Geisel und die Antifa: Pack schlägt sich, Pack verträgt sich

17

Berlin brennt: Nach Jahren, in denen die linksradikale Lust am imaginierten Straßenkampf durch das kommerzielle MyFest eingehegt wurde, gab es am 1. Mai 2021 wieder die tradierten Rituale aus Feuer und Pfefferspray. Das Bündnis von Elite und Mob entlarven wir in COMPACT-Spezial Antifa – Die linke Macht im Untergrund. Hier mehr erfahren.

Dass sich die linksradikale Szene am ihrem Radautag ausleben würde, kam nicht überraschend. Der Verlust wichtiger Identifikationsobjekte – die Liebigstraße 34, die Meuterei und das Syndikat wurden in den vergangenen Monaten geräumt, das Ende des Jugendzentrums Potze steht unmittelbar bevor – heizte den Mob zusätzlich auf. Die Mietenkrise in der Hauptstadt sorgte zudem für die Mobilisierung von Teilen der Bevölkerung, die normalerweise für das Antifa-Milieu nicht erreichbar ist – was von den Veranstaltern auch beabsichtigt war.

Polizeieinheiten bei der Räumung der Kiez-Kneipe Meuterei in Berlin-Kreuzberg am 25. März. Foto: COMPACT

Dennoch ist auffallend: Die Eskalation, insbesondere deren Choreografie, ging mindestens zu großen Teilen von der Polizei aus. 20 Minuten sollen die Beamten die Feuerwehr vom Löschen brennender Paletten in der Karl-Marx-Straße abgehalten haben. Zeit genug für die passenden Bilder und Videos, die anschließend ihren Weg durch die sozialen Netzwerke fanden.

Die Begründung der Polizei für den Ausschluss des Schwarzen Blocks – fehlende Einhaltung der Hygienebestimmungen zum Mindestabstand – wirkt konstruiert. Der Ausschluss der Vermummten erfolgte ausgerechnet an der durch Bauarbeiten geschaffenen schmalsten Stelle der Demonstrationsroute.

Opportunist in Wartestellung

Der Profiteur des Neuköllner Scharmützels und seiner medialen Verbreitung steht bereits fest: Es ist Innensenator Andreas Geisel. Bereits seit einem Jahr lässt der Karrierepolitiker der SPD seine uniformierten Trupps gegen Hygiene- und Querdenker-Demonstrationen von der Leine. Nun durften sich seine mittlerweile berüchtigten Einsatzhundertschaften auch an den Autonomen üben.

Dass Geisel das übliche Schema von Rot-Rot-Grün – wegschauen bei Linksradikalen und Clans, zuschlagen gegen die Demokratiebewegung – durchbricht, ist jedoch kaum mehr als strategisches Machtkalkül. Denn die Berliner SPD steht vor einem personellen Neuanfang. Der Regierende Bürgermeister Michael Müller verlässt die Landespolitik. Spitzenkandidatin Franziska Giffey dürfte nach der absehbaren Wahlniederlage im September zur Landesvorsitzenden auf Abruf herabsinken. Geisel möchte ihr offenkundig nachfolgen.

Franziska Giffey: Wenn sie von der Berliner SPD abgesägt wird, will Geisel ihr folgen. Foto: Pressefoto Franziska Giffey, CC-BY-4.0

Als probates Mittel gilt ihm als Innensenator – wie vielen seiner Vorgänger – eine zur Schau gestellte Law-and-Order-Politik, insbesondere auch gegen die in weiten Teilen der SPD-Basis mindestens ungeliebte linksradikale Szene. Dies zeigen auch Geisels offene Attacken auf den grünen Baustadtrat von Friedrichshain-Kreuzberg, Florian Schmidt, einem faktischen Förderer des Antifa-Hauptquartiers in Rigaer Straße 94.

Diese scheinbare Härte Geisels ist jedoch kein Widerspruch zum jahrelangen Kuschelkurs des rot-rot-grünen Senats gegenüber Antifa und der linksradikalen Szene – zumindest mit Blick auf Geisel scheint beides eher Ausdruck eines opportunistischen Kalküls.

Rot-rot-grüne Kabale

Dabei stehen die Chancen des SPD-Manns durchaus gut – nicht trotz, sondern wegen der relativen Schwäche seiner Partei. Denn die abzusehende künftige Regierende Bürgermeisterin Bettina Jarasch ist dem Amt nicht gewachsen.

Die Nominierung der Hinterbänklerin durch die Grünen erfolgte nur, um einen potentiell ruinösen Machtkampf zwischen den eigentlich starken Frauen in der Partei – Wirtschaftssenatorin Ramona Pop und Fraktionsvorsitzende Antje Kapek – zu verhindern. Mit Jarasch an der Spitze einer grün-rot-roten Koalition wäre das Rote Rathaus jedoch nicht das Führungszentrum der Landespolitik, sondern lediglich deren Schauplatz.

Genau auf diese Situation hat es Geisel offenbar abgesehen. Dass er in der künftigen Koalition für sich eine Art Super-Ministerium anstrebt, gilt in der SPD als offenes Geheimnis. Sein Wunsch sei die Zusammenlegung der Ressorts Inneres und Stadtentwicklung. Damit wäre er der eigentliche Regierende Bürgermeister der Stadt.

Antifa: Im Zweifelsfall wieder an der Seite der Roten und Grünen. Foto: Zentrum Automobil

Wohl deshalb werden Linke und Grüne einen solchen Zuschnitt der Geisel-Verwaltung nicht mittragen. Doch eine deutliche Kompetenzerweiterung seiner Behörde werden sie nicht verhindern können. Damit würde der kommende Senat von einem stetigen Machtkampf zwischen Geisel und Pop geprägt, bei dem der robuste Innensenator wohl die besseren Karten hätte.

Antifa und linksradikale Szene haben Geisel mittlerweile zum Lieblingsfeind in der Berliner Landespolitik ausgerufen. Die Ereignisse des 1. Mai schienen dies zu bestätigen. Doch dieser Eindruck trügt. Jene, die er in Neukölln verprügeln ließ, können ihm schon morgen wieder als Verbündete willkommen sein. Jene nach dem, was nützlich ist, auf dem Weg zur Macht.

In COMPACT-Spezial Antifa – Die linke Macht im Untergrund reißen wir den Tätern die Maske vom Gesicht – und entlarven ihre Kumpanei mit SPD, Grünen und Linkspartei. Wir nennen sie, ihre Unterstützer und Finanziers beim Namen und enthüllen die Netzwerke. COMPACT traut sich, über das Tabuthema linke Gewalt zu sprechen – Sie auch? Jetzt bestellen und mitreden statt schweigen!

17 Kommentare

  1. Avatar
    jeder hasst die Antifa am

    Wer sich unter der Fahne der Antifa versammelt und mit denen mit läuft muß sich bewusst sein das er eine
    Rotte von Linksfaschistischen Verbrechern unterstützt,die mit Demokratie und und Toleranz absolut gar nichts am Hut haben,

  2. Avatar
    Fischer's Fritz am

    Ob sich die Compact-Redaktion da nicht vertan hat -entgegen sonst gewohnter Praxis -, so ein freundliches Bild, eher mißliebiger Personen, wie Frau Giffey einzustellen?

    • Avatar
      heidi heidegger am

      Nun, das mit ditt PinUpFoto war mir zuliebe anzunehm‘ (und), um mich für meine äh erro(r)hdische Verirrung, Giffey betreffs, zu kitzeln, hihi.

  3. Avatar
    heidi heidegger am

    stabil-guter MMM-Beitrag wie gewohnt mit bissi Berlin-Insider-Touch..hat klar Vorfahrt, machtma Platz da..*schmunzel*

    • Avatar
      jeder hasst die Antifa am

      Dafür bekommst du einen Schmunzelhasen von Lindh aus Schokolade hihi schmunzel

      • Avatar
        heidi heidegger am

        lecker..Du Sparfux du, die Haserln jibbett lang nach Ostern nun zum Sparpreis bei REWE, hihi..Grüßle!

    • Avatar
      Marques del Puerto am

      Heidi von Klunkerborch,

      der Madin mochts richtig, der Fuchs ist schlau und stellt sich dumm, die vom Spiegel sind genau anders rum.
      Aba wer istn hier eigentlich de Geisel, haben die Antifanten schon wieder mal die Messerschmidt…ääh… Landshut entführt ?!
      Läbt eigentlich noch die Gabi von Lutzau, die Cheftomatensaftkellnerin vom Dienst ?
      Haste eigentlich jähwusst, dass Delta Force 1, mit Chuck Norris auf der Basis von der Entführung 1977 aufgebaut war?!

      Pfiat di
      der Marques

      • Avatar
        heidi heidegger am

        indressant..Grüßle! ja da Mahdin schreibts dialektisch unangreifbar quasi, mja. 🙂 und raffiniert! hoho

  4. Avatar
    HEINRICH WILHELM am

    Immer wieder gern zu lesen, die Beiträge von MMM: Sachlich, schlüssig und verständlich.

    • Avatar
      Fischer's Fritz am

      @ (treuer ?) HEINRICH
      Aus M3 wird sicherlich mal was, vielleicht gar Nachfolger von J.E., wenn dieser mal ins Gefängnis muß? 🙂

      • Avatar
        heidi heidegger am

        M003? Ja, d e r macht seinen Weg, zamm mit 0SS117heidi..Aussendienst sanns mihr beide eh gewöhnt, eheheee..ahsó, Soki isch wieder im Spiel wanns er noch will, meine französische Pilotin ‚at mihsch verlassään und ind gekündigt und vasumpft im red light district anzunehm‘ nun, nach meinem Räpp über die L’Amour an sich:

        *Dolorès äh Gabi2, je vais être un petit peu brutal mais il m’est impossible de m’engager avec une femme. Avec moi, les histoires d’amour ne s’écrivent pas dans le temps, ce sont des histoires courtes, compactes, passionnelles. D’aucun ont des aventures… Je suis une aventure.

  5. Avatar
    Achmed Kapulatzef am

    Der alte Stalinist Geisel wird seine Truppen schon in Stellung bringen, und wer nicht spurt der kommt in den Gulag, für den SED Bonzen Geisel kein Problem, von der Mauermörderpartei zu den Kriegsverbrechen und Massenmördern (SPD 1999 Bomben auf Belgrad, gemeinsam mit der Grün*Innen) Verbrecher können nun mal gut miteinander. Und in aller Not gibt es ja noch die Clan Hilfstruppen und die Kampfgruppen der Grün*Innen, aus den Görli.

  6. Avatar

    Der Diktatur der Dummen wird es wohl gelingen, sich ihre persönliche Geißel mit Wahlkreuz zu legitimieren.
    Die Demokratie ist eine Diktatur von Masos!

    • Avatar
      Hans von Pack am

      Jepp. Eigentlich müßte es in der Bananenrebbubbligg Toischland alle paar Jahre einen Militärputsch geben, der mittels geißelfreier Wahlen "die Demokratie wieder herstellt"!

      Das Volk ist größtenteils zu blöd dazu. Oder die Wahlen werden seit FDJ-Merkels Machtantritt schlicht gefälscht: mit 51% der "gezählten Stimmen" läßt sich nämlich ebenso gut eine kommunistische Diktatur errichten wie mit 99% unter Honecker oder Stalin: indem man jegliche Opposition durch einen Vernichtungsfeldzug der gleichgeschalteten Medien einfach ausgrenzt von der "demokratischen Willensbildung", ihre Vertreter von der Antifa zusammenschlagen läßt und regierungskritische Demos nach dem Willen von Polizeigewerkschaftsführer Wendt einfach verbieten läßt. Die Totengräber unseres Landes wie Merkel, Geißel oder Wendt hätten längst vom Militär verhaftet werden müssen, wenn wir noch eins hätten!

      • Avatar
        HEINRICH WILHELM am

        Erst mal ein Militär haben, das erstens den Namen verdient und zweitens die republikanischen Grundsätze auch in politisch wirren Zeiten konsequent verteidigt. "Die Demokratie" per se gibt es nicht. Diese Bezeichnung nahmen und nehmen zu viele ideologische Richtungen als Etikett in Anspruch.
        Aber es gibt demokratische Grundsätze, die in einer Verfassung bindend und unveräußerlich festgeschrieben werden müssen. D.h. ein Parlament ist Bedingung, über das sich der Staat grundlegend organisiert = konstituiert.
        Somit sind eigentlich nur in zwei Staatsformen demokratische Grundsätze realisierbar: Republik und konstitutionelle Monarchie.
        Uns fehlt schlicht eine Verfassung!

      • Avatar

        Herr Wilhelm, Österreich hat eine Verfassung und funktioniert ebenso gut wie Deutschland. Buchtipp: "Schluss mit Demokratie und Pöbelherrschaft" von Andreas Tögel.

Bitte beachten Sie unsere Kommentarregeln. Kommentare sind nur innerhalb von 24 h nach Veröffentlichung des Artikels möglich.

Empfehlen Sie diesen Artikel