Clan-Boss auf Wahlparty: Issa Remmo feierte Elif Eralps Sieg in Berlin. Jetzt geht die Linkspartei auf Abstand. In der Hauptstadt wird’s dunkel, doch der Osten leuchtet: Unsere neue Silbermedaille «Ostdeutschland» würdigt den Widerstand. Hier mehr erfahren.
Nach dem Wahlsieg der Linken bei der Abgeordnetenhauswahl in Berlin ist Issa Remmo, das mutmaßliche Oberhaupt des berüchtigten Remmo-Clans, auf der Wahlparty des Bezirksverbands Neukölln der Linkspartei aufgetaucht. Der 58-Jährige gilt als Patriarch der libanesischstämmigen Großfamilie.
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COMPACT unterstützenDer Besuch sorgte für einigen Wirbel. Angehörige des Remmo-Clans waren unter anderem in den Diebstahl der 100-Kilo-Goldmünze aus dem Berliner Bode-Museum und den Einbruch ins Grüne Gewölbe in Dresden verwickelt. 2018 beschlagnahmte die Staatsanwaltschaft 77 Immobilien der Großfamilie. Gegen das Milieu ermittelt die Polizei seit Jahren.
Ob der Clan-Chef wirklich für Mietendeckel und Enteignungen ist, oder den Roten einfach nur zeigen wollte, wer ihnen die Mehrheit mitgeliefert hat, bleibt offen. Ein Grund könnte auch sein, dass Linken-Spitzenkandidatin Elif Eralp Polizeistellen in der Hauptstadt abbauen will.
Laut vorläufigem Endergebnis wurde die Linke mit 25,7 Prozent erstmals stärkste Kraft und verdoppelte ihr Ergebnis von 12,2 Prozent aus dem Jahr 2023. Die CDU kam auf 18,8 Prozent, die AfD auf 16,3 Prozent, die Grünen auf 14,3 Prozent und die SPD auf 12,1 Prozent. BSW (4,7 Prozent) und FDP (2,5 Prozent) scheiterten an der Fünf-Prozent-Hürde. Die bisherige schwarz-rote Koalition verlor damit ihre Mehrheit. Die Wahlbeteiligung lag bei rund 74 Prozent.
Elif rudert zurück
Während man gestern in Neukölln offenbar keine Probleme mit Remmo und anderen dubiosen Figuren hatte, distanziert sich die Berliner Linke nun von dem Clan-Boss. Elif Eralp betonte: »«Mit Organisierter Kriminalität haben wir nichts zu tun, die bekämpfen wir.»
Jorinde Schulz vom Linke-Bezirksvorstand Neukölln erklärte, es habe sich um eine öffentliche Veranstaltung gehandelt, zu der auch ungeladene Personen Zutritt gehabt hätten. Außerdem sei ihnen Remmo und dessen Anwesenheit nicht bekannt gewesen; sein Name stehe nicht auf der Anmeldeliste.
Zuvor hatte Kai Wegner (CDU), noch Regierender Bürgermeister von Berlin, bei X geschrieben: «Dass Issa Remmo auf der Wahlparty der Berliner Linken auftaucht, ist ein verstörendes Signal. Gerade eine Partei, die Verantwortung für unsere Stadt übernehmen will, muss unmissverständlich deutlich machen, dass es keinerlei Nähe zu Strukturen geben darf, die zur organisierten Kriminalität gehören.»
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