5. Juli 1943: Entscheidung vor Kursk

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Vor 77 Jahren wurde von Hitler bei Kursk nahezu alles aufgeboten, was ihm an schwerem Gerät zur Verfügung stand, um die Sowjetunion endlich in die Knie zu zwingen. Mit knapp 800.000 Soldaten mit 2.500 Panzern und Sturmgeschützen stand die Wehrmacht ihrem Feind gegenüber. Ein Auszug aus COMPACT-Geschichte Nr. 7 „Panzerschlachten. Die legendären Blitzkrieger von Erwin Rommel bis Moshe Dayan“.

Die größte Panzerschlacht der Weltgeschichte endete in einem blutigen Patt: Die Verluste der Sowjets waren noch furchtbarer als die der Deutschen, trotzdem musste sich die Wehrmacht am Ende zurückziehen. Die Gründe lagen außerhalb des Gefechtsfeldes.

„Wir sahen uns einem Feind gegenüber, den von Deutschlands Grenzen fernzuhalten unsere Aufgabe war. Ein Feind, der nur durch weitere Schläge viel- leicht doch noch zu einem Remis gebracht werden konnte“, so Generalfeldmarschall Erich von Mans- tein in seinen Erinnerungen an den Sommer 1943. Hier im Zentrum der Ostfront standen sich bei der russischen Stadt Kursk Truppen von Wehrmacht und Roter Armee in enormer Stärke gegenüber. Wobei die Sowjets in allen Belangen mehr als doppelt so zahlreich waren (siehe Infobox Seite 38). Dennoch wollten die numerisch unterlegenen Deutschen eine Offensive starten. Warum dieses Wagnis?

Der stählerne Zangengriff

Das operative Ziel bestand darin, die starken gegnerischen Kräfte rund um Kursk mittels einer schnellen Zangenbewegung einzukesseln, um sie anschließend aufzureiben. Dadurch wäre der Sowjetunion die Möglichkeit einer Großoffensive genommen worden. Anschließend wollte man die strategische Initiative an der Ostfront zurückgewinnen. Man kann also feststellen, dass die sich anbahnende Schlacht zwar eine Angriffshandlung der Wehrmacht war, sie diente jedoch zur eigenen Verteidigung und sollte die Sowjetunion an ihrem Vormarsch hindern.

Dem Gegner sollten dabei so große Verluste zugefügt werden, dass zumindest für die folgenden Monate mit keinen größeren Offensiven auf die deutsche Front mehr zu rechnen wäre. Das Oberkommando der Wehrmacht (OKW) wollte außerdem durch die entstehende Frontverkürzung bis zu zehn gepanzerte Verbände freisetzen. Diese Divisionen sollten dann an anderen Kriegsschauplätzen verwendet werden, vor allem gegen die dro- hende Invasion in Italien.

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Dieser Kriegsplan basierte auf einer Idee des Befehlshabers der Heeresgruppe Süd, Erich von Manstein, die er unmittelbar nach der erfolgrei- chen Operation zur Rückeroberung von Charkow (Mai 1942) entwickelt hatte. Er wurde stabsmäßig durch das Oberkommando des Heeres (OKH) unter Leitung des Generalstabschefs Kurt Zeitzler ausge- arbeitet. Das Ganze erhielt den Decknamen «Unter-

nehmen Zitadelle». Der künftige Kriegsschauplatz, ein weit nach Westen vorspringender Frontbogen um die Stadt Kursk, besaß eine Gesamtlänge von knapp 200 Kilometern und eine Tiefe von bis zu 150 Kilometern. Die Planung sah vor, an der Nord- und Südflanke des Bogens eine Offensive vorzunehmen, die alle im Frontvorsprung konzentrierten Sowjet- truppen von ihrer Hauptfront abschneiden würde.

Das operative Ziel bildete Kursk, wo sich die beiden Angriffsspitzen am fünften oder sechsten Tag der Offensive vereinigen sollten. Nach erfolgreichem Durchbruch sollten während der zweiten Phase die eingekesselten sowjetischen Truppen und ihre Reserven – insgesamt bis zu zehn Armeen – vernichtet werden.

Der Plan war eher konventionell, zielte auf das Herbeiführen einer klassischen Kesselschlacht und entsprach dem bisher sehr erfolgreichen Blitzkrieg-Konzept. Es entfiel allerdings das Moment der Überraschung. Der Erfolg sollte vor allem durch konzentrierten Einsatz von gepanzerten Truppen und neuartigen Waffensystemen in beiden Stoßrichtungen erzwungen werden.

Für das Unternehmen war im Norden bei der Heeresgruppe Mitte unter Generalfeldmarschall Günther von Kluge die 9. Armee (Generaloberst Walter Model) mit 22 Divisionen, davon acht Pan- zer- und Panzergrenadierdivisionen, aufmarschiert. Die schlagkräftigste Truppe bildete hier das 47. Panzerkorps unter General Joachim Lemelsen. Die Heeresgruppe Süd unter Erich von Manstein konzentrierte im südlichen Abschnitt die 4. Panzerarmee und eine Armeeabteilung unter General Werner Kempf mit insgesamt 19 Divisionen, davon neun Panzer- und Panzergrenadierdivisionen. Zur 4. Panzerarmee unter Hermann Hoth gehörte als Elite das II. SS-Panzerkorps unter Obergruppenführer Paul Hausser mit den drei Panzergrenadierdivisio- nen „Leibstandarte Adolf Hitler“, „Das Reich“ und „Totenkopf“.

Die ebenfalls bereitgestellten Luftflot- ten 4 und 6 wurden durch Fliegerkräfte von anderen Frontabschnitten verstärkt. 1.372 Flugzeuge, dar- unter verbesserte Muster der Typen He 111 (Bomber), Fw 190 (Jäger/Jagdbomber) und Hs 129 (Erd- kampfflugzeug), sollten den Angriff der Bodentruppen unterstützen.

Lesen Sie den gesamten Text in COMPACT-Geschichte Nr. 7 „Panzerschlachten. Die legendären Blitzkrieger von Erwin Rommel bis Moshe Dayan“.

Über den Autor

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Jan von Flocken (*1954) studierte Geschichte an der Humboldt-Universität und wurde danach Redakteur bei der Ost-Berliner Tageszeitung Der Morgen. Nach der Wiedervereinigung wechselte er 1991 zur Berliner Morgenpost und 1996 zu Focus. Der Historiker recherchierte und veröffentlichte insgesamt 16 Bücher zu Ereignissen der Geschichte. Seit 2005 ist er als freier Autor tätig und schreibt seit der ersten Ausgabe von COMPACT regelmäßig auch für unser Magazin.

18 Kommentare

  1. Avatar
    heidi heidegger am

    *ächz* die ollen Mittelabschnittler mal wieder unter sich..ditt heidi sagt bessa nix nix nix und spart auf nen 1:24 Panzer (mit echtem Vielstoffmotor, hah!) für ditt Elsässer zum 75. Hammer-Jubiläum. *kicher*

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      Jeder hasst die Antifa am

      Für was brauchst du nen Panzer deine gehörnte blecherne Ziege reicht auch bloss an der Siegesparade darfst du nicht teilnehmen.Ätsch kicher.

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    Am 4. Juli 1943 traten 37 deutsche Divisionen, darunter 19 gepanzerte Divisionen, gegen einen zwölffach stärkeren, bestens vorbereiteten, da vorgewarnten Gegner an. Stalin verfügte im Kursker Frontbogen über nicht weniger als 513 Schützendivisionen, 41 Kavalleriedivisionen und 290 Schnelle Brigaden mit fast 8.000 Panzern – die besten Verbände der Sowjetarmee. Stalin hatte hier vierzig Prozent seines gesamten Feldheeres und fast sämtliche Panzerkorps versammelt.

    In einem Bericht aus dem Jahre 2013 heißt es:

    „Erst vor wenigen Jahren haben Historiker des Militärgeschichtlichen Forschungsamts der Bundeswehr in Potsdam nach umfassender Sichtung der deutschen und russischen Akten die tatsächlichen Vorgänge rekonstruiert.
    Dabei stellte sich heraus, dass die deutschen Verluste bei Kursk gerade einmal 252 Kampfwagen betrugen – gegenüber 1956 Verlusten der Roten Armee.
    Bei den Flugzeugen ein ähnliches Bild: 159 deutschen stehen 1961 sowjetische Maschinen gegenüber.
    Insgesamt betrugen die Personalverluste der Roten Armee mehr als 300.000 Soldaten, die der Wehrmacht 54.182. Ein entscheidender Sieg sieht anders aus.“[

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    Die Pläne des Unternehmens „Zitadelle“ waren einigen Quellen zufolge den Sowjets durch den Spion Werther aus den Reihen des OKW vorzeitig bekannt. Dabei handelte es sich um Wilhelm Scheidt. Dazu heißt es in einem Spiegel-Artikel:

    „Am 1. Juli 1943 setzte Hitler im Führerhauptquartier bei Rastenburg (Ostpreußen) den Termin für das Unternehmen ‚Zitadelle‘ – die Sommeroffensive in der Mitte der Ostfront – auf den 5. Juli fest. Am 2. Juli 1943 rief Generalleutnant Nikita Chruschtschow in einer Blockhütte bei dem Dorf Sorinskoje Dwory unweit von Kursk die Kommandeure der Woronesch-Front zusammen und verkündete: ‚Die Faschisten greifen zwischen dem 3. und dem 5. Juli an. Das ist keine Vermutung … Wir wissen es.‘“[8]

    Erich von Manstein bezeichnete nach dem Krieg in seinen Memoiren „Verlorene Siege“ die Sommeroffensive der Wehrmacht im Raum Kursk als „verschenkten Sieg“.

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    Rumpelstielz am

    Diesen Östereicher das Zepter zu überlassen war schon der Untergang.

    Dieser Irre hat eine 10 000Km lange Front aufgemacht – von der Sahara bis zum Nordkap.

    Als Jäger würde man sagen "Abschussnotwendig"

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      Antifanten"freund" am

      Du hast wie imer recht Rumpelstilzchen und irre bist du auch
      zudem haste wenig Ahnung, aber davon sehr viel

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    Ein "Patt" war die Sache,trotz der hohen russischen Verluste nicht ,denn in der Schlacht ist Sieger,wer den Platz behält und Verlierer,wer schließlich weichen muß,egal wie die Verluste ausfallen. Die deutschen erreichten ihre Ziele nicht und mussten schließlich aufgeben. Ein strategischer Sieg der Russen also,was nützt es ,sich da was vorzumachen. Ein Sieg, erkauft mit gewaltigen Verlusten,typisch russisch also,was ihnen an militärischer Kunstfertigkeit fehlt, machen sie durch ihre stoische Todesbreitschaft wett.

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      Das zweifelsfreie Patt verhinderte auf Zeit die Fähigkeit der Bolschewisten weiter nach Westen vorzudringen.
      Die Verluste der Roten waren gewaltig und sollten, da ihr Kanonenfutter immer untauglicher wurde noch exobitant zunehmen.
      Leider hat es letztendlich nicht zum Sieg der Wehrmacht über diese Horden gereicht.

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        Jeder hasst die Antifa am

        Hätte die Wehrmacht mehr Tigerpanzer besessen dann hätten sie die Russen in Grund und Boden geschossen

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    marko, suhl am

    "Vor 77 Jahren wurde von Hitler bei Kursk nahezu alles aufgeboten, was ihm an schwerem Gerät zur Verfügung stand."

    Flocken schreibt den nächsten Landser-Roman. Der Typ scheint ein Hardcore-Nazi zu sein. Unfassbar, was der hier unwidersprochen veherrlichen darf.

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      "Unfassbar, was der hier unwidersprochen veherrlichen darf."

      Wieso ‚unwidersprochen‘? … DU widersprichst doch!

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      Jedenfalls unfassbar für Degeneraten wie Tausendnicks. Wird aber nix verherrlicht,nur die reinen Fakten aufgezählt.

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      Jeder hasst die Antifa am

      Das ist typisch für die linken Suhler wie die Kommunisten allen einen Maulkorb verpassen die nicht seiner Meinung sind.

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    Machen wir uns nichts vor, die Russen wären besiegt worden , wenn Stalin und die KPDSU ihnen nicht den landestypischen Schlendrian ausgetrieben hätten. Und Deutschland hätte als pluralistische Demokratie niemals viereinhalb Jahre diesen harten Krieg durchgehalten. Es wäre, statt mit einem Knall zu enden, mit einem Wimmern im Sumpf versunken , zwölf Jahre früher. So bleibt wenigstens die Erinnerung an den großartigen Endkampf.

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    Kaum zu glauben, daß nur vier Generationen zwischen den Deutschen von damals und denen von heute liegen. So schnell kann ein Volk von Top zu Flopp werden.

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    HEINRICH WILHELM am

    Ein großer Vorteil wurde durch das mehrfache Verschieben der Operation vergeben: Das Überraschungsmoment. Ein wichtiger Aspekt war die bereits permanente materielle Überlegenheit der Sowjets: Soldaten 2,45 : 1, Panzer und Sturmgeschütze 2:1, Geschütze 4,23:1, Flugzeuge 2,66:1.
    Aufmarsch und Nachschub oblagen fast ausschließlich der Eisenbahn. Die betreffenden
    Eisenbahnstrecken waren das bevorzugte Ziel von Partisanenangriffen, die auch während der Operation
    empfindlich störten.
    Es wurde auf das oft strapazierte preußische Prinzip gesetzt „Mit unterlegenen Kräften, aber mit überlegener Führung siegen“. Das war keine Naivität der deutschen Feldherrn, welche man mit Recht
    als die militärische Elite bezeichnen darf. Und tatsächlich brachte die qualitativ bessere Technik
    und Führung Erfolge, die letztlich zu einem realen Patt führten, aber ihren Ausdruck in den
    Verlustzahlen beider Seiten fanden: Rote Armee 863.000, Deutsche Wehrmacht 170.000, jeweils Tote,
    Verwundete, Vermisste und Gefangene.
    Der Deutschen Wehrmacht war allerdings die strategische Initiative im Osten nun endgültig entrissen.
    (>>Technischer Hinweis: Bei der Übernahme formatierter Texte die Silbentrennungsfunktion ausschalten.)

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    Model hatte … ich glaube weniger als 350 Panzer, Manstein wohl so ca. 1100. Wohl auch dadurch hat Model sich nicht getraut von Anfang an mit Panzern anzugreifen, sondern hat, wenn ich es richtig erinnere, die Panzer nur zur Unterstützung der angreifenden Infanterie eingesetzt. Deshalb konnte er die gesetzten Ziele nicht erreichen.

    Wenn man die tatsächlichen Panzerverluste NACH der Schlacht (Deutsches Reich: ca. 120 – Sowjetunion: ca. 2200 – Quelle: ähm, irgendein ‚Militär + Geschichte‘-Artikel, den ich jetzt nicht raussuchen möchte) sieht, hätte man Model doppelt so viele Panzer – also ca. 700 – geben sollen und es hätte Einigkeit darüber bestehen müssen, daß von Anfang an mit Panzern als zentraler Waffe, auf beiden Zangen angegriffen wird. Aber … hätte, hätte, Fahrradkette …

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