 8 „Verbrechen an Deutschen. Vertreibung, Bombenterror, Massenvergewaltigungen“ nachgelesen werden.

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30 Kommentare

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    Extra Post fürs "Heidilein"
    Die beim Attentat eingesetzten Handgranaten Nr. 37 wurden vom englischen Geheimdienst mit dem Botulinus-Erreger infiziert, der das starke bakterielle Gift Botulinumtoxin produziert. An den Folgen dieser Infektion verstarb der verwundete Heydrich.

    Seit dem Nürnberger Tribunal wird die Vergeltungsaktion im tschechischen Lidice für den Mord an Heydrich wahrheitswidrig der Waffen-SS angelastet.
    Tatsache ist jedoch, daß an der Aktion keine Einheit der Waffen-SS beteiligt war, sondern daß die Erschießungen von einer Einheit der tschechischen Protektorats-Gendarmerie durchgeführt wurden.
    Dabei hatte eine Kompanie der Schutzpolizei den Ort am 9. Juni 1942 für die Exekution der 173 Männer abgeriegelt.
    Zur Außensicherung war das Heeres-Ersatz-Bataillon 480 eingesetzt. Nach den vorgefundenen Beweisen war die Vergeltungsmaßnahme völker- und kriegsrechtlich berechtigt; die Frauen und Kinder waren zuvor aus dem Ort Lidice evakuiert worden.

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    Der Fehler ist, Zusammenschlüsse gleich welcher Art zu dulden! Europa hatte schon ideale Grenzen, die mögligst vielen Gruppen und Grüppchen möglichst viel Selbständigkeit einräumten, bevor Napoleon z.B. mit seinem Reichsdeputationshauptschluß dazwischenfuhr. Oder eben größere Länder damit anfingen die Kleineren zu erobern. Das ist aggressiv und sollte man lassen. Das Sudetenland hätte ein eigenständiges Land werden und bleiben müssen.
    Das Anstreben eines größeren Staates und die daraus erfolgende Eroberungssucht ist zu verurteilen; denn das ist aggressiv! Man hätte in Versailles schon auf wesentlich mehr und kleinere Staaten zurückgreifen müssen! Aber auch Frankreich selber hätte seinen Völkern mehr Autonomie zugestehen müssen, so wie es VOR Ludwig XIIII war!

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    DerSchnitter_Maxx am

    Tschechen … haben -nur- Skodá, aber Volkswagen steckt dahinter 😉

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    Der Fernaufklärer am

    Schön, dass Compact mal das Thema der nach 1918 von den alliierten im Zuge der "Zerlegung" der Rivalen Deutsches Reich und Österreich-Ungarn künstlich geschaffenen "Staaten" – nach dem bewährten Prinzip: Teile und herrsche" – mal erwähnt! Denn "Polen" gab es in der Form vor 1918 auch nicht! Das ist sogar in Geschichtsbüchern aus den frühen 60ern noch genau dokumentiert.

    Es wird von der bunten Propaganda stets in der Regel suggeriert, Hitler und Stalin hätten aus reiner Machtgier friedliche, schon lange existierende Staaten angegriffen. Wenn man die Vorgänge von damals aber genau recherchiert, war das damals nichts anderes als eine reine Rückgängigmachung des Diktats von Versailles, von der Heimholung des Saarlandes bis hin zum Polenfeldzug. So macht auch die komische Aufteilung "Polens" von 1939 wieder Sinn. Denn die Wehrmacht hatte in keinster Weise die Hilfe der Roten Armee gebraucht. Und so mancher mag sich schon gefragt haben: Warum etwas teilen, wenn man es im Prinzip alleine errungen hat? Hier ging es damals nicht um die Aufteilung einer Beute, hier hat sich jeder seine durch Versailles geraubten Gebiete wiedergeholt!

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    Rasiert und Seitenscheitel am

    100 Jahre alte Kriegsgeschichtchen auf einem Nebenkriegsschauplatz einer unbedeutenden Minderheit.

    Solche Geschichten interessieren keinen Menschen. Außer vielleicht für ein Geschichts Referat in der 7. Klasse.

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      RechtsLinks am

      HiHi, wo gibts denn in einer 7. Klasse ein Referat ueber die Geschichte der Deutschen, das nicht vor Luegen, Leugnungen und Siegerdiktat nur so strotzt? Fuer dich mag das ja reichen Clown, aber fuer andere ist es oft viel zu wenig.

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      Jeder hasst die Antifa am

      Na ja wenn man wie du den Geschichtsuntericht geschwänzt hat tut Nachhilfe ebend Not oder warst du gar nie in einer Schule.

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        Rasiert und Seitenscheitel am

        @ Paul

        Tztztztz 😀 …schlecht geschlafen 😉 ? 😀

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      Love is the answer am

      Eine "Minderheit" von mal gerade 3,5 Millionen Menschen!?! Die Tschechen waren selbst eine Minderheit in Österreich-Ungarn und sogar in der CSR. Diese "Geschichten" interessieren sehr wohl viele Menschen, denn es ist unsere Geschichte, lieber Troll.

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    heidi heidegger am

    Václav Sedláček (22. April 1917 in Recklinghausen – 28. Oktober 1939 in Prag) war ein tschechischer Sokolturner und Arbeiter, der vom NS-Regime im Rahmen einer Widerstandskundgebung am Tschechoslowakischen Unabhängigkeitstag auf offener Straße ermordet wurde.

    ditt heidi meint, halb Wien hat heute gefühlig diesen stolzen Nachnamen und aaaadolf aber liess gewaltig die Sau raus 1939..da jibbett kein Vertun: — Er geriet angesichts des gezeigten Widerstandswillens der Bevölkerung außer sich und gebrauchte Ausdrücke wie „in Blut ertränken“, „einsperren“, „alle Waffen anzuwenden“, „ich werde nicht davor zurückscheuen, in den Straßen auch Kanonen aufzustellen … und in jede Menschenmenge mit Maschinengewehren schießen zu lassen … Prag lasse ich dem Erdboden gleichmachen.“ — In den frühen Morgenstunden des 17. November begann die Sonderaktion von SS-Sonderkommandos bei den Studentenheimen in Prag.

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        RechtsLinks am

        Und…und nicht vergessen Heidi, dass Heydrich ohne Bodygards im offenen Cabrio durch die ganze Tschechei fuhr. Bis der von den Englaendern bezahlte Killer kam…
        Und…und…und nicht vergessen, wer dem Adooooolf die Tschechei schenkte…. Tja..
        Ich warte auf die Queeeeelen..!

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        heidi heidegger am

        "Flugverbots"-Heydrich überschätzte sich und verschätzte sich: "m e i n e Tschechen tun mir nix und ich liebe doch alle Menschen usw."..aaaadolf tobte darüber und fuhr selber ab da dann 1942 nicht mehr offen, sondern hockte im Bunker rum. Muss ich aber nochmal alles gegen-checken, hihi.

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        RechtsLinks am

        Heidi-lein..Guckst du nach Peter Parler & Karl IV und dann reden wir ob Deutsch oder Tschechisch. ok? Buuuusssssiiiii…

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        Der Ziggenbauer beruft sich auf Wiki blöd, den roten Kanal im Stasi TV

        Schäm dich!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

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      Jeder hasst die Antifa am

      Sedlacek war das nicht der Kumpel von Schweijk im ersten Weltkrieg im zweiten war dann mit Heiderich ein schärferes Kaliber da für Sonderaktionen.aukidauki

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        heidi heidegger am

        Reinhard Tristan Eugen Heydrich war doch erst 1942 fällig. Ihr wollt mir einfacher Ziggenbäuerin doch nicht vazoin, dass "die tschechischen KunstTurner" alle brit. Spione waren, häh?

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      heidi heidegger am

      Quelle: (Welche Bedeutung haben die Ereignisse im Herbst 1939 für die tschechische Geschichte?) Historiker Koura hält den 17. November des Jahres auch daher für einen wichtigen Gedenktag, obwohl seine Bedeutung mittlerweile durch den Jahrestag des Beginns der Samtenen Revolution überdeckt wird:

      „Es ist ein wichtiges Datum auch deshalb, weil der 17. November zum internationalen Studententag erklärt wurde, mit dem Verweis auf die Verfolgung der tschechischen Studenten. Und am 50. Jahrestag des Datums begannen in Prag die Studentendemonstrationen.“

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        heidi heidegger am

        voilá! ..aber der Westslawe muss ja auch irgendwo wohnen, gell? bis später..und: Buuuuuuussiiiiii-hihi

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        heidi heidegger am

        a-a-aber meine Quelle kommt doch vom Film wie ditt heidi, hihi, ausserdem ergeht ein heidi-Ordnungsruf an Paul und Prof (jeweils ein halber wg. "Bake" statt "Weia".. 🙂 !:

        — 30.09.2010
        Vortrag von Petr Koura, Prag: Die Entwicklung des Bildes der Deutschen im tschechoslowakischen Film nach 1945

        Ein Vortrag im Rahmen der Filmreihe „Anziehungs und Distanz – Bild des Deutschen im tschechischen Film“.

        Der Zweite Weltkrieg ist eines der Hauptthemen der tschechoslowakischen Kinematografie nach 1945. über diese Zeit wurden über hundert abendfüllende Filme gedreht.. —

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