Hochrangige Mitarbeiter des Weißen Hauses enthüllen, was hinter der MAGA-Maske aus Drohungen und Ultimaten wirklich vorgeht. Was sie berichten, zeigt einen Präsidenten, der seinen eigenen Krieg zu fürchten begonnen hat. Unsere Spezial-Ausgabe „Kriegsverbrechen – US-Außenpolitik von Truman bis Trump“ zeigt, warum jetzt viele mit dem US-Präsidenten hadern. Hier mehr erfahren.
Am 28. Februar 2026 zogen die USA in den Krieg gegen den Iran. Teheran antwortete mit einem Schachzug von welthistorischer Wucht: Es verriegelte die Straße von Hormus, durch die rund 20 Prozent der globalen Ölversorgung fließen. Öffnung nur unter Bedingung von Transitzahlungen. Trump bat Europäer und sogar die Chinesen um Hilfe, beide lehnten ab.
Doch das Schlimmste stand noch bevor: Es war Karfreitag, gegen Mittag, als die Nachricht im West Wing eintraf, die Trumps tiefste Furcht mit einem Schlag bestätigte: Ein amerikanisches Flugzeug war über dem Iran abgeschossen worden, zwei Soldaten galten als vermisst. Anonyme Berater und Vertraute aus Trumps engstem Zirkel, die dem Wall Street Journal (WSJ) über Wochen Einblick in seine Kriegsführung gewährten, schildern, was folgte.
Vor seinem inneren Auge beschwor sich das Jahr 1979: Damals hielt das Regime 52 amerikanische Botschaftsangehörige 444 Tage lang fest. Präsident Jimmy Carter schickte Hubschrauber zur Befreiung. Die Mission versandete in der Wüste. Carter verlor die Wahl. Für Trump ist dieses Kapitel kein fernes Geschichtsbuch, sondern ein persönlicher Albtraum. In einer Runde mit Parteifreunden in Florida hatte er es im März beschworen:
„Wenn man sieht, was mit Jimmy Carter passiert ist … mit den Hubschraubern und den Geiseln, hat ihn das die Wahl gekostet. Was für ein Chaos.“
Trump drängte, das Militär solle die vermissten Männer sofort rausholen. Die USA hatten seit dem Sturz der iranischen Regierung 1979 keinen Fuß mehr auf iranischen Boden gesetzt. Die Lage wurde so chaotisch, dass Mitarbeiter den Präsidenten kurzerhand aus dem Lagebesprechungsraum fernhielten, weil seine Ungeduld die Lage nur verschärft hätte.
Flüche am Ostermorgen
Den Piloten barg man rasch. Den Waffensystemoffizier, den zweiten Vermissten, aufzuspüren dauerte über 24 Stunden. Die CIA lancierte eine Täuschungskampagne, streute im Iran die Falschmeldung, der Mann sei bereits gefunden, während sie mit eigenen Mitteln fieberhaft nach ihm suchte.
Spät am Samstag die Erlösung: Er war lebend aus einer Felsspalte geborgen worden, leicht verletzt. Ein A-10-Angriffsflugzeug und zwei Rettungshubschrauber waren bei der Operation abgeschossen worden, amerikanische Todesopfer gab es laut offiziellen Angaben keine.
Nur sechs Stunden nach der Rettung trat der protzende Präsident wieder auf die Bühne. Am Ostermorgen polterte er aus der Residenz des Weißen Hauses auf Truth Social:
„Macht die verdammte Straße auf, ihr verrückten Bastarde, sonst lebt ihr in der Hölle.“
Dem Beitrag fügte er ein islamisches Gebet bei. Republikanische Senatoren und christliche Würdenträger waren alarmiert: Warum „Lob sei Allah“ am Ostersonntag? Weshalb das Schimpfwort? Trump erklärte seinen Beratern, er sei selbst auf die Idee gekommen. Er wolle so unberechenbar wie möglich wirken, weil Destabilisierung die Iraner an den Verhandlungstisch zwingen könne. Gleich danach fragte er seine Berater:
„Wie kommt das an?“
Die Europäer helfen nicht, klagte er immer wieder. Der Benzinpreis lag bei 4,09 Dollar pro Gallone. Am Dienstag nach Ostern folgte das dramatischste Ultimatum seiner Präsidentschaft: Schließe der Iran nicht binnen zwölf Stunden einen Deal, werde „eine ganze Zivilisation sterben“.

Auch dieser Beitrag war improvisiert, kein Teil eines nationalen Sicherheitsplans, wie Regierungsmitarbeiter dem WSJ bestätigten. Weniger als neunzig Minuten vor Ablauf des Ultimatums verkündete Trump einen zweiwöchigen Waffenstillstand. Was er damit bezweckte, formulieren seine Berater in bemerkenswerter Offenheit: Er wollte die Iraner erschrecken und den Krieg beenden.
Kori Schake, Senior Fellow beim American Enterprise Institute und frühere Mitarbeiterin im Nationalen Sicherheitsrat unter Präsident George W. Bush, urteilte schonungslos:
„Wir erleben erstaunliche militärische Erfolge, die sich nicht zu einem Sieg summieren. Das liegt ganz beim Präsidenten und daran, wie er seinen Job macht: mangelnde Aufmerksamkeit für Details und mangelnde Planung.“
Was nach verbalem Kontrollverlust aussah, war Trumps verzweifelte Kriegsstrategie: Wer den Gegner in Schrecken versetzt, könnte ihm vielleicht das ein oder andere Zugeständnis abgewinnen.
Blut und Sand
Dass Trump überhaupt in den Krieg zog, verblüffte viele seiner engsten Vertrauten. „Blut und Sand“, hatte er in seiner ersten Amtszeit über den Nahen Osten gesagt, sein geflügeltes Wort dafür, warum er sich in keinen Nahostkonflikt hineinziehen lassen werde.
Doch die Quellen aus dem Weißen Haus beschreiben, wie Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu den US-Präsidenten überzeugte. Ein Briefing im Situation Room im Februar, flankiert von wiederholten Gesprächen mit Senator Lindsey Graham, genügte. Trump vertraute dem Militär, und erinnerte seine Berater daran, wie mühelos die USA in Venezuela gesiegt hatten, wo Washington binnen Stunden Nicolas Maduro gefangen genommen und durch seinen gefügigere Stellvertreterin Delcy Rodriguez ersetzt hatte.

Der Krieg eröffnete mit der gezielten Tötung von Ayatollah Ali Khamenei und weiterer Führungsfiguren des Regimes. Jeden Morgen ließ Trump sich Aufnahmen gewaltiger Explosionen auf iranischem Gebiet vorführen. Die Wucht der Bomben schien ihn zu berauschen, berichteten Berater dem WSJ. Doch die Ernüchterung folgte rasch. Die Straße von Hormus blieb dicht. Trump rang mit einer Erkenntnis, die ihn sichtlich wurmte:
„Ein Typ mit einer Drohne kann sie lahmlegen.“
Die Eroberung der Ölinsel Kharg, Ausgangspunkt für 90 Prozent der iranischen Ölexporte, verwarf er, obwohl Militärberater den Erfolg der Mission als gesichert bezeichneten. Seine Begründung: „Die werden wie sitzende Enten sein.“
Europas Schweigen treibt ihn zur Weißglut
Europäische Länder und das NATO-Bündnis verweigerten die Gefolgschaft. Trump beharrte darauf, dass der britische Premierminister Keir Starmer US-Streitkräften britische Stützpunkte öffne. Als dieser zögerte, entlud sich Trumps Zorn. Den französischen Präsidenten Emmanuel Macron verhöhnte er in Sitzungen des Weißen Hauses mit übertrieben französischem Akzent, nachdem die beiden über den Krieg und Macrons Ehefrau gestritten hatten.
Als NATO-Generalsekretär Mark Rutte Anfang April nach Washington reiste, befand Trump danach, das Treffen sei weitgehend Zeitverschwendung gewesen. Rutte könne seine Mitgliedsstaaten ohnehin zu nichts zwingen.
Inmitten alledem ließ Trump Baupläne für den Ballsaal studieren, den er auf dem Gelände des Weißen Hauses errichten lässt, und sah sich als Generalunternehmer. Bei einem Empfang anlässlich der 250-Jahr-Feier Amerikas, einen Abend nach der Drohung, die iranische Zivilisation zu vernichten, erwog er laut Insidern, sich selbst die Medal of Honor zu verleihen. Die höchste militärische Auszeichnung der Nation, vorgesehen für Tapferkeit unter Feuer. Der Waffenstillstand hält brüchig, die Straße von Hormus bleibt geschlossen, das iranische Regime firmiert unter radikalen neuen Führern.
Vom Friedens- zum Kriegspräsidenten: Unsere Spezial-Ausgabe „Kriegsverbrechen“ zeichnet die aggressive US-Außenpolitik von Truman bis zum jetzigen Amtsinhaber nach. Hier bestellen.





