Libyen-Gipfel: Reißt Erdoğan sich jetzt das Mittelmeergas unter den Nagel?

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Am Wochenende findet der Libyen-Gipfel in Berlin statt, der den in dem nordafrikanischen Land tobenden Krieg beenden soll. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan könnte die Situation dazu nutzen, sich die riesigen Gasvorkommen des östlichen Mittelmeers anzueignen, ohne sich groß um das Seerecht zu kümmern. Auf die Bedeutung dieser Vorkommen macht auch Dirk Müller in seinem neuen Buch Machtbeben aufmerksam.

An dem Gipfeltreffen nehmen die USA (vertreten durch Mike Pompeo), Russland (vertreten durch Präsident Wladimir Putin), Großbritannien, Frankreich (vertreten durch Präsident Emmanuel Macron), China, die Vereinigten Arabischen Emirate, die Türkei (vertreten durch Präsident Recep Tayyip Erdoğan), die Republik Kongo, Italien, Ägypten und Algerien teil.

Chalifa Haftar: Der faktische Herrscher über Libyen

Besonders wichtig bei der Suche nach einer tragfähigen Lösung ist die Teilnahme des früheren Gaddafi-Offiziers Chalifa Haftar, der derzeit mit seiner Libysch-Nationalen Armee (LNA) faktisch über den größten Teil des Landes herrscht. Er genießt die Unterstützung Frankreichs, Russlands, Saudi-Arabiens, der Vereinigten Arabischen Emirate und Ägyptens und gilt als Garant der konsequenten Bekämpfung von allen islamistischen Bestrebungen im Land. Zu Beginn des Jahres gelang ihm die Einnahme der wichtigen Hafenstadt Sirte. Die Metropole gilt als der Geburtsort des früheren libyschen Staatschefs Muammar al-Gaddafi.

Im Westen wird viel über Putin geschrieben. Aber Putin kommt praktisch nie selbst zu Wort, wenn doch, dann stark verkürzt. Thomas Röper lebt seit 1998 überwiegend in Russland, spricht fließend Russisch und lässt Putin in ausführlichen Zitaten selbst zu Wort kommen. Das Ergebnis ist eine schonungslose Kritik an der Politik des Westens, wenn Putin die Dinge mal mit Humor und mal mit bitterem Ernst deutlich beim Namen nennt. Nach dieser Lektüre kann jeder für sich entscheiden, wie er zu Putins Thesen steht. Das Buch kann hier bestellt werden!

Gegenspieler ist der international anerkannte Ministerpräsident Fayiz as-Sarradsch, der allerdings nur einen kleinen Küstenstreifen rund um die Hauptstadt Tripolis beherrscht und als verlängerter Arm der islamistischen Muslimbruderschaft gilt. Er wird von der Türkei, Katar und Italien unterstützt.

Türkei verlegt Dschihadisten von Syrien nach Libyen

Die Türkei soll nach Informationen des Netzportals Heise Telepolis schon 2.000 islamistische Kämpfer aus Syrien – unter anderem auch aus der Dschihadistenhochburg Idlib – nach Libyen geschickt haben, die dort die Regierung von as-Sarradsch vor dem Sturz bewahren sollen. Die Söldner sollen dort ein von der Türkei bezahltes Einkommen von bis zu 2.000 US-Dollar im Monat, eine professionelle medizinische Versorgung und die Aussicht auf die türkische Staatsbürgerschaft erhalten.

In seinem neuen Buch betont Dirk Müller die geopolitische Bedeutung der Gasvorkommen im Mittelmeer, die häufig unterschätzt wird. Ob China, Russland, Nordkorea, Naher und Mittlerer Osten oder USA und Europa – Müller erklärt in seiner gewohnt verständlichen Art Hintergründe, Zusammenhänge und Konsequenzen der aktuellen Konflikte. Klug und glaubhaft schildert er den voraussichtlichen Ablauf dieser kommenden Weltwirtschaftskrise. Das Buch kann hier bestellt werden!

Im Gegenzug soll die Regierung in Tripolis der Türkei umfangreiche Ausbeutungsrechte der vor der libyschen Küste liegenden Gasvorkommen eingeräumt haben. Darüber hinaus spekuliert Erdoğan wohl darauf, der Türkei die gesamten Gasvorkommen im östlichen Mittelmeer zu sichern, obwohl diese völker- und seerechtlich größtenteils Griechenland und der Republik Zypern gehören.

Laut Medieninformationen hat das türkische Staatsoberhaupt es schon im Vorfeld des Berliner Libyen-Gipfels geschafft, eine Einladung an griechische Regierungsvertreter zu verhindern, was dort natürlich mit Empörung aufgenommen wurde. Doch Athen kann noch so oft darauf hinweisen, dass der rechtliche Status der Ägäis und der Inseln durch internationale Verträge definiert ist.

Erdoğan hat dennoch sehr gute Karten in dem Poker um das Mittelmeergas, denn er kann den Europäern mit Millionen von syrischen Kriegsflüchtlingen drohen, die sich derzeit in der Türkei aufhalten. Möglicherweise verzichtet Europa jetzt also auf die Ausbeutung von riesigen Gasvorkommen im Mittelmeer, weil man sich seit dem EU-Türkei-Abkommen von 2016 erpressbar gemacht hat.

 

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20 Kommentare

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    Heinrich Wilhelm am

    "… obwohl diese völker- und seerechtlich größtenteils Griechenland und der Republik Zypern gehören."
    Ja, das ist genauso respekterheischend, als ob die meiner Nachbarin gehörten (hihi).
    Was sagen eigentlich Trump und Netanjahu dazu? Oder ist da sonst noch wer mit Macht?
    Die melden sich erst dann, wenn sich alles hoffnungslos zerstritten hat.
    Ist nie langweilig in Mediterranien.
    Wenn dieser Haftar im Falle eines Sieges mit dem Flüchtlingsquatsch aufräumte, dann wäre das ein feiner Zug an ihm.
    Ansonsten sollte man diese ganze Region zusch……! Wesentlich mehr Ruhe wäre der Lohn.

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    Rumpelstielz am

    Gut, dann sollten wir es besser machen
    1. Wir kündigen alle Sozialabkommen mit der Türkei
    2. Türken bekommen in Österreich oder Deutschland nur noch die Leistungen, die Sie auch in der Türkei erhalten
    3. Alle nicht arbeitenden Türken verlassen innerhalb von 6 Wochen Deutschland und Östereich.
    4. Doppelpass wird abgeschaft
    5. Kein EU Beitritt der Türkei
    6. Keine Wirtschaftsförderung der Türkei mehr von Deutschland und Österreich.
    7. Keine Heiratsmigration mehr nach Europa. Wer von Euch einen Türken oder eine Türkin heiraten will, jedoch nur in der Türkei!
    8. Kein Kindergeld mehr von uns für Eure Nachkommen
    9. Für jede Moschee hier, eine Kirche in der Türkei
    10. Straffällig gewordene Türken werden abgeschoben.
    11. Einreiseverbot für Erdogan für solche für WahlkrampfSpektakel mit Erdowahn.
    ich höre jetzt auf, bevor mir noch mehr Vorteile einfallen.
    Mit diesen 11 Punkten könnten wir gut miteinander auskommen. Ihr in der Türkei, wir in Europa.
    Es werden die Allmachtgelüste vom dem Erdowahn verschwinden.

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    Wie gut haben es doch die Türken mit einem Herrscher, der sich nur um ihr eigenes größtmögliches Wohlergehen kümmert. Die Deutschen in der brd werden von Figuren regiert, die sich um das Wohl von Nichtdeutschen sorgen und dafür Steuergelder hinterziehen.

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    Rechtsstaat-Radar am

    Wir sollten Erdogan endlich wirtschaftlich platt machen. Wenn er keine deutschen Investitionen mehr bekommen würde und all seine "türkischen Landsleute" aus Deutschland zurück und entgegennehmen müsste, wäre seine Erdogan-Türkei ruckzuck wieder eines der beschissensten Dritte-Welt-Länder dieser Erde. Insbesondere die sog. "Deutschtürken", also all diejenigen, die in Deutschland aufgenommen worden waren, dort in die Stadien gingen und unter dem zehntausendfachen Schwenken von ca. 80.000 Türkeifahnen Erdogan frenetisch bejubelten, ihn in einem auf deutschem Boden durchgeführten Türken-Referendum wählten, die würden Erdogan in seinem lächerlichen Dritte-Welt-Land Türkei den Todesstoß versetzen. Diese Türken, erst einmal endlich von uns Deutschen rausgeworfen und in ihre Türken-Heimat zurück verbracht, die wählten hierzulande Erdogan. Wenn sie aber erst einmal im muslimischen Mittelalter der Türkei leben werden müssen, dann wollen sie ihren in Deutschland erlernten Lebensstil wiederhaben. Diese Türken werden dem Islam in der Türkei den Todesstoß setzen oder einen Religionskrieg auslösen, an dessen Ende die Welt einige Millionen dieser unangenehmen, ultra-aggressiven und islamfaschistischen Türken weniger haben wird.

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    Die Griechen sind schon blöd. Und auch die Zyprioten – wobei das sind auch nur Griechen. Die hätten schon längt mit der Erschliessung der Gasvorkommen anfangen können und hätten dafür niemanden fragen müssen. Selbst ohne eigene Technologie hätte man Dritte auf Provisionsbasis bohren lassen können – ohne sich die dabei die Butter vom Brot nehmen zu lassen.

    Und ja, Dirk Müller hat schon vor Jahren darauf hingewiesen als das hierzulande noch keiner auf dem Schirm hatte. Ist ’n guter Mann – ausser das er anti-national eingestellt ist und verblendet "Europa-muss-übernehmen" proklamiert. Habe vorige Tage sein Buch gelesen… Er versteht sehr viel von Ökonomie, aber recht wenig von Rechtsstaatlichkeit.

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      Ja was, Ich habe hier Anwälte ertappt,die Rechtsstaatlichkeit nicht verstehen .

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        @ SOKRATESS

        Ach was? Neulich haben Sie hier in etwa genau
        das Gegenteil behauptet: Anwälten u.d.gl. ist die
        Rechtsstaatlichkeit heilig, nur die tumben
        Kommentaristen (Sokrates ausgenommen) und
        die Deutschen Michels verstehen sie nicht.

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    Sehr aufschlußreich. Bis jetzt war mir die leere Sandkiste Libyen nicht im Blick. Ob die hier geschilderte Frontstellung so ganz zutrifft, ist zweifelhaft, Warum sollte ein säkularer Haufen Glibber wie Italien einen Kanditaten der Moslem-Bruderschaft unterstützen? Daß die USA u. Russland (wieder mal gemeinsam) GEGEN einen solchen stänkern ist dagegen plausibel; beide Imperialismen liegen Tausende von Meilen von Libyen entfernt und haben dort nichts zu suchen. Genau so wenig wie der Kongo,lachhaft. Libyen u. der Maghreb standen zur Hochzeit des Osmanenreiches wenigstens formal unter dessen Oberherrschaft. Und die Küstengewässer Libyens liegen nicht in der Ägäis,warum wollen die Graeculi also da mitreden?

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      heidi heidegger am

      ziemlich rrrichtich, lieber Soki, und eine Bitte als äh Forumszuchtmeister-watte-manchmal-biss-wohl: rufe mir die DDRler zur Ordnung, denn s o geht das nicht ->

      "Krause ist dschungelfähig", erinnerte sich der Ex-Minister.

      *Schande des Dschungels*, kann die fremdschämheidi da nur zu sagen, tsstss..*kicher*

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        Jeder hasst die Antifa am

        Taucht Antonia Hofreiterin auch im Dschungelkääämp auf, das Niveau dazu hätte er ja und Grün genug ist es dort auch.kicher

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        heidi heidegger am

        lel, frag doch mal Antonia nach nem Date..*iba!*

        ♪♫ ‚Cause when I see you
        Dancing with your friends
        I can’t help wondering
        Where I stand
        I’m so afraid I’ll lose you
        If I can’t seduce you
        Is there something wrong?
        Tony (Clifton?) come on strong
        Why are you so weird, boy?
        Tony are you queer boy?
        When I make a play
        You’re pushing me away
        Tony are you queer?
        Oh, Tony you’re forsaken (verloräään /anm hh)
        A love you could be takin‘
        I want to give it to you
        But you never come through.. ♪♫ LOHL big time, yo! 🙂

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        heidi heidegger am

        @Heinrich Wilhelm am 18. Januar 2020 13:26

        kann&darf auch so..denn heidi ist meist zuu nice für, hihi

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    brokendriver am

    Die Türkei maschiert in Syrien und sonstwo ein….warum nicht auch in Libyen???

    Außenpolitik und die Geilheit auf eroberte Gebiete und Rohstoffvorkommen

    sind immer ein guter Grund mal eben in ein fremdes Land einzumaschieren.

    Die Merkel-Moslems dieser Welt auf der Flucht nimmt dann der Schrottplatz

    Deutschland grenzenlos auf….

    Frei nach dem Motto…."einer geht noch…"

    Überhaupt: jeder schwarze Afrikaner sollte ein Grundrecht haben, in Deutschland

    einzumaschieren…..

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    Lila Luxemburg am

    "Gegenspieler ist der international anerkannte Ministerpräsident Fayiz as-Sarradsch, … Er wird von der Türkei, Katar und Italien unterstützt."

    Versteh‘ ich das jetzt richtig? ‚International anerkannt‘ bedeutet, man wird von der Türkei, Italien und Libyen anerkannt/unterstützt? Und wenn nicht … WER bitte ist dann ‚international‘?? Die VSA mit ihrem Pudel GB … und deren vielfältige Klacköööree?

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