2. Februar 2026, Rheinland-Pfalz: Der Zugbegleiter Serkan Çalar wird mit mehreren gezielten Schlägen gegen den Kopf getötet. Heute begann der Prozess in Zweibrücken. Doch statt Mord steht der Angeklagte nur wegen Körperverletzung mit Todesfolge vor Gericht. In COMPACT-Spezial «Mädchen, Messer, Morde» zeigen wir auf, weshalb ein Aufenthalt im öffentlichen Raum mittlerweile lebensgefährlich sein kann. Hier mehr erfahren.
Serkan Çalar war 36 Jahre alt, alleinerziehender Vater zweier kleiner Kinder und seit 15 Jahren Zugbegleiter bei der Deutschen Bahn. Er lebte in Ludwigshafen und galt bei Kollegen und Fahrgästen als ruhiger, freundlicher und stets pflichtbewusster Mensch. Am 2. Februar dieses Jahres musste er eigentlich gar nicht arbeiten, sprang jedoch für einen Kollegen ein.
Im Regionalexpress von Landstuhl nach Homburg (Rheinland-Pfalz) führte er routinemäßige Ticketkontrollen durch. Gegen 17:40 Uhr erreichte er einen jungen Mann, einen 26-jährigen Griechen mit Wohnsitz in Luxemburg. Dieser hatte keinen gültigen Fahrschein. Calar sprach ihn höflich an, forderte ihn auf, entweder ein Ticket nachzulösen oder den Zug beim nächsten Halt zu verlassen. Doch der 26-Jährige reagierte gereizt. Statt zu zahlen oder auszusteigen, sprang er plötzlich auf. Mit großer Wucht schlug er mehrmals – Zeugen sprachen von mindestens drei gezielten Fausthieben – direkt gegen Calars Kopf und Schläfen.
Der Schaffner ging bewusstlos zu Boden. Der Angreifer setzte sich danach einfach wieder hin, als wäre nichts geschehen. Im Abteil brach Panik aus. Nur ein 23-jähriger Bundeswehrsoldat handelte sofort. Er schrie um Hilfe, eilte zu Calar, brachte ihn gemeinsam mit einem anderen Mann in die stabile Seitenlage. Doch für den Zugbegleiter kam jede Hilfe zu spät. Im Uniklinikum Homburg kämpfte er zwei Tage um sein Leben, bis er seinen Verletzungen erlag.
Staatsanwaltschaft forderte Mord-Anklage
Heute hat der Prozess gegen den mutmaßlichen Täter vor dem Landgericht Zweibrücken begonnen. Während die Staatsanwaltschaft den 26-Jährigen wegen Mordes aus niedrigen Beweggründen angeklagt hatte, bewertete das Gericht die Tat im Zwischenverfahren anders. Es sah keinen ausreichenden Beleg für einen Tötungsvorsatz und ließ die Anklage nur wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu. Für die Familie des alleinerziehenden Vaters eine entsetzliche Ungerechtigkeit.
Zum Auftakt des Prozesses füllten zahlreiche Angehörige des getöteten Zugbegleiters Serkan Çalar den Gerichtssaal. Neben seinem Vater und seinen vier Brüdern waren auch weitere Verwandte gekommen. Die Familie hielt Fotos von Serkan in die Höhe. Das Gericht hat insgesamt acht Verhandlungstage angesetzt.
Der Angeklagte verlas folgende Erklärung:
«Ich bin mir bewusst, dass meine Worte nicht rückgängig machen können, was passiert ist. Es war eine nicht zu entschuldigende Tat, war ein Moment von blinder Wut. Wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte, würde ich alles ändern. Es ist eine große Last, die mich jede Nacht wach macht. Ich weiß, dass sie mich mein ganzes Leben verfolgen wird. Ich übernehme die volle Schuld für die Ereignisse. Auch wenn ich weiß, dass meine Worte nicht den Schmerz erleichtern können, möchte ich mich noch einmal entschuldigen.»
Der Migrant hatte bereits kurz vor der Tat in einem TGV aus Frankreich Aufsehen erregt, weil er gegen eine Tür getreten hatte. Laut ersten Zeugenaussagen soll er Kampfsporterfahrung haben. Er räumte die Schläge ein, beteuert jedoch weiterhin, keinen Tötungsvorsatz gehabt zu haben. Ein Urteil könnte bereits am 9. Juli fallen.
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