Vor 40 Jahren: Als Annas Mutter den Mörder ihrer Tochter richtete

13

Vor 40 Jahren erschoss die Lübecker Gastronomin Marianne Bachmeier den Mörder ihrer Tochter während des laufenden Prozesses im Gerichtssaal. Kaum jemand hatte kein Verständnis für die Tat, die sie selbst nie bereute. Es folgen Auszüge aus dem COMPACT-Spezial «Geheimakte Kinderschänder – Die Netzwerke des Bösen».

Das Magazin ist leer. Acht Schüsse hat sie an diesem 6. März 1981 im Sitzungssaal des Schwurgerichts Lübeck abgefeuert. Sechs davon trafen den Sexualstraftäter Klaus Grabowski in den Rücken, zwei schlugen krachend in die Holzbank ein. Fassungslose Blicke richten sich nun auf die große, dunkelhaarige Frau, die an den beiden Verhandlungstagen zuvor wie meditierend vor einem Bild ihrer Tochter versunken zu sein schien. Ihr Anwalt ist nur einen Moment zu spät gekommen, um ihr den Arm herunterzureißen, sie am Schießen zu hindern. Doch Marianne Bachmeier hat es geschafft – der Mörder von Anna liegt tödlich getroffen am Boden.

Der «Stern» sicherte sich die Exklusivrechte an der Bachmeier-Story. | Foto: Stern

Nun tritt die Rächerin durch die Tür und wirft die Beretta, mit der sie Grabowski gerichtet hat, auf den Gang. Als sie zwei Stunden später von Kripo-Beamten zu einem Polizeifahrzeug gebracht wird, winken ihr die ersten Passanten freundlich zu. Kein Einzelfall! Schnell zeigt sich, dass viele Menschen neben der Akzeptanz des staatlichen Gewaltmonopols eine zweite Sphäre der Empathie in sich tragen, in der sie den brennenden Schmerz der auf so grauenhafte Weise um ihr Kind gebrachten Mutter nachvollziehen können.

Innerhalb von nur einer Woche kommen Spenden in Höhe von 100.000 DM für ihre Prozesskosten zusammen. In der Untersuchungshaft erhält sie tausende Briefe, deren Tenor sich ähnelt: Sie habe «einen Orden verdient», heißt es. Und sie habe «als Frau wie ein Mann» gehandelt. Jetzt rückt auch ihr Privatleben in den Fokus der Öffentlichkeit. Dabei kommt das Bild einer Frau zum Vorschein, die nach außen hin immer als starke Amazone erschien, aber ein Leben am Rande des Wahnsinns führen musste.

Eine schwere Kindheit

Geboren wird Marianne Bachmeier am 3. Juni 1950 in der sogenannten Mäuseburg der niedersächsischen Kleinstadt Sarstedt. So nennen die Anwohner die baufällige Notunterkunft, in der in den Nachkriegsjahren Heimatvertriebene aus den deutschen Ostgebieten auf engem Raum zusammenleben müssen. Ihre Mutter Hanna entstammt einer Familie ostpreußischer Rittergutsbesitzer, ihr Vater Josef ist Ende der 1920er Jahre als Berufsoffizier von seiner bayerischen Heimat in die nordöstlichste Provinz des Reiches versetzt worden. Später schließt er sich der Waffen-SS an. Als er im August 1944 als stellvertretender Kommandeur des SS-Panzergrenadier-Regiments Norge in den Schlachten am russisch-estnischen Grenzfluss Narva den Gegner mit drei Stoßtrupps angreift und zum Rückzug zwingt, wird ihm das Ritterkreuz verliehen.

Die Bachmeier-Geschichte wurde mit Gudrun Landgrebe verfilmt. | Foto: Planet Film GmbH

Der hochdekorierte Soldat soll im zivilen Leben der Bundesrepublik nicht zurechtkommen. Er verfällt dem Alkohol. Als sich seine Frau 1954 von ihm trennt, beginnt für Marianne eine schwere Zeit. Ihr neuer Stiefvater, ein Fernfahrer und Hobby-Catcher, verteilt Schläge schon für ein Eselsohr im Schulbuch. Ihren Vater darf sie zwar außerhalb der geregelten Besuchszeiten an jedem zweiten Wochenende nicht sehen, doch manchmal schwänzt sie die Schule, um bei ihm sein zu können. Dann sieht man die beiden in seiner Stammkneipe, wo der Ex-Offizier das Ritterkreuz am Revers seines abgenutzten Sakkos trägt. Marianne weiß, wie sie ihm eine Freude machen kann: Sie geht zur Jukebox und spielt «Preußens Gloria» oder «Alte Kameraden» ab. Noch als der Stern -Journalist Heiko Gebhardt sie später im Gefängnis Lauerhof besucht, kann sie ihm aus dem Kopf den Text des Liedes vorsingen: «Zur Attacke ging es Schlag auf Schlag, Ruhm und Ehr‘ soll bringen unser Glück. Los Kameraden! Frisch wird geladen! Heute ertönt die Kampfmusik.» (…)

Das große Glück

(…) Im Februar 1972 scheint sich das Blatt zum Guten zu wenden. Sie lernt Christian B. kennen, einen Hippie, der zuvor durch Nepal getrampt ist. Die beiden verlieben sich und werden ein Paar, ein Jahr später wird ihre Tochter Anna geboren. Es sind Jahre des Glücks. Christians Kieler Kneipe Karl der Dicke kann sich vor Gästen kaum retten, die kleine Familie wohnt vor den Toren der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt mit vielen Tieren auf einem kleinen Öko-Bauernhof. Doch Mariannes Lebensgefährte verspekuliert sich mit dem Kauf eines Ausflugsdampfers und verliert fast sein gesamtes Kapital. Das Paar beschließt, sich mit der Eröffnung einer neuen Kneipe in der von Touristen geradezu überlaufenen Lübecker Altstadt am eigenen Schopf aus dem Sumpf zu ziehen. Tatsächlich wird auch das Tipasa, wo die Gäste zu Livemusik tanzen und Pizza essen können, ein voller Erfolg.

Ein Bild aus guten Zeiten – die kleine Anna streichelt ein Pferd. | Foto: Screenshot Youtube

Es ist vor allem Marianne, die das Geschäft mit ihrer Ausstrahlung und Schlagfertigkeit am Laufen hält – Tag und Nacht. Als sie am 5. Mai 1980 etwas zu spät aus den Federn kommt, hat sich Tochter Anna schon auf den Weg zu ihrer Freundin Christa gemacht. In dem Nachbarshaus, das die 7-Jährige nun ansteuert, lebt auch der 19-fach vorbestrafte Klaus Grabowski. Seine Geschichte ist ein Musterbeispiel für die verheerenden Wirkungen, die die gerade in den 1970er Jahren weitverbreitete Verharmlosung von pädophilen Straftätern entfaltet hat. Vielen Kinderschändern sind im Zuge der von der Neuen Linken ausgerufenen sexuellen Revolution große Freiräume zugestanden worden. (…)


Den kompletten Text «Rache für Anna» können Sie im aktuellen COMPACT-Spezial «Geheimakte Kinderschänder – Die Netzwerke des Bösen». Dort lesen Sie dazu weiter:

*Annas Mörder und der Arzt: Wie der 19-fach vorbestrafte Triebtäter Klaus Grabowski nach seiner Kastration wieder «scharf gestellt» wurde. Ein medizinischer Skandal im Geiste linker Ideologie.

*Das Leiden der Marianne Bachmeier: Welche Qualen die Mutter nach dem Mord an ihrer Tochter erlitt.

*Selbstjustiz statt Kuscheljustiz: Wie die todunglückliche Frau das Heft des Handelns selbst in die Hand nahm.

*Das Leben nach der Tat: Wie es Marianne Bachmeier weiter erging, wie sie den Ausweg suchte und wie sie letztlich wieder im Tode mit Anna vereint war.

Den gesamten Inhalt von  COMPACT-Spezial «Geheimakte Kinderschänder – Die Netzwerke des Bösen» und die Möglichkeit zur Bestellung finden Sie HIER oder per Klick auf das obige Banner.

Über den Autor

_ Sven Reuth (*1973) ist Diplom-Ökonom und schreibt für COMPACT hauptsächlich zu wirtschaftspolitischen Themen. Seit Januar 2021 ist er zudem Online-Redakteur.

13 Kommentare

  1. Vor 40 Jahren hatte die Verharmlosung von Straftaten, der "humane" Strafvollzug schon gegriffen! Die Frau wußte, daß sie ihre Tochter verloren hatte, der Staat ihr aber nicht garantieren konnte, den Täter wirklich bis zu dessen Tod aus dem Verkehr zu ziehen! Und die Kastration wurde auch nicht durch Schwanz ab realisiert, sondern so, daß sie durch Weglassen der Pillen sofort wieder Rückgängig genacht werden Konnte!
    Man hat leider bis heute nicht eingesehen, daß man da großen Blödsinn gemacht hat. Das Strafmaß und der Strafvollzug solte auf das Niveau der 1950er zurückgestellt werden! Das würde auch verhindern das D. zum Vorzugsexil für Kriminelle aus aller Welt wird, die in der Heimat härter bestraft würden! Dies würde auch die Integration von Zuwanderern erleichtern! Denn die Bevölkerung ist nicht grundsätzlich gegen sie sauer (Rassismus), sondern regt sich berechtigt über die Kriminellen unter ihnen auf! Aber gegen Kriminelle und deren Schonbehandlung hat sie berechtigterweise immer was! Politische Vergehen OHNE Schädigung Dritter kann man da immernoch ausnehmen.

  2. Valde ridero am

    Woher hatte die Frau übrigens die Pistole ? Ein Staat , der auf die Todesstrafe verzichtet, macht sich zum Popanz.

  3. Fischer's Fritz am

    "Mut zur Wahrheit":
    Marianne Bachmeier hatte vor ihrem Tod 1996 in einer Talkshow zugegeben, Grabowski geplant erschossen, also einen Mord begangen zu haben. Nach dem Rechtsgrundsatz „ne bis in idem“ („nicht zweimal für dieselbe Sache“) gab es nach dem deutschen Strafrecht keine Möglichkeit für eine erneute Anklage.

    • HERBERT WEISS am

      Na und? Hätte dieses System so funktioniert, wie es eigentlich sein müsste, dann hätte man diesen Grabowski irgendwann mit den Füßen voran aus seiner Zelle getragen und nicht aus dem Gerichtssaal. Und Anna könnte noch leben.

    • Fischers Fritze fischt in trüben Gewässern am

      Diese Frau wurde in ihrer Schwangerschaft bereits vergewaltigt und dann nahm ihr ein mehrfach verurteilter frei-lebender Sexualverbrecher auch noch ihr Kind……klar das man als Sokrates und Fritze nur Verständnis für den Mörder ihres Kindes aufbringt….für einen XXX sind solche Taten eben legitim und auch demokratisch vertretbar….

  4. DerSchnitter_Maxx am

    Rache ist eine exquisite Speise … die man am besten kalt serviert … !

    Rache ist nicht neu, sie existiert seit Urzeiten … und sie ist auch nicht wegzubekommen … solange es Täter gibt, die diese Rache … wahrscheinlich [auch] verdient haben/hätten … !

    Rache … geht nur in eine Richtung. Wer unrecht, wissentlich … gegen andere begeht … hat darauf selbst, absolut, keinen Anspruch [mehr] … Rache zu verlangen. Sie könnte ihm aber, vielleicht … doch jeder Zeit serviert werden … ;)

  5. jeder hasst die Antifa am

    Wenn der Staat versagt und seine Kinder nicht schützen kann der Mörder wäre wieder mit einer Bewährungsstrafe davongekommen statt auf dem Elektischen Stuhl zu landen,besser solche Perverslinge verschwinden auf nimmer wiedersehen als viele trauernden und verzweifelte Mütter sehen zu müssen.

  6. Das Deutsche Volk verlor 1945 nicht nur den Krieg sondern leider auch seinen Verstand am

    Dieser Frau gehört bis heute Respekt und Ehre für ihren Mut gezollt ….und gleichzeitig ist schon damals diese kranke moralisch verkommene BRD Gesellschaft zu erkennen . Ein Ritterkreuzträger der für sein Land kämpfte, wird von diesem Land im Stich gelassen und verfällt dem Alkohol….Muttis können nicht für ihre Kinder dasein, denn diese Muttis müssen fürs Überleben schuften….Kinderschänder werden aber in diesem Staate mit Samthandschuhen angefasst, versorgt und können dank der Sozialhilfe sich die nächsten Opfer aussuchen….

  7. jollyjamper am

    Bei unserer Justiz hat sich seid damals nicht geändert. Merkel-Gäste vergewaltigen und Töten auch junge Mädchen und Frauen. Werden dann aber von unserer Justiz als Oper dargestellt da diese ja nicht wussten bzw. Wissen konnten das in der BRD das gleiche Recht für Frauen besteht.

Bitte beachten Sie unsere Kommentarregeln. Kommentare sind nur innerhalb von 24 h nach Veröffentlichung des Artikels möglich.

Empfehlen Sie diesen Artikel