Endspiel für die UEFA: Die Super League und das Große Geld

7

Im Angesicht der neuen Super League verfallen Europas Fußballfunktionäre in Beißreflexe. Die angeschlossene mediale Posaune heult mit den Wölfen. Dabei sollte man die künftige Von-der-Leyen-Liga loben. Denn nur der Zusammenbruch der Ballsport-Politbüros kann den Fußball noch retten. Die glorreichen Momente aus mehr als 100 Jahren lassen wir in unserer sporthistorischen Sonderausgabe Nationalsport Fußball – Herzschlag einer deutschen Leidenschaft Revue passieren. Gönnen Sie sich diesen Ausflug in bessere Zeiten! Hier bestellen.

Sie hatten sich redlich bemüht: Befehlston gegenüber den Fans, queere Kapitänsbinden, Aufwertung noch des nachrangigsten Freundschaftsspiels zur verwertbaren Nations League – das Investment Fußball überzeugt mit Stromlinienförmigkeit und garantierten Gewinnen. Doch Undank ist auch in der Welt fortdauernder Respect Games der Welten Lohn.

Nur Stunden, bevor die UEFA die Umwandlung der Champions League zur Liga verkündete – nebenher auch der Startschuss für den neuen Resteverwerter Europa Conference League –, scherte der Hochadel der Königsklasse ungeniert aus. Zwölf Kapitalgesellschaften wollen ihre Mannschaften – darunter Real Madrid, der FC Barcelona, AC Mailand und der in London aufspielende FC Abramowitsch – ohne lästiges Beiwerk auf den Rasen schicken.

Fans des Londoner Klubs Chelsea FC. Foto: Cosmin Iftode | Shutterstock.com

Noch fehlen namenhafte Bundesligisten – Bayern München und Borussia Dortmund warten wohl noch auf ein Gegenangebot des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Eine geschickte Strategie der Verbände mag die neue Liga noch verzögern, mehr ist nicht drin. Dass fünf der 20 geplanten Teilnehmer in der Super League rotieren sollen, zeigt zudem: das System ist auf Expansion angelegt.

Geld von JP Morgan

Dass die Ankündigung mehr ist als donnerndes Verhandeln um einen lukrativeren Platz am Tisch der UEFA, beweist der Blick auf den bekannt gewordenen Finanzier: Die Investmentbank JP Morgan Chase, so ist zu vernehmen, spendiert den Gründungsmannschaften 3,5 Milliarden Euro. Pro Klub ergäbe das etwa 300 Millionen – und damit das dreifache, was Bayern München vergangenes Jahr für den Sieg in der Champions League einstrich. Das Geldhaus mit angeschlossenen Hedgefonds dürfte nicht der einzige interessierte Sponsor bleiben.

Gift und Galle speien nun jene, auf deren Kosten die neue Liga geht. „Mit dieser zynischen Idee spuckt man allen Fans und der Gesellschaft ins Gesicht“, moserte UEFA-Präsident Aleksander Ceferin und bewies: In der Not erinnert sich die Kommunikationsabteilung des Europäischen Fußballbundes sogar an jene, die sonst nur als Staffage auf den Sitzplatzrängen taugen.

Zentrale von JP Morgan Chase & Co. in der New Yorker Park Avenue. Foto: Bumble Dee | Shutterstock.com

Garniert wurde die Echauffage mit der Drohung, beteiligte Clubs und Spieler aus UEFA-Wettbewerben auszuschließen. Eine leere Drohung. Den Kapitalgesellschaften dürfte das Interesse an der Champions League ohnehin abhanden gekommen sein – anders als der UEFA geht es ihnen mit der Super League erkennbar nicht um die Inflationierung, sondern die Verknappung und Veredelung des Angebotes.

Das entgangene Prestige, sich für die „Die Mannschaft“ abrackern zu dürfen, werden sie ihren Legionären pekuniär vergelten. Sollte sich der kommende Wanderzirkus Europameisterschaft zum Quotendesaster entwickeln – was angesichts des erkennbar sinkenden Interesses an Länderspielen durchaus denkbar ist –, wäre diese Ablösung vielleicht nicht einmal besonders teuer.

Sportlicher Globalismus

Dabei gab es ausreichend Warnungen. Bereits die Deutsche Fußballliga DFL – Ausrichter der 1. und 2. Bundesliga – entstand vor 20 Jahren aus Furcht vor einem Alleingang der Spitzenklubs. Zuvor hatten sich die Eishockey-Unternehmen in der DEL – heute Penny DEL –, kurz darauf die Basketballer selbständig gemacht. Wenige Jahre später folgte die Handball GmbH.

Fußball, wie er sein sollte: Ein Volkssport für Jung und Alt. Foto: Fotokostic | Shutterstock.com

Auch die supranationale Verwertung stand längst im Raum und auch hier war Eishockey Vorreiter. Der Versuch, die russisch dominierte Kontinentale Hockey-Liga um EU-europäische Franchises zu erweitern, schlug jedoch weitgehend fehl. Die durch staatliche Subventionen auf dem Eis gehaltenen Osteuropäer versprachen wohl keine befriedigende Rendite.

Zurück zu den Wurzeln

Die künftige Super League ist als globalistischer Wettbewerb nur konsequent. Für den Fußball ist diese Entwicklung ausgesprochen gut – denn sie schwächt DFB und UEFA. Das mit Politik und Bionade-Bonzokratie verfilze System der Verbände beruht letztlich auf einer kaum versteckten Korruption.

Der notwendige Unterbau des Brot-und-Spiele-Spektakels lässt sich nur so lange finanzieren – und damit bei Laune halten –, wie die Einnahmen aus der Vermarktung der Spitzenspiele fließen. Fanproteste lösten in Frankfurt und Nyon selten mehr aus, als bedeutungsschwangere Blicke untermalt mit müdem Lächeln. Der Wegfall der Zugpferde – Ceferins Ausfall hat es bewiesen – sorgt für Panik.

Am Ende ist es relativ einfach: Fußball geht auch ohne DFB und UEFA. Weiter unten dann sicher auch nur ohne Fernsehgelder, aber die fließen künftig sowieso spärlicher. Dafür mit Fangesang aus kräftigen Kehlen.


In COMPACT-Spezial Nationalsport Fußball – Herzschlag einer deutschen Leidenschaft lassen wir die großen Momente wieder aufleben: Von den Anfängen im Kaiserreich über das Wunder von Bern bis zu den Traummannschaften unter Helmut Schön und Kaiser Franz Beckenbauer. Ein echter Leckerbissen für alle sporthistorisch interessierten Freunde des Fußballs. Das Heft können Sie hier bestellen.

7 Kommentare

  1. jeder hasst die Antifa am

    In diesem Geschäft geht es nur um Geld da bleiben Verträge und Fairniss auf der Strecke wieso vereinbart sich das mit den für die Öffentlichkeit dargestellten Gutmenschentum des DFB

  2. jeder hasst die Antifa am

    Die Deutsche "Mannschaft" braucht an der nächsten WM in Dubei nicht teilzunehmen weil sie sich nicht mehr auf Fußball konzentriert sondern nur noch damit beschäftigt ist Sinnfreie politische Scheißhausparolen auf Spruchbändern in die Kamera zu halten und Opa Keller klatscht dazu Beifall wie ein Duracellhase diese Truppe hat sich viel zu sehr als 5.Kolonne der Linksgrünen Politik machen lassen.an fußballerischen Leistungen fehlt es ihr total.

  3. Fischer's Fritz am

    Auch der Profi-Fußball wird sich auf Dauer der allgemeinen globalen Konzentrations-Entwicklung der Wirtschaft nicht entziehen können. Money makes the world go round. Die obzön hohen Gehälter der agierenden Spiel-Söldner müssen schließlich irgendwie erwirtschaftet werden.

  4. heidi heidegger am

    Fußballidole wie Elsässer oder Völler oder Neville sprechen von einem Verbrechen am Fußball, von einem kriminellen Akt. Der europäische Fußballverband Uefa droht den abtrünnigen Vereinen mit Ausschluss von nationalen Wettbewerben und will deren Spieler nicht mehr im Trikot der Nationalmannschaften auflaufen sehen. Das letzte Wort könnten Gerichte haben. /faz.net feat. heidi

    stabiler Beitrag, übrigens! Grüßle!

  5. Soccer Willi am

    Wir brauchen radikale Änderungen:
    Jeder Verein weltweit darf nur noch Spieler im Radius von 50 oder 100 km um den Vereinsort rekrutieren, wobei die neu angeworbenen
    Spieler mindestens 5 Jahre dort gemeldet gewesen sein müssen.
    Dann wäre Fußball wieder ein reeller und attraktiver Vegleich zwischen authentischen, regionsbezogenen Mannschaften.

    • Sozialistischer Fußball am

      Wird aber schwierig mit dem Doppelpass, wenn immer nur einer auf dem Feld halbwegs was kann.

      Auch doof für Regionen,die nur 10 halbweg fähige Beidfüßler zusammenkratzen können.

      Prinzipiell ist die Idee aber gut und ausbaufähig. Kein Facharbeiter soll die DDR je verlassen dürfen.

Bitte beachten Sie unsere Kommentarregeln. Kommentare sind nur innerhalb von 24 h nach Veröffentlichung des Artikels möglich.

Empfehlen Sie diesen Artikel