Britischer Veteran: „Dresden überzeugte mich, dass ich ein Mörder war“

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75 Jahre Inferno von Dresden: Britische Stimmen verurteilen die Bombardierung der Elbmetropole. COMPACT-Geschichte „Dresden 1945. Die Toten, die Täter und die Verharmloser“ bringt profunde Aufklärung. 

Während es in der deutschen Öffentlichkeit tabuisiert ist, Verbrechen der Siegermächte im Zweiten Weltkrieg zu verurteilen, regen sich Stimmen aus den Reihen der ehemaligen Gegnerstaaten, die die Verbrechen der Alliierten anklagen. Doch darf die Würdigung und Benennung deutscher Opfer nicht nur den Siegern vorbehalten sein.  

Mit einem würdevollen Gedenken zu Dresden tun sich die deutschen Meinungsmacher auch 75 Jahre nach dem Bombenterror noch schwer. Dennoch flammt pünktlich zum Jahrestag des Bombardement der sächsischen Elbestadt die Diskussion, ob es sich um ein Kriegsverbrechen handelte oder nicht, erneut auf. Anstoß dazu ist ein Buch, das aus der Feder des britischen Publizisten und Historikers Sinclair McKay stammt. Es trägt den Titel „Dresden. The Fire and the Darkness“. Dieses Werk findet in vielen britischen Medien derzeit eine starke Resonanz, zum teil auch in Deutschland. Das englische Magazin „The Spectator“ beispielsweise führte vor einigen Tagen ein Interview mit Mckay und stellte die Frage, ob das Inferno von Dresden als Kriegsverbrechen bezeichnet werden könne. Seine Antwort lautete. „Es war eine Gräueltat.“ Den Begriff Kriegsverbrechen vermeidet er dabei lieber, da er aus seiner Sicht ein juristischer sei, der bei einer moralischen Wertung nicht anzuwenden ist.

Für sein Urteil zum Luftangriff auf Dresden findet er offenbar bei weiteren Briten Bestätigung. Denn auch ein britischer Veteran, der die Zerstörung Dresdens als Kriegsgefangener erleben musste, sagte in der vergangenen Woche gegenüber der Boulevardzeitung „Sun“: „Dresden überzeugte mich, dass ich ein Mörder war, und es hat mich wahnsinnig gemacht.“ Edward Lucas, Jornalist bei der „Times“ und beim „Daly-Mail“, rief gar dazu auf, die Briten sollten sich von der Heldenperspektive lösen und das Umschreiben der Geschichte beenden. „Wir haben den Krieg nicht geführt, um die Juden zu retten“, führt er weiter aus. Diese Aussage erinnert an die Worte von Sir Robert Vansittart, der als beratender Diplomat beim britischen Premiers Winston Churchill fungierte: „Der Feind ist das Deutsche Reich und nicht lediglich der Nazismus, und jene, die diese Lektion noch nicht begriffen haben, haben überhaupt nichts begriffen (…)“.

Dresden 1945: Die Toten, die Täter und die Verharmloser – hier bestellen

Als am 15. Februar 1945 die letzten Bomber das Stadtgebiet von Dresden wieder gen Westen verließen, lagen 40 Stunden Bombenterror hinter der Stadt. Das Ausmaß der vier Angriffswellen ist mit Worten kaum zu beschreiben. Tausende verbrannten im Feuersturm bei lebendigem Leibe, andere wurden verschüttet. Das als sicher geltende Dresden war damals voller Flüchtlinge. Viele mussten ihre Hoffnung mit dem Leben bezahlen. Dresden 1945 gilt seitdem als Fanal für Terror gegen die Zivilbevölkerung. Militärisch sinnlos wurde das einst blühende Elbflorenz nahezu vollends zerstört. Wolfgang Schaarschmidt hat das Inferno überlebt und jahrelang recherchiert. Mit seinem Werk kann man jetzt den Herunterschwindlern und Verharmlosern der Opferzahlen mit vielen neuen Fakten wirksam begegnen. Den über 100.000 Bombenopfern ist damit ein würdiges Denkmal gesetzt.

Dass der Krieg von Großbritannien nicht primär gegen den Nationalsozialismus gerichtet war, deutet auch der kürzlich verstorbene britische Politiker Paddy Ashdown (Liberaldemokraten) in seinem Werk „No“ an. So kritisiert er die Weigerung Churchills, auf die Angebote der deutschen Widerstandsbewegung einzugehen.

Bemerkenswert ist, dass die  „Frankfurter Allgemeine Zeitung“  in ihrer Ausgabe vom 13. Februar 2020 nicht nur die bereits erwähnten Fakten enthielt, sondern auch die Entwicklung  des deutsch-britischen Bombenkriegs richtig darstellt. In der bundesdeutschen Öffentlichkeit galt nämliche lange Zeit die Bombardierung Coventrys im September 1940 als Anlass für den anglo-amerikanischen Revanche-Bombenterror. Dass Cuxhaven bereits am 4. September 1939 Ziel für britische Luftangriffe war, wird  kaum erwähnt. Im Mai des darauffolgenden Jahres fanden weitere Bombenabwürfe auf die Städte Mönchengladbach, Aachen, Dortmund, Essen, Hamm, und Hannover statt – erst dann flog die deutsche Luftwaffe die Angriffe auf Coventry. Fakten wider den Zeitgeist, die sie in viel größerem Umfang auch  in COMPACT-Geschichte Nr. 8 „Verbrechen an Deutschen. Vertreibung, Bombenterror, Massenvergewaltigungen“ nachlesen können.

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13 Kommentare

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    Edle Gesinnung aufrichtiger Reue von der jetzt freien Insel… Und in der kranken BRD schwer krankes Antifa-Erbrochenes…

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    Schon immer wurde die Technik vor allem im Krieg erfunden und weiterentwickelt! Wäre der Konflikt bis in alle Ewigkeiten auf den Zweikampf beschränkt geblieben, wären Massenvernichtungsaktionen und Angriffe gegen die Zivilbevölkerung nicht vorgekommen. Und der Bruch erfolgte erstmalig bei religiösen Konflikten, wo man ALLE Anhäger der "falschen" Religion vernichten wollte, egal ob Greis oder Säugling. (30järg.Krieg, Magdeburg) Später galt das auch für ideologen und grundsätzliche Konkurrenten.
    Selbst wenn etwas, wie die Fliegerei außerhalb eines bewaffneten Konflikts erfunden wurde, wurde sie ganz schnell dem Kriege dienlich gemacht. Ohne diese Erfindung wären die Kriege im 20.Jh. nicht derart eskaliert und gegen Zivilisten geführt worden. Seitdem sind die technischen Möglichkeiten immer verheerender und grausamer geworden! Die größten Chanchen zum Sieg hat der, der sich die meiste Tech leisten kann. Um die Welt wieder sicher zu machen: TECH MUSS WEG!

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      Heraklitos hatte schon recht: "der Krieg ist der Vater aller [ wesentlichen] Dinge " und "die Seelen der im Krieg gefallenen sind im Jenseits reiner als die der anderen Gestorbenen."

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    Arthur Harris war der Ausführer, Churchill war der Auftraggeber aber neben Chaim Weizmann war ein anderer Churchills bester Freund und dieser ist der eigentliche Erfinder des Bomben-Holokaust an den Deutschen. "The Prof"- Frederick Lindemann.
    Dieser Mann ist einen Artikel wert, liebe Compacties.
    Im tödlichen Spiel um die Vernichtung der Deutschen trafen sich ein kalt berechnender Intelektueller, ein hochverschuldeter Alkoholiker, ein obrigkeitshöriger, bornierter Befehlsempfänger und ein exellenter Polit-Schachspieler.
    Look behind the surface..

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    Franz Martin am

    "Vergessen ist auch schon lange, daß Briten und Franzen Deutschland den Krieg erklärten,nicht umgekehrt."

    Vergessen wird genau so, dass sie eben nur Deutschland den Krieg erklärt haben, nicht aber der zeitgleich in Ostpolen einmarschierenden Sowjetunion. Stalin erklärte dazu in der Prawda:

    1. Nicht Deutschland hat Frankreich und England überfallen, sondern Frankreich und England überfielen Deutschland, indem sie die Verantwortung für den jetzigen Krieg übernahmen;

    2. nach der Eröffnung der Kriegshandlungen wandte sich Deutschland mit Friedensvorschlägen an Frankreich und England, während die Sowjetunion offen die Friedensvorschläge Deutschlands unterstützte, da sie der Meinung war und weiterhin ist, dass die rascheste Beendigung des Krieges die Lage aller Länder und Völker von Grund auf erleichtern würde;

    3. die herrschenden Kreise Englands und Frankreichs lehnten schroff sowohl die Friedensvorschläge Deutschlands als auch die Versuche der Sowjetunion ab, die rascheste Beendigung des Krieges zu erzielen.

    Von de Gaulle stammt auch der Begriff des "Zweiten dreißigjährigen Kriegs" beginnend 1914. Eine Sichtweise, die vieles verständlicher macht

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    Lila Luxemburg am

    Es wäre den Briten/der britischen Presse übrigens nicht schlecht anstehen, sich mal mit der Urheberschaft Großbritanniens für BEIDE Weltkriege zu beschäftigen. Empfehlung hierzu: How Britain initiated both world wars (Nick Kollerstrom).

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    Lila Luxemburg am

    "Denn auch ein britischer Veteran, der die Zerstörung Dresdens als Kriegsgefangener erleben musste, sagte in der vergangenen Woche gegenüber der Boulevardzeitung „Sun“: „Dresden überzeugte mich, dass ich ein Mörder war, und es hat mich wahnsinnig gemacht.“ "

    So, so …. – nun, wie dem auch sei … Mr. Arthur Harris war bis zu seinem seligen Ende wohl keineswegs überzeugt, daß er ein Mörder sei. 1977, war hier kürzlich zu lesen, habe er gemeint, er würde Dresden selbstredend wieder bombardieren. Dafür bekam er dann wohl sein Denkmal gesetzt.

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    Käptn Blaubär am

    Tja,lang ist`s her. Vergessen ist auch schon lange, daß Briten und Franzen Deutschland den Krieg erklärten,nicht umgekehrt.Als ob Polen ein Teil Englands gewesen wäre. Hätten die Briten nicht ohne Not und Verstand den Polen den Hintern eingepinselt, hätten sie nach Dünkirchen vernünftigerweise Frieden gemacht,hätte sich die Sache nicht zum globalen Krieg ausgeweitet. Besiegt wurde Deutschland,verloren hat Europa. (Soll Charles von Gallien gesagt haben, ist jedenfalls Fakt).

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      😀 😀 😀 …. selten so einen Schwachsinn gelesen. Betrifft beides, den "Aufsatz" da oben und den Kommentar vom Käpt’n

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