Dieter Hallervorden auf Wahlkampftour mit der CDU in Sachsen-Anhalt. Er will die AfD verhindern und klagt gleichzeitig die Merz-Kriegspolitik und den Völkermord in Gaza an. Raffinesse oder Dummheit? Nicht auf die CDU hereinfallen – sondern mit Ulrich Sigmund auf Nummer sicher gehen. Hier ist unsere Silbermedaille für den künftigen Ministerpräsidenten.

    Kann man Verbündeter der CDU sein und gleichzeitig contra Krieg? Das war der Schmu, den uns schon das BSW in Thüringen auftischte, um die Koalition mit den Schwarzen zu rechtfertigen. Jetzt kommt Didi Hallervorden mit dem gleichen Widerspruch um die Ecke und zieht mit Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) durch Sachsen-Anhalt – um die AfD-Alleinregierung zu verhindern.

    Auf der Bühne klingt er dann so: „Hallo, Herr Kriegsminister, Sie haben meinen Sohn gebeten, im Krieg für Sie zu töten. Marschieren Sie eigentlich selber mit?“ Und: “Herr Merz, wenn ihr glaubt, dass Krieg sich lohnt, kämpft doch da, wo keiner wohnt. Kämpft gefällig auf dem Mond!“  Auch  der  „Völkermordes in Gaza“ flackert kurz auf dem Bildschirm auf, während Didi singend intoniert: „Und nenne ich euch Täter, gelt ich schnell als Verräter und früher oder später gehört man dann zum Feind.“ Dafür wäre auf Veranstaltungen der Linken und der AfD vermutlich umjubelt worden, aber bei der CDU gibt es heftige Kontroversen.

    Die frischgebackene CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann sagte dazu am Samstag: »Für die CDU Deutschlands ganz klar: Es gibt keinen Völkermord in Gaza, wir stehen an der Seite Israels und der Ukraine im Kampf gegen den Terror und Aggression.« Serap Güler, CDU-Staatsministerin im Auswärtigen Amt, auf X:„Es ist nur ein Ausschnitt – ein extrem verstörender. Als ‚Wessi‘ will ich keine Ratschläge geben, wie man im Osten Wahlkampf in einer extrem schwierigen Lage macht. Als Christdemokratin bin ich allerdings der Überzeugung, dass diese Art in jeder Himmelsrichtung die falsche ist.“

    Auch Julian Reichelt („Nius“), ansonsten gerne für eine schwarz-blaue Koalition zu haben, empörte sich: „Dieser CDU-Wahlkampf ist Verrat an der CDU. Die CDU lässt die deutsche Nationalhymne zur Gaza-‚Völkermord‘-Horrorparodie umdichten. Die CDU ist geistig-moralisch endgültig am Ende.“

    Wem nützt das Spektakel?

     Beim Auftritt letzte Woche in Halle erklärte Didi dem Publikum: »Ich würde, wenn das hier Bundesebene wäre, für Friedrich Merz keine Reklame machen, das ist hier bei Sven [Schulze] anders.«

    Also Wahlkampf für die Ost-CDU gegen den CDU-Kanzler? Steckt da eine Strategie von Hallervorden dahinter? Hofft er, dass der Kriegskanzler abtritt und dann ein weniger kriegsgeiler CDU-Nachfolger aus dem Osten die Bundesregierung übernimmt?

    Schauen wir uns diese Strategie, wenn sie existiert, vor dem Hintergrund der aktuellen Hochrechnungen an. Nach der letzten stünde die SPD wieder bei sieben Prozent, und die Grünen wären mit fünf Prozent wieder drin. Die Zuwächse von Rot-Grün gingen zu Lasten der CDU, die um zwei auf 22 Prozent absackte. Dass der Hallervorden-Auftritt Wähler von Blau nach Schwarz zieht, ist unwahrscheinlich – das Elektorat der AfD ist sehr stabil. Wer friedensbewegt ist, wird auch wegen Didi nicht zur CDU wechseln, sondern AfD, Linke oder BSW bevorzugen. Genauso vorstellbar ist übrigens, dass Russenfresser bei der CDU jetzt wegen Didi enttäuscht sind und zur härtesten Kriegspartei, den Grünen, wechseln.

    Macht also Didi, indem er mit Schulze auftritt, einen Wahlkampf, der der CDU eher schadet?  Oder gelingt es ihm, Schulze als Anti-Merz zu profilieren und damit auf Dummenfang zu gehen?

    Prognose: Vermutlich wird Hallervorden wenig zu Wählerverschiebungen beitragen können. Die CDU ist wegen Merz im Keller, und Schulze ist erkennbar nicht dessen Widersacher, sondern dessen Statthalter. Aber an einer unfreiwilligen Ironie der Geschichte darf man sich trotzdem freuen: Dass Israels Gaza-Politik als Völkermord bezeichnet wird, und das im CDU-Wahlkampf, wird die Diskussion darüber enttabuisieren.

    Fazit: Nicht auf die CDU hereinfallen – sondern mit Ulrich Sigmund auf Nummer sicher gehen. Hier ist unsere Silbermedaille für den künftigen Ministerpräsidenten.

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