Volle Fahrt voraus! Nach 21 Stunden gescheiterter Friedensgespräche in Pakistan verhängte Trump seine eigene Seeblockade der Straße von Hormus. Noch am selben Tag passierten sanktionierte Tanker die Meerenge, einer davon chinesisch. Alle Hintergründe zur Situation im Nahen Osten in unserer April-Ausgabe mit dem Titelthema „Gefahr für Deutschland“. Grundwissen, um mitreden zu können. Hier mehr erfahren.
Washingtons „Gegenblockade“ hatte kaum begonnen, da zeigte sie ihr erstes Leck. Ein chinesischer Tanker näherte sich dem Nadelöhr, wendete, wartete, und setzte dann seinen Kurs unbeirrt fort, als existiere das Embargo nur auf Truth Social.
Ein Dollar pro Barrel: So lautet Teherans Tarif für die Durchfahrt, zahlbar in Bitcoin, chinesischem Yuan oder Stablecoins, koordiniert mit der Revolutionsgarde. Das Prozedere ist auf Sekunden getaktet: Jeder Tanker muss seine Ladung per E-Mail bei iranischen Behörden anmelden. Erst dann ergeht die Freigabe. Sobald sie eintrifft, bleiben dem Kapitän wenige Sekunden, um den Betrag auf eine iranisch kontrollierte digitale Wallet zu überweisen. Wer die Frist verpasst, verliert die Genehmigung. Leere Schiffe passieren. Beladene zahlen. Trump versucht zu reagieren.
US-Piraten mit zwei Augenklappen
Nachdem die Friedensgespräche zwischen Washington und Teheran, am Samstag in Islamabad nach 21 Stunden ergebnislos versandeten, in denen US-Vertreter und Vizepräsident J.D. Vance vergeblich eine transitfreie Öffnung der Meerenge forderte, verkündete Trump auf Truth Social, die US-Navy werde ab Montag, 16 Uhr MEZ, alle Schiffe blockieren, „die iranische Häfen und Küstengebiete anlaufen oder von dort auslaufen“.
Mehr als 15 Kriegsschiffe, darunter ein Flugzeugträger, mehrere Lenkwaffenzerstörer, ein amphibisches Angriffsschiff und weitere Kriegsschiffe, sollen die Blockade absichern. Diese Schiffe verfügten über die Fähigkeit, Hubschrauber für Enteroperationen zu starten und Handelsschiffe in bestimmte Gebiete zu dirigieren, um sie dort festzusetzen oder zu kapern.
Das zuständige US-Regionalkommando Centcom präzisierte: Die Blockade richte sich gegen Schiffe mit Verbindungen zu iranischen Häfen, nicht gegen den gesamten Schiffsverkehr. Trump drohte gleichzeitig jedem, der eine iranische Transitgebühr zahle, also der Mehrheit der Schiffe, mit Beschlagnahmung auf hoher See. Irans Minen in der Meerenge sollen zerstört werden. Sollte sich das Land wehren und mit den berüchtigten Schnellbooten angreifen, würden diese von der USA zerstör, so Trump. Der Präsident stellte am Montag klar:
„Wenn sich eines dieser Schiffe unserer Blockade auch nur nähert, wird es sofort eliminiert.“
Und weiter: „Jeder Iraner, der auf uns oder auf friedliche Schiffe schießt, wird zur Hölle gejagt.“ Die Rich Starry, ein Mittelstreckentanker mit 250.000 Barrel Methanol an Bord, beladen im emiratischen Hafen Hamriyah mit Bestimmungsziel China, näherte sich kurz nach Inkrafttreten der Blockade der Meerenge nahe der iranischen Insel Qeschm.

Das Schiff drehte zuerst um, wartete, und setzte seine Fahrt wenige Stunden später fort. Schiffsverfolgungsdaten von MarineTraffic, Kpler und LSEG bestätigten den Durchgang. Es war der zweite Ausfahrtsversuch des Tankers innerhalb von weniger als 24 Stunden. Beim Warten sendete das Schiff seine Kenndaten offen aus: chinesischer Eigentümer, chinesische Besatzung.
Brisant: Die Rich Starry steht seit 2023 auf der US-Sanktionsliste, weil sie dem Iran bei der Umgehung von Energiesanktionen geholfen haben soll. Eigentümer ist die Full Star Shipping Ltd. mit denselben Kontaktdaten wie die Shanghai Xuanrun Shipping Co. Ltd., ebenfalls auf der US-Sanktionsliste. Das Schiff fuhr unter malawischer Flagge. Malawi ist ein Binnenstaat ohne Hochseeregister. Eine klassische Phantomflagge.
Der nächste sanktionierter Frachter folgte. Die Murlikishan fuhr in Richtung Irak, wo sie Schweröl laden soll, und hat laut der Analyseplattform Kpler zuvor sowohl iranisches als auch russisches Öl transportiert. Zwei sanktionierte Schiffe an einem einzigen Tag.

Ein weiterer sanktionierter Tanker, die Elpis, fuhr ebenfalls am 13. April durch die Meerenge, direkt aus dem iranischen Hafen Bushehr kommend, wo sie zwei Wochen geankert hatte. Wann genau, darüber widersprechen sich die Quellen. NBC News, gestützt auf MarineTraffic-Daten, berichtet von einer Durchfahrt um ca. 6 Uhr morgens, also noch vor Inkrafttreten der Blockade um 16 Uhr MEZ.
CNN hingegen, gestützt auf Kpler-Daten, berichtet von einer Passage am Montagnachmittag, also nach Blockadebeginn. Ob die Elpis die Blockade technisch gebrochen hat oder ihr knapp zuvorkam, lässt sich anhand der vorliegenden Daten nicht abschließend klären. Unbestritten ist: Das Schiff kam aus einem iranischen Hafen, stand seit 2025 auf der US-Sanktionsliste.
Zwischen 100 und 120 Handelsschiffe passierten die Meerenge täglich, bevor der Krieg begann. Mehr als 2.000 Schiffe mit rund 20.000 Seeleuten sitzen seither im Persischen Golf fest. Seit Inkrafttreten der Blockade ist wohl kein einziges Schiff mit aktiviertem Transponder die Fahrt in den Persischen Golf angetreten. Die globale Schifffahrtsgemeinschaft und Energiehändler befinden sich in einem Zustand nervöser Anspannung. Die meisten Akteure im Nahen Osten und in Asien hätten angekündigt, ihre Bewegungen zu pausieren, bis die genauen Details der US-Blockade klar seien.
Chinas Antwort
Vor dem Durchfahrtsversuch der Rich Starry hatte Peking Washington bereits unmissverständlich gewarnt. Chinas Verteidigungsminister Admiral Dong Jun erklärte öffentlich, chinesische Schiffe würden die Meerenge ungehindert passieren, unabhängig von der US-Blockade:
„Wir haben Handels- und Energieabkommen mit dem Iran. Unsere Schiffe fahren in die Gewässer der Straße von Hormus ein und aus.“
Jegliche Einmischung werde Vergeltungsmaßnahmen nach sich ziehen. Chinas Außenminister Wang Yi forderte die internationale Gemeinschaft auf, sich „unmissverständlich gegen alle Maßnahmen zu stellen, die den Waffenstillstand untergraben“. Die Trump-Administration antwortete mit der Drohung eines zusätzlichen Zolls von 50 Prozent auf chinesische Waren, sollte Peking dem Iran fortgeschrittenes Militärgerät liefern.
Rund die Hälfte der chinesischen Ölimporte und ein Drittel des LNG stammen aus dem Nahen Osten. Langfristig wäre eine Hormus-Übernahme des Irans eine Traum für den asiatischen Drachen, kurzfristig aber ist Pekings wirtschaftlicher Schaden enorm. Die Rohölkäufe sanken im März im Jahresvergleich um 2,8 Prozent auf knapp 50 Millionen Tonnen. Die Gaseinfuhren brachen um elf Prozent ein, LNG-Lieferungen per Schiff sogar um 22 Prozent auf 3,74 Millionen Tonnen.
Peking hat staatlichen Raffinerien erlaubt, auf kommerzielle Reserven zurückzugreifen, um den Versorgungsschock abzufedern. Kleinere unabhängige Raffinerien, die auf stark verbilligtes iranisches Rohöl angewiesen waren, verloren diesen Zugang vollständig. Die chinesischen Ölproduktexporte gingen um zwölf Prozent zurück, nachdem die Regierung Ausfuhrbeschränkungen verhängte, um die eigene Versorgung zu sichern. China braucht das Golf-Öl. Und Washington muss nun entscheiden, ob es bereit ist, dafür einen offenen Seekrieg mit Peking zu riskieren.
Trump träumte von Mautpartnerschaft mit Iran
Dabei hatte Trump die iranischen Mautpläne zunächst nicht verurteilt, sondern geradezu verlockend gefunden. Gegenüber ABC News schlug er noch vergangene Woche ein gemeinsames amerikanisch-iranisches Unternehmen vor, das Schiffe durch die Meerenge schleusen und daran verdienen solle:
„Wir denken daran, es als Joint Venture [geschäftliche Partnerschaft] zu machen. Es ist eine Möglichkeit, die Straße zu sichern. Es ist eine wunderschöne Sache.“
Washingtons Verbündete am Golf blieben fassungslos zurück. Länder, die jahrzehntelang unter amerikanischem Schutz standen, sahen sich plötzlich mit der Aussicht konfrontiert, dass ihr wichtigster Handelsweg gemeinsam von Washington und Teheran bewirtschaftet werden könnte. Das Weiße Haus ruderte zurück: Es sei nur „eine Idee gewesen“.
Die iranischen Revolutionsgarden erklärten, jeder Versuch von Militärschiffen, sich der Meerenge zu nähern, gelte als Verstoß gegen den Waffenstillstand. Man werde „hart und entschlossen“ reagieren. Mohsen Rezaee, hochrangiger Militärberater des neuen Obersten Führers Modschtaba Chamenei, ließ keinen Zweifel:
„Die USA sind dazu verdammt, mit jeder Seeblockade zu scheitern. Iran ist kein Ort, der sich mit Tweets und eingebildeten Blockadeplänen einschüchtern lässt.“
Der iranische Parlamentspräsident Ghalibaf verspottete Washington auf X mit einer Karte der Benzinpreise rund um die US-Hauptstadt:
„Genießt die aktuellen Preise an der Zapfsäule. Mit der sogenannten Blockade werdet ihr euch bald nach Benzin für vier bis fünf Dollar sehnen.“
Brent-Rohöl näherte sich am Montag wieder der Marke von 100 Dollar pro Barrel. US-Energieminister Chris Wright räumte auf einer Konferenz in Washington ein, die Preise würden „hoch bleiben, vielleicht sogar steigen“, bis „nennenswerter Schiffsverkehr“ durch die Meerenge fließe. Die Rich Starry ist längst im Golf von Oman. Washington hat eine Blockade verhängt, die Peking noch nicht einmal der Mühe einer offiziellen Antwort für wert befunden hat.





