Bislang hat Deutschlands auflagenstärkste Tageszeitung bei Covid-19 fleißig auf der Panik-Klaviatur mitgespielt. Doch ein gestern online veröffentlichter Kommentar von Bild-Chefredakteur Julian Reichelt spricht eine ganz andere Sprache. In dem Beitrag, der heute auch in der Druckausgabe zu finden ist, deutet der Journalist eine 180-Grad-Wende an und warnt vor den ökonomischen und sozialen Folgen des Shutdowns. Solche Überlegungen sind auch Teil des Titelthemas „Die Welt danach“ in  der Mai-Ausgabe von COMPACT, die Sie hier bestellen können.

    Kritiker der aktuellen Maßnahmen weisen schon lange darauf hin, und auch Reichelt stellt gleich zu Beginn seines Textes stellt fest, dass in der Corona-Krise nur zweierlei sicher sei:

    „Erstens, ob die Maßnahmen richtig oder falsch, maßvoll oder überzogen sind, werden wir erst aus den Geschichtsbüchern erfahren. Ob wir auf Corona als Gesundheitskatastrophe oder Zusammenbruch unserer Wirtschaft zurückblicken werden, ist vollkommen offen. Es ist möglich, aber keinesfalls gewiss, dass richtig ist, was gewaltige Mehrheiten für richtig halten. Es gibt keine Herdenimmunität dagegen, historisch katastrophal falsch zu liegen.“

    Zum anderen müsse man konstatieren, dass die überwiegende Mehrheit der sogenannten Experten mit ihren Einschätzungen so falsch gelegen habe, dass man den Glauben an sie nur noch mit Verzweiflung erklären könne. „Sie haben das Tragen von Masken nahezu verhöhnt. Nun ist es Pflicht. Sie haben davor gewarnt, Schulen und Kitas zu schließen. Nun sind Millionen Kinder seit Wochen zu Hause. Sie haben als nutzlos abgetan, die Grenzen abzuriegeln. Nun kommt niemand mehr ins Land. Sie haben trotz aller Maßnahmen immer wieder vor dem unmittelbar bevorstehenden Kollaps unseres Gesundheitssystems gewarnt. Nun herrschen auf Krankenhausfluren gespenstische Ruhe und Angst vor Arbeitslosigkeit“, so der Bild-Chef.

    Die Regierung und die Experten könnten es sich nun kaum noch leisten, zuzugeben, dass sie mit ihren Empfehlungen beziehungsweise Maßnahmen überzogen habe, da unsere Ökonomie schon jetzt massiv beschädigt sei. „Die deutsche Wirtschaft vorschnell ruiniert zu haben, wäre für keine Partei, vielleicht nicht einmal für die Demokratie überlebbar. Deswegen erleben wir zunehmend Sturheit, Starrsinn und Rechthaberei“, moniert Reichelt.

    Abschließend gibt er zu bedenken:

    Ich möchte mir nicht ausmalen, wie wir in drei, vier Jahren auf diese Wochen und Monate zurückblicken werden, wenn das Durchschnittsalter der Toten über der durchschnittlichen Lebenserwartung liegen sollte, Millionen Arbeitslose auf der Straße sitzen, der Mittelstand, der Hartz IV finanziert, vernichtet ist. Wenn viele Restaurants für immer geschlossen haben, aber die Suppenküchen geöffnet sind. Auch daran sollte die Bundeskanzlerin denken, wenn sie ihre nächste Regierungserklärung hält.

    Reichelt hat mit seinem Kommentar die Kritik aufgegriffen, die zuvor schon von NRW-Ministerpräsident Armin Laschet und Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble geäußert worden war. COMPACT spannt den Bogen noch weiter: In der aktuellen Ausgabe 5/2020 werden auch die Gefahren eines ausufernden Hygiene- und Kontrollstaates für unsere Freiheit benannt.

    So schreibt Chefredakteur Jürgen Elsässer in seinem Aufmacher „Wie unsere Freiheit stirbt“:

    Alles, was das Abendland und die westliche Kultur seit Alters her auszeichnet, verschwindet in der jetzt überfallartig verordneten Abstandsgesellschaft: der Händedruck und der Blick in die Augen, mit dem wir bisher Vertrauen schufen und Vertrauen prüften; die Möglichkeit zum geselligen Beisammensein in Vereinen, Bars und Restaurants; Gottesdienste, Hochzeiten, Beerdigungen und Taufen, bei denen sich die Gemeinden und Familien zu versammeln pflegten.

    Und weiter: „Unsere bis dato quirligen Städte veröden: Auf den Straßen und Plätzen, die so menschenleer sind wie das Regierungsviertel von Pjöngjang, sieht man nur noch vermummte Gesichter, als habe eine Fatwa die Verhüllung zur Pflicht gemacht. Doch es war kein Autokrat wie Kim und kein Ajatollah wie Chamenei, die solches bei Strafandrohung verkündeten. Es waren Politiker, die versprochen haben, Freiheit und Demokratie zu schützen. (…) Viele trösten sich damit, dass die drakonischen Maßnahmen nur zeitweilig sind. Mancher begrüßt die Ausgangssperren sogar als Entschleunigung – im sogenannten Home Office kann man sich endlich mal wieder der Familie widmen. Doch die Herrschenden sehen den Lockdown nicht als Provisorium, sondern als Dauerzustand.“


    Lesen Sie diesen und weitere Texte zum Titelthema „Die Welt danach: Wie wir unsere Freiheit verlieren“ in der aktuellen Ausgabe von COMPACT. Darüber hinaus finden Sie in COMPACT 5/2020 wie gewohnt viele andere Beiträge zu Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur. Das komplette Inhaltsverzeichnis und die Möglichkeit zur Bestellung finden Sie HIER oder durch einen Klick auf das obige Bild.

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