Das Plädoyer des Komikers für ein AfD-Verbot bei der Anhörung im Thüringer Landtag stößt auf Ablehnung. Doch Kerkeling zeigt sich bockig und legt noch einmal nach. In unserer Oktober-Ausgabe mit dem Titelthema «Gestohlene Wahl – Wie die AfD um ihren Sieg gebracht wird» lesen Sie, was die Altparteien sonst noch planen. Hier mehr erfahren.
Es war ein ziemlich wirrer Vortrag ohne jegliche Expertise: Was Hape Kerkeling in der vergangenen Woche bei einer Anhörung des Justizausschusses im Thüringer Landtag ablieferte, war eine Mischung aus familiärer Opfererzählung und billigen Nazi-Vergleichen, die darin gipfelte, dass der Komiker behauptete, «Alles ist möglich», der Slogan der AfD zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, könne auch bedeuten, dass Buchenwald wieder möglich sei. Kerkeling war von der Linksfraktion als vermeintlicher Sachverständiger geladen worden.
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COMPACT unterstützen«Ein PR-Stunt»
Diese schräge Auffassung bleibt sogar im Mainstream nicht unwidersprochen. Ulrich Reitz, Chefkorrespondent von Focus Online, schreibt in einem Kommentar:
«Kerkeling tut genau das selbst, wovor er bei der AfD warnt – er bagatellisiert die Nazis.»
Und er kommt zu dem Schluss: «In welcher Eigenschaft also war Kerkeling von der Linkspartei eingeladen – wohl kaum als respektierter Schauspieler und beliebter Komiker. Wohl eher als, aus Sicht der Linken, verlässlicher Moralist mit gesellschaftlicher Breitenwirkung. Es handelte sich also um einen, neudeutsch, PR-Stunt.»
Unter der Überschrift «Erde an Kerkeling: Hape, wir müssen reden!» rechnet auch Judka Strittmatter, Enkelin des Literaten Erwin Strittmatter, in der Berliner Zeitung mit der Kerkeling-Show ab. Sie kritisiert: «Ich war immer Fan, aber der Ruf des Komikers nach einem AfD-Verbot irritiert mich. Denn eine Partei zu verbieten ist leichter, als die Gründe zu verstehen, warum so viele Menschen sie wählen.»
Strittmatter schreibt dem Promi ins Stammbuch: «Das Ausgrenzen, das Draufkloppen hat diese Partei seit Jahren nur gestärkt und viele, die lange Berührungsängste mit ihr hatten, haben sich längst mit ihr solidarisiert, weil sie diesen angeblich ‹demokratischen› Umgang mit ihr und ihren Wählern ungerecht fanden.»
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Und sie fragt Kerkeling: «Seit zehn Jahren also hat alles nichts geholfen, und jetzt fordern auch Sie mit aller Härte das Verbot. Wovon – darf ich fragen – sind Sie überzeugt? Dass Protest und Unzufriedenheit sich verbieten lassen? Sogar Wut? Und schlechte Politik gleich mit? Bitte erklären Sie es mir gern, ich verstehe diese Vehemenz nicht: Sie waren doch auch immer jemand, der den Menschen nachgespürt hat, der wusste, dass das Leben nicht Schwarz-Weiß ist, jemand, der das Wort ‹Volksnähe› viel mehr füllte als unsere gesamte Bundestagsgilde. Und nun auch aus ihrem Munde ein ‹alles Nazis›, echt jetzt? Auch die Wähler, deren Sorgen?»
«Handelt, schützt uns!»
Noch kräftiger weht dem Entertainer im Netz der Wind ins Gesicht. Kerkeling selbst spricht von «Hassnachrichten und Bedrohungen», mit denen er bombardiert werde. «Wir sind in Deutschland an einem Punkt angekommen, an dem es Mut und Kraft kostet, für unsere freiheitliche Gesellschaft einzutreten», zitiert T-Online den Komödianten, der offenbar nicht einsehen will, welchen Unsinn er im Thüringer Landtag verzapft hat.
Denn statt in sich zu gehen und noch einmal zu reflektieren, ob seine Worte wirklich angemessen waren, zeigte er sich in einem Instagram-Video vom 3. Oktober unbeeindruckt von aller Kritik. Er sei «überwältigt von den unzähligen berührenden Reaktionen», die überwiegen. Viele seiner Follower hätten in Nachrichten an ihn die «große Sorge um die politische Entwicklung» geäußert. Es bleibe Aufgabe des Staates, «uns zu schützen».
Daher erneuerte er seinen Appell: «Ich fordere die verantwortlichen Politiker auf, handelt. Leitet die überfällige Prüfung eines Verbotsverfahrens gegen die rechtsextremistische AfD ein.» Seinen Fans gab er mit auf den Weg: «Bleibt unerschütterlich, einen schönen Tag der Deutschen Einheit.» Da fühlt sich offenbar wirklich berufen, das Vierte Reich in letzter Minute zu verhindern …
Wie geht es weiter – und wo lauern die Gefahren? Damit befasst sich unsere Oktober-Ausgabe im Titelthema «Gestohlene Wahl – Wie die AfD um ihren Sieg gebracht wird». Highlights der Ausgabe: Das große Ulrich-Siegmund-Interview zu Rüstung und Remigration. BSW-Fraktionschef Thomas Schulze im Interview: Ist ein Zusammengehen mit der AfD möglich? Und ein Essay: Ist der Parlamentarismus nicht von vornherein darauf angelegt, Volksherrschaft unmöglich zu machen? Hier alle Themen und Bestellung.






