Unser Tipp für den Sommerurlaub: In Haithabu trieben die Wikinger einst regen Handel mit der ganzen Welt. Das Museum mit rekonstruiertem Wikingerdorf lässt die alte Zeit auch in dieser Sommersaison wieder aufleben. Den Reiseführer dazu erhalten Sie hier.
Hoch im Norden unseres Landes, in der Nähe der heutigen Stadt Schleswig, befand sich einst eines der bedeutendsten Handelszentren Europas. Die Wikingersiedlung Haithabu am Haddebyer Noor wurde um 770 n. Chr. von den aus Schweden stammenden Warägern gegründet – jenem Stamm, der über 100 Jahre später auch am Anfang der Kiewer Rus stand.
Haithabu bildete das Zentrum eines Handelsnetzes, das sich später über ganz Europa erstreckte und bis in den Orient reichte. Bei Ausgrabungen fand man Verkaufstheken von bis zu 40 Metern Länge. Die Exportmärkte lagen für mittelalterliche Vorstellungen auf der ganzen Welt: in London, Nowgorod, Bagdad, Kiew und Byzanz. In der Wikingersiedlung an der Schlei gab es Rheinwein und Chinaseide, Friesentuch und arabische Münzen – für die damalige Zeit exotische Waren.
Das Wikingerdorf – eine Weltsensation
Das Erbe der Nordmänner lebt fort, denn heute erinnert das Wikinger-Museum Haithabu mit Freilichtanlage an diese außergewöhnliche Vergangenheit. Direkt am Ufer des Haddebyer Noors gelegen, gehört der Komplex zu den wichtigsten archäologischen Stätten Deutschlands. Bereits das Museumsgebäude selbst verbindet auf eindrucksvolle Weise moderne Architektur mit der Welt der Wikingerzeit. «Der Neue Ahnenreiseführer» weist Ihnen den Weg.
Zahlreiche Originalfunde aus den Ausgrabungen von Haithabu geben Einblicke in das Leben der Händler, Handwerker und Seefahrer vor über tausend Jahren. Zu sehen sind Waffen, Werkzeuge, Schmuck, Münzen und sogar Überreste von Schiffen, die von der Bedeutung der einstigen Handelsmetropole erzählen.

Besonders eindrucksvoll ist die angeschlossene Freilichtanlage mit einem rekonstruierten Wikingerdorf. Entlang des Ufers wurden mehrere Häuser originalgetreu nach archäologischen Erkenntnissen wieder aufgebaut. Besucher können durch enge Wege zwischen Werkstätten, Wohnhäusern und Lagergebäuden schlendern und erleben, wie die Menschen in Haithabu einst lebten und arbeiteten.
Mehrmals im Jahr erwacht das Dorf zu neuem Leben: Rauch steigt aus offenen Feuerstellen auf, Handwerker demonstrieren traditionelle Techniken, Darsteller in historischer Kleidung zeigen den Besuchern, wie das Leben damals war, Händler bieten edlen Silberschmuck feil – von Thorshämmern bis zu Armreifen.
Das Geheimnis des Runensteins
Zu den größten Attraktionen des Museums Haithabu gehören die spektakulären Originalfunde aus der Wikingerzeit. Besonders beeindruckend ist das Wrack eines Kriegsschiffes, das im ehemaligen Hafen entdeckt wurde und nun als Herzstück des Ausstellungsraumes bestaunt werden kann. Außerdem sind in den Schaukästen Waffen, Schmuck, Werkzeuge, Handelswaren und arabische Silbermünzen zu sehen – samt und sonders Originale, die auf dem Areal oder in der Nähe gefunden wurden.

Ein Kleinod der Sammlung ist der sogenannte Skarthestein. Dieser wurde 1857 südlich des Ortes Busdorf gefunden und trägt die altdänische Runeninschrift: «König Sven setzte diesen Stein nach [zum Gedenken an] Skarthe, seinem Gefolgsmann, der nach Westen [England] gefahren war, aber nun fiel bei Haithabu.» Gemeint ist entweder Sven Gabelbart oder Sven Estridsson. Beide waren dänische Könige im 11. Jahrhundert nach der Zeitenwende.
Runen waren nicht nur in Skandinavien gebräuchlich, sondern auch in anderen Regionen des germanischen Raumes, etwa entlang des Rheins, bei den Alemannen, im heutigen Bayern, in Brandenburg und Thüringen sowie in Pommern, Schlesien und Böhmen. Entsprechende Funde im Norden und Osten lassen sich auf die Zeit vor der Völkerwanderung (200–500 n. Chr.), die im Süden und Westen auf das Ende jener Epoche (500–700 n. Chr.) datieren.
Dabei dominierte das aus 24 Buchstaben bestehende ältere Futhark – benannt nach den die ersten sechs Zeichen der Runenreihe (ᚠᚢᚦᚨᚱᚲ, F–U–TH–A–R–K) – im mittel- und nordeuropäischen Raum, während die Wikinger hauptsächlich das jüngere Futhark mit 16 Zeichen verwendeten. Darüber hinaus war in Britannien ab dem 5./6. Jahrhundert n. Chr. das Anglofriesische Futhorc in Gebrauch, das 31 Runen umfasste, aber nur ungefähr bis zum Jahr 1000 verwendet wurde.
Während sich das jüngere Futhark ab dem Beginn der Wikingerzeit zu einer reinen Gebrauchsschrift entwickelte, sind von den heute bekannten über 6.500 Runendenkmälern nur etwa 350 mit Zeichen des älteren Futharks versehen und somit dem germanischen Altertum und der Völkerwanderungszeit zuzurechnen.
Veranstaltungen im Sommer
Die Kombination aus Museum, Ausgrabungsstätte und Freilichtdorf macht Haithabu zu einem einzigartigen Ort der Geschichtsvermittlung. Hier wird die Welt der Wikinger nicht nur erklärt, sondern unmittelbar erfahrbar. Ein Besuch im Sommerurlaub lohnt sich, zumal im rekonstruierten Wikingerdorf ab Juni wieder besonders viel geboten wird. Besucher können historische Handwerke erleben, selbst aktiv werden und bei großen Märkten in die Welt der Wikinger eintauchen.
Am 6. und 7. Juni dreht sich alles um Pfeil und Bogen. Kinder und Familien können eigene Pfeile bauen und anschließend das Bogenschießen ausprobieren. Parallel dazu gibt es einen Workshop zum traditionellen Brettchenweben, bei dem die Herstellung farbenfroher Wikingerborten gezeigt wird. Ein besonderes Ereignis ist zudem der Welterbetag von Haithabu und Danewerk am 7. Juni. Rund um die Wikingerhäuser und auf der Ansgarwiese finden Vorführungen, Mitmachaktionen und Informationen zum UNESCO-Welterbe statt.
Der große Sommermarkt zählt dann zu den absoluten Höhepunkten der Saison. Vom 9. bis 12. Juli schlagen mehr als 300 Händler und Handwerker ihre Zelte rund um die Wikingerhäuser auf. Besucher erleben mittelalterlichen Handel, Schmiede, Weber, Bernsteinschleifer und viele weitere historische Gewerke in authentischer Atmosphäre. Auch im August bleibt das Gelände lebendig.
Während des Baltic Open Air vom 19. bis 22. August gibt es zusätzlich ein Wikingerdorf mit Vorführungen, Bogenschießen, Axtwerfen und historischen Lagern in unmittelbarer Nähe von Haithabu. Und auch während der Wikingertage im nahegelegenen Schleswig (7. bis 9. August) ist ein Abstecher nach Haithabu Pflicht.
Haithabu, Irminsul, Sachsenhain und vieles mehr: «Der Neue Ahnenreiseführer» zeigt Ihnen die bedeutendsten Kult- und Siedlungsstätten unserer Vorfahren in ganz Deutschland und Europa. Mit Hintergrundinformationen und Wegbeschreibungen. Hier bestellen.





