Über Adolf Hitler sind vermutlich so viele Bücher geschrieben worden, dass sie ganze Bibliotheken füllen könnten. Doch keiner hat sich dem NS-Diktator so genähert wie der Historiker Rainer Zitelmann. Seine legendäre Biografie „Hitler. Selbstverständnis eines Revolutionärs“ ist in einer erweiterten Neuauflage erschienen. Hier mehr erfahren.
Für Historiker wie Ernst Nolte war Hitler vor allem ein Antikommunist. Doch Brendan Peter Simms, Professor am Centre of International Studies der Universität Cambridge, sieht das anders. Für ihn hatte der NS-Diktator vor allem eine tief sitzende Aversion gegen den Kapitalismus.
In seinem Buch „Hitler. Eine globale Biographie“ (2020) schreibt Simms:
„Die anglo-amerikanische kapitalistische Weltordnung, gegen die Hitler revoltierte, bestimmte seine gesamte politische Laufbahn.“
Und Hitlers Judenhass, so fügt der US-Historiker hinzu, habe „weniger in seinem Hass gegen die radikale Linke“ gewurzelt, „als vielmehr in seiner Feindschaft gegenüber der globalen Hochfinanz“. Der Kommunismus habe in Hitlers Gedankenwelt „nicht mehr als eine Nebenrolle“ gespielt. Sein ganzes Denken sei auf Großbritannien und vor allem die USA gerichtet gewesen.
Simms meint:
„Er war zum Gegner Großbritanniens und der Vereinigten Staaten geworden, bevor er zum Judenfeind wurde. Tatsächlich wurde er zum großen Teil sogar wegen seines Hasses auf die kapitalistischen anglo-amerikanischen Mächten zum Antisemiten.“
Das stellt vor allem das Hitler-Bild vieler Linker auf den Kopf. Nach deren herkömmlicher Deutung war der NS-Diktator nämlich vor allem ein Reaktionär, der nach marxistischer Doktrin einen verlängerten Arm des Kapitals bildete und dessen Interessen mit äußerster Radikalität durchsetzen wollte.
Der Revoluzzer aus Braunau
Noch erschütternder für Linke dürften die Erkenntnisse sein, die der Historiker Rainer Zitelmann über den „Führer“ zutage förderte, nachdem er – der zum Konservativen gewandelte Ex-Maoist – sich 1978 als Student der Geschichte und Politikwissenschaften an der Technischen Hochschule Darmstadt eingeschrieben hatte.
Zitelmann beschäftigte sich intensiv mit der bekannten Hitler-Biografie Joachim Fests, die ihn davon überzeugte, dass die ihm bestens vertrauten marxistischen Erklärungsansätze zur Entstehung des Dritten Reiches nicht überzeugend waren.
Er wollte dieser Sache selbst auf den Grund gehen und beschloss, auf diesem Feld zu promovieren. 1987 erschien das Ergebnis: „Hitler. Selbstverständnis eines Revolutionärs“. Diese Doktorarbeit brachte Zitelmann nicht nur die Bestnote „Summa cum laude“ ein, sondern erweiterte auch die NS-Forschung um wichtige Aspekte.
So brachte der Autor Argumente dafür vor, dass Hitler in vielerlei Hinsicht nicht dem Typus eines Reaktionärs entsprach, sondern das Bürgertum rundweg ablehnte und Althergebrachtes überwinden wollte. Hitler dürfe demnach „keineswegs im politisch rechten Spektrum eingeordnet werden“, war Zitelmanns Schlussfolgerung.
So positiv die Rezeption unter manchen Historikern auf „Hitler. Selbstverständnis eines Revolutionärs“ ausfiel, so negativ war das Echo in Teilen der Presse, die völlig eine Verharmlosung des Nationalsozialismus witterten.
Der Politikwissenschaftler und Extremismusforscher Uwe Backes kam indes zu einem ganz anderen Urteil. Im Tagesspiegel schrieb er: „Das wichtigste Ergebnis der Arbeitet lautet: Hitler verstand sich selbst ohne Wenn und Aber als Revolutionär. Dahrendorfs und Schoenbaums These, wonach der Nationalsozialismus im sozialen Bereich revolutionierend und modernisierend gewirkt habe, ohne dies eigentlich beabsichtigt zu haben, muss revidiert werden. Vielmehr gelingt Zitelmann anhand zahlreicher Hitler-Äußerungen der Nachweis, dass ‚der Führer’ auf politischer, sozialer wie auch ökonomischer Ebene eine grundlegende Umgestaltung der bestehenden Verhältnisse anstrebte.”
Hitlers Weltanschauung
Zitelmanns essentiell wichtige Schrift war jahrelang vergriffen. Doch nun ist eine erweiterte Neuauflage dieses Standardwerks erschienen. Die aktuelle Ausgabe von „Hitler. Selbstverständnis eines Revolutionärs“ umfasst drei weiteren Aufsätzen Zitelmanns zum Thema. In einem ausführlichen Beitrag über „Hitler in der jüngeren Geschichtsschreibung (1996–2016)“ verdeutlicht er zudem die Aktualität der in seinem Klassiker aufgeworfenen Fragen.
Gegenüber dem Finanzportal Wallstreet Online gab der Autor, der heute als erfolgreicher Unternehmer tätig ist, dazu zu Protokoll:
„Als Historiker war die Hitlerforschung mein Spezialgebiet. Ich hatte mich jedoch 25 Jahre nicht mehr damit befasst. Jetzt wollte ich sehen, was die Forschung Neues erbracht hat und ob meine Forschungsergebnisse über Hitler noch Bestand haben. Diese Frage kann ich uneingeschränkt positiv beantworten. ‚Hitler. Selbstverständnis eines Revolutionärs‘ ist ja keine herkömmliche Biografie, sondern sozusagen die innere Biografie über Hitler, die seine Weltanschauung rekonstruiert – vor allem auf den Gebieten der Sozial- und Wirtschaftspolitik.“
Rainer Zitelmann kommt in „Hitler. Selbstverständnis eines Revolutionärs“ zu Erkenntnissen, die den heutigen Zeitgeist-Historikern nicht schmecken. Deswegen wird seine sensationelle Hitler-Biografie heute totgeschwiegen. Wir machen da nicht mit – und empfehlen Ihnen daher erst recht die erweiterte Neuauflage dieses einzigartiges Werkes (724 Seiten, gebunden). Hier bestellen.





