Im neuen Kinofilm The King’s Man: The Beginning  dient der Erste Weltkrieg als Kulisse für Superagenten, das Attentat von Sarajevo wird nochmals nachgezeichnet. In einer Nebenrolle taucht der Hellseher Erik Jan Hanussen auf. Wenn Sie mehr über die unglaubliche Geschichte dieses Mannes erfahren wollen, dann greifen Sie zu unserem Geschichts-Sonderheft Das okkulte Reich: Nazis und Esoterik. Hier mehr erfahren!

    In einem Extrablatt vom 28. Juni 1914 meldete der Korrespondent der Vossischen Zeitung:

    „Als der Erzherzog-Thronfolger Franz Ferdinand und seine Gattin, die Herzogin von Hohenburg, sich heute vormittag zum Empfang in das hiesige Rathaus begaben, wurde gegen das erzherzogliche Automobil eine Bombe geschleudert, die jedoch explodierte, als das Automobil des Thronfolgers die Stelle bereits passiert hatte. In dem darauffolgenden Wagen wurden der Major Graf Boos-Waldeck von der Militärkanzlei des Thronfolgers und Oberstleutnant Merizzi, der Personaladjudant des Landeshauptmannes von Bosnien, erheblich verwundet. Sechs Personen aus dem Publikum wurden schwer verletzt. Die Bombe war von einem Typographen namens Cabrinowitsch geschleudert worden. Der Täter wurde sofort verhaftet. Nach dem festlichen Empfang im Rathause setzte das Thronfolgerpaar die Rundfahrt durch die Straßen der Stadt fort. Unweit des Regierungsgebäudes schoß ein Gymnasiast der achten Klasse (Primaner) namens Prinzip aus Grabow aus einem Browning mehrere Schüsse gegen das Thronfolgerpaar ab. Der Erzherzog wurde im Gesicht, die Herzogin im Unterleib getroffen. Beide verschieden, kurz nachdem sie in den Regierungskonak gebracht worden waren, an den erlittenen Wunden.“

    Eine exorbitante Verschwörung

    Ganz so nüchtern geht es in dem Spionagefilm The King’s Man – The Beginning, der am 6. Januar spektakulär das Kinojahr 2022 eröffnen soll, nicht zu. Regisseur Matthew Vaughn nutzt stattdessen das Attentat von Sarajewo und den Weltenbrand, den es entfachte, für eine äußerst gewagte Neuinterpretation: Alles war eine exorbitante Verschwörung!

    Doch fangen wir dort an, wo auch der Film beginnt: in Südafrika. „Beschütze unseren Sohn und lass ihn nie wieder Krieg erleben!“ Das sind die letzten Worte, die Emily (Alexandra Maria Lara), die Frau des Herzogs von Oxford, sterbend an ihren Gemahl (Ralph Fiennes) richtet. Bei einem humanitären Einsatz während des Burenkriegs 1902 ist die junge Mutter tödlich verletzt worden. Das Versprechen, das seine Frau ihm abnimmt, wird zu einer schweren Hypothek für den Herzog. Denn ausgerechnet als sein Sohn Conrad (Harris Dickinson) das wehrfähige Alter erreicht, bricht der Erste Weltkrieg aus und Conrad will nicht, dass die guten Verbindungen, die sein Vater zum Militär in Gestalt des berühmten Generals Herbert Kitchener (Charles Dance) hat, ihn in rufschädigender Weise vor einem Fronteinsatz bewahren. „Ruf ist, was die Leute von uns denken“, kontert sein Vater, „Charakter ist, wer wir sind.“ Doch Conrad ist nicht zu halten.

    Makaberer Humor und krasse Überzeichnungen

    Es ist eine gewagte Mischung, die Autor und Regisseur Matthew Vaughn in seiner Weiterentwicklung der Comic-Erzählung The Secret Service (2014) von Mark Millar und Dave Gibbons auf die Kinobesucher loslässt. Sein Film beginnt mit imposanten Bildern wie aus Jenseits von Afrika (1985). Auch das Doppel-Attentat auf den österreichischen Kronprinzen und seine Gattin erzählt der Brite in aufwändig gestalteten Szenen nach. Die krasse Überzeichnung und der zuweilen makabere Humor machen jedoch rasch deutlich, dass man es hier nicht mit einem Historienepos, sondern mit einem Werk aus dem Universum der Superhelden-Schmiede Marvel zu tun hat.

    Zwei Filme der Reihe hat der gebürtige Londoner bereits auf die Kinowelt losgelassen. Kingsman: The Secret Service (2014) und Kingsman: The Golden Circle (2017). Die dritte Ausgabe erzählt nun die Vorgeschichte dazu: wie es zur Gründung des britischen Geheim-Geheimdienstes Kingsman, einer Art Aristokraten-Ausgabe der Truppe von Mission: impossible, kam.

    Von Rasputin bis Hanussen

    Wenn im Film nun der Herzog, sein Sohn Conrad sowie zwei recht selbstbewusst agierende Bedienstete nach den Hintermännern des perfiden Mordanschlags zu fahnden beginnen, verdrängt die Fiktion das Faktische. Denn nicht die serbischen Nationalisten der Schwarzen Hand sind es, die hier im Hintergrund die Strippen ziehen. Hinter der Bombe und den tödlichen Schüssen steckt vielmehr in bester Bond-Manier ein böser Oberschurke, Kopf einer triadenähnlichen Geheimgesellschaft mit verstecktem Geheimsitz irgendwo auf einem zerklüfteten Felsen in Island. Der Oberverschwörer (Matthew Goode) lässt sich „Hirte“ nennen und hat um sich die schillerndsten Gestalten des Zeitalters versammelt: Gavrilo Princip (Joel Basman), der Todesschütze von Sarajewo, sitzt bei ihm mit am Tisch, die Betörungsmeisterin Mata Hari (Valerie Pachner) und der russische Magier Rasputin, von Rhys Ifans mit einer unheimlichen Lust an dämonischen Obsessionen verkörpert. Ferner mit ihm im Bunde: Lenin (August Diehl), Erik Jan Hanussen (Daniel Brühl) und ein finsterer Geselle (David Kross), der noch ganz am Anfang seiner Karriere als Unhold steht (kleine Pointe am Schluss).

    Sie alle sind Meister des Ränkespiels, der manichäischen Manipulation und, wenn es sein muss, auch des politischen Mordes. Sie alle tragen einen Ring am Finger, der sie als Angehörige des Geheimbundes vom bösen Hirten ausweist. Ihre Mission lautet, Zwietracht zwischen den Victoria-Enkeln zu stiften, die die Geschicke Europas lenken: König George V. von England, Zar Nikolaus II. von Russland und Kaiser Wilhelm II. von Deutschland, den der Film als leicht manipulierbaren Gernegroß skizziert, der die unheilvollen Worte spricht: „Wenn ich einen Krieg will, werde ich ihn bekommen!“ Seine beiden Cousins und er werden übrigens alle von Tom Hollander verkörpert – ein kleiner ironischer Hinweis auf die verwandtschaftlichen Beziehungen zwischen den europäischen Herrscherhäusern: EU ging auch mal anders.

    Kaiser Wilhelm II. während eines Frontbesuchs im Ersten Weltkrieg. Im neuen Film der „King’s Man“-Reihe gerät der Monarch in das Visier von Verschwörern. Foto: Everett Collection I Shutterstock.com.

    Kleine Ursachen, große Wirkungen

    Obwohl vieles in dem Action-Spektakel auf vordergründigen Effekt und rasche Wirkung getrimmt ist, gelingen dem Regisseur immer dann, wenn er den Blick von dem Action-Getöse ab- und den historischen Tatsachen zuwendet, durchaus große Filmmomente. Die Ereignisse von Sarajewo gehören dazu, Rasputins am Zarenhof exerzierte Suggestivkräfte und die Bilder vom Grabenkrieg in Frankreich, wo Conrad eine für den Fortgang der Handlung wichtige Botschaft aus dem Granat- und Kugelhagel rettet und damit unter Lebensgefahr eine wichtige Wendung in der Geschichte einleitet.

    „Kleine Dinge können zu einem großen Problem anwachsen“, kommentierte Oxford die Krise, die zum Kriegsausbruch führte. Ein kleines Ding, so will es das Drehbuch, kann es auch wieder lösen.

    Vaughns Umgang mit den historischen Ereignissen zwischen 1914 und 1918 ist, dem Comic-Ursprung geschuldet, ein völlig anderer als der seines Kollegen Sam Mendes, der vor zwei Jahren mit 1917 einen sehr authentischen Blick auf den Ersten Weltkrieg geworfen hatte. Das Effektekino des Action-Spezialisten strotzt vor Genre-Klischees, Übertreibungen im James-Bond-Stil und kruder Gewalt. Für Kinder ist der Film gänzlich ungeeignet. Gleichwohl hebt sich The King’s Man – The Beginning wohltuend von den zahllosen Kinoabenteuern anderer Helden aus dem Marvel-Universum ab, weil nicht alles, was er erzählt, ausgedachter Spinnkram ist. Was also für die einen (mit einigem Recht) ein groteskes Spiel mit der Urkatastrophe des 20. Jahrhundert ist, werden andere als die unterhaltsamste Geschichtsdoppelstunde des Jahres betrachten.

    Im neuen Kinofilm The King’s Man: The Beginning  dient der Erste Weltkrieg als Kulisse für Superagenten, das Attentat von Sarajevo wird nochmals nachgezeichnet. In einer Nebenrolle taucht der Hellseher Erik Jan Hanussen auf. Wenn Sie mehr über die unglaubliche Geschichte dieses Mannes erfahren wollen, dann greifen Sie zu unserem Geschichts-Sonderheft Das okkulte Reich: Nazis und Esoterik. Hier mehr erfahren oder auf das Banner unten klicken!

     

    5 Kommentare

    1. Man sollte sich lieber mal die DVD oder das Buch Verborgene Geschichte ansehen ,gut Recherchiert und glaubwürdiger als die noch geltende Geschichte. Kann beim Kopp-Verlag bestellt werden.

    2. Hans Westmar am

      Die Linke gedenkt heute öffentlich der Kommunistenführer Luxemburg und Liebknecht, so berichten jedenfalls unsere staatlichen Systemmedien. Anstatt diese Linken ihrer ermordeten Maueropfer gedenken, lassen diese Neokommunisten ihre Ideologie auch 30 Jahre nach dem Fall der Mauer noch hochleben und das auch noch geduldet vom BRD Regime. Was wäre es für ein Aufschrei, wenn in der Corona Republik, Rechte des ermordeten Pfarrersohn Horst Wessel gedenken würden….

    3. Freichrist343 am

      Der Balkankonflikt begann im Jahr 1875. Genau in dem Jahr, in dem die Theosophische Gesellschaft gegründet wurde.