Der Linke und die Clan-Chats: Ferat Koçak, Bundestagsabgeordneter der Linken aus Neukölln, ist in die Enge getrieben. Nach heftigen Attacken auch aus dem eigenen Lager zieht er sich jetzt kleinlaut zurück. Wir legen ihm und Ihnen das Buch von Mut-Journalistin Julia Ruhs ans Herz: «Links-grüne Meinungsmacht». Eine wichtige Bestandsaufnahme! Hier mehr erfahren.

    Nach dem Wahlsieg der Berliner Linken tauchte der mutmaßliche Clan-Chef Issa Remmo auf einer Wahlparty in Neukölln auf (wir berichteten). Die Partei distanzierte sich eilig: Er sei nicht eingeladen gewesen und gleich wieder weggeschickt worden. Kurz darauf veröffentlichte dessen Sohn Firas Remmo allerdings Chatverläufe mit Linken-Aushängeschild Ferat Koçak, bekannt durch seine Antifa-Tiraden aus dem Bundestag.

    In diesem Austausch richtet der Abgeordnete «Grüße mit Respekt» an Issa Remmo aus, spricht Firas als «Bruder» an und bittet ihn, ein Video einer Bundestagsrede zu teilen, in der Koçak den Begriff «Clankriminalität» als politischen Kampfbegriff mit rassistischer Geschichte bezeichnet.

    Der plötzliche Aufklärer

    Damit schien Koçak nicht gerechnet zu haben. Seine notdürftige Erklärung: Er rufe regelmäßig Menschen auf, sich an politischen Aktionen zu beteiligen. Dabei habe sich auch Remmo rückgemeldet. Er kommuniziere jede Woche mit Hunderten Menschen aus Neukölln und habe mit ihm geschrieben wie mit jedem anderen Neuköllner und den Vater höflich gegrüßt. Zu Beginn habe er nicht gewusst, um wen es sich handle. Dass er ihm auch danach noch geschrieben habe, sei ein Fehler gewesen, wimmert er nun.

    In derselben Erklärung heißt es:

    «Kontakte von Mandatsträgern zu Personen, die der Organisierten Kriminalität zugerechnet werden, sind durch nichts zu rechtfertigen. Ich verstehe, dass schon der Anschein solcher Nähe lückenlos ausgeräumt werden muss.»

    Er werde sich nunmehr zurückziehen, sein Kommunikationsverhalten aufarbeiten und Transparenz herstellen, teilt er reumütig mit. Laut Fraktion lässt Koçak seine Funktionen vorerst ruhen und nimmt vorerst auch nicht an Sitzungen des Innenausschusses teil.

    Das ändert den Sachverhalt natürlich nicht. Ein hochbezahlter Politiker, der mit hochgradig gefährlichen Clankriminellen Kuschelnachrichten austauscht, gleichzeitig aber auf AfD-Leute verbal einprügelt, weil die so gefährlich für die Demokratie seien, der hat nun einmal ein Problem. Seine Behauptung, er habe nicht gewusst, mit wem er sich da austauscht, kann getrost ins Märchenbuch geschoben werden, zumal er in diesen Chats auch  fragt, wann Remmo im Büro sei und ob er vorbeikommen könne.

    Selbst in der eigenen Partei kauft ihm seine Entschuldigung nicht jeder ab. Petra Pau, langjährige Vizepräsidentin des Bundestages, schrieb ihm: «Mir reicht es langsam. Als MdB hast Du eine Verantwortung, ich kann nicht mehr an Naivität glauben.» Außerdem postete sie: «Was heißt es eigentlich, Dir jetzt Zeit zu nehmen? Übernehme endlich mal Verantwortung.»

    Bei der Abgeordnetenhauswahl vom vergangenen Wochenende kam die Linke auf 25,7 Prozent. Unter muslimischen Wählern stimmten laut Forschungsgruppe Wahlen 51 Prozent für die Koçak-Truppe. Der Fall Koçak zeigt, welches Angebot in genau diesem Wählerfeld politisch anschlussfähig war.

    In diesem Zusammenhang legen wir Ihnen das Buch von Mut-Journalistin Julia Ruhs ans Herz: «Links-grüne Meinungsmacht». Eine wichtige Bestandsaufnahme! Hier bestellen. 

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