Das US-Verteidigungsministerium hat Israel auf die höchste Bedrohungsstufe gesetzt. Grund ist eine massive Spionage-Operation des Mossad in der US-Hauptstadt, die bis in Trumps inneren Verhandlungskreis reicht. Alle Hintergründe zur Situation im Nahen Osten in unserer Ausgabe «Gefahr für Deutschland». Grundwissen, um mitreden zu können. Hier mehr erfahren.

    Irrer Agenten-Krimi in Washington: Israel und die USA führen Schulter an Schulter Krieg gegen den Iran. Israelische Offiziere sitzen dabei im US-Zentralkommando Centcom in Tampa und koordinieren gemeinsam Schläge gegen Teheran. Die Waffenbrüderschaft könnte enger kaum sein. Und doch: Der Mossad hat seine Antennen längst auf die amerikanische Hauptstadt ausgerichtet. Der Auftrag: Einblick in Trumps Verhandlungsstrategie mit dem Iran gewinnen. Einen Deal, den Netanjahu mit allen Mitteln zu verhindern sucht.

    Die israelische Botschaft in Washington dementiert umgehend:

    «Es ist völlig falsch, dass Israel die USA ausspioniert. Israel sammelt keine Geheimdienstinformationen über amerikanische Stellen.»

    Das Pentagon schweigt vorerst. Betroffen sind Trumps Chefunterhändler Steve Witkoff sowie hochrangige Pentagon-Beamte.

    Wanzen im Hotelzimmer

    Der wachsende Graben zwischen Trump und Netanjahu wird noch größer. Der US-Präsident sieht seine Kriegsziele in weite Ferne gerückt und strebt einen Deal mit Teheran an. Netanjahu dagegen will das Feuer fortsetzen, bis Irans Militär und Infrastruktur am Boden liegt, ein Regimewechsel in Teheran folgt oder das angereicherte Uran bedingungslos ausgeliefert wird.

    Zudem winken große Landgewinne im Südlibanon, wo die vom Iran finanzierte und bewaffnete Hisbollah seit Jahrzehnten das Terrain beherrscht, und im Gazastreifen, den Israel schrittweise unter seine vollständige Kontrolle bringt. Im Schatten der Hormus-Kämpfe konnte die IDF dort bis weit über den Litani vorrücken.  Doch die Rechnung könnte nicht aufgehen, denn die USA suchen nach einer gesichtwahrenden Exit-Strategie.

    US-Vizepräsident J. D. Vance, sagte vorgestern über einen mögliches Abkommen mit dem Iran auf Fox News:

    «Israel mag das mögen oder nicht, das hier liegt im besten Interesse der Vereinigten Staaten von Amerika.»

    Israel soll seit Wochen Witkoff abgehört haben, Trumps Sondergesandten und Chefarchitekten der Iran-Gespräche, sowie Elbridge Colby, den obersten Politikverantwortlichen im Pentagon, und dessen Stellvertreter Michael Di Mino, zuständig für die Nahostpolitik.

    Die Erkenntnisse stammen aus einer siebenseitigen Bewertung der Defence Intelligence Agency (DIA), dem militärischen Geheimdienst des US-Verteidigungsministeriums, der Lageberichte direkt an das Pentagon und den Präsidenten liefert. Das Dokument kursierte intern in den vergangenen Wochen und stuft Israels Geheimdienstkapazitäten gegen die USA als «kritisch» ein. Diese Kategorie kennt man eigentlich aus Lageberichten über Russland oder China. Für einen Verbündeten ist sie beispiellos.


    Ein US-Beamter nannte das Ausmaß der israelischen Nachrichtendiensttätigkeit schlicht «enthemmt». Eine weitere gut unterrichtete Quelle stellt klar, dass die Aggressivität der israelischen Geheimdienste gegen hochrangige amerikanische Beamte «verstörend» sei. Diese reisen inzwischen mit Einwegtelefonen nach Israel. Gespräche in Hotelzimmern werden mit erhöhter Vorsicht geführt. Zwar stellt die New York Times nüchtern fest:

    «Israel und die Vereinigten Staaten wissen seit langem, dass sie sich gegenseitig ausspionieren. Und haben das toleriert.»

    Was sich aber verändert hat, ist das Ausmaß: Israel und die USA führen jetzt gemeinsam Krieg, teilen Geheimdienstdaten und koordinieren Angriffe. Der Informationsfluss zwischen beiden Ländern war nie enger. Der Mossad scheint die militärische Partnerschaft als Deckmantel zu nutzen, um gezielt jene auszuspähen, die einen Frieden aushandeln könnten.

    Wiederholungstäter

    Die Enthüllungen werfen lange Schatten: Sie erinnern an die Pollard-Affäre der 1980er Jahre, als der US-Geheimdienstanalyst Jonathan Pollard tausende hochklassifizierte Dokumente an den Mossad lieferte.

    Lageberichte über arabische Streitkräfte, sowjetische Waffensysteme und amerikanische Überwachungskapazitäten, das Tafelsilber der US-Geheimdienste, jahrelang nach Jerusalem transferiert. 1985 wurde er verhaftet, 1987 zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt. 2015 wurde Pollard dennoch wieder freigelassen, ausgerechnet als Obama den Atomdeal mit dem Iran verhandelte.

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