Am vergangenen Freitag fand in der Musikbrauerei Berlin ein Benefizkonzert für Julian Assange statt. Nicht nur kulturell war das Event ein großer Erfolg – laut den Veranstaltern landeten mehrere tausend Euro im Soli-Topf. Falls Sie auf Kultur stehen, gefällt Ihnen sicher auch unsere aktuelle Geschichtsausgabe „Babylon Berlin“. Die können Sie hier bestellen.  

    Die Musikbrauerei im Stadtteil Prenzlauer Berg hat in ihrer Geschichte schon vieles gesehen: Erbaut Ende des 19. Jahrhunderts von der Berliner Bierdynastie Schneider thronte sie in den Goldenen Zwanzigern über einem Vergnügungspark samt Kino, Kegelbahn und Boxarena. 1931 lieferte sich Goebbels hier ein furioses Rededuell mit KPD-Chef Walter Ulbricht. Heute ist der Backsteinbau eine Ruine, die Mauern vernarbt von Einschusslöchern aus dem Zweiten Weltkrieg.

    Eine neue Avantgarde

    Am Freitag ist das einstige Brauhaus zum Treffpunkt einer neuen Avantgarde geworden. Politische Korrektheit liegt ihr fern – sie bläst zum Frontalangriff auf die Corona-Politik. Und sie zeigt Solidarität mit Whistleblowern und politischen Gefangenen wie Wikileaks-Gründer Julian Assange. Der seit 2019 in England inhaftierte Journalist droht demnächst an die USA ausgeliefert zu werden, wo ihn mindestens eine Haftstrafe von 175 Jahren erwartet.

    Künstlerin Philine Conrad berührte mit einem Text über Impfopfer. Foto: Paul Klemm

    Zu seinen Gunsten organisierte die Künstler-Initiative Protestnoten gemeinsam mit der Medienplattform Apolut einen musikalischen Abend, der sich gleich in mehrfacher Hinsicht auszahlte. Dem Veranstalter-Team um Jens Fischer Rodrian gelang es, ein kulturelles Feuerwerk abzubrennen, das jedem Vorurteil über die sogenannte Corona-Leugner-Szene hohnspricht. Bühnen-Brillanz und kritisches Bildungsbürgertum statt schriller Töne und Verschwörungswahn.

    Widerständische Lyrik

    Rodrian arbeitet als Komponist und Lyriker, ist gut vernetzt im kreativen Milieu. Er produzierte bereits Größen wie Konstantin Wecker oder Katja Riemann. Die Süddeutsche Zeitung schrieb über seine Kunst: „Poesie, die unter die Haut geht, das Herz trifft und sich im Kopf einnistet.“ Mit Beginn der Virus-Maßnahmen kehrte der Berliner jedoch dem Mainstream den Rücken zu und gründete das Projekt „Protestnoten – Widerständische Lyrik & Musik“, das unter anderem von der bekannten Wiener Schauspielerin Nina Proll unterstützt wird. Auf der Homepage heißt es:

    Ein Teil des Kunstbetriebes mutiert gerade zum Erfüllungsgehilfen staatlicher Anordnungen und begreift sich als verlängerter Arm der Regierungsdoktrin. Stück für Stück verliert die Kunst den Raum, sich kritisch mit dem Jetzt auseinanderzusetzen. Wenn sich die Kunst das gefallen lässt, stirbt sie.

    In seinem Kampf für die Freiheit stehen Rodrians Frau und Tochter fest an seiner Seite. Beide glänzten auf dem Konzert mit eigenen Darbietungen: Sängerin Alexa Rodrian mit selbst komponierter Jazzmusik, die erst 21-jährige Lou mit Slam Poetry. Ihr vor zwei Monaten veröffentlichtes Lyrik-Video „WUNDE(R)N“, in dem es um Entfremdung und Ausgrenzung in der Corona-Zeit geht, hat auf Youtube schon über 70.000 Aufrufe erreicht.

    Über Transen lachen

    Weitere Gäste waren Philine Conrad und Nikolai Binner. Conrad ist Malerin und Schauspielerin, für die im Januar ausgestrahlte ZDF-Doku Ganz normale Männer schlüpfte sie in die Rolle einer SS-Ehefrau. Im Schummerlicht der Musikbrauerei berührte sie mit einem Text über das schreckliche Schicksal von Impfopfern. Comedian Binner vollführte einen satirischen Rundumschlag, bei dem er auch vor Transen und Antifas nicht Halt machte. Eine Kostprobe aus seinem unangepassten Repertoire:

    Ey, ich hab mal ne Frage: Wenn sich eine Frau zu einem Mann umoperieren lässt und kurz danach stirbt. Ist sie dann mit oder an Penis gestorben?

    Als dann zum Schluss die 25-köpfige BBB-Band mit dem Internet-Hit „Jetzt ist’s Zeit“ auftrat, gab es kein Halten mehr und die Backstein-Ruine verwandelte sich endgültig in einen Tanzpalast. Denn so düster der Anlass der Zusammenkunft auch sein mag, gerade in Zeiten der Vereinzelung und Unterdrückung gilt es, sommerliche Lebensfreude zu feiern.

    Musiker und Konzert-Organisator: Jens Fischer Rodrian an seiner Gitarre. Foto: Paul Klemm

    Die Antifa hatte im Vorfeld zwar gegen das Konzert mobil gemacht, doch es blieb störungsfrei. Insgesamt konnten mehrere tausend Euro für Assange gesammelt werden, die genaue Summe wird nächste Woche bekannt. Das Geld geht an seine Ehefrau Stella Moris. Eine Nachfolgeveranstaltung ist bereits geplant. Sie findet vermutlich im Dezember statt.

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    12 Kommentare

    1. Sehr erstaunlich das es neben arschkriechenden Staats-"Künstlern" auch noch richtige und frei denkende Künstler gibt.
      Ist mir, neben ein paar Ausnahmen, wie Lisa Fitz oder Herrn Steimle, komplett neu.
      Mehr davon !

      • Schade auch, dass Steimle mit der DDR nie ein Problem hatte.

        Fitz hat sich in der Impffrage selber widersprochen. Zum einen hat sie generell nichts gegen Impfung, will das nur selber entscheiden dürfen, zum anderen streut sie Angst durch fabulieren von zigtausenden Impftoten, will also die freie Entscheidung der Impfwilligen beeinflussen, bzw. andere gem. ihrer persönlichen Meinung manipuliern. Nach meinen Maßstäben ist das heucheln. Es steht "Künstlern" nicht zu, Gott zu spielen. Die Risiko-Entscheidung des Einzelnen, obTod durch Corona oder Tod durch Impfung, ist wortlos hinzunehmen!

    2. friedenseiche an

      obs für julian noch mal einen tag gibt wo er lachen kann
      sich über die dinge freut ?

      ich bete für dich in dankbarer liebe julian

    3. Hippokrates an

      " Bildungsbürgertum" ,daß ich nicht lache. Eine Versammlung von Spinnmaxen.

    4. Eine Frage bitte: Dienen die Spenden der Finanzierung für lebensverlängernde Maßnahmen, wenn Herr Assange so lange ins Gefängnis muß?

    5. Was geht uns Assange an? Einfach raushalten, so wie hier ständig zum Ukrainekrieg empfohlen wird.
      Ansonsten auch für Navalni sammeln.

      • Hippokrates an

        Ich habe hier ganz überwiegend nur Narren gelesen, die sich aus dem Ukrainekrieg keineswegs heraus halten, sondern Putin propagandistisch unterstützen. Nur Prawda trommelt dafür, einer verlorenen Sache weiter Geld und Gut hinterher zu schmeißen, anders, aber genau so närrisch.

        • Ich sag’s mal mit I, Robots Sonny. Ich verstehe deine Logik, sie ist mir nur zu grausam.

          Es macht übrigens keinen Unterschied für’s Narrendasein ob man Putin direkt anhimmelt oder nur weggucken propagiert. Identisches Endergebnis, wobei deine Methode sogar noch effektiver ist. Unterstützung ist Unterstützung, aktiv, passiv, egal. Putin nimmt auch deine Hilfe an, brauchst dich somit nicht als besonders klug und weise, über den dingen schwebend erheben. ;-)

      • "Was geht uns Assange an?"
        Navalny ist das Feigenblatt und Assange die Glaubwürdigkeitslücke des Westens!
        Der achso demokratische und rechtsstaatliche Westen sollte erst einmal vor der eigenen Türe kehren und du vielleicht einmal darüber nachdenken, ob du persönlich auch grobes Unrecht (mit Hochsicherheitsgefängnis-Isolationshaft in einer 2 x 3m großen Zelle) erleiden möchtest und alle anderen denken: "Was geht uns Prawda an?"

        • Viel Klüger an

          Daß die USA eine räuberische Großmacht sind und und Amerikanismus ( Demokratie , Pluralismus, Kapitalismus , Rassenmischung ) verbreiten , könnte jeder auch ohne Assange wissen . Hätte halt vorher darüber nachdenken sollen , mit wem er sich unnötigerweise anlegt.

        • @Viel Klüger alias Prawda:
          Was für eine gehässige Haltung! Für deine heutigen Freiheitsrechte haben Leute, vom Schlage eines Assange und Snowden gekämpft. Du brauchst offenbar mal dringend eine Lektion in Demut von ganz oben …

        • Nicht ICH, sondern DU! sollst nachdenken, ob Navalni weiter gefoltert werden darf.