Als Millionen zur Area 51 wollten – und die US-Luftwaffe unruhig wurde

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Ein US-Student forderte 2019 zum Sturm auf die geheimnisumwittertste militärische Sperrzone der Welt auf – und bekam bei Facebook über zwei Millionen Zusagen. Mehr zu diesem Thema lesen Sie in unserer September-Ausgabe mit dem Titelthema „Die UFO-Verschwörung: Mythen, Fakten und geheime Pläne“. Hier bestellen.

Der US-Bundesstaat Nevada gilt als der Hort der Ausgeflippten und Aussteiger. Diesen Ruf verdankt er natürlich vor allem der Glücksspielmetropole Las Vegas sowie dem Burning Man-Festival, das jährlich im Gebiet des Salzsees Black Rock stattfindet. Was die Einwohnerzahl angeht, wächst kein US-Bundesstaat schneller als Nevada, und dennoch ist er immer noch ein in weiten Teilen nur schwach besiedeltes und fast menschenleeres Territorium.

Testgelände für US-Atomwaffen

Auf rund 286.000 Quadratkilometern – das entspricht ungefähr der Fläche der alten Bundesrepublik vor der Wiedervereinigung plus der Fläche des größten mitteldeutschen Bundeslandes Brandenburg – leben heute knapp drei Millionen Einwohner, zwei Drittel davon im Großraum Las Vegas. In den ersten Nachkriegsjahrzehnten war es hier aber noch wirklich einsam, so zählte der riesige Staat 1950 erst gut 160.000 Einwohner.

Kein Wunder, dass die US-Regierung entschied, hier ihre Atomwaffen zu testen, und zwar in der Nellis Range, einem militärischen Sperrgebiet mit einer Größe von 31.000 Quadratkilometern, das damit nur unwesentlich kleiner ist als Nordrhein-Westfalen. Noch in den fünfziger Jahren zog Las Vegas neben einer ersten Welle an Glücksspielern vor allem Touristen an, die einen Atomwaffentest aus der Ferne beobachten wollten.

Blick auf Las Vegas – in den fünfziger Jahren wurden hier noch Atomparties gefeiert. © Alicia Yo, CC BY-SA 3.0, Wikimedia Commons

Insgesamt wurden in Nevada mehr als 1.000 ober- und unterirdische Atombombentests durchgeführt, die die Touristen auf den Hoteldächern von Las Vegas beobachteten – es wurden „Atomic-Parties“ gefeiert und sogar eine „Miss Atomic Blast“ gekürt. Es schien damals kaum jemanden gekümmert zu haben, dass bis in die sechziger Jahre hinein atomar verseuchter Regen über der Glücksspielmetropole niederging.

Superwaffen über der Wüste Nevadas

Doch dann änderte sich innerhalb weniger Jahre plötzlich alles. In dem in der Septemberausgabe von COMPACT veröffentlichten Artikel „Das Geheimnis von Area 51“ heißt es mit Blick auf die Geschichte der Area 51:

„Schon ab 1955 wurde ein Teil dieses riesigen und von zwei Bergketten abgeschirmten Territoriums vom Flugzeughersteller Lockheed zum Test neuer Militärflugzeuge genutzt, zuvor wurden hier Nuklearwaffen getestet. Von den Einwohnern Nevadas wurde es in Anlehnung an Gebietseinteilungen auf alten Landkarten bald Area 51 genannt.

Für Projekte mit höchster Geheimhaltungsstufe war die Region wegen ihrer totalen Abgeschiedenheit optimal geeignet. Hier wurden zur Zeit des Kalten Krieges Beutewaffen wie der sowjetische Superjäger MiG-21 untersucht oder Neuentwicklungen erprobt, darunter auch der erste Tarnkappenbomber, der ab 1977 getestet wurde und aus einer anderen Welt zu stammen schien. Die beiden Militärexperten Michael Skinner und George Hall kommen in ihrem Buch Red Flag deshalb auch zu dem Ergebnis, der Golfkrieg sei ‚ganz gewiss über den Wüsten (…) von Nevada‛ gewonnen worden.“

Eine weitere Mystifikation erfuhr die Area 51 durch den 1971 erschienenen James Bond-Film Diamantenfieber. In diesem tauchen in der Wüste von Nevada ziemlich unvermittelt und isoliert vom Rest der Handlung plötzlich Personen in Raumanzügen auf, die sich vor Kulissen mit Mondkratern bewegen. Merkwürdigerweise kommt diese Szene in dem Roman von Ian Fleming, auf dem der Film beruht, gar nicht vor.

Wurde hier die Mondlandung gefaked?

Die Kritiker hielten den surrealen Einschub für einen Geistesblitz von Regisseur Guy Hamilton, in der Folgezeit kam jedoch das Gerücht auf, die US-amerikanische Mondlandung vom 20. Juli 1969 habe es nie gegeben, sondern diese sei im Area 51 aufgenommen worden. Ausgerechnet diese nun wirklich ziemlich abseitige Theorie hat in den vergangenen Jahrzehnten weltweit viele Millionen Anhänger gewonnen und ist bis heute weit verbreitet. Eine weitere Zäsur in der Legendenbildung rund um das militärische Sperrgebiet in dem US-Wüstenstaat bildete das Jahr 1989.

In dem in der Septemberausgabe von COMPACT veröffentlichten Artikel „Das Geheimnis von Area 51“ heißt es hierzu:

Ist der Entwicklungssprung der US-Luftwaffe nach dem Zweiten Weltkrieg etwa auf außerirdische Technologien zurückzuführen? Kronzeuge dieser Theorie ist Robert Lazar, der ab 1989 in einer Serie von Interviews erklärte, er habe als Wissenschaftler in der Area 51 gearbeitet und dort Studien an extraterrestrischen Flugobjekten betrieben. Tatsächlich war der Physiker nachweislich eine Zeit lang am Los Alamos National Laboratory tätig. Dort wurde im Rahmen des Manhattan-Projekts die erste US-Atomwaffe entwickelt. Lazar gibt an, dass er dann von Edward Teller, dem Vater der Wasserstoffbombe, in den hochgeheimen militärischen Bereich S-4 weitervermittelt worden sei. Vielen Ufologen gilt der Mann bis heute als eine Art Edward Snowden avant la lettre – allerdings lassen sich einige Angaben in seinem Lebenslauf nicht bestätigen. (…)

Auch im Fall Area 51 wurden die Gerüchte durch das undurchsichtige Verhalten der US-Behörden weiter befeuert. Noch bis vor acht Jahren wurde  die Existenz des Militärgeländes weder bestätigt noch dementiert, obwohl offensichtlich war, dass es in der Wüste Nevadas ein riesiges Sperrgebiet gab, in dem militärische Zukunftstechnologie getestet wurde.

Die im Jahr 2013 erfolgte Erklärung der CIA war dann eine regelrechte Aufforderung zu weiteren Spekulationen. In ihr heißt es: ‚Area 51 ist keine Bezeichnung der Air Force, aber das damit gemeinte Gebiet ist Teil des Nellis-Komplexes der Air Force. Dieser Komplex wird zur Erprobung von Technologien und Systemen und zum Training für Operationen verwendet, die für die Effektivität der amerikanischen Streitkräfte und für die Sicherheit der USA entscheidend sind. (…) Einige gewisse Aktivitäten und Operationen, die am Nellis-Gelände in Vergangenheit und Gegenwart durchgeführt werden, bleiben unter Verschluss und können nicht öffentlich diskutiert werden.‛“

Warnung der US-Luftwaffe

Von solchen Bekenntnissen zur Geheimhaltung ließ sich der US-Student Matty Roberts nicht abschrecken, als er im Juni 2019 bei Facebook das Profil Storm Area 51 (zu deutsch: „Area 51 erstürmen“) hochlud. Der Student des kalifornischen Bakersfield College wurde vom Erfolg der Seite regelrecht überrollt. 2,1 Millionen Facebook-Nutzer gaben an, sich an dem für den September 2019 angekündigten Sturm zu beteiligen.

Roberts bekam es angesichts dieser Resonanz mit der Angst zu tun. Er räumte ein, zu befürchten, dass der Geheimdienst CIA bei ihm aufkreuzt. Auch die US-Luftwaffe nahm die Ankündigung so ernst, dass sie offiziell vor jedem unbefugten Betreten des Geländes warnte. Am 20. September 2019 erschienen dann allerdings nur einige Tausend Menschen in Rachel, also dem zur Area 51 nächstgelegenen Ort, und nur einige Dutzend betraten tatsächlich die militärische Sperrzone.

In dem winzigen Örtchen Rachel in Nevada trafen sich 2019 mehrere Tausend Demonstranten, die mehr Transparenz mit Blick auf die Area 51 forderten. Foto: Nick Fox I Shutterstock.com.

Die Reaktion auf die Facebook-Seite von Roberts hat aber deutlich gemacht, wie sehr dieses Thema viele US-Amerikaner umtreibt. Dies ist sogar nachvollziehbar, denn offensichtlich läuft in der Wüste Nevadas ja tatsächlich ein riesiges militärisches Forschungsprojekt, über das die Bevölkerung nicht ansatzweise informiert wird und dessen Kosten und Risiken nicht bekannt sind.

Mehr Transparenz ist nötig

Es wird also vielleicht tatsächlich Zeit, dass die US-Bürger massenhaft Aufklärung über Area 51 fordern, wenn vielleicht auch nicht gerade in Form einer versuchten Erstürmung des Geländes.

In unserer September-Ausgabe mit dem Titelthema „Die UFO-Verschwörung“ beleuchten wir das Phänomen aus verschiedenen Blickwinkeln, trennen Fakten von Legenden und präsentieren Hintergründe und geheime Pläne, die Sie erstaunen werden. Was verheimlich die US-Regierung über Area 51 und Roswell? Ist ein Besuch von Außerirdischen wirklich realistisch? Woher stammen die Flugobjekte? Gibt es geheime Stützpunkte? Und kommt nach Corona- und Klima-Hysterie die UFO-Panik? Wir geben Antworten. COMPACT 9/2021 können Sie hier bestellen.

 

Über den Autor

_ Sven Reuth (*1973) ist Diplom-Ökonom und schreibt für COMPACT hauptsächlich zu wirtschaftspolitischen Themen. Seit Januar 2021 ist er zudem Online-Redakteur.

9 Kommentare

  1. Jede größere Macht, die über Wüstengebiete oder entsprechend dünnbesiedeltes Land verfügt, wird diese dazu benutzen, um riskante Versuche – u.ä. – dort durchzuführen! Ganz einfach – dort kann man Kolaterakschäden und möglichen zukünftigen Schadensersatz minimieren! Rußland tut das irgendwo in Sibierien und China wahrscheinlich in den Gobi. Europa hat ein solches Land nie gehabt! In der Arktis ist es selbst für solches zu unwirtlich.
    Das "Spielerparadies" Las Vegas ist erst entstanden, als Havanna dafür nicht mehr zur Verfügung stand. Das "Böse" in den unbesiedelten Wüstenstaat zu versetzen kam auch den Puritanischen Kräften entgegen. Glücksspiel und Militärisches forschen/erproben paßt dann durchaus zusammen.

  2. Was ist denn, wenn Area 51 in Zukunft einen „Tag der offenen Tür“ einführen würde?

    Das würde einmal im Jahr zur „Hall of Fame“ mit Museumsstücken erklärt. Und wenn dann wirklich etwas Geheimes existieren würde, wäre es zu einem anderen Standort verlagert.

    Mal zum Vergleich, im Dritten Reich wurden die geheimen Projekte auch nicht öffentlichkeitswirksam präsentiert. Erst als die Düsenjäger theoretisch kriegsentscheidend hätten sein können, hat man die Wunderwaffen beworben.

    Nur in einem „Wunderland“ wird im Parlament alles „verdiskutiert“, bis die ganze Welt Bescheid weiß. Kann man erahnen, welches Land gemeint sein könnte?

  3. Fliegende Untertassen, Besuch von Ausserirdischen. Leute die sowas fressen, denen kann man auch Humbug wie die Coronaweltverschwörung zum Great Reset andrehen.

    • Sehen Sie, genau da liegt die Crux begraben. Auch oder gerade in Ihrem Falle. Ob nun Außerirdische, Weltverschwörung oder Corona-Vakzine – egal, Sie wissen überall Bescheid. Vollumfänglich und immer auf den neuesten Stand. Man kann nur ehrfürchtig staunen.

      Das nennt man Hybris. Gugeln Sie’s ruhig …

    • Klaus Katzschke am

      Wer an den Besuch von Außerirdischen in USA Area 51 glaubt (warum nur dort?), ist so weltfremd wie die, die an eine Corona-Pandemie glauben. Außerirdische kamen nicht, Möchtegern-Weltherrscher (Illuminati) sind da. Die hatten es schon vor über 100 Jahren mit dem Kommunismus versucht, heute mit perversem Globalismus und Menschheitsfamilie. Klaus Schwab: "Alle werden nichts besitzen und glücklich sein." Nur die Illuminati werden alles besitzen.

  4. Der Journalist Gerhard Wisnewski hat die Mondlandungen nicht geglaubt. Ich hab mich nie drum gekümmert, weil es für mich unwichtig ist. Wichtiger sind seine "anderen" Jahrbücher:
    "Verheimlicht
    Vertuscht
    Vergessen", was im Vorjahr nicht in der Zeitung stand.

    • Hat er nicht. Dafür glaubt er aber, daß Satanisten Jörg Haider ermordet haben und was Spökenkieker sonst noch erfreut, hihi.

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