_ von Frank Rosenwelt

    NATO höhlt Parteien aus

    Angenommen, es gäbe in Deutschland keine Geheimdienste wie CIA, BND und Mossad, die ihre Influencer in Chefredaktionen und Partei-Netzwerken platzieren: Wer Frieden mit Russland will, sollte dennoch hypothetisch davon ausgehen, dass es sie gibt! Und dass sie in Parteien – meist noch raffinierter als gedacht – für den ganz großen NATO-Krieg intrigieren und dafür beim Kleingeist andocken. Dazu verwerten sie auch Psychodiagramme von echten Friedensfreunden und abgehörte Telefonate. Besonders, um – vor allem vor Wahlen – solche Partei-Größen zu skandalisieren und zu demontieren, die über dem Tellerrand mit Pöstchengemüse für Prinzipien wie Abrüstung, nationale Souveränität und Gerechtigkeit realisierbare Perspektiven entfalten. Und die dafür sogar – wie Tino Chrupalla – auf der paramilitärisch-ukrainischen Todesliste „Myrotvorets“ stehen.

    Nun, eine Woche nach dem AfD-Bundesparteitag, lichtet sich auch hier mancher Nebel. Tino Chrupalla hatte noch am 23.6.26 beim wöchentlichen Pressestatement gerade die westdeutsche Herzkammer in der Tiefe angesprochen: „Das deutsche Volk will keinen Krieg“. Und sich offen auf Willy Brandt bezogen: Russland sei untrennbar mit der europäischen Geschichte verflochten – wirtschaftlich, kulturell und politisch. Kleingeistige NATO-Netzwerker mit wessi-elitärem CDU-Hintergrund um Junge Freiheit, Münzenmeier, Frohnmeier, Tritschler & Co schworen Rache. Der Landtagsabgeordnete Dominik Kaufner drehte auf und wollte sogar russische Kriegsdenkmäler schleifen lassen (ausgerechnet in Brandenburg, wo Russenfeindlichkeit nicht eben zur politischen DNA gehört).

    Gleichwohl hielten vor dem Parteitag – zumindest nach außen – die finanzmarktfeste Alice Weidel und der sächsisch-schlesische Eroberer der Wähler-Herzen, Tino Chrupalla, an der komplementären Doppelspitze fest, um auch weiterhin auf zwei festen Beinen im Boden neuer Mehrheiten voran gehen zu können.

    Der einzige einigermaßen unabhängige Kopf, den das öffentlich-rechtliche Fernsehen noch zulässt, ist SPD-Mitglied Professor Wolfgang Schröder, der zwar den russischen Ukraine-Einmarsch kritisiert, aber für mehr Diplomatie und Verhandlungstisch statt Aufrüstung plädiert. Als ARD & Co noch auf dem Erfurter Parteitag die 70 Prozent für Tino Chrupalla gegenüber den 81% für Weidel zum Debakel für Chrupallas eigenwillige Friedens-Perspektiven umzubauschen versuchten, widersprach Professor Schröder auf „Phoenix“:

    „Chrupalla ist mindestens so wichtig wie Weidel… er ist ein Asset für diese Partei … Welche Partei hat schon einen Handwerksmeister als Vorsitzenden?“

    Aber – wie weiland Oskar Lafontaine in SPD und Linkspartei – hatte auch das deutsch-deutsche Ausnahme-Talent Tino Chrupalla arglos wenig auf „Intrigennetzwerkerei in der Parteischlangengrube“ gesetzt. Viel mehr auf seine Aussenwirkung in Ost UND West. Auf Versöhnung in dieser „Jeder-gegen-jeden-Cancelculture“ im Vaterland. Und auf Argumente. So in seinem neuen Buch „Handwerk – Meister – Politik“, die gelegentlich nach Bert Brechts nationaler Front in der „Kinderhymne“ klingen:

    „Und weil wir dies´ Land verbessern/ lieben und beschirmen wir’s/ und das liebste mag`s uns scheinen/ sowie anderen Völkern ihrs“.

    So will Chrupalla Deutschland nichtkriegerisch stärken: durch Re-Industrialisierung; mit mehr materiell untersetztem Respekt vor der Arbeitskraft; Widerstand gegen rosa-giftgrüne Mediendiktate; Umwidmung der Blackrock-Kriegsmilliarden zugunsten von Jobs, Mittelstand und nationalstaatliche Sicherheit und durch Zurückstutzen von lähmendem Bürokratismus.

    Ergebnis des Erfurter Parteitages im Juli 2026: Der neue AfD-Bundesvorstand. Foto: COMPACT

    Ausnahmepolitiker und Parteischlangengrube

    Dafür wird Chrupalla geliebt. Dass aber der Prophet im eigenen Land wenig gilt, besonders in der eigenen Partei, wollten intrigante Tiefstaatler mit Delegierten-Netzwerken so ausnutzen wie NATO-Medien. Was scheren da Außenwirkung und Charisma,  Argument und Weitblick? Auf dem Parteitag sollte er büssen.

    Wie smart hatten die NATO-Dienste doch nach dem Krieg schon ihre CDU ausgehöhlt: statt christlicher Friedensbotschaft und Ahlener Parteiprogramm wurde die CDU umgebaut zum Garanten für Wiederaufrüstung und Herrschaft der Deutschen Bank. Dann kam die SPD dran: statt des Handwerksmeisters August Bebel steht sie heute für Pistorius und Überschallraketen. Auch die FDP blieb nicht ungeschoren: statt Mittelstand wurden Mehrwertsteuererhöhungen ihr Markenzeichen, nebst Strack-Zimmermanns Rheinmetall. Besonders wirksam intrigierten die Dienste in den Grünen: statt Petra Kelly gediehen Fischers Überfall auf Jugoslawien und Baerbocks woke Umerziehungsdiktatur. Bei PDS und Linkspartei blieben zwar SED-Millionen verschwunden, dafür hüpft Deutschlands ewiger Verstellungsakrobat Ego Gysi kichernd über parlamentarische Kasperbühnen und Talks. Von wo er gläubigen Wählern mal den Ossi-Versteher und mal den Kriegsgegner vorgaukelt. Sich dies aber regelmässig von US-Botschaften und anderen Geheimkräften akkreditieren ließ.

    Beim BSW schien der parteiüblich-üble Prinzipienverzehr durch medienführbare Mandatsmaden zunächst leichtes Spiel. Allerdings kommt jetzt doch so eine Art Gegenbewegung. Zunächst hatte es beim BSW-Vorstand im März noch eine hitzige Kontroverse gegeben um MdEP Ruth Firmenich (BSW), die gemeinsam mit MdB Rainer Rothfuss (AfD) und Eugen Drewermann im Februar 2026 gegen die Münchner SIKO aufgetreten war. Aber Umfrage-Abstürze und prominente Austritte führten dann in der BSW-Spitze – kurz vor dem AfD-Bundesparteitag – doch zu einem Kurswechsel in Richtung AfD: zugunsten gemeinsamer „öffentlicher Auftritte“ in Sachsen-Anhalt, zu Selbstkritik an den „Anfängerfehlern“ bei den BSW-Koalitionen in Thüringen und Brandenburg (Fabio de Masi bei Lanz) und zu plötzlichen Neubewertungen. Lafontaine: „Die Außenpolitk der AfD ist links!“

    Die Doppelspitze wurde bestätigt: Tino Chrupalla und Alice Weidel bleiben AfD-Chefs. Foto: COMPACT

    Tino Chrupalla vermochte weitsichtig in den jüngsten Gesprächsangeboten des BSW das Vergiftete zu unterscheiden von neuen Zeichen: für Sachsen-Anhalt, aber auch für die kommenden Landtagswahlen im Westen – bis hin zur nächsten Bundestagswahl. Der Brandmauer-Isolationismus soll nämlich nicht nur der Demokratie schaden, sondern langfristig (siehe: Geert Wilders in den Niederlanden) auch der AfD mit ihrem Anspruch, Volkspartei zu sein und zu werden.

    Parteivorsitzender Chrupalla hatte bereits gegen den Völkermord im Gaza (bei Unwillen der Jungen Freiheit), für die Schülerbewegung gegen Wehrpflicht und sogar für Meinungsfreiheit Linker gegen EU-Willkür (Hüseyin Dogru, Jacques Baud) parteiintern tragfähige und in der Wählerschaft populäre und in der AfD-Spitze tragfähige Positionen erarbeitet.

    Was die „Tiefstaatler“ rasend machte. Auf dem AfD-Bundesparteitag musste eine Kräfteverschiebung her! Also: für die „Transatlantiker“! Und gegen Chrupalla ein möglichst miserables Wahlergebnis! Das aber schafften sie am letzten Samstag nicht: zwar erhielt Chrupalla elf Prozent weniger als vor zwei, aber über 15% mehr als bei seinem Antritt vor vier Jahren. Denn – und da hat auch Professor Wolfgang Schröder recht – nie war Chrupalla für die AfD so wertvoll wie heute!

    Frieden mit Russland, russischem Gas und vernünftigem Handel kann durchaus nicht nur ostdeutsche Wählermillionen erreichen – auch wenn die Dienste die Medienmär vom lernunfähigen Westen ständig in redaktionelle und parteiintrigante Netzwerke einspeisen: dieser Frieden muss im Westen nur eben anders und geduldiger dekliniert werden!

    Sicher, im Osten kann man sich an Russen erinnern, die morgens keine „arischen“ Babies futtern, an „Schwerter zu Pflugscharen“ und an Gorbatschow. Aber: gab es im Westen nicht Willy Brandt (1972: 45,8% plus Scheel 8,4%) für die Ostverträge? Dann die Millionen Demonstranten 1982 in Bonn und Mutlangen gegen US-Atomraketen? Sowie danach Gerhard Schröder, dessen Freundschaft mit Putin und Nordstream? Deren breite Mehrheiten im Westen waren doch nicht einfach so weggestorben?!

    Tino Chrupalla: Der Sachse führt gemeinsam mit Alice Weidel die AfD. photocosmos1 / Shutterstock.com

    BRICS-Breite auch in Deutschland?

    Wo sich Machteliten immer dreister ihre Willkür bahnen – ob für Krieg, Migrationswahn oder Corona-Diktate – sind auch die mitschuld, die darüber nur jammern und zürnen, aber den Widerstand nicht praktisch zu bündeln versuchen. Darum soll hier noch ein anderer Blick gewagt werden – fort vom Kleingeist eines Parteitags. Hin zu Größerem, zur aktuell geostrategischen Lage.

    Unsere westlichen Geheimdienste und deren Medien wachen nämlich so knurrend wie Zbigniew Brzezinski weiland über die drohende Annäherung von Russen und Deutschen darüber, dass sich AfD und BSW niemals näher kommen. In Parlamenten nie, auf der Straße nie und nie für Frieden. Also, sollte es doch einen „tiefen Staat“ geben: der dürfte sich jetzt anlässlich jüngster AfD-Intrigen gegen Chrupalla vor Schadenfreude die Schenkel wundgeklopft haben. Gemeinsam mit Merz und Pistorius, mit Linkspartei, Grünen und SPD.

    Die Angriffslust des herrschenden Blocks war durch das jüngste Intrigieren in der AfD befeuert worden: Biontech-Lakai Jens Spahn fordert jetzt gar mit demokratievernichtender Dreistigkeit, Björn Höcke das passive Wahlrecht zu entziehen. Demnächst dürfte wohl jedem/r Politiker/in, die/der seine Zustimmung zur Ausdehnung Großisraels und zur NATO-Osterweiterung verweigert, künftig das Wahlrecht entzogen werden.

    Ja, es ist die Geopolitik als ganz große Größe, um die es hinter Verbotsdrohungen, „Verfassungschutz“, aber auch hinter kleinen und kleingeistigen Partei-Internas geht. Da verkündete Luftwaffeninspekteur Holger Neumann gerade dem britischen „Telegraph“: „We are ready to fight tonight!“ Und er meinte: Russland! Dazu ruhte der See jämmerlich still. Im Bundestag wie in der brandmauerbewehrten Friedensbewegung. Die ist ohnehin seit Jahren gespalten und überschreitet die Obergrenze von 30-40.000 am Brandenburger Tor nach gesamtdeutscher Mobilisierung nicht. Weil eben kein Alt-Linker mit jemandem von der AfD fotografiert werden will – und vice versa. Trotz aller Bedrohungen aus Ramstein und jetzt: trotz der US-Tomahawk-Lieferungen – GEGEN uns Deutsche.

    Ja, drei- bis vierhunderttausend – wie 1982 in Bonn – wären schon nötig, um Aufrüster*innen und Säbelrassler*innen Einhalt zu gebieten. Oder, sagen wir es zugespitzter: um in Deutschland Patrioten von links und rechts zusammenzubringen. Also in Wahrheit: um einen dritten Weltkrieg zu verhindern. Dabei geht es nicht um (Un-)Beliebtheitswerte für Putin oder „Mullahs“ in West- oder Ostdeutschland. Sondern um nichts Geringeres als ein atomares Inferno. Weil uns nichts weniger droht in der Ukraine oder auch im Dauerkonflikt von USA/Netanjahu mit dem Iran, mit China und lateinamerikanischen Staaten.

    Die USA haben die BRICS-Staaten zwar als Gefahr für ihre unipolare Herrschaft auf dem Schirm. Zunächst aber taten sie, was sie immer taten: BRICS-Köpfe absäbeln (Irak, Libyen, Syrien, Venezuela, Iran). Hernach kamen die (immer nur anfänglich erfolgreichen) Luftschläge. Aber innerhalb des Pentagon bis in den „tiefen Staat“ der CIA verlaufen Risse entlang der Fragestellung, was gegen die BRICS – außer Luftschlägen – für ein Kraut gewachsen sein könnte, sprich: welche Bodentruppen. In diese strategische Unsicherheit hatte Netanjahu gestoßen, als er Trump – wahrscheinlich auch mit Geheimdienst-Fakes über eine schnell-triumphale iranische Opposition unter dem Schah-Sohn Pahlawi – in das Iran-Desaster hineingetrickst hatte.

    So, wie Selenskys zusammengekaufter Söldnertruppe allmählich die Leute ausgehen oder – laut Scott Ritter – davon 150.000 Mann desertierten, lief es dann auch gegen den Iran nicht so gut. Dank modernster Militärtechnologie aus Russland, China usw., dank gelieferter funkelektronisch, satelitengestützter Echtzeitdaten, dank luftkosmischer Komplexe wie S-500, dank Bunkervertiefungen und dank der Zerstörung von 13 US-Stützpunkten und des US-CENTCOM-Hauptquartiers in Katar, war nach 12 Tagen die US-israelische Luftüberlegenheit passé, blieb Hormuz iranisches Faustpfand  – und Trump nur noch Gesichtswahrung.

    Konferenz BRICS-Europa am 15. und 16. November 2025 in Sotschi am Schwarzen Meer: Die Teilnahme von drei AfD-Politikern führte in Deutschland zu einem Sturm im Wasserglas. Foto: COMPACT, Dominik Reichert

    Die BRICS-Staaten stehen also weder ökonomisch noch militärisch aussichtslos da. Und wie war ihnen das gelungen? Sie haben halt über althergebrachte Schützengräben hinweg kooperiert, so auch über „Rechts-Links-Ettikette“, die seit der französischen Nationalversammlung von 1789 unhinterfragt blieb. Es gelang ihnen eine Annäherung, die Ewiggestrige in Deutschland für unaussprechbar halten und die Medien und West-Geheimdienste torpedieren, damit rechte Patrioten und linke Humanisten auf ewig auseinander bleiben. Aber ohne den BRICS-Brückenbau hätten indische Hindu-Nationalisten nie mit chinesischen Kommunisten, ein brasilianischer Gewerkschafter wie Lula nicht mit religiösen Kräften im Iran und in der Türkei kooperieren können.

    Deutschland braucht auch eine Art „BRICS-breiter“ Volksfront, eine Friedensbewegung, um Europa (inklusive Russland) zu einem Drehkreuz der Vernunft auszubauen. Mit der rentablen Perspektive für konkurrenzlos billiges Gas aus Russland, um Handelskriege zu entschärfen, KI-Entwicklungen zu pluralisieren und um wieder einen lukrativen Handel zu ermöglichen, der Mittelstand und Arbeitsplätzen in Deutschland auf die Beine hilft. Und für Meinungsfreiheit.

    Wir brauchen Leute wie Tino Chrupalla und die 70 Prozent, die ihn auf dem Parteitag im Amt bestätigt haben. Und noch viel mehr Korrektur von geheimdienstgestützter Kleingeistigkeit im politischen Berlin, in Landesparlamenten und, jawoll, auch als kleine deutsche Resonanz auf BRICS-Breite im ganz Großen: gegen einen dritten Weltkrieg.

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