Zwei Wochen nach der Forderung, willkürlich jeden Tag mehrere Dutzend Palästinenser zu töten, sorgt Israels sog. Sicherheitsminister Itamar Ben-Gvir für den nächsten Eklat. Mit einem Video, in dem die industrielle Folter und mutmaßliche Tötung von Palästinensern propagiert wird. In unserer COMACT-Spezialausgabe „Schurkenstaat. Geschichte in Gegenwart Israels“ haben wir uns bereits ausführlich mit dem Vorsitzenden der Partei Otzma Jehudit (Jüdische Stärke) und seinen extremistischen Visionen befasst. Sichern Sie sich deshalb noch schnell ein Exemplar, denn wer die Wahrheit spricht, braucht ein schnelles Pferd. Hier bestellen!

    Es ist ein kurzer Clip, der für riesige Empörung sorgt. Zu sehen sind Palästinenser in braunen Häftlingsuniformen, die auf einem Fließband in einem Folterlager maschinell in eine mutmaßliche Vernichtungslage gebracht werden. Anfangs gut genährt, später jedoch abgemagert und dem körperlichen Ende nahe. Dazu die die Botschaft „Versprochen – gehalten“ – das ist die Aussage des Videos, bei dem sich Itamar Ben-Gvir sogar als derjenige inszeniert, der per Start-Knopf die Tötungsmaschinerie für diejenigen, die in seinen Augen keine Menschen zu sein scheinen und somit keinerlei Rechte genießen, startet. Eine irre Entgleisung, die jedoch kein Einzelfall, sondern die Fortsetzung einer menschenfeindlichen Agenda ist, die Ben-Gvir seit Jahren betreibt. Und dafür nicht etwa in einer Gefängniszelle schmort, sondern eines der höchsten Ämter des israelischen Staates bekleidet.

    Alle konnten es wissen! Das @BSWbund stand mit seiner Kritik am Völkermord in Gaza und der Forderung nach einem Stop der Waffenexporte an Israel lange Zeit alleine. Der israelische Sicherheitsminister bestreitet den Völkermord nicht. In seinem KI Video werden Palästinenser… pic.twitter.com/NQYc1gDvMJ

    — Fabio De Masi 🦩 (@FabioDeMasi) September 2, 2026

    Mehr als 4 Millionen Menschen sahen den Clip auf X, ehe das Video entfernt wurde – unklar ist jedoch, ob die Löschung durch die Mitarbeiter Ben-Gvirs erfolgten oder die Betreiber des sozialen Netzwerks die Reißleine zogen.

    Radikalster Hassprediger Israels

    Immer wieder fällt der israelische Hardliner damit auf, Misshandlungen palästinensischer Gefangener zu propagieren oder sich sogar selber damit zu brüsten. Dieser Vernichtungsdrang erreicht jetzt jedoch eine neue Stufe. Doch wie wurde Itamar Ben-Gvir zu solch einem Menschenfeind? Der religiöse Fanatismus, aus dem heraus seine Taten begangen werden, wurde ihm nicht in die Wiege gelegt, doch Ben-Gvir radikalisierte sich bereitsin seiner Jugendzeit. Parallel studierte er Jura. Als junger Mann war er glühender Anhänger des orthodoxen Rabbiners Meir Kahane, jenem Rabbi, dessen Partei Kach 1988 vom Obersten Gericht wegen ihrer offen arabophoben und rassistischen Ausrichtung von den Knesset-Wahlen verbannt worden war. 1994 wurde die Kach sowie ihre Abspaltung die Kach Chai schließlich verboten.

    Itamar Ben-Gvir in Scheich Dscharrah, einem ursprünglich arabischen Wohnviertel im von Israel annektierten Ostjerusalem (2022), Foto: שי קנדלר / de.wikipedia.org – CC BY-SA 4.0

    Einer von Meir Kahanes Anhängern erlangte zweifelhafte Berühmtheit: Der Terrorist Baruch Goldstein, der im Februar 1994 in Hebron 29 Muslime während des Gebets erschoss und mehr als hundert Menschen verletzte. Auch Jigal Amir, der 1995 Israels Premierminister Jitzchak Rabin hinterrücks erschoss, war von Kahanes Ideologie inspiriert. Das Bild von Goldstein schmückte jahrelang Ben-Gvirs Wohnzimmer, bis er es 2020 abnahm, um seine Parteikarriere voranzutreiben. Er distanzierte sich.

    2013 gründete Ben-Gvir mit zwei seiner Mitstreiter eine eigene Partei – die Otzma Jehudit. Bei der Knesset-Wahl 2022 kandidierte Otzma Jehudit im Bündnis mit Bezalel Smotrichs Religiös-Zionistischer Partei und feierte einen deutlichen Wahlerfolg. Im November 2022 wurde er Minister für Nationale Sicherheit. Kurze Zeit später, im Frühjahr 2023, spendierte Netanjahu seinem Sicherheitsminister eine eigene Polizeitruppe. Im Januar 2025 trat er wegen eines Gaza-Waffenstillstands zurück, kehrte aber im März 2025 in sein Amt zurück.

    Mehrere Länder sanktionierten Ben-Gvir bereits

    In dieser Machtposition gefällt er sich und schreckt vor Gewalt und Terror nicht zurück. Fünf Länder – Großbritannien, Australien, Kanada, Neuseeland und Norwegen – sanktionierten ihn und Finanzminister Bezalel Smotrich wegen des Verstoßes gegen die Menschenrechte. Er drängt auf die Wiedereinführung der Todesstrafe, verbot, dass palästinensische Terroristen in israelischen Gefängnissen frisches Brot bekommen und sorgt für die Bewaffnung radikaler Siedler.

    Schurkenstaat: Israel-Minister will tägliche Exekutionen!

    Im November 2025 lobte er die brutale Hinrichtung von zwei Palästinensern durch israelische Sicherheitskräfte. Zwei Videos, aufgenommen von gegenüberliegenden Gebäuden zeigen den Ablauf: Nachdem ein Bagger das Garagentor einzureißen begann, kamen zwei Männer hervor, hoben die Hände und zeigten, dass sie keine Sprenggürtel trugen. Auf Anweisung der Sicherheitskräfte legten sie sich auf die Straße. Dann befahl man ihnen, zurück unter das Tor zu kriechen. Kaum waren sie dort, eröffneten die Truppen das Feuer. Anschließend riss der Bagger das Tor ganz nieder, das über den Leichen der beiden Männer zusammenstürzte.

    Itamar Ben-Gvir hat bewiesen, dass man in Israel heute nicht mehr extremistisch genug sein kann, um vom israelischen Militär abgelehnt zu werden, aber sehr wohl extremistisch genug, um das Land mitzuregieren.

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