Die Welt im Fieber: Eine kleine Geschichte der großen Seuchen

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Epidemien verbreiten Schrecken, können aber auch verkrustete Gesellschaftsformen aufbrechen. Ein Avantgardist des 20. Jahrhunderts suchte deshalb nach einem revolutionären Seuchen-Ersatz. Ein Auszug aus COMPACT 04/2020.

Er kommt überraschend. Fordert ein Opfer. Bald ein zweites. Aufkommende Gerüchte werden durch Vertuschung bekämpft. Dann wieder zwei, drei Leichen. Bald ist klar: Der Schwarze Tod geht um. Das Rathaus wird informiert. Noch spricht man von Einzelfällen. Es folgen anderthalb Monate Ruhe. Allgemeines Aufatmen. Unterdessen steigt die Anzahl wöchentlicher Beerdigungen – langsam, aber unaufhörlich: In der Gemeinde St. Giles im Februar von 16 auf 24 Fälle pro Woche. Im Mai sind es schon 35, im Juni 53. Schließlich gibt es kein Halten mehr. Die ganze Stadt brennt im Feuer der Pestilenz.

Seattle im Dezember 1918: Polizeibeamte versuchen, sich mit Masken vor der Spanischen Grippe zu schützen. Foto: CC0, Wikimedia Commons

In dieser Weise schildert der Schriftsteller Daniel Defoe den Beginn der Seuche in seinem Roman Die Pest zu London (1722). Bis ins Detail beschreibt er den Niedergang der Metropole: das Versagen der Infrastruktur, den Ausbruch von Kriminalität, das Aufkommen geschäftstüchtiger Quacksalber, die Bußpredigten des Klerus, die brutalisierte Justiz, die Aufkündigung von Solidarität. Durch die Straßen ziehen der Hauch der Verwesung, der Rauch der Scheiterhaufen, auf denen man die Toten verbrennt. Und überall Schreie der Erkrankten: mit dunkel gefleckter Haut, Eiterbeulen unter den Achseln und an den Leisten, erbrechen sie Blut und spüren unstillbaren Durst.

Venezianischer Arzt mit Pestmaske. Foto: CC0, Wikimedia Commons

Die Todesangst treibt die Menschen zur Raserei: «Der Sohn, bislang gehorsam und tugendhaft, tötet seinen Vater; der Kontinent treibt sodomitische Unzucht mit seinem Nächsten. Der Lasterhafte wird rein. Ein Geizhals wirft sein Geld mit vollen Händen zum Fenster hinaus. Der Kriegsheld steckt die Stadt an, für deren Erhalt er sich einst aufgeopfert hat. Der eitle Geck putzt sich heraus und spaziert durch die Gebeinhäuser.» So visionierte Antonin Artaud in seinem Vortrag Das Theater und die Pest  (1933) in der Pariser Sorbonne. Der surrealistische Mystiker begriff die Pest primär als geistiges Leiden: Erst nach der metaphysischen Verfaulung einer Gesellschaft schlage der Schwarze Tod zu. Die Pest, so schrie er ins Publikum, diene der «kollektiven Entleerung von Abszessen». Der Erreger, zu Artauds Zeiten bereits mikroskopiert, sei bloße Materialisierung vorangegangener Fäulnis des Geistes, die Seuche eine Katharsis. Wer sie überlebt, dessen Läuterung sei grenzenlos.

Seuche und Sex

Erinnern wir uns ans Mittelalter: Die katholische Kirche herrschte uneingeschränkt, bildete den absoluten Horizont abendländischer Menschen. Dann stürmte 1347 die Pest durch Europa, an der 25 Millionen Menschen, damals 30 Prozent der Bevölkerung, elend verreckten. Danach war das festgefahrene Weltbild unrestaurierbar gesprengt. Alle Bußpredigten, Gebete, Opfer und Ablässe der Kirche hatten die Katastrophe nicht verhindern können, die Hälfte der Priester war gestorben.


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Zurück blieb ein Vakuum, das durch Reformatoren wie John Wycliff und den Anbruch der Renaissance gefüllt wurde. Die Wiederentdeckung der griechisch-römischen Antike verschaffte dem degradierten Menschenleib erste Rehabilitierung – in künstlerischer Darstellung, aber auch als Quelle erotischer Lebenslust. Giovanni Boccaccio berichtet in seiner Novellensammlung Decamerone  (1348–53) von sieben Frauen und drei jungen Männern, die vor der großen Pest in ein Florentiner Landhaus flüchten.

Nothospital in Kansas, USA, während der Pandemie 1918. Foto: National Museum of Health and Medicine, CC BY 2.0, Wikimedia Commons

Um sich die Zeit zu vertreiben und die Stimmung zu heben, erzählen sie sich Sexgeschichten. Statt Geißelung steht dem übermächtigen Thanatos ein quietschvergnügter Eros entgegen. Lust versus Angst. Selbst die Armut ließ nach der Pest ein wenig nach: Der Tod so vieler Arbeitskräfte zwang die Fürsten zur Erhöhung der Löhne.

Jahrhunderte später, 1918, sollte wieder eine Seuche das Antlitz Europas verändern: Die Spanische Grippe wütete in den von den Schlachten geschwächten Ländern. Die Schätzungen über Todesopfer schwanken zwischen 20 und 50 Millionen – ungefähr so viele wie im Zweiten Weltkrieg. Angeblich roch die Influenza nach fauligem Stroh. Infizierte fielen ins Delirium und begingen Selbstverletzungen. Erste Spekulationen über bakteriologische Waffen als Ursache machten die Runde.

Umstritten ist, ob die Seuche mitentscheidend für den Ausgang des Krieges war. Der kaiserliche Staatssekretär des Auswärtigen Paul von Hintze notierte jedenfalls, es sei «eine Illusion zu glauben, das halb verhungerte, von schwerer Grippseuche geplagte, durch militärische Aushebungen schon hundertmal ausgekämmte und in seinem Patriotismus längst überforderte deutsche Volk würde sich jetzt noch einmal zu einem Furor Teutonicus entflammen lassen». (…) Ende des Auszugs.


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18 Kommentare

  1. Avatar
    DerSchnitter_Maxx am

    Seuchen … spiegeln -nur- die Blödheit, Dummdämlichkeit und Unfähigkeit der Menscheit wider 😉

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    Sauerbruch am

    Im so reichen Land wie Deutschland ist es doch möglich Corona Tests an Tankställen Einkaufsmärkten Flughäfen durchzuführen, Ältere und chronisch Kranke durch Hausbesuche zu versorgen, da wäre auch die Kontaktsperre angebracht, nicht aber bei gesunden Menschen, denn diese sollten arbeiten, sonst geht nämlich der Staat finanziell bankrott und die Versorgung bricht komplett zusammen. Krankheiten Wetterkatastrophen Erdbeben Kriege Krisen erschüttern schon immer die Länder der Erde und deswegen sollte jedes Land immer ein Notfallprogramm mit ausreichender Versorgung und Ausrüstung vorrätig haben…

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      Der grundsätzliche Unterschied zwischen Corona und den Seuchender Vergangenheit ist der, daß Letztere ALLE bedrohten, Junge und Alte! Weil die Pest und die Spanische Grippe Junge Menschen, also die Leistungsträger dahinraffte wurde die Wirtschaft geschädigt. Corona tötet aber vor allem kranke Alte, Uralte und Kranke – also NICHT die Leistungsträger der Völker, sondern die, die ohne die überzogene Medizin ohnehin schon längst tot wären! Dafür sind die Schutzmaßnahmen für die Wirtschaft der Tod! Da liegt es schon recht nahe, zu vermuten, daß die Klimaziele des IPCC der wirkliche Grund sind! Die mittleren Alters wurden nämlich (sinnlos) in Panik versetzt und ließen freiwillig (Wer unpopuläre Maßnahmen durchsetzen will, muß die Leute dazu bringen, es freiwillig zu tun!) von ihren Wohlstandsvorteilen ab, was FFF nicht geschafft hatte. Reisen/ Fliegen/ Kreuzfahrten/Fahren stehem dabei ganz oben als "klimaschädlich" auf der Agenda. Die Tourismus und Bespaßungsindustrie wird mutwillig kaputt gemacht! Wenn die Leute nach Corona auf halbes Einkommen gesetzt werden, braucht das ohnehin kaum einer mehr!

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    Käptn Blaubär am

    Aha,also auch damals haben Seuchen Spinner inspiriert, genau wie heute. Sic semper est homo.

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    Strafe muss sein! am

    Mutti hat uns allen Stubenarrest verordnet. Macht (auch künftig) was sie sagt, seid brav, dann dürft ihr bald wieder draussen spielen. Unter Auflagen und Kontrolle natürlich. Wir müssen künftig jederzeit erreichbar sein, weil wir ihr Vertrauen schwer missbraucht haben.

    Nachdem sie ihr (All)Macht demonstriert hat und sich ausnahmslos alle brav gefügt haben, braucht ihr NIE WIEDER rufen, dass sie weg muss. NIE WIEDER!!! Der Drops ist endgültig gelutscht. Wer glaubt, dass sie ihre Macht jemals freiwillig wieder abgeben werden, ist dümmer als die Polizei erlaubt. Das war’s Leute, jetzt geht’s ans Eingemachte. Pegida, AFD, alles Geschichte! Muttis beste Zeit beginnt genau JETZT!

    Nicht vergessen: Keine Türklinken ablecken und keine Coronapartys. Alles muss man den kleinen Rotznasen sagen, nichts können sie alleine.

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      Käptn Blaubär am

      Immer noch Geßler. Was NIE WIEDER verschwinden wird,ist seine fixe Idee,nicht Corona.

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        Kät'n Pappnase am

        Rabulistische Schuldumkehr funzt bei mir nicht, du alter Spielplatzvernagler. 🙂

        „In Hamburg ist niemand ohne Vorerkrankung an Corona gestorben“

        Quelle: .welt.de/regionales/hamburg/article207086675/Rechtsmediziner-Pueschel-In-Hamburg-ist-niemand-ohne-Vorerkrankung-an-Corona-gestorben.html

        Wie’s wohl kommt?

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        Käpt'n Pappnase am

        PS
        Durschnittsalter der (sämtlich vorerkrankten?) "Coronatoten" immer noch 82. Kann es sein, dass die auch ein besonders hartleibiges Grippevirus umgebracht hätte, oder der Kummer darüber, wie widerlich man in Deutschland mit Müttern, Vätern, Groß- und Urgroßeltern umgeht (vor allem derzeit)? Der hiesige Gott muss ein Sozi sein.

        Mich persönlich würde z.B. auch interessieren, wieviele der "Coronatoten" eine Grippeschutzimpfung hatten. Besonders Alten wird das wärmstens empfohlen. Wann wird doch gleich immer gegen Grippe geimpft? Jahresende?

        Kein Aluhut, vllt. betrifft es ja nur Ungeimpfte. Wir werden es nie erfahren, na egal, einige können zu große Informationsmengen sowieso nicht verarbeiten. Deren 386er CPU geht dann regelmäßig in den Notmodus und meldet nur noch Verschwöhrung, Verschwörung, Verschwörung.

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    Früher glaubten sie an die Kirche und gingen freiwillig beichten. Heute glauben sie an die Ärzte und lassen sich freiwillig impfen. "Ein großer Arzt hat oft mehr Menschen auf dem Gewissen als ein großer General", ätzt das Video "H5N1 antwortet nicht".
    Natürlich gibt’s noch unendlich viel mehr Dummheiten, wie sich freiwillig seinen Lieblingsschmarotzer auszuwählen, und ergeben zu nicken, wenns eine andere Urschel wird, usw.

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    Der venezianischer Arzt mit Pestmaske sieht auch nicht viel anders aus, als heutige Ärzte, eigentlich ist seine Maske vermutlich zweckmäßiger. Es ist eine Schande, das wir immer noch mittelalterliche Methoden verwenden müssen.

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    heidi heidegger am

    Indressant = sehr gut bis gut, ämm..jedenfalls: Society-heidi (Adel und brit. Celebs und Gedöns) poltert seitlich/ergänzend und sehr undiplomatisch (bin ja schliesslich nicht vortr.Leg.Rat Soki v. S. – halllooo?!) dazu quasi: *wot? anotha one bites the Dust(er), häh? -> Der britische Kabinettsminister Michael Gove begibt sich einem Medienbericht zufolge in Selbstisolation. Ein Mitglied seiner Familie zeige Symptome der Lungenkrankheit Covid-19, berichtet der Sender ITV. (ntv) * uff!

    ..aber dann auch so: nix! Boris (Becker alias Johnson) hat sechs Kinnerz und sein akt. Fru‘ ist fünneff Jahre älter als sein älst‘ Tochtah, ey! *zifixluuhjahhsoagiih* 😕

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      heidi heidegger am

      Teil 2

      Nun, erstmal Danke für Deine GastFreundschaft(!), lieber Jonas, und gleich dann aber für ditt Legion von heidi-heeders (krannghaffd, ey!) ditt Folgende wohl auch so, hihi, und für die heidi-Fäns (97.5 %, hah!) eh so wohl auch unn datt 🙂 :

      Für Gabi tu ich alles – Vers. 1

      /watch?v=j-yGfBSqXTI

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        heidi heidegger am

        Teil 3

        Nun, worrum ist ditt heidi hier (im Forum), häh? – metapolitisch quasi – : um den gesamtdeutschen Dialog anzu- äh zu führään zwischen Görlitz und Legoland im Nordään und zwischen Hultschiner Ländchen/Hlučínsko, ein Teil Tschechisch-Schlesiens und Metz und äh ämm *zacknweg* 😉

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        heidi heidegger am

        Teil 4

        Corona-seriös betrachtet ist, was gerade stattfindet, das dritte große Gesellschaftsexperiment quasi, nach der kuschligen Volksgemeinschaft (sofern man Arier war) und der nervösen Stalingesellschaft (jeder konnte drankommen/fällig sein) und über Pol Pot schweijen ma mal lieber sowieso.

        Also, ob das Antje Vollmer-Wort/der Witz der GRÜNEn-Oma gilt ("wir haben die Gesellschaft gründlich zivilisiert"), sehen wir am Umgang mit den Schwächsten (Schwachmat F*Fritz Merz ist wieder fit und hat(te) Glück äh Geld). Der Übermensch muss kann und darf nun Kanzler darstellen bald evtl. achach..

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      HEINRICH WILHELM am

      Jaja, die Weibsleut. Macht und Geld isch denen manches mehr wert, als a ehrlich Gemächt… oder?
      Aber itzo, wo die Peschtilenz zur Staatsreligion erhoben – gilt des noch?
      Mit der Maske vorm Maul im Gemach! Macht des Spass??
      Kopulieren mit 1,5 m Sicherheitsabstand (wenn die Alte neu isch), also, mer waas es net…

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        heidi heidegger am

        naja, endlich: Sex mitohne Küssen, da werdään doch ZahnlückenTräume wahr, quasi. Grüßle! 🙂

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