Peter Thiel, Alex Karp und Palantir setzen auf voll auf Künstliche Intelligenz. Doch nun hat Papst Leo XIV. Wasser in den Tech-Wein gegossen: In seiner ersten Enzyklika «Magnifica humanitas» warnt er vor den Gefahren der KI, ohne sie komplett zu verteufeln. COMPACT-Spezial «Transhumanismus» liefert die Grundlageninformationen. Hier mehr erfahren.

    Erst vor wenigen Wochen veröffentlichte Alex Karp, CEO des Palantir-Konzerns, die Kurzthesen seines Buches «The Technological Republic» als Manifest. Künstliche Intelligenz, kurz KI, spielt darin eine tragende Rolle. Unternehmensgründer und Investor Peter Thiel sprach im März sogar im Vatikan und pries KI als Schutzmechanismus vor einer «globalen totalitären Einheitsregierung» (für ihn der Antichrist) an. Doch was sagt die katholische Kirche selbst dazu?

    Grenzen setzen

    Papst Leo XIV. hat mit seiner ersten Enzyklika «Magnifica humanitas» (Großartige Menschheit) für Klarheit gesorgt. «Die von Gott geschaffene großartige Menschheit steht heute vor einer entscheidenden Wahl: Entweder sie errichtet einen neuen Turm zu Babel oder sie erbaut die Stadt, in der Gott und die Menschheit gemeinsam wohnen», so der erste Satz des bedeutenden Dokuments «über die Bewahrung des Menschen im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz».

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    Für den Pontifex ein wichtiges Anliegen  – das Lehrschreiben wurde am Pfingstmontag, 25. Mai, vom Vatikan veröffentlicht, aber schon am 15. Mai vom Papst unterzeichnet, am 135. Jahrestag der Veröffentlichung der epochalen Enzyklika «Rerum novarum» von Leo XIII. (1878-1903), der «Mutter aller Sozialenzykliken».

    «Magnifica humanitas» ist in fünf Kapitel unterteilt und beginnt mit einem Grundgedanken: Die Technologie sei prinzipiell weder «eine menschenfeindliche Kraft» noch «ein Übel». Und doch «ist sie nicht neutral, weil sie die Züge derer annimmt, die sie konzipieren, finanzieren, regulieren und nutzen». Auf dieser Einsicht gründet der Aufruf des Papsts, «im Guten aufzubauen» und der KI-Technologie Grenzen zu setzen.

    «Macht in wenigen Händen konzentriert»

    Wenn der Mensch Gott spiele, bedeute dies sein Verderben. «Wo die Entscheidung über Leben und Tod an Codezeilen delegiert wird», schreibt Leo XIV., «verliert der Mensch seine Würde und die Maschine triumphiert über den Geist». Eine klare Anspielung auf die KI-Waffen-Apologie im sogenannten Manifest von Palantir-Karp.

    Wenn sich «Macht in wenigen Händen konzentriert», bestehe die Gefahr, «dass sie undurchsichtig wird und sich der öffentlichen Kontrolle entzieht». Genau diese Macht repräsentieren Karp und Thiel oder auch der kanadische KI-Entwickler und Unternehmer Christopher Olah, der den Tech-Konzern Anthropic mitgründete. Olah war denn auch zur Präsentation der Enzyklika in den Vatikan geladen, steht er doch für eine Minderheit in der Branche, die neben den Chancen auch die Risiken der KI-Technologie sieht.

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    So warnt der Papst in seiner neuen Enzyklika davor, dass KI-Technologie Desinformation verbreite und die Welt in endlose Kriege stürzen könnte. Leo XIV. fordert daher strenge ethische Grenzen für den Einsatz von KI beim Militär und insbesondere in der Fernkriegführung. Er betont, dass es unzulässig sei, Maschinen über Leben und Tod entscheiden zu lassen.

    «Künstliche Intelligenz muss entwaffnet werden, befreit von den Logiken, die sie zu einem Instrument der Herrschaft, der Ausgrenzung und des Todes machen», sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche am Montag bei der Präsentation.

    Kritik am Transhumanismus

    Im dritten Kapitel der Enzyklika «Magnifica humanitas» – überschrieben mit «Technik und Herrschaft. Die Größe der menschlichen Person angesichts der Versprechen der KI» – fordert der Pontifex einen Ethikkodex für den Umgang mit Künstlicher Intelligenz. Denn: «Eine moralischere KI nützt nichts, wenn diese Moral von wenigen bestimmt wird.» Auch der Einfluss neuer Technologien auf die Umwelt dürfe nicht außer Acht gelassen werden – denn diese erforderten den Einsatz großer Mengen an Energie und Wasser und belasteten so die Schöpfung.

    Man müsse «die KI entwaffnen», heißt es weiter in dem Dokument, um sie der Logik des militärischen, wirtschaftlichen und kognitiven Wettbewerbs zu entziehen; um die Auffassung aufzubrechen, dass technische Macht mit dem Recht zu herrschen gleichzusetzen sei; um sie den Monopolen abzuringen und zu verhindern, dass sie den Menschen beherrsche.

    Breiten Raum nimmt die päpstliche Kritik an Transhumanismus und Posthumanismus ein, für die der Fortschritt darin bestehe, über die menschliche Natur hinauszugehen. Begrenztheit sei, so «Magnifica humanitas», jedoch kein Defizit, das es zu beseitigen gelte, sondern eine grundlegende Dimension des Menschen: Gerade in seiner Verletzlichkeit und Endlichkeit reiften die Beziehung und die Öffnung hin zu Gott und den Mitmenschen. Technischer Fortschritt, der die menschliche Begrenztheit beseitige, bedeute daher eine Verkümmerung des Herzens.

    Deshalb dürfe die großartige und verwundete Menschheit «weder ersetzt noch überwunden werden». KI könne Leid lindern und neue Möglichkeiten eröffnen, dürfe jedoch die Menschheit in dem, was sie ausmache – «die Fähigkeit zu Beziehung und Liebe» – nicht verraten. Angesichts von KI lägen die Alternativen nicht zwischen Begeisterung und Angst, sondern zwischen den zwei Methoden, Fortschritt zu schaffen: im Dienst des Menschen und der Völker – oder im Dienste der Logik der Macht.

    Für eine «Zivilisation der Liebe»

    Das zweite große Thema in «Magnifica humanitas» ist der Frieden. Der Papst beklagt das Wachstum der Rüstungsindustrie, die Entwicklung der Atomwaffenarsenale, das Auftreten neuer bewaffneter Akteure – darunter islamistische Gruppen – die das Ziel verfolgten, Konflikte als Quelle für Macht und Profit aufrechtzuerhalten.

    Deutlich warnt der Papst vor dem Gebrauch von Waffen, die an KI gebunden sind, denn «es existiert kein Algorithmus, der Krieg moralisch vertretbar machen könnte». Es bedürfe strenger internationaler ethischer Normen, die auf der persönlichen Verantwortung und auf dem Schutz der Zivilbevölkerung basierten, denn «jede Technologie, die es einfacher macht, anzugreifen, ohne das Gesicht des anderen zu sehen, senkt die moralische Schwelle des Konflikts».

    Schließlich ruft Papst Leo XIV. in seiner Enzyklika dazu auf, eine «Zivilisation der Liebe» zu errichten. Hierzu schreibt er:

    «Eine Welt im permanenten Kriegszustand zu schaffen, ist ein Übel, und es ist bei seinem Namen zu nennen. Diese Art, die Wirklichkeit, in der wir leben, zu beschreiben, mag düster oder pessimistisch erscheinen, doch ich halte sie für eine notwendige Mahnung. Die christliche Perspektive endet jedoch nicht mit dem Anprangern des Bösen. Wir betrachten die Geschichte im Lichte des auferstandenen Gekreuzigten, dem der Vater ‚alle Vollmacht […] im Himmel und auf der Erde‘ (Mt 28,18) gegeben hat.

    Wir interpretieren die Gegenwart nicht als ein feststehendes Schicksal, sondern als ein Feld, das der persönlichen und gemeinschaftlichen Umkehr offensteht. Und wir glauben an die Kraft des Reiches Gottes, das sich aus einem winzigen Senfkorn entwickelt, das, einmal gesät, sprießt und wächst (vgl. Mk 4,26–32). Während uns der Lärm des Tumults umgibt, wächst das Gute in aller Stille aus der Erde. Mit den Worten des Propheten: ‚Siehe, nun mache ich etwas Neues. Schon sprießt es, merkt ihr es nicht?‘ (Jes 43,19).»

    Sein Appell lautet daher: «Alle, auf welcher Ebene auch immer, können wir zur Grundlage des Friedens beitragen, die die Gerechtigkeit ist. Wir streben nämlich nicht nach irgendeinem Frieden, nach einer Abwesenheit von Konflikten um jeden Preis, sondern nach jenem wahren Frieden, der aus der Gerechtigkeit entsteht.»

    Wichtige Grundlageninformationen: In COMPACT-Spezial «Transhumanismus – Künstliche Intelligenz und das Ende der Menschheit» erläutern wir die Gefahren, vor denen der Papst warnt. Hier bestellen.

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