Alex Karp und weitere Führer der Überwachungskrake haben gestern ein 22-Punkte-Manifest vorgelegt, das Eckpunkte einer neuen imperialistischen Weltdiktatur jenseits des Globalismus skizziert. – Über die Gefahren der Verschmelzung von KI und Hochfinanz informiert unsere Spezialausgabe „Transhumanismus – Künstliche Intelligenz und das Ende des Menschen“. Hier bestellen.

    Es ist seit gestern der Diskussionsknaller auf X: das 22-Punkte-Manifest der Überwachungskrake Palantir. Eigentlich nur eine Kurzfassung des Buches „The Technological Republic: Hard Power, Soft Belief, and the Future of the West“ von Alex Karp und Nicholas W. Zamiska – aber, wie so oft, macht die thesenartige Verdichtung die Essenz einer Theorie griffiger.

    Was man vorab wissen muss: Palantir ist kein gewöhnliches Software-Unternehmen. Es wurde 2003 mit Unterstützung des US-Geheimdienstes CIA gegründet. Jahrelang war unklar, was der Konzern treibt.. Schließlich stellte sich heraus, dass sie Datenanalysen für das US-Militär durchführen: Standorte von Taliban-Führern ermitteln,  Saddam Husseins aufspüren. Für Israel die Zielermittlung im Gaza-Genozid durchführen. Im Sommer 2025 stellte der US-Oberbefehlshaber für Europa eine Strategie vor, mithilfe von Palantir die russische Exklave Kaliningrad per Blitzkrieg zu erobern. Wichtig: Palantir-gründer Peter Thiel hat den Aufstieg von J.D. Vance finanziert, der, aktuell Vizepräsident, als Nachfolger von Donald Trump im Weißen Haus gehandelt wird.

    Palantir entwickelt Software (z. B. „Gotham“), die riesige Datenmengen aus völlig unterschiedlichen Quellen in rasender Geschwindigkeit verknüpft und analysiert. In  Deutschland wird Palantir-Software bereits in Hessen, BW und NRW) eingesetzt und soll angeblich die „Sicherheit“ der Bürger verbessern.  Organisationen wie die American Civil Liberties Union oder die Electronic Frontier Foundation kritisieren jedoch, dass die Datensammelei hinter dem Rücken der  Bürger passiert und zu „Predictive Policing“ (Vorhersage von Verbrechen) führt, wie man sie aus dem SciFi-Film „Minority Report“ kennt.

    Aber all das ist nur ein Baustein in Palantirs Weltbeherrschungsprogramm, das seit gestern im 22-Punkte-Manifest für jedermann nachlesbar ist. COMPACT dokumentiert das Papier vollständig – mit Kurzkommentaren in Kursiv von mir. Für faule Leser: Der für Deutschland brisanteste Punkt ist Nr. 15.

    Das Palantir-Manifest

    Die Technologische Republik, kurz zusammengefasst.

    1. Silicon Valley hat eine moralische Schuld gegenüber dem Land, das seinen Aufstieg ermöglicht hat. Die Ingenieurselite von Silicon Valley hat die affirmative Verpflichtung, sich an der Verteidigung der Nation zu beteiligen.

    Palantir hat Milliarden mit US-Staatsaufträgen verdient. Die „affirmative Verpflichtung“ besteht offensichtlich darin, die Kuh weiter zu melken.

    2. Wir müssen uns gegen die Tyrannei der Apps auflehnen. Ist das iPhone unsere größte kreative, wenn nicht gar krönende Leistung als Zivilisation? Das Objekt hat unser Leben verändert, aber es könnte nun auch unsere Vorstellungskraft einschränken und begrenzen.

    Palantir will Zugriff auf die Apps vom iPhone – das heißt auf die Kundendaten.

    3. Kostenloses E-Mail ist nicht genug. Die Dekadenz einer Kultur oder Zivilisation – und tatsächlich ihrer herrschenden Klasse – wird nur verziehen, wenn diese Kultur in der Lage ist, wirtschaftliches Wachstum und Sicherheit für die Öffentlichkeit zu liefern.

    Aha, kostenlose E-Mails sind ein Problem? Will man bei E-Mails „Wachstum“ und „Sicherheit“ fördern, muss der Benutzer mit mehr Kosten und Überwachung rechnen.

    4. Die Grenzen der Soft Power, des alleinigen erhabenen Rhetorik, wurden entlarvt. Die Fähigkeit freier und demokratischer Gesellschaften, zu bestehen, erfordert mehr als moralische Ansprache. Sie erfordert Hard Power, und Hard Power in diesem Jahrhundert wird auf Software aufgebaut.

    Soft Power war das Konzept der Bunten Revolutionen, von Soros und Co. . Palantir hält diese indirekten Regime-Wechsel für gescheitert und setzt, wie die Trump-Regierung, auf Hard Power, also den Einsatz von Militär beim Regimesturz, und bietet dafür seine Software an.

    5. Die Frage ist nicht, ob KI-Waffen gebaut werden; es geht darum, wer sie baut und zu welchem Zweck. Unsere Gegner werden nicht innehalten, um sich in theatralischen Debatten über die Vorzüge der Entwicklung von Technologien mit kritischen militärischen und nationalen Sicherheitsanwendungen zu ergehen. Sie werden weitermachen.

    Palantir will alle Aufträge für KI-Waffen an sich ziehen – und kritische Diskussion als Ablenkungsmanöver „unserer Gegner“ unterdrücken.

    6. Nationaldienst sollte eine universelle Pflicht sein. Wir sollten als Gesellschaft ernsthaft in Erwägung ziehen, von einer rein freiwilligen Armee wegzugehen und den nächsten Krieg nur zu führen, wenn alle das Risiko und die Kosten teilen.

    Schmerzhaft klar: Palantir will Wehrpflicht für alle und verkauft das als eine Form von Solidarität („Risiko teilen“).

    7. Wenn ein US-Marine nach einem besseren Gewehr fragt, sollten wir es bauen; und dasselbe gilt für Software. Wir sollten als Land in der Lage sein, eine Debatte über die Angemessenheit militärischer Aktionen im Ausland fortzusetzen, während wir unerschütterlich bei unserem Engagement gegenüber denen bleiben, die wir gebeten haben, sich in Gefahr zu begeben.

    Palantir will Aufträge für militärische Hard- bzw. zugrunde liegende Software. „Aktionen im Ausland“, also Kriege,  erhöhen das Auftragsvolumen.

    8. Staatsdiener müssen nicht unsere Priester sein. Jede Firma, die ihre Mitarbeiter so entlohnt wie die Bundesregierung ihre Staatsdiener, würde ums Überleben kämpfen.

    Plädoyer für die Privatisierung von Staatsaufgaben und für Gehaltssenkung bei Staatsangestellten.

    9. Wir sollten denen, die sich dem öffentlichen Leben unterworfen haben, weit mehr Gnade erweisen. Die Auslöschung jeglichen Raums für Vergebung – das Verwerfen jeglicher Toleranz für die Komplexitäten und Widersprüche der menschlichen Psyche – könnte uns mit einer Besetzung von Figuren an der Spitze zurücklassen, die wir zu bereuen lernen werden.

    Klingt gut, ist aber im Kern ein Plädoyer für „Gnade“ gegenüber den Epstein-Tätern.

    10. Die Psychologisierung der modernen Politik führt uns in die Irre. Diejenigen, die in die politische Arena blicken, um ihre Seele und ihr Selbstgefühl zu nähren, die zu sehr darauf vertrauen, dass ihr inneres Leben in Menschen Ausdruck findet, die sie vielleicht nie treffen, werden enttäuscht zurückbleiben.

    Klingt aktuell nach: Bitte nicht psychologisierend auf Trump blicken und die Frage stellen, ob er, auch im klinischen Sinne, verrückt ist.

    11. Unsere Gesellschaft ist zu begierig geworden, den Untergang ihrer Feinde zu beschleunigen, und oft freudig erregt darüber. Die Besiegung eines Gegners ist ein Moment zum Innehalten, nicht zum Jubeln.

    MarschbefehL Triumphe kalt genießen und weitermachen.

    12. Das Atomzeitalter endet. Ein Zeitalter der Abschreckung, das Atomzeitalter, endet, und ein neues Zeitalter der Abschreckung, aufgebaut auf KI, steht bevor.

    Was eine Gefahr für die Menschheit ist, wird hier gefeiert – auch, weil es fette Profite für den KI-Hersteller Palantir bringt.

    13. Kein anderes Land in der Geschichte der Welt hat progressive Werte mehr vorangetrieben als dieses. Die Vereinigten Staaten sind weit davon entfernt, perfekt zu sein. Aber es ist leicht zu vergessen, wie viel mehr Gelegenheit in diesem Land für diejenigen existiert, die nicht zu den erblichen Eliten gehören, als in irgendeiner anderen Nation auf dem Planeten.

    God’s own Country – mit einem höheren Anteil an Armen und einer schlechteren Krankenversicherung als selbst Albanien.

    14. Die amerikanische Macht hat einen außergewöhnlich langen Frieden ermöglicht. Zu viele haben vergessen oder nehmen es vielleicht als selbstverständlich hin, dass fast ein Jahrhundert einer Art von Frieden in der Welt geherrscht hat, ohne einen großen militärischen Konflikt zwischen Großmächten. Mindestens drei Generationen – Milliarden von Menschen und ihre Kinder und nun Enkelkinder – haben einen Weltkrieg nie gekannt.

    Die verbrannte Erde in Korea, Vietnam, Irak, Jugoslawien, Libyen und aktuell Iran loht keine Erwähnung. Sind ja nur Untermenschen.

    15. Die Nachkriegsekastration von Deutschland und Japan muss rückgängig gemacht werden. Die Entwaffnung Deutschlands war eine Überkorrektur, für die Europa nun einen hohen Preis zahlt. Ein ähnliches und hochgradig theatralisches Engagement für den japanischen Pazifismus wird, wenn es aufrechterhalten wird, auch drohen, das Machtgleichgewicht in Asien zu verschieben.

    Palantir will Deutschland und Japan natürlich nur deswegen (wieder) stark machen, damit wir (wieder) für die Interessen der angloamerikanischen Eliten in den Krieg ziehen. Wir sollen Truppen für den globalen Tech-Faschismus stellen, als Leimrute dorthin (für anfällige #Westextreme) wird der deutsche Nationalismus (wieder) gepampert… Genau so, wie die Wall Street Hitler gepampert hat…

    16. Wir sollten denen applaudieren, die versuchen zu bauen, wo der Markt versagt hat zu handeln. Die Kultur kichert fast über Musks Interesse an großen Narrativen, als ob Milliardäre einfach in ihrer Spur des Selbstbereicherung bleiben sollten . . . . Jegliche Neugier oder echtes Interesse am Wert dessen, was er geschaffen hat, wird im Wesentlichen abgetan oder lauert vielleicht unter einer dünn verhüllten Verachtung.

    Tech-Barone, die die Kultur fördern und neue Welten erobern wollen, sind die Nachfahren des aristokratischen Mäzenatentums. Bei einem Privatvermögen von 400 Milliarden euro weiß der Musk doch gar nicht mehr, wohin mit dem Geld. Der Applaus gilt der Wiedereinführung der Aristokratie im technologischen Gewand.

    17. Silicon Valley muss eine Rolle dabei spielen, Gewaltverbrechen anzugehen. Viele Politiker in den Vereinigten Staaten haben bei Gewaltverbrechen im Wesentlichen mit den Schultern gezuckt und ernsthafte Bemühungen aufgegeben, das Problem anzugehen oder irgendwelche Risiken mit ihren Wählern oder Spendern einzugehen, um Lösungen und Experimente zu finden – in einem verzweifelten Versuch, Leben zu retten.

    Palantir will „Predictive Policing“ (Vorhersage von Verbrechen) machen, wie man sie aus dem SciFi-Film „Minority Report“ kennt: Potenzielle Verbrecher aus dem Verkehr ziehen, bevor sie reale Verbrechen begangen haben. Rechtsstaat war gestern.

    18. Die rücksichtslose Bloßstellung des Privatlebens öffentlicher Figuren vertreibt bei weitem zu viel Talent aus dem Staatsdienst. Die öffentliche Arena – und die flachen und kleinlichen Angriffe gegen diejenigen, die es wagen, etwas anderes zu tun, als sich zu bereichern – ist so unerbittlich geworden, dass die Republik mit einer beträchtlichen Liste an wirkungslosen, leeren Gefäßen zurückgelassen wird, deren Ambition man verzeihen würde, wenn nur irgendeine echte Glaubensstruktur darin lauerte.

    Übersetzt: Gnade für die Epstein-Täter.

    2021 erschienen und mehrfach aktualisiert: Biografie über Peter Thiel. Foto: FBV

    19. Die Vorsicht im öffentlichen Leben, die wir unwissentlich fördern, ist ätzend. Diejenigen, die nichts Falsches sagen, sagen oft gar nichts Bedeutendes.

    Nach den Sprechverboten der Wokeness kommt jetzt die Zeit, in der man jede Schweinerei aussprechen kann – solange sie auf Linie des Regimes ist. Die Linie bestimmt der Algorithmus, den Karp programmiert.

    20. Die durchdringende Intoleranz gegenüber religiösem Glauben in bestimmten Kreisen muss widerstanden werden. Die Intoleranz der Elite gegenüber religiösem Glauben ist vielleicht eines der sprechendsten Zeichen dafür, dass ihr politisches Projekt eine weniger offene intellektuelle Bewegung darstellt, als viele darin behaupten würden.

    Im Prinzip richtig, hat aber, seit Trump sich von einer wahnsinnigen Evangelikalen, seiner spirituellen Beraterin, in einen Endzeit-Krieg treiben lässt, einen giftigen Beigeschmack.

    21. Einige Kulturen haben vitale Fortschritte hervorgebracht; andere bleiben dysfunktional und regressiv. Alle Kulturen sind nun gleich. Kritik und Werturteile sind verboten. Doch dieses neue Dogma verschleiert die Tatsache, dass bestimmte Kulturen und tatsächlich Subkulturen .Wunder hervorgebracht haben. Andere haben sich als mittelmäßig erwiesen, und schlimmer noch, als regressiv und schädlich.

    Das ist offener Rassismus, nur dass man statt von minderwertigen „Rassen“ von minderwertigen „Kulturen“ spricht, die offensichtlich der Führung (ggf. nach vorheriger Niederschlagung) durch den göttlichen Westen bedürfen.

    22. Wir müssen der flachen Versuchung eines leeren und hohlen Pluralismus widerstehen. Wir in Amerika und breiter im Westen haben in den letzten einem halben Jahrhundert widerstanden, nationale Kulturen im Namen der Inklusivität zu definieren. Aber Inklusion in was?

    Wie schon Palantir-Gründer Peter Thiel sagte: „Ich glaube nicht mehr länger, dass Demokratie und Freiheit miteinander vereinbar sind.“ Staat Pluralismus soll  es wieder echte „nationale Kultur“ geben. Wie aber soll sich „nationale Kultur“ ohne das Wechselspiel des Pluralismus herausbilden? Soll die vom Algorithmus ermittelt werden? Das Ganze riecht nach Gleichschaltung und  „gesundem (algorithmischem!) Volksempfinden“.

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