Gedanken an einem heißen Tag Ende Mai 2026. Mein Editorial aus der neuen COMPACT-Ausgabe Juni 2026. Hier kann man die Ausgabe bestellen.
Hundstage. Die Sonne brennt. Kein Lüftchen. Grillen zirpen. Schweiß. Das Hemd klebt am Körper. Träge taumeln die Wespen über unseren Gläsern. Vom See her weht der Gestank faulender Kröten., Dunkle Wolken ziehen auf, aber es kühlt nicht ab. Von Ferne riecht es verbrannt. Eine Sirene schrillt. Niemand mag sich bewegen.
Wie der Sommer, so das ganze Land, die ganze Welt. Alles scheint stillzustehen. Ein heißer Pesthauch drückt alle nieder. Im Osten nichts Neues, noch weniger im Westen. Die Fronten sind festgebacken. Stellungskrieg im Donbass, Strangulation im Persischen Golf. Der Fleischwolf dreht sich unaufhörlich und mahlt Menschenleiber, aber er kommt nicht von der Stelle. Gaza ist plattgebombt, jetzt ist der Libanon dran – aber Europa wälzt sich somnambul in seinen letzten Traum. Deutschland döst in der Hitze, die Brandmauer spendet Schatten. Jeder will, dass sich etwas ändert, aber keiner traut sich ins Offene. Ein Wal ist es schließlich, der die Hirnverbrannten aufschrecken lässt. Und dann feiert Bayern die Meisterschaft. Alles bleibt beim Alten.
Vielleicht ist es ein Sommer wie 1914. Stefan Zweig erinnert sich in „Die Welt von gestern“: „Jener Sommer 1914 wäre auch ohne das Verhängnis, das er über die europäische Erde brachte, uns unvergesslich geblieben. Denn selten habe ich einen erlebt, der üppiger, schöner, und fast möchte ich sagen, sommerlicher gewesen.“
(….)
So wird es auch dieses Mal kommen. Sehenden Auges laufen die Menschen in ihr Unglück, vertrauen ihren Führern, glauben an den Frieden, der so lang gedauert hat. Doch dann fällt in China ein Sack Reis um, und dieses Mal ist eine Bombe drin. Oder ein Politiker stirbt, und es war wieder einmal der böse Russe. Oder, scheinbar urplötzlich, gibt es kein Benzin mehr. Wilhelm II. ging am 6. Juli 1914 auf Kreuzfahrt und blieb bis 25. Juli auf seiner Yacht. Alles schien wie immer. Doch schon am 1. August, sieben Tage später, erklärte er Russland den Krieg.
In der Ferne sieht man Blitze zucken. Wann geht Friedrich Merz in Urlaub?
***
Das Editorial „Ein mörderischer Sommer“ ungekürzt lesen in COMPACT-Magazin 6/2026. Hier bestellen.




