Stauffenberg und die angloamerikanische Geopolitik – Teil 1

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Anlässlich des 8. Mai erscheint dieses Wochenende in drei Teilen ein Beitrag zum erfolglosen Attentat auf Hitler und die Hintergründe dessen Scheiterns – die damit verbundene angloamerikanische Interessenlage zum Ende des Zweiten Weltkriegs. Teil 2 folgt morgen, der dritte am Sonntag.

Die Regie der Sieger

Eine Bande von Verbrechern hat ein Attentat auf Hitler verübt. Der zum Glück unversehrt gebliebene Führer konnte den Putsch der heimtückischen Verschwörer vereiteln, die versucht hatte, ihn umzubringen. Die Hinrichtung der verhafteten Vaterlandsverräter wird bald stattfinden. – So lauteten zeitgenössische Berichte über den am 20. Juli 1944 begangenen Versuch, den berüchtigten Naziführer zu beseitigen.

Sie würden kaum mehr Aufmerksamkeit verdienen – wenn da nicht der Umstand wäre, daß es nicht die Nazi-Propaganda war, die das legendäre Attentat des deutschen Widerstands auf diese Weise abtat, sondern die angloamerikanische Presse. Sie gab damit die einhellige Meinung der alliierten Kriegsführung wieder: die Nazis, so ließ etwa Churchill verlautbaren, hätten ihnen nur die Arbeit abgenommen; sie hätten mit den Verschwörern ebenfalls abrechnen müssen, auch sie waren ihre Feinde.

Tatsächlich musste den Alliierten das Scheitern des 20. Juli 1944 mehr als gelegen kommen. Man stelle sich vor: Hitler stirbt mitten im Sommer 1944. Ein breitgefächertes Bündnis von Widerstandskämpfern übernimmt die Regierung, auf deren Geheiß hin die deutschen Truppen die Waffen niederlegen. Die Kampfhandlungen enden jenseits der Grenzen einer großdeutschen Nation, die das von Britannien so eifersüchtig überwachte Gleichgewicht auf dem Kontinent aus der Waagschale geworfen hat. Doch Besatzung oder gar Teilungen sind unter den gegebenen Umständen nicht in Sicht.

Mehr noch, den gerade erst an den Stränden der Bretagne angelandeten Amerikanern bleibt es verwehrt, ihre militärische Präsenz nach Westeuropa zu tragen. Und die Sowjets erhalten keinen Zugriff auf die Länder Osteuropas, die bald hinter einem „Eisernen Vorhang“ verschwinden werden: Polen, Ungarn, Bulgarien, die Tschechei, Rumänien, das Baltikum. Dieses Szenario konnte unmöglich im Interesse der Alliierten liegen. Und so sollte der Krieg andauern, bis die siegreichen Armeen Stalins, Churchills und Roosevelts ihre längst untereinander abgesteckten „Claims“ besetzt hatten. Bis zum Handschlag von Torgau und der Besetzung Berlins musste fanatisch gekämpft werden. Die Regie der Sieger rief nach SS-Truppen, nach Volksstürmen, nach Parteibonzen, die Hitlerjungen mit Hakenkreuzfahnen im Arm ins letzte Gefecht schickten.

Vor diesem Hintergrund diente der Nationalsozialismus London, Washington und Moskau auch als psychologisches weil plakatives Feindbild – ein Feigenblatt, das mit einer Machtübernahme von Nazigegnern, demokratischen zudem, fortgeweht worden wäre. So mag sich vielleicht insgesamt besser verstehen lassen, wieso die Versuche der deutschen Widerständler, ausländische Verbündete für ihre Pläne zum Umsturz und zur anschließenden Neuordnung zu finden, ständig frustriert wurden. Und zwar an alleroberster Stelle.

Vorsicht, Geschichtsfälschung: Durch die staatstragenden Zeitungen und das Fernsehen sind wir einem Trommelfeuer der Meinungsmache ausgesetzt. Alles Deutsche und Nationalbewusste wird als schlecht und böse dargestellt, und unsere über 1000-jährige Geschichte auf die dunkle Zeit von 1933 bis 1945 zusammengepresst. Schultze-Rhonhof dagegen liefert Thesen, Indizien und Fakten, die einen neuen und ganz anderen Blick auf die Historie ermöglichen und damit zum Denken anstiften. Diese COMPACT-Ausgabe können Sie auch als Abo-Prämie GRATIS bekommen. Klicken Sie hier.

Goerdeler – der „Verräter“

Tatsächlich verfügte der „abenteuerliche Widerstand der Junker“ fernab alliierter Kriegspropaganda in Wirklichkeit über ganz vorzügliche Referenzen. Vor allem im angloamerikanischen Raum, wohin die Verschwörer des 20. Juli und des Kreisauer Kreises ob ihrer konservativen Grundhaltung auch hin tendierten. Fabian von Schlabrendorff, dem wir das Buch „Offiziere gegen Hitler“ verdanken, wurde bereits 1939 von Winston Churchill empfangen.

Der Diplomat Adam von Trott zu Solz, Sohn einer englischen Mutter und ehemaliger Rhodes-Stipendiat in Oxford, hatte Zugang zur gesellschaftlichen und intellektuellen Elite der Insel. Er traf 1939 mit dem britischen Premier Chamberlain und Außenminister Lord Halifax zusammen. Trott war es auch, der gemeinsam mit Hans Bernd Gisevius den Leiter des amerikanischen Geheimdienstes in Bern, Allen W. Dulles, über die Pläne des Widerstandes informierte.

Alexander Kirk, der amerikanische Geschäftsträger in Berlin, war mit dem Organisator des Kreisauer Kreises, Helmuth James Graf von Moltke, bekannt und vermittelte die Verbindung zu dem Diplomaten George F. Kennan, der später als Historiker über die Gespräche berichtete. Die Kontakte des deutschen Widerstandes ins Ausland waren also vielfältig. Und ernüchternd. Vor und nach Ausbruch des Krieges.

Als sich der zivile Führer des 20. Juli, Carl Friedrich Goerdeler, im März 1938 mit den Alliierten in Kontakt setzte, bereiteten ihm diese einen mehr als kühlen Empfang. In London bezichtigte ihn der Erste Ratgeber des britischen Außenministers, Robert Vansittart, sogar des Verrats. Dasselbe galt auch für den Oberleutnant Ulrich von Schwerin, der vor dem Einmarsch in Polen nach London entsandt wurde, um die Engländer davon zu überzeugen, daß die Invasion vereitelt werden könnte, wenn die Engländer Hitler zu verstehen geben würden, dass sie bereit waren, die slawische Nation zu verteidigen. „Nur die Gefahr eines Krieges an zwei Fronten kann Hitler bremsen,“ lautete seine Botschaft. Die auch dieses Mal auf taube Ohren fiel.

Nach Kriegsausbruch versuchte Trott zu Solz am Rande einer Konferenz in Washington Präsident Roosevelt zur Unterstützung einer Denkschrift zu bewegen. Diese sollte die sich formierende Opposition gegen Hitler ermutigen. Vergeblich. Ab 1942 wurden seitens Emissären des Kreisauer Kreises Versuche unternommen, den Alliierten klarzumachen, dass es durchaus Andersdenkende gab, die den Nazismus zutiefst verachteten und dass die Alliierten den Nazismus keinesfalls mit dem deutschen Volk gleichsetzen dürften. Aber eine solche Unterscheidung wurde von den Alliierten nicht akzeptiert. Chamberlain zeigte eine „eisige“ Haltung, Roosevelt hielt Gespräche für „untunlich“ und 1942 ließ er einen Mittelsmann wissen, dass seine Bitte um Fühlungnahme die „offizielle Politik“ in „Größte Verlegenheit“ bringe. Die Friedensangebote des deutschen Widerstands blockte Außenamtschef Eden mit der Bemerkung, dass die Angelegenheit zu den Akten gelegt worden sei, während Churchill mit der Erklärung konterte, dass die Atlantik-Charta nicht für die Achsenmächte gelte.

Bedingungslose Kapitulation als Garant des Totalen Krieges

Und als nach dem Kriegseintritt Amerikas die Friedensbemühungen von deutscher Seite (der nazistischen und der widerständlerischen gleichermaßen) verstärkt wurden, da erhoben die Alliierten im Januar 1943 auf der Casablanca-Konfernez die Forderung der bedingungslosen deutschen Kapitulation. Um gleich darauf in aller Öffentlichkeit vernichtende Kriegsziele zu diskutierten, die für keine deutsche Regierung annehmbar sein konnten.

Damit setzte die bedingungslose Kapitulation, wenn sie durch eine verantwortungsbewußte Regierung in Berlin verkündet werden sollte, eine totale Niederlage voraus. Im Umkehrschluß hieß das, daß jetzt aus deutscher Perspektive nur mehr ein schmaler Türausschnitt übrig war, an dessen Pfosten die blutigen Parolen „Totaler Krieg“ und  „Endsieg“ angeschlagen standen.

Die Folgen waren für die Männer des 20. Juli, die jetzt nur noch sehr schwer Unterstützung für ihre Widerstandsarbeit finden konnten, fatal. Dies zumal die Alliierten in Casablanca einem „besseren Deutschland“ die kalte Schulter zeigten. Es wäre leicht gewesen, die verhängnisvolle Forderung nach „bedingungsloser Kapitulation“ mit dem zur Opposition ermutigenden Nebensatz zu verbinden: „…so lange Hitler und sein Naziregime an der Macht sind“. Unzweifelhaft hätten auf diesem Wege eine ganze Reihe führender Generäle – darauf hoffend, dass eine Umsturzregierung in diesem aussichtlosen Kräftemessen bessere Friedensbedingungen erhielte als die bestehende – den Weg zum Widerstand gefunden. Anstelle dessen wurde nun die bedingungslose Kapitulation vom deutschen Staat verlangt, was – ohne das direkt zu benennen – die Männer um Stauffenberg mit Hitlers Schergen auf ein und dieselbe Stufe stellte. Während das alliierte Lager den Widerstand in sämtlichen außerdeutschen Ländern unterstützte, untergrub es zugleich in geradezu herausfordernder Art und Weise jenen im direkten Feindesland.

Angloamerikanische Wasserträger für Hitler

Dennoch darf nicht übersehen werden, daß es unter den westlichen Alliierten Verantwortungsträger gab, welche den Antisowjetismus in Deutschland nachhaltig unterstützten. Zu diesen Kreisen unterhielt auch der konservative Widerstand bis kurz vor dem 20. Juli fortgesetzten Kontakt – und erfuhr für seine Aufstandspläne teils aufrichtige teils eher doppelzüngige Ermutigung. Die Verschwörer arbeiteten darauf ihren Aufstandsplan und ein akkurates Zeitfenster aus. Beides wurde den angloamerikanischen Geheimdiensten zugetragen, offenkundig, weil man deutscherseits hier von einer Zusammenarbeit ausging.

Einer der Gesprächspartner: Der Kopf des US-Geheimdienstes „Office of Strategic Services“ in der Schweiz, Allen Dulles, der die Sowjets mit aller Macht aus Europa heraushalten oder noch besser hinter den Ural zurückdrängen will. Gegenüber dem starken Widerstand des zivilen Teils der US-Administration betreibt der antikommunistische Geheimdienstler seit Monaten Lobbyarbeit für eine prowestliche deutsche Putschregierung, die die Russen im Osten in Schach hält. Den Männern um Stauffenberg stellt Dulles eine diplomatische Anerkennung in Aussicht. Auf jeden Fall werde gegenüber einer Beck-Goerdeler-Regierung keine bedingungslose Kapitulation gefordert werden.

Anfang Juli 1944 meldet er nach Washington, daß „die nächsten paar Wochen unsere letzte Chance sind, die Bereitschaft der Deutschen an den Tag zu legen, selbst ihr Land von Hitler und seiner Bande zu befreien und anstelle dessen eine ordentliche Regierung einzusetzen“. 

Dulles ahnt nicht im Entferntsten, daß das bündnisloyale Lager in England und Amerika seine geheimen Nachrichten dazu benutzt, gegen den Umsturz zu intrigieren: Bereits am 24. Mai setzte das US-State –Department in einer Denkschrift die sowjetische Botschaft über seinen Schweizer Briefverkehr in Kenntnis. Kurz darauf erhielt die Naziführung hochkarätige Warnungen, durch welche es ihr gelang, den zivilen Sektor der Verschwörung abzugreifen:

Am 4. Juli wurde der designierte Innenminister der geplanten Übergangsregierung, der Sozialdemokrat (MdR) Julius Leber bei einem konspirativen Treffen von der Gestapo verhaftet. Nicht weniger als 200 weitere Verhaftungen schlossen sich an. Am 18. Juli 1944 kursierten bereits Steckbriefe, die auf die Ergreifung des neuen Reichskanzlers in spe, den ehemaligen Leipziger Oberbürgermeister Dr. Carl Goerdeler, eine Belohnung aussetzten. Als Goerdeler schließlich nach Misslingen der Erhebung ergriffen wurde, führte er bittere Klage über einen „Verrat der Briten“ an Deutschland. In seinem politischen Testament nannte er „Neville Chamberlain und seine Clique selbst eine Art Faschisten“, Faschisten, die „mit Hilfe des Nationalsozialismus“ ihr „Profitsystem“ retten wollten.

Mit diesem von der Zeitgeschichtsforschung viel zu selten beachteten Fluch spielte Goerdeler auf den Umstand an, dass die Nazis seit den 20er Jahren von konservativen Engländern zu einem Kreuzzug gegen das sowjetische Schreckgespenst regelrecht aufgerüstet wurden. Motiv: Die beängstigend um sich greifende Weltrevolution des Kreml drohte von Irland bis Indien das gesamte britische Empire aus den Angeln zu heben. Da der Kommunismus ebenfalls die Pfründe des großen Kapitals bedrohte, wurde Hitler auch aus diesem Lager nach Leibeskräften gefördert: Die mit Abstand größten Geldzuwendungen vor der Machtergreifung – ohne die die NSDAP nicht einen ihrer aufwändigen Wahlkämpfe hätte betreiben können – stammten aus der Schatulle des britischen Shell-Chefs Sir Henry Deterding. Dessen milliardenschwere Ölförderindustrie war im nachzaristischen Russland durch die Bolschewiki entschädigungslos verstaatlicht worden. Deterding sagte ganz offen, was er von den Braunhemden erwartete: Den gewaltsamen Sturz der Sowjetmacht. Zu diesem Zweck hatte er bereits vor Hitler den ostkriegserfahrenen deutschen General Hoffmann und militante exilrussische Kreise finanziert.

Die ungelösten Rätsel des Zweiten Weltkriegs

Wer hat Hitler zu dem selbstmörderischen Überfall auf Stalin getrieben? Was sind die wahren Ursachen und Hintergründe der größten Katastrophe in der Geschichte Russlands, die am 22. Juni 1941 mit dem Überfall auf die Sowjetunion begann? Es entlarvt jene, die Hitler und seiner Partei das Geld gaben und ihm halfen, an die Macht zu kommen. Sollte mit der Machtübernahme Hitlers der „Fehler“ westlicher Geheimdienste, welche 1919 zur Machtübernahme der Bolschewiki in Russland führte, „korrigiert“ werden? Damals blieben Lenin und sein Kommando an der Macht und schufen eine starke Staatsmacht, die nicht bereit war, sich den westlichen Staaten unterzuordnen. Mit umfangreichem Fakten- und Tatsachenmaterial wird der logische Zusammenhang der historischen Ereignisse vom September 1919 bis zum 22. Juni 1941 dargelegt. Im Ergebnis erkennt der Leser, wer der wahre Brandstifter des Zweiten Weltkrieges ist! Im Compact-Shop erhältlich!

Aufgeklärte Selbstsucht

Doch auch jenseits des großen Teichs gab es eine starke Lobby für die Braun- und Schwarzhemden: „Eine Clique von US-Industriellen“, bekundete der US-Botschafter in Deutschland, William E. Dodd, 1937 gegenüber einem Reporter der New York Times, „arbeitet eng mit den Faschistenregimes in Deutschland und Italien zusammen. Ich hatte auf meinem Posten in Berlin oft Gelegenheit zu beobachten, wie nahe einige unserer amerikanischen regierenden Familien dem Naziregime sind. Sie trugen dazu bei, dem Faschismus an die Macht zu verhelfen und sind darum bemüht, ihn dort zu halten.“ Unter die regierenden Familien Amerikas ist nun zweifellos die Bush-Dynastie zu rechnen. Deren damaliges Oberhaupt Prescott – Vater von Präsident George Bush sen. und Großvater von George W. – amtierte als Direktor beziehungsweise Aufsichtsratsmitglied von vier Unternehmen, die im Oktober 1942 allesamt wegen „Nazi-Verbindungen“ staatlich konfisziert wurden. Sein damaliger Syndikus war niemand geringerer als Allen W. Dulles, welcher ebenfalls auf Hitlers Barbarossafeldzug setzte, zugleich aber den Kriegseintritt seines Landes (wie er sagte, aus „aufgeklärter Selbstsucht“ heraus) vorangetrieben hatte. Was auf einen Plan schließen lässt, die amerikanische Militärmacht wie schon im ersten Weltkrieg als finalen Entscheidungsträger in das abgekämpfte Europa zu werfen – frei nach der Empfehlung, die  sein enger Vertrauter, der spätere US-Präsident Harry S.Truman am 24. Juni 1941 in die New York Times stellte: „Wenn wir sehen, dass Deutschland gewinnt, sollten wir Russland helfen, wenn Russland gewinnt, sollten wir Deutschland helfen, damit sich auf diese Art und Weise soviel als möglich gegenseitig tötet.“

Jetzt, da der demokratische Präsident Roosevelt entschlossen schien, die Nachkriegswelt mit den Sowjets zu teilen, setzte der Republikaner Dulles auf einen Separatfrieden mit dem konservativen Teil des Widerstands, dem es nach einer Machtergreifung ermöglicht werden sollte, im Osten den Sozialismus zu „containen“. Gerade acht Tage bevor Stauffenberg seine Bombe hochgehen ließ, drahtete Dulles aus dem schweizerischen Bern, dass ein „dramatisches Ereignis“ in Kürze „im Norden“ über die Bühne gehen könnte. Um werbend hinzuzufügen, dass eine Gruppe der Anti-Hitler-Verschwörung bestrebt sei, „zu verhindern, dass Zentraleuropa …. unter die Kontrolle der Russen komme“. Doch diese antisowjetische Vision war ihrer Zeit mindestens ein Jahr voraus und in den entscheidenden Etagen der Macht tickten die Uhren noch anders. Quasi als Warnschuss lancierten interessierte Kreise über die Presse die Nachricht, der spätere CIA-Chef hätte Anfang 1933 im Hause eines engen Geschäftspartners – des Kölner Bankiers Schroeder – die Koalitionsregierung zwischen Hitler und Papen auf den Weg gebracht; an der Seite seines Bruders John Foster Dulles, der nach dem Krieg unter Truman zum US-Außenminister erhoben werden sollte. Das war lupenreines Insiderwissen: Auch in den nachgelassenen Tagebüchern des ehemaligen amerikanischen Botschafters in Berlin, William E. Dodd, findet sich eine Notiz, derzufolge die von J.F. Dulles vertretenen Banken Ende 1933 Deutschland Anleihen im Wert von einer Milliarde (!) Dollar gewährt hatten. 

Ebenfalls Indiskretionen waren es, die Stauffenberg währenddessen in Deutschland zwangen, den vorher so oft abgebrochenen Umsturzplan tatsächlich am 20. Juli ablaufen zu lassen. Am 18. Juli 1944 wurde nämlich bereits in Diplomatenkreisen über das erwartete Großereignis getuschelt. Weiteres Zuwarten bedeutete, das Unternehmen der Gestapo in die Hände zu spielen. Als Stauffenberg in die Wolfsschanze beordert wurde, war der Beschluss unumstößlich, diesmal auf alle Fälle zu bomben. Heute weiß jedes Kind, dass der Anschlag fehlging. Kaum bekannt, oder nur ungenügend behandelt wurde dagegen der tieferliegende Grund: Die Sprengkraft jener Bombe, die Graf Stauffenberg zur Zündung brachte, war für eine sichere Tötungsaktion weit zu schwach bemessen. Hitler wurde nicht einmal ernsthaft verletzt. Die offizielle Forschung mäandert gern an der These, dass die Höllenmaschine vor ihrer Detonation „einige Fuß weit“ von Hitler weggeschoben worden war. Auch habe ein Holztisch die Durchschlagskraft der Sprengladung entscheidend gebremst. Abgesehen davon, dass die Unversehrtheit von Hitlers unteren Extremitäten dieser Behauptung den Boden entzieht, ist festzuhalten, dass trotz langer Tradition kein Fall eines Bombenattentats bekannt wäre, in dem ein Tisch einen derartigen Anschlag ins geradezu Wirkungslose hätte verpuffen lassen. Fakt dagegen ist, dass die Sprengkraft der Bombe falsch bestimmt worden sein muss. Darf es da verwundern, dass das Corpus Delikti englischer Herkunft war…?

Vermutlich hätten die Männer um Stauffenberg ihren Coup niemals ablaufen lassen, wenn ihnen die eigentlichen Kriegsziele und die daraus resultierenden Zusammenhalte im Bündnis der Alliierten bekannt gewesen wären. Anders als gewiss von Dulles oder empirelastigen Briten erhofft, galten unter den „Großen Drei“ nämlich nach wie vor die öffentlichen Treueschwüre und – zwischen Stalin und Roosevelt – das bereits lange vor Kriegsausbruch datierende Einverständnis, den faschistischen Popanz zu nutzen, um die Welt unter sich aufzuteilen. Die Forderung nach bedingungsloser Kapitulation und das Verbot gesonderter Friedensschlüsse trug dem Rechnung. Darüber hinaus wusste Roosevelt nur zu gut, daß es ein Friedensgesuch einer neudemokratischen Regierung in Berlin ihm und Churchill unmöglichen machen würde, den alliierten Soldaten zu erklären, warum es zum Preis weiterer Millionen Menschenleben nötig sein sollte, weiterzukämpfen. Diese nicht ganz leichte Aufgabe fiel nun der alliierten Presse zu, die sich zu dem Spagat genötigt sah, eine Revolte gegen einen Despoten mit dessen Worten zu erklären.

COMPACT-Geschichte Nr. 4: Der Krieg, der viele Väter hatte, Schultze-Rhonhof

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12 Kommentare

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    Rumpelstielz am

    Wie so oft, bin ich ein Außenseiterdenker.
    Staufenberg ist kein Held, sondern eher als Terrorist zu sehen. Ein Held hätte den Freitod gewählt und diesen Östereichischen Gröhlfatz mit in den Tod gerissen. Staufenberg wollte die Früchte seiner Tat genießen – deshalb ist es gescheitert.
    Wer nicht bereit ist, mit allen Mitteln rücksichtslos zu kämpfen, sollte es besser bleiben lassen.

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      Rumpelstielz am

      Der dumme Östereicher wurde in den Krieg gelockt, wie man auch Saddam in den Krieg lockte.
      Kriege, auch 14/18 wurden von langer Hand geplant – Verbündete suchen – den Gegner zum Krieg zwingen um Ihn dann auszubeuten. Semper idem.
      Das ist immer so auch 39/45 – man braucht nur einen Dummkopf, der sich den Waffengang aufzwingen lässt – und genug Verbündete, um zu siegen. Deshalb gibt es nur eine Doktrin, auch die wird von den Mullahs verfolgt – DIPLOMATIE. das ist die Kunst, so lange braves Hundchen zu sagen, bis man den passenden Stock hat.
      Wir brauchen Boden Luftraketen mit Trefferquote 100% und Vergeltungswaffen um Angreifern den Angriff tüchtig heimzuzahlen. UND NATÜRLICH KEINE VERRÄTER IN DEN EIGENEN REIHEN und falls doch – runter mit dem Häuptern – vor während und nachher.
      si vis pacem parabellum

  2. Avatar

    Warum wohl hat die amerikanische Hochfinanz Hitler an die Macht gebracht (Antony C. Sutton: "Wall Street und der Aufstieg Hitlers", PERSEUS-Verlag)? – Um die USA zum Weißen Ritter zu machen, der Deutschland und Europa von Hitler " befreite", dabei dann Deutschland zu erobern und entscheidenden Einfluß in Europa zu gewinnen. So ist das mit dem 8. Mai als "Tag der Befreiung". In Wirklichkeit haben diejenigen, die Hitler an die Macht gebracht haben, auch alles zu verantworten, was unter seiner Herrschaft angerichtet wurde.

  3. Avatar
    RechtsLinks am

    Bravo Wolfgang Eggert. Nach meiner Buchempfehlung an PAUL jetzt dies. Wunderbar. Hitler, die Marionette der City und Wall Street. Nichts anderes war er. Und nichts anderes waren und sind seine Nachfolger.

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      Lesen ist das Eine……………..

      Verstehen das Schwierigere

      Übe noch ein wenig, gib die Hoffnung nicht auf 🙂

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        RechtsLinks am

        Ich kann dich verstehen PAUL. Nur,-mit deiner Gesinnung gehoerst du ins Museum. Manche lesen, so wie ich, um zu lernen. Andere, so wie du, lesen um doch noch ein paar Ideologierosinen finden zu koennen. Ich freue mich auf Teil 2 von Wolfgang Eggert.

  4. Avatar
    heidi heidegger am

    naaja, ditt heidi "Bücherwurm" heidiggah bietet uns zum Thema ne taufrische LeseProbe aus dem überteuerten neuen PIPER-Buch:

    Elf Monate nach seiner Ernennung zum Reichsminister des Innern, im Juli 1944, wurde Himmlers Machtbereich noch einmal erheblich ausgeweitet. Auslöser war das missglückte Attentat vom 20. Juli 1944. An diesem Tag ernannte Hitler um 17:00 Uhr den RF-SS zum Befehlshaber des Ersatzheeres (BdE) und unterstellte ihm damit die über zwei Millionen Mann an der „Heimatfront“. Anschließend flog Himmler nach Berlin, um die Lage in der Reichshauptstadt in den Griff zu bekommen. Überraschend kam seine Ernennung nicht, obwohl die SS am 20. Juli 1944 ihre „ursprüngliche und vornehmste Aufgabe […] für den Schutz des Führers zu sorgen“, nicht erfüllt hatte. Wie bereits im August 1943 erwuchsen aus einer Gefahrenlage für Hitler zusätzliche Kompetenzen für den RF-SS auf dem Gebiet der „inneren Sicherheit“.

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      heidi heidegger am

      Teil 2

      Die meisten der elf Treffen im Monat Juli 1944 standen allerdings nicht mit dem Stauffenberg-Attentat in Zusammenhang, sondern lagen vor dem 20. Juli. Sie lassen sich auch nicht mit der am 6. Juni 1944 erfolgten Landung amerikanischer und britischer Truppen in der Normandie erklären, einem Ereignis, das keine unmittelbaren Auswirkungen auf die Intensität der gemeinsamen Treffen hatte. Erst als sowjetische Verbände am 22. Juni 1944 die Großoffensive „Bagration“ eröffneten, stieg die Zahl der Besprechungen spürbar an. Binnen weniger Tage zertrümmerte die Rote Armee die Heeresgruppe Mitte, die mehr als 400000 Mann verlor. Die daraus resultierende militärische Katastrophe der Wehrmacht dürfte der Hauptgrund für die vielen Zusammenkünfte in der ersten Julihälfte gewesen sein. Himmler hatte mit SS und Waffen-SS ein variabel einsetzbares Instrument anzubieten, das es Hitler erlaubte, die Verluste an der Front punktuell auszugleichen.

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        HEINRICH WILHELM am

        Was hast Du denn da für ein Buch, was Dich zu dem Feldherrnblick veranlasst?
        Den Verlust der HGr Mitte konnte niemand mehr ausgleichen. Und dieser Verlust ist nicht gerade der meisterlichen Führungskunst geschuldet. GFM Busch war nicht die erst Wahl als HGr-Chef (auch wenn Hitler große Stücke auf ihn hielt), wenngleich es nicht ausreicht, alles auf ihn zu schieben.
        Da ist noch etwas offen, was die Ursachen dieses plötzlichen und verlustreichen Zusammenbruchs abschließend zu klären erlaubt.

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        heidi heidegger am

        Hoh(mann) nochmal !, versumpfe mir (dabei) bitte aber bloß nicht im (Treibsand des) Mittelabschnitt(s) wie uns‘ Paul(e), hihi. "Himmlers Terminkalender" ist im bürgerl. Feuilleton gerade der superteure Rennkuckuck unter den Büchern quasi. Für -48- Euro kamma vier JE-Büchlein erwerbään..besser-ist-das, yo! 🙂

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        HEINRICH WILHELM am

        I see!
        Danke für den Tipp. Aber, hast Recht: Sauteurer Rennkuckuck.
        ("Rennkuckuck" – herrlich…)

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