Tod auf Raten: Wie Kliniken an die Wand gefahren werden

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Von wegen Bettenknappheit durch Corona: Seit Jahren werden Krankenhäuser von der Politik in den Bankrott getrieben. In vorderster Front dabei: die heutigen Lockdown-Hardliner. Und dreimal dürfen Sie raten, wer vom Kliniksterben profitiert. Ein Auszug aus der März-Ausgabe von COMPACT, die Sie hier bestellen können.

Es war ein Wettlauf gegen den Tod. Schon am Abend ging es Wilma immer schlechter. Doch erst am nächsten Morgen brachte ein Rettungswagen das kleine Mädchen nach Schwerin – quasi in letzter Minute. Die Diagnose: eine schwere Hirnhautentzündung. «Wäre eine Kinderklinik hier gewesen, wären wir ganz sicher am Samstagabend noch in die Notaufnahme gegangen», meint Wilmas Vater Eric Bielohradsky. Doch die Kinderstation des Krankenhauses in der mecklenburgischen Kreisstadt Parchim war im Winter 2020 bereits seit Monaten geschlossen – obwohl der eigentlich verbindliche Landeskrankenhausplan die Einrichtung vorschrieb.

Der Betreiber, die private Asklepios-Gruppe, gab sich zerknirscht: Der «reine Ärztemangel» erzwinge das Aus der kaum gewinnbringenden Station, beteuerte Regionalgeschäftsführer Guido Lenz. Tatsächlich hatte der Konzern den Chefarzt und zwei weitere Fachmediziner zuvor entlassen. Bereits im März 2019 verstarb dort ein zweijähriges Mädchen – der eingesetzte Assistenzarzt im ersten Ausbildungsjahr hatte eine Lungenentzündung nicht erkannt, ein Facharzt fehlte.

«In Deutschland gibt es zu viele Krankenhäuser.» Bertelsmann-Stiftung

Deutschlands Gesundheitssystem ist längst selbst ein Fall für die Intensivstation. Nach Angaben des Bundesrechnungshofes sind 200 Krankenhäuser akut vom Bankrott bedroht. Gab es 1991 noch 2.400 Einrichtungen, waren es 2018 nur noch 1.925. Auch die Zahl der Betten sank im gleichen Zeitraum um ein Viertel auf 498.350. Im Jahre 2019 verschwanden insgesamt 47 Krankenhäuser, davon 19 in ohnehin unterversorgten ländlichen Räumen. (…)

Lauterbachs Kahlschlag-Fantasien

Die Kinderstation in Parchim wurde inzwischen zumindest als Tagesklinik wiedereröffnet. Mecklenburg-Vorpommerns Landesregierung spendiert nun 150.000 Euro pro Jahr – der Gedanke an tote Kinder im Wahljahr war der SPD-CDU-Koalition womöglich zu heikel. Dass immer mehr Kliniken die Abrissbirne droht, ist jedoch politisch gewollt. Noch im Februar 2020 forderte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) mehr Mut in der Debatte um Krankenhausschließungen. Im Sommer 2019 sorgte ein Tweet des SPD-Bundestagsabgeordneten Karl Lauterbach für Irritationen. «Jeder weiß, dass wir in Deutschland mindestens jede dritte, eigentlich jede zweite Klinik schließen sollten.» Mittlerweile stehen Spahn und Lauterbach Seit an Seit bei der Propagierung des Lockdowns. Andernfalls würden Krankenhäuser überlastet, so ihr beständiges Credo.

Angst machen, herumgockeln, finster dreinschauen: der Gesundheitsminister und der Herr der Fliegen bei einer Pressekonferenz im April 2020. Foto: picture alliance/dpa

Fahrt aufgenommen hatte der Kahlschlag bereits mit der Einführung der Diagnosis Related Groups (DRG) – der sogenannten Fallpauschalen – im Jahre 2004. «Das DRG-System ist nicht per se falsch. Falsch ist aber, dass das System von vornherein mit dem Ziel, Überkapazitäten im stationären Bereich abzubauen, systematisch unterfinanziert wurde», sagte Professor Almut Tempka bereits 2015 dem Deutschen Ärzteblatt. Die Medizinerin der Berliner Charité vermutete ein zynisches Kalkül: Die Politik erspart sich unpopuläre Krankenhausschließungen, indem Einrichtungen in den finanziellen Ruin getrieben wurden.
Unverhohlene Worte wie von Spahn und Lauterbach sind dabei selten. Zumeist erschließen sich die Pläne erst auf den zweiten Blick. So sah das 2016 in Kraft getretene Krankenhaus-Strukturgesetz bis 2018 Investitionen in gleicher Höhe wie in den Jahren 2012 bis 2014 vor – und wirkte damit wie eine Bestandsgarantie. Tatsächlich handelte es sich jedoch um eine Kürzung, denn gerade zwischen 2012 und 2014 lagen die entsprechenden Ausgaben auf einem historischen Tiefststand. (…)

Promoter und Profiteure

Was bislang durch provozierte Insolvenzen noch verschleiert wurde, könnte künftig mit der Brechstange herbeigeführt werden. Immer wieder als Scharfmacher für Schließungen aufgefallen ist Reinhard Busse. Erst im September forderte der Gesundheitsökonom der Technischen Universität Berlin in der grünen-nahen Tageszeitung  die Schließung von 800 der aktuell noch 1.400 Akutkrankenhäuser. Angeblich zum Wohle der Patienten, die heute auf zu viele schlecht ausgestattete Kliniken verteilt würden. Busses Worte haben Gewicht: Der nach Einschätzung der Frankfurter Allgemeinen einflussreichste Gesundheitsökonom der Jahre 2017 und 2018 berät unter anderem den Bundestag, das Bundesgesundheitsministerium und die Weltgesundheitsorganisation WHO.

Phantombild eines Phantomerregers. Foto: NIAID

Ähnlich sah dies zuvor bereits die Bertelsmann-Stiftung. «In Deutschland gibt es zu viele Krankenhäuser», hieß es lapidar in einer am 15. Juli 2019 vorgestellten Auftragsstudie. Mindestens die Hälfte der Kliniken müssten dicht machen. Erstellt wurde die Untersuchung vom Berliner Institut für Gesundheits- und Sozialforschung (IGES). Dessen Direktor Bertram Häussler kam 2020 selten zu Wort – er gilt als Kritiker der Corona-Politik. Doch in anderen Fragen arbeiten IGES und Gesundheitsministerium offenbar eng zusammen. So erstellten die Forscher in der Vergangenheit mehrfach Studien für die Spahn-Behörde – unter anderem zur Wirtschaftlichkeit bei der Impfstoffversorgung.

Profiteure dieser Entwicklung sind vor allem private Gesundheitskonzerne. So verfügt Deutschlands größter öffentlicher Krankenhausbetreiber Vivantes (…) Ende der Textauszugs.

Den vollständigen Artikel lesen Sie in unserer März-Ausgabe mit dem Titelthema «Kinder des Lockdowns: Wie sie leiden. Wie wir sie schützen». Das Inhaltsverzeichnis und die Möglichkeit zur Bestellung finden Sie hier oder per Klick auf das Banner unten.

16 Kommentare

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    Der Beginn allen Mists war die Privatisierung des Krankenhaussystems! Das fing damit an, daß teure Privatkliniken für reiche Leute von Kassenpatienten nicht genutzt werden konnten, was den Sozialneid erregte. Anstatt denen die Preise zu deckeln hat man von hinten aufgezäumt und ALLE PRIVAT gemacht! Daß dieser Staat für Junge nicht viel übrig hat, erwies sich auch hier bald: Die finanziell unlukrativen Kinderstationen wurden als 1. dichtgemacht! Geld verdienen kann das "Gesundheitssystem" nur damil daß sie alte Leute unnatürlich lange am Leben erhält – auch eine Art von Quälerei! Jeder, der nicht an Maschinen, bzw. Schläuche gehängt werden will, will im Grunde nicht auf eine Intensivstation verbracht werden und formuliert das in seiner Patientenverfügung ungenau oder falsch und landet dann doch dort! Es gab eine Phase in der alle Krankenhäuser geschlossen wurden, die keine Intensivmedizin anbieten konnten. Auch die Bereithaltung dieser ist aber teuer und unnötig! Dem Meisten wird nur das Sterben damit verlängert oder sie werden dauerhaft in einen Zustand versetzt, den niemand wirklich will.
    Auch wurde das deutsche System schon dafür kritisiert, daß zu viel operiert wird! Das kann man aber nur machen, wenn die Leute unnatürlich alt werden (müssen)! Kinder haben ggf. nur 1 Blinddarm! Wie heißt es im Artikel: Unrentabel!

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      2. Als das System noch staatlich war, hatte jedes Haus eine Kinder- und eine Wöchnerinnenstation zu haben! Für die Alten war der Rest. Und das war gut so!

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    heidi heidegger am

    Vivantes?? Da hockt(e) doch der Ehemann von ditt Chebli fett mit drin, ey! SPD und Big Pharma: das passt wie Hund..Saustall, jawoll Saustall !

    Starker MMM-Beitrag übrigens!

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    Das ist sachlich nicht ganz richtig! Richtig ist, das System ist generell komplett unterfinanziert! Aber die Schlussfolgerung: mehr Krankenhäuser = bessere medizinische Versorgung ist falsch. Kleine Krankenhäuser mit wenig Fachabteilungen sind bei der immer spezialisierteren Medizin schlicht qualitativ größeren Häusern nicht gleichwertig. Das DRG System verschärft dieses Problem, denn spezialisierte Diagnosen bringen einen höheren Fallwert. Kleinere Häuser behandeln oft Patienten, die sie eigentlich nicht behandeln können, wegen des Fallwertes, anstatt sie in größere Häuser weiter zu verlegen, wie es in vor DRG Zeiten vollkommen normal war. Somit würde ich lieber 50 km fahren, statt 15 km, wenn die Behandlungsqualität dafür besser ist. Denn darum geht es! Zudem verschärfen mehr Häuser den Pflegenotstand und Ärztemangel…lieber Qualität statt Quantität!

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    Wir leben in der am

    Bunzelrepublick ABSURDISTAN

    Die sog. Regierenden haben allesamt schwere Dachschäden

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    Der Überläufer am

    Ist nun mal so, dass flächendeckende medizinische Versorgung irgendwie auch finanzierbar sein muss (genau wie Renten und Sozialstaat). Solange aber noch 45.000 Heilpraktiker Beitragsgelder in ihre Taschen schaufeln (der schulmedizinischen Versorgung finanzielle Mittel entziehen!), kann alles nicht ganz so schlimm sein. Auch die kleine Wilma sollte schließlich nicht durch Handauflegen geheilt werden, oder?

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      Deutschösterreicher aus dem Wienerwald am

      Flächendeckende medizinische Versorgung finanziert man am besten, indem man die Wirtschaft nicht durch "lockdown" an die Wand fährt.

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        Der Überläufer am

        Artikel nicht gelesen? Die Pre-lockdown Zeit wurde kritisiert?

        Außerdem, warum haben Sie nicht "grundloser lockdown" geschrieben? Unterbewusst dann doch den direkten Zusammenhang zwischen Lockdown und Lebensrettung erkannt?

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      HEINRICH WILHELM am

      Du schreibst wie Salomo, nur nicht so weise.
      Das wäre an sich nicht so wild.
      Aber bei dir wird das immer krasser!

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    @ H.B.

    In Deutschland gibt es 43 private Krankenkassen, nicht 200 !

    Daneben existieren die gesetzliche Krankenkassen welche im Beitrag und Leistung annähernd gleich sind.

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      Und die haben bessere Paläste ,genau wie Banken ,wenn es um Kohle einstreichen geht für bald unbezahlbare medizinische Behandlungen … Dagegen sind manche Krankenhäuser gegen diese Geldverwerter der Gesundheit , Pleiteschuppen …. Schade die DDR hat nicht mehr Krankenhäuser gebaut ,da würden sich diese Ausgaben für Neubauten ersparen,oder die alten Siechhäuser vom Kaiser …
      Aber die Versicherten und Steuerzahler erhalten diese privaten teilweise Gesundheitsabzocker .

      Was ist unter diesem Krankenkassensystem noch der Euro Wert….

      Wenn Corona vorbei ist,vorbei sein sollte irgendwann im nächsten Jahrhundert , …..kannste Behandlung nur noch bekommen gegen Gold ….

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    Das sind die Vorzüge des angloamerikanischen Liberalkapitalismus, der das Fundament unserer allseits geliebten Demokratie ausmacht.

    Etwas Schöneres, Edleres und Ehrenvolleres als für diese hohen Werte zu sterben, kann es überhaupt nicht geben.

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    Tja, so ist das wenn’s NUR um Profit geht!
    Hat für mich fühlbar begonnen als aus der staatlichen Krankenkasse rund 200 überwiegend private Krankenversicherungen geworden sind, die ihren Aktionären den fetten Leib noch voller stopfen!
    Und dazu paßt auch ein gescheiterter Banker als Gesundheitsminister, HALLO?

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      Leute wie Spahn ….,haben den tieferen Sinn der Gelderhaschung rechtzeitig erkannt ….aus dem Paradies kann man noch mehr Kohle ziehen …. bei der Schwerstarbeit für das Pack ….

      Wetten, der geht auch noch zum Sozialamt um Gelder zu bekommen für die hohen Haushaltskosten …. und bei Caritas ein paar Zugaben für den Kühlschrank ….

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