Lübcke-Mord, NSU und Ex-Verfassungsschützer Temme: Gibt es weitere Verbindungen?

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In dieser Woche legte Stephan Ernst, der mutmaßliche Mörder des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke, ein verändertes Geständnis ab, in dem er seinen mutmaßlichen Komplizen Markus H. beschuldigte, den tödlichen Schuss versehentlich abgegeben zu haben. Die dadurch ausgelösten neuen Ermittlungen haben nun wieder neue Verbindungen zum NSU-Komplex ergeben.

Der Ausgangspunkt der Ermittler war die Waffe, mit der der Kasseler Regierungspräsident ermordet wurde, ein Revolver der Marke „Rossi“, Modell 27, Kaliber 38 Spezial. Auffälligerweise wurde eine Waffe genau dieses Typs auch von dem Sicherheitsmann Jürgen S. genutzt, der mehrfach in den NSU-Akten auftaucht.

Gemeinsame Bezüge über Schießübungen und einen Biker-Klub

S. war seit 1990 mit dem früheren hessischen Verfassungsschutzbeamten Andreas Temme bekannt, der am 6. April 2006 nur wenige Meter entfernt war, als Halit Yozgat in einem Kasseler Internetcafé erschossen wurde – es war das letzte Tötungsdelikt im Rahmen der sogenannten Ceska-Mordserie.

Wer aber ist Andreas Temme? Ausführlich hat COMPACT-Redakteur Mario Alexander Müller zu den Verfassungsschutz-Hintergründen im Mordfall Lübcke recherchiert, die Ergebnisse sind in der aktuellen COMPACT-Spezial „Tiefer Staat. Geheimdienste und Verfassungsschutz gegen die Demokratie“ veröffentlicht. Über Andreas Temme heißt es darin unter anderem:

Der frühere V-Mann-Führer hatte sich 2006 verdächtig gemacht, als er noch beim Inlandsgeheimdienst arbeitete. «Hat ein Verfassungsschützer einen der NSU-Morde begangen?», untertitelte Die Zeit am 5. Juli 2012 eine Recherche über den Tod von Halit Yozgat. «Wenn die Zeit-Autoren recht haben, wenn nicht Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt die Mörder Halit Yozgats sind, sondern Andreas Temme, dann müsste die Geschichte des NSU ganz neu geschrieben werden», schlussfolgerte die linke Tageszeitung Junge Welt. Fest steht: Temme war an jenem 6. April 2006 am Tatort gewesen – strittig ist nur, ob er das Internetcafé ein paar Sekunden, maximal zwei Minuten, vor den Schüssen verlassen hat oder zu diesem Zeitpunkt noch da war. Das er überhaupt vor Ort war, hatte sich erst durch polizeiliche Ermittlungen ergeben, Temme selbst hatte sich den Ermittlern nicht mitgeteilt. Im Verhör behauptete er, er habe – womöglich, während Yozgat im durch eine offene Tür verbundenen Nebenraum erschossen wurde – auf einem Erotik-Portal geflirtet. Der Ex-Geheimdienstler will weder die Schüsse noch das sterbende Opfer wahrgenommen haben. Der Verdacht gegen den Beamten schien sich weiter zu erhärten, als sich herausstellte, dass er auch mit weiteren NSU-Bluttaten in Verbindung stehen könnte. «Nach Bild-Informationen ergab ein Bewegungsprofil der Polizei: Der Agent war bei sechs der neun Morde in der Nähe des Tatortes», meldete das Boulevardblatt Mitte November 2011

Als Zeuge im NSU-Komplex sagte S. aus, er habe gemeinsam mit Temme in Rockerkreisen verkehrt, wobei der Motorradclub Wheels of Steel ein gemeinsamer Anlaufpunkt gewesen sei. Beide nahmen auch gemeinsam an Schießübungen in Vereinen in Vellmar und Waldau teil, zwei nordhessischen Gemeinden, die nur wenige Kilometer entfernt vom Tatort des Yozgat-Mordes entfernt liegen.

Aber es wird noch dubioser: Die Nummer des Diensthandys des Sicherheitsmannes Jürgen S. taucht laut polizeilicher Funkzellenabfrage in unmittelbarer Nähe zu den Tatorten der NSU-Morde in Nürnberg und München auf, die im Juni 2005 begangen wurden. Da dieses Gerät fest mit dem Geldtransporter von Jürgen S. verbunden war, vermuteten die Ermittler schon, der Wagen könne dazu gedient haben, Täter und Waffen unbemerkt durch die Polizeikontrollen zu schleusen. Laut Bundesanwaltschaft soll S. Temme für den Tag des ersten NSU-Mordes in Nürnberg, der sich im Jahr 2000 ereignete, ein Alibi gegeben haben.

Temme war dienstlich mit Stephan Ernst befasst

Der Ex-Verfassungsschützer Temme, der im Mordfall Yozgat zwischenzeitlich als Tatverdächtiger gegolten hatte, war wiederum dienstlich mit dem mutmaßlichen Lübcke-Mörder Stephan Ernst befasst, nach Angaben der hessischen VS-Behörde wurden im Jahr 2000 mindestens zwei Berichte in der VS-Akte Ernsts von Temme unterschrieben.

Der Kreis scheint sich vollends zu schließen, wenn man weiß, dass der ermordete Walter Lübcke der Vorgesetzte von Andreas Temme war, der als Sachbearbeiter 2007 in das Regierungspräsidium Kassel wechselte.

Wie genau diese ganzen Dinge miteinander in Verbindung stehen, muss nun natürlich erst noch genau untersucht werden. Wer aber hinter allem immer bloß „Zufälle“ sehen möchte, der macht sich im Grunde genommen zum Fürsprecher jener Kräfte, die insbesondere unter den NSU-Komplex gerne einen Schlussstrich ziehen würden, ohne dass es bis heute ernsthafte Bemühungen gab, diesen aufzuklären – so verweigerte schon 2006 der damalige hessische Innenminister und heutige Ministerpräsident Volker Bouffier den von Andreas Temme geführten V-Leuten eine Aussagegenehmigung.

Doch nun scheint eine neue Wendung einzutreten, denn der Mordfall Lübcke bildet möglicherweise mit dem NSU-Phantom einen Mega-Komplex, der in seiner Brisanz vermutlich präzedenzlos in der Geschichte der Bundesrepublik sein dürfte.

Es scheint eine seltsame Verbindung von den NSU-Morden zu den tödlichen Schüssen auf Walter Lübcke zu geben – und wieder taucht der Name des mysteriösen Andreas Temme auf. Damit die Wahrheit über die Rolle des Verfassungsschutzes ans Licht kommt, braucht es auch unabhängige und kritische Journalisten. Unterstützen Sie COMPACT-Magazin mit ihrem Abo, damit wir in Zukunft weiterhin dort recherchieren können, wo andere einen Mantel des Schweigens hüllen wollen (Klick auf den Link). 

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12 Kommentare

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    Jeder hasst die Antifa am

    Siggi,Der Lok ist der Dampf ausgegangen er braucht erst wieder Staaatskohle um einzuheizen.

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    Laut Autopsiebericht Kaliber 22, nun "gefundene Tatwaffe": 9 mm (Quelle: "Verheimlicht, vertuscht, vergessen 2020" von Gerhard Wisnewski). In diesem Buch stehen auch ganz andere, hochinteressante Dinge über Herrn Lübcke drin, die alles in einem ganz anderen Licht erscheinen lassen. Das ist eine ganz dubiose Sache…

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    heidi heidegger am

    Ein einziger Hessen-Sumpf m. E. und die GRÜNEn dort tragen alles mit/lassen der CDU alles durchgehen..pfui! Doch schauen wir OTmässig nach Teheran:

    Ich rufe (von Elsässer inspiriert) die Discomiezen-Jugend dort zurück in die Darkrooms äh an die Werkbänke und Dichterstuben und KichererbsenMarktstände, denn die welt.de frohlocket schon, dass die Mullahs weichen müssten wg. die Proteste unn datt. Da bin ich gegen, denn arabischen und nun persischen Frühlingsgefühlen ist nicht zu trauään. so!

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      heidi heidegger am

      OT-Nachtrag zum geschlossenen *der tiefe Staat-Faden*:

      Einen od. zwei Forumskanäle dürft ihr niemals sperren -> T-t-tony Clifton und Soki, hihi.

      [ Tony Clifton (feat. Kopfnuss Kalli) ] /watch?v=BPjrxz1ThsM

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    In dieser Geschichte ist mehr Mossad drin, als deren zweifach gehuldigte jüdische Kallhergie – Auszeichnung Empfängerin Merkel "preis" geben kann. Es ist eine offensichtliche Gesinnungsdiktatur unter ihrem Sternzeichen der untergehenden selbsternannten Auserwählten. Sie zeigt eigentlich ihre verachtenswerte Gesinnung (Hass) gegen DE offiziell und keine Sau interresiert es. Vor allem in West-DE sind die Meschen vom einst geächtetem Ostregime so verblendet , wie es niemals ein Ossi war. Hut ab vor soviel Selbstzerstörung durch verpasste Schulbildung. Diese "auserwählt" Unverschämten führen die (einst wirtschaftlich Überlegenen) Deutschen samt ihrem erschaffenem Leben inklusive Ex- Wohlstand an der Nase herum.

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      DerSchnitter_Maxx am

      So isses … und nichts anderes 😉

      Die üblichen Verdächtigen, sind ein … seit Jahrhunderten bekanntes, penetrantes, durchtriebenes, hinterhältiges, kollektives, konstantes, narzistisches, Phänomen … welches seinesgleichen sucht !

      Don’t mess with the evil 😉

      "Ich bin müde, Boss. Müde immer unterwegs zu sein, einsam und verlassen. Müde niemals einen Freund zu haben, der mir sagt, wohin wir gehen, woher wir kommen und warum. Am meisten müde bin ich, Menschen zu sehen, die hässlich zueinander sind. Der Schmerz auf der Welt und das viele Leid, das macht mich sehr müde. Es gibt zuviel davon. Es ist als wären in meinem Kopf lauter Glasscherben." (J. Coffey)

      "Es" hat sie mit ihrer Liebe getötet. So passiert es jeden Tag hundert mal auf der ganzen Welt!" (J. Coffey)

      Die … die stets die Zwietracht säen !!!

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    Wenn es anders als bisher offiziell dargestellt war (eine Möglichkeit, an die die meisten in der BRD erst glauben, wenn es in der Tagesschau kommt, denn die Mafia existiert für sie auch nur im Film, und ‚heja heja BVB‘ ), wo waren dann die superinvestigativen und superdemokratischen Transparenz-Journalisten der bunten und vielfältigen BRD-Massenmedien?

    Aber was will man mit einer Gesellschaft anfangen, die man schon derart hypnotisiert und konditioniert hat, dass sie einen Krieg für gerechtfertigt hielte, wenn ein WDR- oder MDR-Journalist in Bagdad eine Hakenkreuzschmiererei an der Wand entdeckt hätte.

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      na zum glück gibt es ja noch so aufmerksame und allwissende menschen wie Sie…

      himmelswillen…in welche zauberwelten sich manche flüchten

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        Ah, LOK, lange nichts von Ihnen gehört.
        Dass Sie auf einmal auf den Plan treten … –
        scheint Sie ja sehr zu beschäftigen.

        Halte mich übrigens keineswegs für "allwissend".
        Andere flüchten sich auch gerne in die Zauberwelt der Tagesschau
        oder glauben noch an mordende Soldaten vor Brutkästen.

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        Immerhin, das "Sie" ist großgeschrieben.

        Trotzdem ist der Beitrag ohne erkennbaren Bezug und Sinn.

        Weiter so, LOK. Du kannst hier zum Forumstroll gekürt werden.

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