Jürgen Elsässer: Mit Palmer am Stammtisch

18

Der heutige COMPACT-Chefredakteur traf noch 2002 mit Palmer zusammen – allerdings mit Helmut, dem Vater von Boris. Im Editorial der COMPACT 6/2021, das wir nachfolgend dokumentieren, schilderte Jürgen Elsässer diese Begegnung. Die gesammelten Editorials von Elsässer, ein zehnjähriges „Anschreiben gegen Globalismus und Status Quo“, wie Martin Sellner es ausdrückte, gibt es hier.

 Das waren noch Zeiten, als ich mit dem Palmer mal ein Viertele trank. Es muss etwa 2002 gewesen sein, in Schwäbisch Hall im Club Alpha. Ich hatte in dieser Räucherhöhle einen Vortrag vor linkem Publikum gehalten. Hinterher kam er zu mir, und wir haben uns an den Stammtisch gesetzt.

Er hat gleich vom Leder gezogen gegen „die da oben“ und mir ein Buch geschenkt, Mein Kampf. Das war aber nicht das Pamphlet vom Gröfaz, sondern von ihm selbst geschrieben. Ziemlich frech, oder? Die Rede ist nicht von Boris Palmer, sondern von seinem Herrn Papa, Helmut. Allerdings fiel der Apfel, gottlob, nicht weit vom Stamm. „Er wird seinem Vater immer ähnlicher, heißt es über den Tübinger Oberbürgermeister“, erkannte auch die Stuttgarter Zeitung vor zwei Jahren. Den Alten nannte man den Remstal-Rebell, er war im Schwabenländle eine Größe.

Remstal-Rebell und Obstbauer

An den Corona-Demonstrationen, die zur Zeit in Stuttgart Furore machen, hätte er seine helle Freude gehabt, denn der Mann war „nicht links, nichts rechts, sondern frei“ – so wie das bunte Völkchen der Hygiene-Rebellen, das sich im Mai auf dem Cannstatter Wasen sammelte.

Palmer Senior war im Hauptberuf Obstbauer. Er zog über die Wochenmärkte zwischen Schwäbischer Alb und Neckartal – Volksagitation inklusive. Ab den 1960er Jahren kandidierte er rund 300 Mal in allen möglichen Kommunen für das Amt des Oberbürgermeisters und bekam – völlig auf sich allein gestellt, ohne jede Partei im Hintergrund, ohne jede Unterstützung – oft zweistellige Ergebnisse.

Bei dem Urnengang in Schwäbisch Hall im Februar/März 1974 fuhr der Querkopf seinen größten Erfolg ein: über 41 Prozent im ersten Wahlgang. Im besten populistischen Stil wetterte er gegen die Bürokraten im Rathaus („Schleimscheißer“, „Lausbub“, „Sudelsäue“) und machte visionäre Vorschläge für die Stadt: Zur Verbesserung des Verkehrsflusses rief er etwa die Bürger auf, eigenmächtig auch mal störende Bäume an Straßen zu fällen. Man kann sagen, der alte Palmer war ein Ökologe, aber – anders als ein heutiger Grünling – kein Idiot.

Angetrieben von seiner eigenen Biographie

Was trieb ihn überhaupt an? Das, was uns alle antreibt: die ganz persönliche Erfahrung. Im Dritten Reich war er diskriminiert worden, weil er das uneheliche Kind eines jüdischen Vaters war. Er kam durch, durfte sogar in die HJ, aber wurde von Antisemiten immer wieder beleidigt, angespuckt und verletzt. Im Rückblick schrieb er: „Vor Nationalsozialisten, die für ihre Überzeugung schließlich den Kopf hinhielten, habe ich auch heute noch Achtung. Vor denen, die anderen in der Etappe den Kopf mit Paragrafen abnahmen, nicht. Und überhaupt nicht, wenn auch sie den seit 1945 so beliebten Antinazismus für sich in Anspruch nehmen. Vor dem Geschmeiß empfinde ich Ekel.“

Tacheles gegen Messerstecher und Vergewaltiger

In diesem Geiste wurde der junge Boris erzogen. Und deswegen war sein Weg zu den Grünen vorgezeichnet, die ja in den Anfangsjahren als Opposition gegen die CDU auftraten – gegen die Bigotterie und Heuchelei der Honoratioren, die je nach Konjunktur mit jedem Mächtigen ins Bett gehen: damals mit dem Nazi, später mit dem Ami und jetzt mit der Antifa. Leute ohne Rückgrat, die immer den Arsch an die Heizung bringen wollen. Geschmeiß, da hatte der Palmer ganz recht. Wie sein Vater ist der Junge ein Rebell: Er ist Grüner, aber er ist nicht gegen sein Volk.

Er spricht Tacheles gegen Messerstecher und Vergewaltiger aus dem Orient. Und bei Corona sagt er, was offensichtlich ist: Am Virus sterben nur die, die ohnedies über der durchschnittlichen Lebenserwartung sind – an den Anti-Corona-Maßnahmen hingegen Tausende in Deutschland und Millionen in der Dritten Welt, die nach der von Bill Gates provozierten Weltwirtschaftskrise keine medizinische Versorgung mehr bekommen. Der Filius ist, wie sein Papa, gewiss kein Rechter. Er ist ein Selberdenker, ein Querdenker. Was will man mehr?

Grüne auf Kanzlerkurs – Der Horror nimmt Gestalt an. Mit teilweise deutlichem Vorsprung liegen sie derzeit in allen Umfragen zur Bundestagswahl vorne. Annalena Baerbock nimmt jetzt also ganz klar Kurs auf das Kanzleramt. Wie bedrohlich die vermeintliche Öko-Partei – außen grün, innen rot – wirklich ist, das erfahren Sie in COMPACT-Spezial Nie wieder Grüne: Porträt einer gefährlichen Partei. Wenn Sie mehr erfahren möchten, dann klicken Sie hier oder auf das Banner.

Über den Autor

Jürgen Elsässer, Jahrgang 1957, arbeitete seit Mitte der neunziger Jahre vorwiegend für linke Medien wie Junge Welt, Konkret, Freitag, Neues Deutschland. Nachdem dort das Meinungsklima immer restriktiver wurde, ging er unabhängige Wege. Heute ist er Chefredakteur von COMPACT-Magazin. Alle Onlineartikel des Autors

18 Kommentare

  1. ventus contrarius am

    Natürlich kann man den Verfasser von "Mein Kampf" als "Gröfaz" verspotten, nur sollte man sich dann nicht als systemkritischer Patriot ausgeben.

  2. ventus contrarius am

    Warum eilt es ? Seit wann ist Leonidas Israel-kritisch? Und welcher Raketenterror ist gemeint ? Der israelische Staatsterror oder die selbstgebastelten Knallerbsen aus Gaza ?

  3. Dem Bericht nach hatte schon der Vater gesundem Menschenverstand nach dem er handelte. Und der Sohn macht es auch, weshalb er sämtlichen Dogmatikern, die nur "Dienst nach Vorschrift" kennen überlegen ist. Solche Leute waren zu allen Zeiten den Mächtigen suspekt und unbequem, weil sie das Denken immer selber erledigten und nicht bei bei den Dogmenfeststellern nachfragten! Ganz egal, ob das jetzt Religion, Ideologie oder Abstammung dazu vermeintlich berechtigte. Die selbsternannten Weisungsberechtigten mögen es nämlich überhaupt nicht wenn sie übergangen werden, man sie nicht fragt!
    Mehr als die halbe Welt funktionier nach dem Parkinson-Prinzip! Sie ist sich nur darüber nicht im Klaren – und die, die darüber herrschen wollen es nicht, daß man sich darüber in Klarheit versetzt!

    • Meisenpiep am

      Somit ist Adorno widerlegt? „Es gibt kein richtiges Leben im falschen.“ Ausnahme der Grüne Palmer, die Rote Sahra und noch der eine oder andere Bauernfänger.

  4. Rumpelstielz am

    Problematisch ist dass Grünen un Grüniginnen jeder Fehltritt verziehen wird.

    Die reden nicht über Ihre Fehlleistungen. Schwamm drüber.

    Der öffentlich (un)rechtliche GEZ Verein hat noch mehr Dreck am Stecken.

    Böhnhards DNA an der Leiche von Peggy Knobloch – da machte der GEZ Scheißverein eine ganze Sendung von. (Keine Richtigstellung) Dazu die Frage "waren dies bösen Nazis im KiPo Geschäft )u.ä.
    Die GEZ – Zahlungsverweigerung ist eine Straftat dies haben wir den Alt Parteien CDU CSU SPD Grüne und der Linke zu danken.
    Man wird diesen Öffentlich rechtlichen Schandfunk nur politisch beseitigen. Eindampfen auf einen 1€/Monat und Bürger. Macht 84Millionen €/Monat. Die fetten Gehälter wie die von Onkel Tom Buhrow von 399 000pA sind dann Geschichte.
    Die GEZ hat sogar versucht von der toten Peggy Knobloch als 9jährige ermordet – rückwirkend seit 2013 53.94€ beizutreiben. Die Mutter von Peggy musste den GEZ Verein mit kriminellen Machenschaften den Fall schildern.
    Quelle. (Michael Grandt) GEZ vom Kopp Verlag.

    Hetze und Schmähungen von Andersdenkenden. JDer RotGrün "funk" ist wirklich bodenlos infam, von Niveau mag ich da gar nicht mehr reden. Es reut mich jeder Cent meiner abgepreßten Gebühren. Das framing-manual läßt grüßen. Schade um die Gebühren, die nur hochbezahlten (meist) Ex-Politikern die Lebensabend versüßen und Intendanten (wie bei mdr) mit fraglicher DDR-Vergangenheit…

  5. heidi heidegger am

    [Geschmeiß, da hatte der Palmer ganz recht.] -> Fferd und Reiter (zu nennen, bitte): Filbinger war gemeint, ätsch!, und Oetti sein Stiefellecker, der noch lebt und sich’s im Europaparlament subbrgut gehen lässt, mja. :-?

  6. LAMME GOEDZAK am

    @ BORIS PALMER: "… [ Menschen ] die ohnedies über die durchschnittliche Lebenserwartung sind …"
    ===================================================================================
    Ich erinnere an PALMERS, etwas länger zurückliegenden Spruch: "Über 80jährige Senioren brauchen kein neues Hüftgelenk mehr…" Erkannt, menschenverachtend in den Fettnapf gebaselt zu sein, ruderte P. sofort zurück.
    Gespannt bin ich auf den Ausgang des P. avisierten Parteiausschlußverfahrens wegen seines, einen Schwarzafrikaner betreffenden Spruchs: "… dann zeigte er Frauen seinen Negerschwanz …"

    • heidi heidegger am

      Der Bundesvorsitzende der Jungen Union (JU), Philipp Mißfelder, verlangte, die Leistungen der gesetzlichen Renten- und Krankenversicherung müssten auf eine reine Grundversorgung zurückgeschnitten werden. Dem Tagesspiegel am Sonntag erläuterte er, künstliche Hüftgelenke für sehr alte Menschen sollten nicht mehr auf Kosten der Solidargemeinschaft finanziert werden.

    • Sie nehmen es offensichtlich nicht so genau.

      "Der Aogo ist ein schlimmer Rassist. Hat Frauen seinen Negerschwanz angeboten", schreibt Palmer im Original.

      Ihnen die Zusammenhänge erklären (Ursache-Wirkung) lohnt von Haus aus nicht.

      • LAMME GOEDZAK am

        @ M A T H I S
        ============
        Hey Zusammenhang-Erklärer, Sie schulden den Foristen Ihre Definition von "Ursache & Wirkung" bezüglich PALMERS Original . . .

      • Der Zusammenhang erschließt sich jedem klugen Leser bereits aus dem Original-Zitat.

        Ihre Fälschung: "… dann zeigte er Frauen seinen Negerschwanz …", die Sie hier als Zitat verkaufen wollen, spricht dafür, dass Sie von Haus aus unfair sind, somit als ernstzunehmender Gesprächspartner völlig ungeeignet.

        Sonst noch Fragen?

        PS
        ICH schulde niemandem etwas!!!

    • HERBERT WEISS am

      Der Erhalt eines Organs oder sonstigen Körperteils ist – sofern machbar – stets einem Ersatz durch ein Transplantat oder eine Prothese vorzuziehen. Doch in diesem Punkt steht die Schulmedizin echt jämmerlich da. Wenn es irgendwo knirscht, zwickt und zwackt, werden grundsätzlich erst einmal Schmerzmittel und ähnlicher Schiet verabreicht, anstatt den tatsächlichen Ursachen auf den Grund zu gehen.

      Ob die Alten tatsächlich ein Ersatzteil benötigen, das müsste und sollte der betreffende Arzt nach bestem Wissen und Gewissen entscheiden. Sofern er eines hat.

      • Das liegt im Wesentlichen daran, daß die heute keine Universalausbildung mehr haben, wie noch zu Kaisers Zeiten, sondern zunehmend Fachidioten sind, die auf ein winziges Feld reduziert werden. Oft nur lernen, was an Pharmaprodukten wogegen anzuwenden ist.
        Ich weiß noch von einem Arbeitskollegen, dessen bettlägerige Oma aus denselben gefallen ist und man ihr eine neue Hüfte verpaßt hatte, obwohl sicher war, daß sie nie wieder aufstehen würde. Die brauchten ein Objekt um einem Neuling diese Operation erstmalig machen zu lassen! – vermutete der Kollege!

      • Ich weiß was am

        Trittbrettfahrerei, um rein private Meinungen aus dem eigentlichen Zusammenhang zu verwursten. Gesundheitliche Selbstgänger (auch da gehen die Meinungen auseinander) war überhaupt nicht das Thema.

  7. heidi heidegger am

    alles supi, aber diese Überschrift hier gleich hätte mir noch besser gefallen: *Jürgen Elsässer: Mit heidi&Flocky am Stammtisch*, hihi. Tiffi&Soki sind auch dabei und nach 8 Stunden Sitzung ditt Soki so: *tragts mih zu unsamm Hubschrauber, ih fliag eich hahm/heim* :-)

  8. jeder hasst die Antifa am

    Palmer ist der Sarrazin der Grünen ein Opfer der Sprach und Meinungspolizei dieser Parteien,man kann nur hoffen das dieser Rotgrüne Kommunistenklüngel kläglich scheitert.

Bitte beachten Sie unsere Kommentarregeln. Kommentare sind nur innerhalb von 24 h nach Veröffentlichung des Artikels möglich.

Empfehlen Sie diesen Artikel