Ablenkung von Stuttgart: Seehofer verbietet bedeutungslose Nazi-Truppe

16

Während in Stuttgart die – so die örtliche Polizei – „Party- und Eventszene“ unter Allahu-Akhbar-Rufen randalierte, betreibt Horst Seehofer Symbolpolitik gegen Rechts: Heute morgen hat der Bundesinnenminister die Gruppe „Nordadler“ verboten. Doch was als rechtsextreme Terrorbande inszeniert wird, wirkt eher wie eine Truppe harmloser Idioten.

„Seit den Morgenstunden laufen in vier Bundesländern polizeiliche Maßnahmen“, teilte der Sprecher des Innenministeriums, Steve Alter, am Dienstagmorgen auf Twitter mit. Es habe Razzien in Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Brandenburg und Niedersachsen gegeben. Allzu gefährlich scheint die Gruppe allerdings nicht gewesen zu sein. Die „Nordadler“ hätten vorwiegend im Internet agiert, heißt es. Offenbar betrieben sie eine Webseite und einen öffentlichen Telegram-Chat mit dem Namen „Führung“. Dort sollen sich auch positiv über politische Gewalt geäußert worden sein, woraus jedoch nie  konkrete Pläne wurden. Der eigentliche Hauptvorwurf ist offenbar, dass sich die Mitglieder zu Adolf Hitler bekannten, die „Sprache des Nazi-Regimes“ nutzten und in Chats einschlägige Bildchen austauschten. „Rechtsextremismus und Antisemitismus haben auch im Internet keinen Platz“, sagte Alter – was bereits darauf schließen lässt, dass die „Nordadler“ realweltlich völlig bedeutungslos gewesen sein dürften.

Telegram-Terrorzelle?

Es ist allerdings nicht das erste Mal, dass die Gruppe ins Visier gerät: Bereits im April 2018 hatte es Razzien wegen des Verdachts der Gründung einer rechtsterroristischen Vereinigung gegeben, weil die Mitglieder in Telegram-Chats Gewaltphantasien austauschten und die Behörden offenbar mitlasen. Scharfe Waffen wurden aber keine gefunden, auch Festnahmen gab es nicht. Nichtsdestotrotz zog die Bundesanwaltschaft den Fall an sich: Die vier Beschuldigten hätten damals Anschläge auf politische Gegner erwogen, diese jedoch nicht näher geplant. Das klingt nach einer prahlerischen „Man-müsste“-Rhetorik, wie sie sich vermutlich in unzähligen privaten Chatverläufen mit Bezug auf Spitzenpolitiker und Prominente finden ließe. Offenbar führte man zumindest Listen mit Antifa-Mitgliedern aus der Region. Ob diese allerdings zu Anschlagszwecken gedacht waren, ist zweifelhaft: In den Medien gerne zitierte „Rechtsextremismusexperten“ beobachten ihre politischen Gegner auch bis hin zum Stalking, begehen deshalb aber in der Regel längst noch keine Anschläge. Trotzdem sind die Ermittlungen auch nach zwei Jahren noch immer nicht abgeschlossen.

„Man kann es nicht wirklich Gruppe nennen“

Tatsächlich macht der Fall den Eindruck, dass es sich im einen losen Kreis politisch verwirrter Spinner handelt, die nach der Instrumentalisierung des antisemitischen Amoklaufs von Halle im vergangenen Jahr für eine symbolische Gegen-Rechts-Politik des Innenministeriums herhalten müssen. In einem zwei Jahre alten Interview mit dem NDR (Tagesschau, 18.4.2018) kann man sich ein Bild von einem der Hauptbeschuldigten machen. Wladislaw S., ein blasser junger Mann mit schütterem Haar, schwarzem Hemd und Tarnhose, bekennt sich darin offen zu seinem Neonazi-Gedankengut. „Man kann es nicht wirklich Gruppe nennen“, sagt er mit osteuropäischem Akzent über die „Nordadler“, „es ist halt eine Interessengemeinschaft [von Personen], die dem Nationalsozialismus nicht abgeneigt sind oder eine Autarkie wollen, aus dieser Gesellschaft raus wollen.“ Er spricht sich jedoch genauso offen gegen Gewalt aus. Über ihm vorgeworfene Anschlagspläne sagt S. freimütig: „Ich finde es lächerlich, da es nichts bringt (…) sondern das würde eher das Gegenteil bewirken, dass man uns dann wieder als die bösen Nazis schimpft, die Krieg wollen und Terroranschläge planen.“ Damals blieb S. auf freiem Fuß. Offenbar schätzen die Behörden die tatsächlich von ihm ausgehende Gefahr als gering an. Bekannt ist auch, dass gerade lose Chatgruppen (zuletzt die Anfang des Jahres verhaftete „Gruppe S.“ aka „Der harte Kern“) immer wieder von Spitzeln und Informanten des Verfassungsschutzes durchsetzt sind. Nicht selten sind es gerade diese, die saktiv zu Straftaten anstiften.

Verbindungen zum Islamischen Staat

Kurios ist unterdessen, dass S. 2017 mit Sascha L. vor Gericht stand, der seinerzeit als IS-Sympathisant angeklagt war. Dem NDR sagte S., er habe den späteren IS-Mann in „nationalsozialistischen Kreisen“ kennengelernt, bevor dieser zum Islam konvertierte. Damals wurde S. wurde vom Landgericht Braunschweig als mutmaßlicher Helfer zu einer Geldstrafe und gemeinnütziger Arbeit verurteilt. Er hatte eine angebliche „Probesprengung“ begleitet und das Video auf Youtube gestellt. Das absurde Geschehen erinnert an einen aktuellen Fall aus den USA: Dort muss sich der 22-Jährige Soldat Ethan M. vor Gericht verantworten, weil er einen Anschlag auf seine eigene Einheit geplant haben soll. Zudem soll M. ein IS-Terrorhandbuch auf seinem Rechner gehabt und Informationen an die britische Satanisten-Gruppe „Order of Nine Angles“ (O9A) weitergegeben haben. Zu diesem wiederum gehörte auch David Myatt, eine wichtige Führungsfigur vom „Combat-18“ in Großbritannien. Über die Verstrickungen von Geheimdiensten und Neonazi-Kreisen berichteten wir ausführlich in COMPACT-Spezial Nr. 24 „Tiefer Staat“.

Diese Spezialausgabe von COMPACT legt sich mit der unsichtbaren Macht in unserem Land an: Der Hintergrundstruktur aus Geheimdiensten und Verfassungsschutz.

Nach allem, was bisher bekannt ist, dürfte der eigentliche Hintergrund des „Nordadler“-Verbots weniger deren Gefährlichkeit sein: Wahrscheinlich ist es eher dem Bedürfnis Horst Seehofers geschuldet, sich nach dem Mord an Walter Lübcke sowie den Amokläufen in Halle und Hanau im Kampf gegen Rechts als harter Hund zu profilieren. Es ist bereits das dritte Verbot einer rechtsextremen Gruppe durch den Bundesinnenminister in diesem Jahr: Im Januar wurde das mit V-Männern durchsetzte Netzwerk „Combat-18“ aufgelöst, im März eine Reichsbürger-Vereinigung. Insgesamt hat das Innenministerium bereits 20 rechtsextreme Gruppierungen verboten – dass viele davon, wie auch im aktuellen Fall, kaum als wirkliche Organisationen zu bezeichnen sind, ist dabei nichts Neues.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Über den Autor

Avatar

16 Kommentare

  1. Avatar

    Positiv über Gewalt äußert sich auch Vitali Klitschko.

    Bevor wir die Welt zu einem besseren Ort machen, sollten wir vielleicht dafür sorgen, daß er nicht noch schlechter wird.
    Das Internet hat das Auto als des Deutschen liebstes Kind abgelöst. Würde man den Deutschen die Verfassung wegnehmen, passierte wahrscheinlich gar nichts. Nähme man ihnen das Internet weg, hätten wir am nächsten Tag die Revolution.

    Das Links-Rechts-Denken führt dazu, daß man genau dasselbe macht, was man dem Gegner vorwirft, nur von der anderen Seite.

    Und wer Rico einen "Influenzer" nennt, hat wahrscheinlich die Absicht, ein Problem zu verharmlosen. Das bessere Wort ist Einflußagent.

  2. Avatar

    Die Nordadler haben online nachweislich Sympathien für Stephan Balliet bekundet, der in Halle 2 Menschen ermordete. Logisch, dass man da von Staats wegen einschreiten musste. Zudem hatten Mitglieder der Gruppe ein Grundstück in Thüringen erworben. Dort sollte eine, Zitat, „Artgemeinschaft“ den Fortbestand der „nordischen Rasse“ sichern. Die Nummer erinnert an Jürgen Rieger, der weiland Grundstücke und Gehöfte in Schweden und Norddeutschland gekauft hatte.

    • Avatar
      DerSchnitter_Maxx am

      Da kann man genau so gut Grimms Märchen lesen … denn da sind weitaus mehr Wahrheiten … was das Leben und den Menschen*innen an sich anbelangt, wieder- und aufzufinden 😉

    • Avatar

      Wenn Sie denken, mit ""Artgemeinschaft"" und der ""nordischen Rasse"" hier irgendetwas triggern zu können wie bei der bunTesrepublikanischen Tagesschau-, RTL-, TAZ-, FAZ- und Klett-Schulbuch-Mehrheit, dann irren Sie vermutlich.

      Grundsätzlich ist gegen die Erhaltung der Völkerdiversität nichts einzuwenden. Im Gegenteil:
      Eher gegen den linksextremistischen No Border-No Nation-Rassismus.

      Was die Nordadler und Halle angeht, so besteht die Frage, ob auch BILD wieder live vor Ort war.

    • Avatar

      @ M. BERKAS

      Was wäre so schlimm daran eine "nordische Rasse" zu erhalten?
      Schlimmer wäre es wohl, diese Menschen (hellhäutig, blauäugig,
      blond wie Judith Rakers, ARD, oder rothaarig wie Prinz Harry)
      aus pseudo-antirassistischer (also rassistischer) Motivation heraus,
      eliminieren zu wollen!
      Könnte es nicht sein, dass die "Nordischen Minderheiten" auch ein Lebensrecht
      haben? Zumindest hätten sie, global und theoretisch betrachtet, ein Anrecht
      auf Minderheitenschutz, wie etwa die Ostfriesen im norddeutschen Narrenland,
      die Sorben in der Lausitz, die Basken in Spanien, die indigenen Völker in Nord-
      und Südamerika, die Nenzen in Sibirien, die Samen in Norwegen und die
      Aborigines in Australien, auch wenn sie keine Grundstücke in Norddeutschland
      kaufen, sondern hier nur gut und gerne leben wollten. Logisch?

      Wo, bitteschön, ist der Kausalzusammenhang zwischen den Spinnereien der
      "Nordadler" und den kriminellen Taten der "Eventszene" in Stuttgart?

  3. Avatar
    Jeder hasst die Antifa am

    Drehhofers billigstes ablenkungsmanöver soll suggerieren eine Gruppe Rechtsextreme welcher keiner kennt und die total bedeutungslos ist wird verboten in dem Augenblick wo in Stuttgart sie eine üble Brühe von Antifazecken und Asylanten im Bürgerkrieg übt diese sogenannte Party und Eventszene ist vermummt und mit Eisenstangen bewaffnet und versucht Polizisten zu ermorden diese Banditen sind das Produkt der Politik der Altparteien und ihrer Hetze gegen die Polizei nun heult man Krokodilstränen und die Geister die man rief sind aus der Flasche gekommen.

  4. Avatar
    HEINRICH WILHELM am

    Das Bild zum Beitrag ist luschtig!
    Auf welche Wand wurde das Kunstwerk gekritzelt und gehört das zum UNESCO-Weltkulturerbe?
    Oder ist das die Strukturtapete in Horsts Schlafgemach?

    • Avatar
      heidi heidegger am

      d-d-ditt iss mit die zwoote JusStaatsexamen (um sich vom Parlamentsbetrieb unabhängig als Anwalt zu machään usw.) mit ditt FotoSchopp abgebildet und in ditt Forum hineincommuniciert woll anzunehm‘, hihi..

      *meeeeeeeeeeepmeeeeeeeeeeeeep*

  5. Avatar
    DerSchnitter_Maxx am

    Der IQ von Drehhofer ist gerade so hoch … wie der IQ von einer defekten Spielzeug*innen-Eisenbahn*innen 😉

    Seine senile Dummdämlichkeit … beruht auf totaler Selbsterkenntnislosigkeit 😉

  6. Avatar
    heidi heidegger am

    soso..Horschd S. = ehr- und CSU-geschichtsvagessen (FJS: *lasst die FlecktarnBoyzz im Wald ihre WehrsportÜbungen machään!*) ischd untragbar geworden. Bleiche Kerlchen mit Akzent und unter 170cm?? (wie Kalli, hihi), wie von MD äh abgebildet, muss frau nicht vabieten, sondern erziehäään! und zawar durch "Pater Soki" und ditt heidi..danach sanns die fit wie uns‘ Tiffi, hihi..

    *zacknweg*

    • Avatar
      heidi heidegger am

      und hier mein viraler Beleg für ditt heidi-ThesenDingens woll:

      Ihr seid tot (Kopfnuss Kalli)

      /watch?v=0MAV8jVT_HU

      • Avatar
        heidi heidegger am

        OT: wie sieht es denn aus, häh? Bauern Handwerker Lehrer Stewardessen im BT und ditt Pillhuhn A.:

        Jura studieren – Philipp Amthor (MdB & Jurist) erklärt das Jura Studium

        /watch?v=H3y8NFGhoN4

        -> zweitbestes Video im Netz nach ACDC, hihi..*krchhhhhhhhhh*

      • Avatar
        heidi heidegger am

        Auf Anfrage kommentierte Amthor nicht, wofür White & Case ihn bezahlt hat. Der Politiker ist kein Volljurist und hat daher keine Befugnis zur …vor 4 Tagen SPIEGEL

      • Avatar
        Jeder hasst die Antifa am

        Sag mal legt dein Pillhuhn auch Eier und wenn bestimmt nur faule Eier.hihi krchchchch

      • Avatar
        heidi heidegger am

        negativ, Tiffi, dieses Hähnchen ist kein Täuberich wie uns‘ Soki *kicher* und legt und hat keine Eier, hihi.

Bitte beachten Sie unsere Kommentarregeln.

Empfehlen Sie diesen Artikel