Die Verächter des Eigenen – zum Tod des Schriftstellers Jean Raspail

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Obwohl Jean Raspail zahlreiche Literaturpreise erhielt – darunter den Grand Prix du Roman de L’Académie française (1981) –, setzte sich sein Name hierzulande erst vor fünf Jahren durch. Grund war die Neuübersetzung seiner Dystopie „Das Heerlager der Heiligen“ im Antaios-Verlag.

Bereits 1973 in Frankreich publiziert, erzählt der Roman vom Aufbruch von einer Million indischer Armutsmigranten nach Frankreich. Raspail fokussiert darin die Reaktionen von Politik und Medien, die diesen Ansturm als Realisation neulinker Multi-Kulti-Utopie abfeiern. Die soll den Europäer vom Selbsthass, von der Verachtung des Eigenen erlösen.

Ebenso wie „Das Heerlager der Heiligen“ schildern die Science-Fiction-Romane des konservativen Schriftstellers und Ethnologen Raspail die Zusammenbrüche westlicher Ideologien des 20. Jahrhunderts, auf deren Trümmern er die Renaissance des Katholizismus erhoffte. Eine Perspektive, die inzwischen auch von seinem Kollegen, dem französischen Bestseller-Autor Michel Houellebecq, geteilt wird. Raspail starb vorgestern im Alter von 94 Jahren in Paris.

Im September 2015, zwei Monate nach Erscheinen der Neuübersetzung von „Heerlager der Heiligen“, öffnete Bundeskanzlerin Angela Merkel die Grenze für eine Massenmigration. Die Reaktionen von Politik und Medien bestätigten Raspails Roman in jeglicher Hinsicht, machten ihn zum Buch der Stunde. Im gleichen Monat publizierte COMPACT eine Diskussion zwischen Chefredakteur Jürgen Elsässer und Götz Kubitschek, Chef des Antaios-Verlages. Titel: „Ausweitung der Kampfzone“. Beide analysieren den Roman vor dem Hintergrund der damaligen Situation. So ist dieses Gespräch ein Stück Rezensions- und Zeitgeschichte zugleich. Anlässlich des Todes von Jean Raspail geben wir die Diskussion hier ungekürzt wieder:

Elsässer: Wir wollten ja eigentlich über Raspails „Heerlager der Heiligen“ diskutieren, weil mich das Buch gepackt hat. Aber jetzt sind mir schon wieder Zweifel gekommen. Ist es nicht ein bisschen wie im Elfenbeinturm, wenn zwei Intellektuelle über ein Buch palavern, während draußen das Land langsam im Asylchaos versinkt, weil die Regierung nichts, gar nichts, null gegen die Flut der Zuwanderung unternimmt? Kommen wir da mit Bücherlesen weiter?

Kubitschek: Als Verleger halte ich das Büchermachen und das Bücherlesen für eine beinahe jeder Situation angemessene Betätigung: Man sieht nur, wenn man zu schauen gelernt hat, man bewertet je nach Ordnungsbegriff so oder anders, und beides – zu schauen und zu ordnen – lernt man unter anderem aus Büchern. Es ist deshalb ganz und gar nicht egal, was die Leute lesen, und insofern halte ich die Lektüre geglückter Wirklichkeitsbeschreibungen, begrifflicher Zuspitzungen oder eben des auf faszinierende Weise prognostischen Romans „Heerlager der Heiligen“ für grundlegend. Dass aber die Lektüre kein Damm gegen die Einwanderungsflut und kein Heilmittel gegen politische Hilflosigkeit ist, wissen wir hier in Schnellroda ganz genau.

Der Große Austausch

E: Stichwort Wirklichkeitsbeschreibung: Bei Raspail landet eine Elendsflotte an der französischen Küste, eine Million arme Inder strömen ins Land, die öffentliche Ordnung kollabiert, Frankreich geht unter. Dieses Jahr könnten auch eine Million Fremde Deutschland überfluten, jedenfalls, wenn man die Asylzahlen vom Juli – 78.000 allein in diesem Monat – hochrechnet und die EU-Migranten addiert, die aus den zusammenbrechenden Armenhäusern an der östlichen und südlichen Peripherie kommen. Ist unsere Lage heute so dramatisch wie im Buch?

K: Sie ist es. Wenn wir in den vergangenen 40 Jahren von einer schleichenden Umsetzung dessen sprechen konnten, was im Roman schlagartig und konzentriert passiert, kann seit einem Jahr von «schleichend» längst keine Rede mehr sein. Was wir erleben und was uns schockiert, sprach- und ratlos macht, ist die Wucht, mit der aus dem Land der Deutschen das Sozialamt der ganzen Welt gemacht und der Souverän – das Volk – ausgetauscht wird. Wir sehen die vermeintlichen Flüchtlinge zu Wasser, zu Lande und durch die Luft in unser Land einströmen, begrüßt von Leuten, die das eigene Volk nie begrüßen, sondern in seiner Eigenart verachten, obwohl sie von ihm leben. Wir nehmen eine eklatante Verteidigungsschwäche selbst dort wahr, wo man von der Verteidigungsnotwendigkeit noch überzeugt ist, und wir erleben die gnaden-lose soziale Ächtung derer, die das Chaos zumindest noch beim Namen nennen. Das alles und noch viel mehr hat Raspail vor 40 Jahren beschrieben, nun wird es Realität.

Linke Einpeitscher

E: Am stärksten finde ich Raspail da, wo er die Gutmenschen beschreibt, die der – unbewaffneten, also im Grunde leicht zu stoppenden – Invasion den Weg bereiten: «Überall tauchten gebügelte Silberzungen auf, deren Hirne bei jeder sich bietenden Gelegenheit eine süße Sahne ejakulierten, mit der sie alles verklebten, was in ihre Reichweite kam.» Da denke ich doch an die klebrige Humanitätsheuchelei in diesen Tagen, die jeden Asylforderer zum armen Opfer stilisiert – aber kein einziges Mal die Frage stellt, warum der obdachlose Deutsche vom Staat kein Hotelzimmer angemietet, ja, selbst den Zutritt zu den Zeltstädten verwehrt bekommt. Diese Mitleidlosigkeit gegenüber dem eigenen Volk hat Raspail gut herausgearbeitet. Und wer auch nur wagt, die herrschende Asylpolitik – also den ständigen Bruch des Asylrechts durch Nichtabschiebung von Schwindlern – zu kritisieren, ist für Jakob Augstein vom Freitag ein «hässlicher Deutscher» und für Sascha Lobo, diesen verhinderten Irokesenhäuptling, sogar ein «Terrorist».

K: Diese Passagen im Roman sind in der Tat deswegen so wichtig, weil sie – siehe Augstein und Lobo – den Blick für den eigentlichen Gegner in dieser Auseinandersetzung schärfen. Die Scheinasylanten sind zwar diejenigen, die in Massen kommen und mittlerweile sogar schon in die Provinz Sachsen-Anhalts einsickern, möglich ist das aber nur, weil jemand die Stadttore geöffnet hat. Diese Verächter des Eigenen waren und sind die Hauptprofiteure der Zivilgesellschaft: die Organisatoren «breiter Bündnisse», die Prediger der Toleranz und die Wortführer der «Menschen in unserem Land», die meist links reden und konservativ leben und eines – darauf gehe ich jede Wette ein – ganz sicher längst organisiert haben: den eigenen Rückzugsort, den sie sofort aufsuchen, wenn das große Gesellschaftsexperiment der Masseneinwanderung im Chaos endet. Jeder ernsthafte Widerstand gegen das, was uns derzeit widerfährt, müsste sich deswegen gegen die Augsteins, Lobos, Kretschmanns und Gysis unseres Volkes richten.

Kubitschek/Elsässer

Was tun? Die große Widerstandsdebatte Kubitschek/Elsässer

E: Nicht, dass wir jetzt schon auf das kleine Karo trumpfen! Die ganzen postmodernen Linken und ihre postintellektuelle Entourage provozieren zwar – vor allem bei mir, der viele der Pappenheimer kennt – den Würgreflex. Und ja, diese Typen folgen der Wahnsinnsidee, dass sie ihre Revolution, an der die Arbeiter kein Interesse haben, nun mit Hilfe der Flüchtlinge doch noch durchbringen können. Vordenker sind die zwei Linksradikalen Toni Negri und Michael Hardt, die in ihrem Bestseller „Empire“ vor 15 Jahren die Parole des Kommunistischen Manifests «Ein Gespenst geht um in Europa – das Gespenst des Kommunismus» umgewandelt haben in: «Ein Gespenst geht um in der Welt, und sein Name ist Migration.» Auch diesen «migrationskommunistischen» Ansatz hat Raspail schon vorausgeahnt. Und dennoch sind die Linken nicht der Motor der zerstörerischen Masseneinwanderung, sondern eher deren Trittbrettfahrer. Es sind das internationale Großkapital, das die offenen Grenzen und die Zerstörung der Nationalstaaten vorantreibt, und dessen Charaktermasken wie die Bundeskanzlerin und der Bundespräsident, die Deutschland zerstören. Die linken Demos gegen Pegida waren Gekläff, damit hätte man fertig werden können. Aber als Angela Merkel selbst in ihrer Weihnachtsansprache Pegida – einer friedlichen Bürgerbewegung! – die Nazi-Schelle um den Hals hängte, als dann der Bundesverband der Zeitungsverleger und ein FAZ-Herausgeber ein Gleichheitszeichen zwischen Pegida und den Charlie-Hebdo-Attentätern setzte – da hatte sich die totalitäre Klammer geschlossen.

Pegida und die Querfront

K: Es gibt einen Spruch, der lautet ungefähr so: Wenn die Enttäuschten von links und rechts zusammenfinden, beginnen die Verhältnisse zu tanzen. Das ist also eine Art Querfront-Formel. Nun muss ich aber leider sagen, dass der Großteil der Pegida-Gänger an derlei Bündnissen kein Interesse hat. Was bedeutet denn «enttäuscht» in unserem Zusammenhang? Enttäuscht bedeutet im Wortsinn, dass man die Täuschung durchschaut hat und hinter die Kulissen blickt. Hier möchte ich die nützlichen Idioten des Großkapitals doch gerne sortieren: Wir sehen auf der einen Seite die große Zahl derer, die gegen die Pegida standen und agierten und nicht begriffen, dass sie das Drecksgeschäft fürs Establishment erledigten; wir sehen auf der anderen Seite diejenigen, die diese Rolle der Linken begriffen und sie dennoch beförderten. Auch das passt ideologisch ganz gut, denn der natürliche Verbündete dessen, was emanzipatorisch links ist (und nicht zuvörderst solidarisch oder sozialistisch), ist tatsächlich der Liberalismus in seiner alle Bindungen auflösenden und vermarktenden Tendenz. Ich habe das in meinen Pegida-Reden immer wieder angesprochen: Die Reduzierung des Menschen auf seine Funktion als Schmiermittel der Weltwirtschaft ist etwas, das einem gestandenen Linken ebenso aufstoßen sollte wie einem Konservativen, Rechten. Um also auf die vorhin genannten Personen zurückzukommen: Augstein, Lobo, Beck, Gysi – das sind Leute, die das Linkssein nur spielen, und es trifft schon die Richtigen, wenn man gegen solche Typen agiert. Es wundert mich sowieso, dass die von ihren vermeintlich eigenen Leuten auf der Straße nicht längst die Hölle heiß gemacht bekommen.

E: Ob die Pegida-Spaziergänger an Querfront kein Interesse haben oder, was ich behaupten würde, ohne viel Theoretisiererei eine Art Querfront schon verwirklicht haben – bereits Sarrazins Buch „Deutschland schafft sich ab“ hatte ja unter Links-Wählern höhere Zustimmungsraten als unter den Wählern anderer Parteien, zum Entsetzen der linken Funktionäre natürlich –, das lohnt den Streit nicht. Die Wahrheit liegt immer auf dem Platz, wie «Ente» Lippens mal gesagt hat, soll heißen: Im Augenblick darf man nicht theoretisieren, sondern muss praktisch ausprobieren. Daran hapert‘s… Die Leute sind wütend, aber sie kommen immer noch nicht wieder in nennenswerter Anzahl zu den Demos. Die Teilnehmerzahlen in Dresden, Leipzig und Chemnitz stagnieren. Die Identitäre Bewegung, die in Frankreich einige Furore gemacht hat, kommt in Deutschland nicht recht voran: Ein Protestcamp vor Gaucks Amtssitz im Schloss Bellevue am 31. Juli – als richtiger Ansatz, einen Drahtzieher des Großen Austausches anzuvisieren und nicht die Flüchtlinge als Manövriermasse – wurde von der Polizei schnell geräumt, die jugendlichen Aktivisten konnten keine große Unterstützung mobilisieren. Trotzdem scheint mir das die richtige Richtung zu sein: Tun, nicht debattieren. Ob dann über einem besetzten Platz oder Gebäude die Wirmer-Flagge, das Lambda-Symbol der Identitären, Schwarz-Rot-Gold oder eine Putin-Flagge weht – oder alle zusammen –, ist am Ende wurscht.

Patriotisch oder völkisch?

K: Ich sehe das genauso, stelle aber die Frage, welcher Grad des zivilen Ungehorsams selbst für wütende Deutsche vorstellbar ist und wer ihn sich tatsächlich leisten würde. Gegen Recht und Ordnung zu verstoßen (und sei es auch nur im Rahmen einer Demonstration) liegt dem am Erhalt der Rechtsordnung interessierten Deutschen nicht, und Pegida war auch deshalb so ein erfolgreiches Projekt, weil es von den Leuten nicht mehr forderte als das, was ihr gutes Recht war. Ich habe dieses gute Recht in meinen Reden immer wieder betont, und etliche Leute sagten oder schrieben mir danach, wie wichtig diese Vergewisserung war, weder in ethischer noch in rechtlicher Hinsicht an etwas Unrechtem beteiligt zu sein. Es ist bizarr, dass man also gleichzeitig auf die Barrikaden will, um vor der Gesamtlage nicht zu kapitulieren, und dennoch mit einem revolutionären Subjekt rechnen muss, das verzweifelt an der Ordnung festhält. Und zuletzt: Die Blockupy-Linke übertritt auf ihren Demos ja stets jede Grenze, selbst die hin zur schwersten Körperverletzung – aber sie kommt keinen Schritt voran. Was tun?

E: Es gab ja einen Erfolg in den letzten Wochen! In Mainstockheim im bayrischen Landkreis Kitzing gelang, was sonst noch nirgends gelang: Ein Asylheim wurde von den Behörden geräumt, und zwar am 27. Juli. Wie auch andernorts, hatten die sogenannten Flüchtlinge, zumeist Albaner, in den Vorwochen randaliert, gepöbelt, belästigt und so weiter. Aber die Bevölkerung wehrte sich: Ende Juli zogen an mehreren Tagen hintereinander die Bürger vor die Unterkunft, absolut friedlich. Zuletzt, am 26. Juli, waren es über 300 (von etwa 2.000 Einwohnern). Am nächsten Tag wurde die Asylunterkunft von den Behörden geräumt. Warum gaben die Behörden in diesem Fall nach, was sie sonst nirgends machten? Vermutlich deswegen: Unabhängig von den «Urdeutschen» protestierten auch türkische Jugendliche gegen die Asylanten. Dabei blieb es zwar auch friedlich, aber die Jungs hatten ein paar Werkzeuge zur Demo mitgebracht: Baseballschläger und Fahrradketten. Offensichtlich befürchteten die Behörden eine türkisch-albanische Blutfehde und räumten das Heim deshalb. Was lernen wir daraus? Erstens: Es ist ein demokratisches Armutszeugnis, dass die Behörden dem friedlichen Protest deutscher Bürger nicht nachgeben, wohl aber militanten Drohgebärden von Immigrantenkids. Und zweitens: Die deutschen Asylkritiker sollten viel öfter mit Immigranten zusammenarbeiten, wenn es um Protestaktionen gegen gewalttätige Asylanten geht. Merke: Den italienischen, spanischen, russischen und auch den türkischen Alteingesessenen geht es genauso gegen den Strich wie den autochthonen Deutschen, wenn dieses Land mit Asylbetrügern über-schwemmt wird, ihre Frauen und Kinder nicht mehr sicher sind. Eine solche Kooperation erschwert es der Staatsmafia erheblich, den Protest in die Nazi-Ecke zu drücken. «Einen rechtsradikalen Hintergrund der Bürgerproteste schloss der Bürgermeister (…) aus», meldete die Süddeutsche Zeitung. Das hätte er wohl nicht gesagt, wenn nur Deutsche demonstriert hätten… Meine These: Der Protest gegen den Asylwahnsinn wird nur Erfolg haben, wenn er republikanisch-patriotisch angelegt ist, also die integrierten Teile der schon länger hier lebenden Migranten mitnimmt. Verengt sich der Protest auf deutsch-völkisch, wird er vom System zerquetscht, so berechtigt er auch sein mag.

K: Diese Arbeitsthese muss sich in der Wirklichkeit bewähren, und wenn sie sich als haltbar erweist, lautet die Schlussfolgerung: Elsässer und Kubitschek sollten tunlichst nicht zu den Organisatoren eines punktuellen oder flächendeckenden, republikanisch-patriotischen Aufstandes gehören. Denn wir beide sind markiert und streifen Farbe ab, egal wie geschickt wir uns durchschlängeln. Ich sehe in diesem Zusammenhang ja auch mein Engagement bei Pegida und Legida selbstkritisch: Es war da Not am Manne im Januar, und die Rufe nach Unterstützung, Beratung und Beteiligung kamen für mich natürlich nicht ganz überraschend – ich habe das ja alles in einem ausführlichen Zeitschriftenbeitrag beschrieben. Klar ist aber, dass sich Systempresse und Funktionselite sofort festbeißen konnten an mir, an einem der Köpfe der Neuen Rechten, an einem Mann mit Vorgeschichte. Dass das Zigtausende nicht gestört hat, ist von Bedeutung, darf aber nicht blind machen für den nächsten, richtigen Ansatz. Und es wäre allemal besser gewesen, Pegida hätte als nicht greifbare, völlig neue Volksbewegung durchspazieren können.

Heerlager der heiligen, Cover der französischen Originalausgabe

E: Es freut mich, dass Du den republikanisch-patriotischen Ansatz teilst! Raspail tut das nämlich leider nicht: So phantastisch sein Roman als sprachgewaltiges Antidot gegen die humanitär kostümierten Volksaustauscher ist, so sehr schmerzt seine tatsächlich rassistische Überheblichkeit: Die Inder und die Dunkelhäutigen sind in seinem Roman – mit einer Ausnahme – eine einzige schmutzige Masse, «das Tier» mit den Millionen Köpfen. Aber eine Verteidigung der eigenen Identität, die nötig ist, darf sich nicht beflecken durch die Herabwürdigung der Identität anderer. Den Satz «Der Islam gehört zu Deutschland» abzulehnen, darf nicht bedeuten, den Islam selbst als minderwertig darzustellen, ihn – wie Geert Wilders – mit Faschismus gleichzusetzen. Wie man auf das Eigene stolz sein kann, ohne mit weißer Arroganz auf «die anderen» herunterzuschauen, kann man übrigens von Karl May lernen, der die Würde etwa der Indianer gegen die Zumutungen des Yankee-Imperialismus immer verteidigte.

Stolz und Vorurteil

K: «Rassistische Überheblichkeit» – das ist auch bloß ein Schlagwort, ein Totschlag-Wort. Als weitgereister Ethnologe, dessen Herz für die an den Rand gedrückten, kleinen Völkchen schlägt, muss sich Raspail nicht rechtfertigen. Raspail beschreibt die anrückende Masse Inder als Invasionsheer, gegen das kein Kraut gewachsen ist, weil sich gegen Armut, Nacktheit, unbewaffneten Anspruch nicht kämpfen lässt – es sei denn, man hätte in sich das für ganz Westeuropa typische schlechte Gewissen bereits besiegt. Einander gegenübergestellt sind die ausdifferenzierten, hochtechnisierten, dekadenten Europäer und die lebenshungrigen, in jeder Hinsicht rücksichtslosen, weil ohne Rückweg aufgebrochenen Einwanderer. Ist es nicht so, dass auf den Schlepperbooten ab und an die Christen über Bord gekippt werden? Ist es nicht so, dass mit der Masse der Asylanten hier kein Staat zu machen ist, dort, wo sie herkommen, aber vielleicht schon? Raspail beschreibt das «ganz Andere», das Inkompatible, die Parallelwelt. Dafür darf man krasse Worte finden. Mit Überheblichkeit hat das nichts zu tun, mit Selbstbewusstsein indes eine ganze Menge. (Fortsetzung des Artikels unter dem Werbebanner)

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E: Das Buch von Raspail strahlt ja grade kein Selbstbewusstsein aus, sondern Ohnmacht, sogar Todessehnsucht. Seine Protagonisten kämpfen einen Kampf, den er von Anfang an als aussichtslos dar-stellt. Sie beziehen den sprichwörtlichen verlorenen Posten – aber nicht, um einen Nucleus des Widerstandes aufzubauen, sondern um kämpfend unterzugehen. Aus dieser aussichtslosen Position heraus schleudert der Autor auch seine Verachtung gegen die Farbigen – es kommt ja eh nicht mehr drauf an, jetzt ziehe ich blank, soll das wohl heißen. Für mich ist das die Pose des romantischen Verlierers, und manchmal ertappe ich mich selbst dabei… Bei klarem Verstand gebe ich den Kampf aber noch nicht verloren. Er kann gewonnen werden, wenn die Strategie zur nationalen Befreiung als globale formuliert wird: Das Selbstbestimmungsrecht, das wir als Deutsche fordern, gestehen wir auch allen anderen zu. Die Siegperspektive ist ein Antiimperialismus, der die unterdrückten Völker gegen den Globalismus, gegen die One World zusammen-führt. «Schwarzer, Weißer, Brauner, Gelber! Enden ihre Schlächterei! Reden erst die Völker selber, werden sie schnell einig sein», wie es im «Solidaritätslied» von Hanns Eisler heißt. Das ist nicht Internationalismus im Sinne der 68er, sondern Inter-Nationalismus oder von mir aus Ethno-Pluralismus.

Experiment Widerstand

K: Auf den Tag zu hoffen, an dem «die Völker selbst» reden – das ist Romantik. Völker reden nie selbst, vor allem nicht im Massenzeitalter. Sie nehmen maximal an einer Demokratie-Simulation teil, die bei uns eben Bundestagswahl heißt, und anderswo anders. Völker sind entweder amorph oder in Form gebracht, also eher chaotische oder eher ausgerichtete Gebilde, und sie werden entweder gedeihlich geführt oder von Versagern oder sogar von Verrätern. Klar geht es immer irgendwie weiter, aber die Betonung liegt leider auf «irgendwie». In welcher Phase stecken wir denn derzeit? Wir erleben mit, wie unser ziemlich effizient ausgerichtetes, geradezu patholo-gisch geduldiges Volk ausgequetscht wird wie eine Zitrone. Dieser Vorgang ist nicht mehr moderierbar, also müssen wir mit Widerstandsformen experimentieren. Raspail macht das auf seine Art, Du auf die Deine, mit Deinen Bildern und Worten, und wir können nur hoffen, dass irgendwo Leute an der Arbeit sind und eine Widerstandsform entwickeln, die in die Breite geht. Raspails Arroganz ist die des «verlorenen Postens», in der Tat, und sie ist legitim. Aber auch in Raspails Roman hofft mancher bis zuletzt. Gleichzeitig tut er, was er kann. Mehr ist nicht möglich.

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3 Kommentare

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    heidi heidegger am

    Ausweitung der Kampfzone ist ein Roman des französischen Schriftstellers Michel Houellebecq. Er erschien 1994 unter dem Originaltitel Extension du domaine …

    mal reinschnuppern, häh?: h. heidiggahs Freundin Gabi warf ihn aus ihrer Pyramide, nachdem sie sich einer Psychoanalyse unterzogen hatte. Nun verabscheut hh Analytiker und begegnet Frauen nur noch mit voyeuristischer äh Altmännergeilheit. Vor allem beruflich ehrgeizige Brillenträgerinnen (Nahles) schüren den Zorn des erotisch Frustrierten. usw. usw.

    *kicher*

    • Avatar
      heidi heidegger am

      "Fahrradkette": d a s Mittel der Wahl i. d. Frühsiebzigern für mopedlose Rocker/Rowdys äh revolutionäre Subjekte wie man damals sagte. Elsässer kennt sich supi aus und K. lobt IHN zu Recht für SEINE Sprachbilder, hah! Ne verrostete Kette ist superinfectiös wie ein KatzenKrallenKratzer..der arme Bruce Lee war ganz zerkratzt im zweiten Teil des Krallen-Epos und im ersten Teil aber tötet China die USA (Chuck Norris) *schluck*..ist aber nur ein Film, denn Chuck "Bannon" Norris ischd unbesiegbar, hoho.

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    ES IST EIN KAMPF ZWEIER DENKWELTEN UM DIE HERRSCHAFTS-ORDNUNG IN DER WELT! GLOBAL ODER NATIONAL!
    DAS ERGEBNIS DES GROSSEN KRIEGES HAT DAS DEUTSCHE REICH AUSGESCHALTET ALS ORDNUNGS – MACHT UND SCHUTZSCHILD DER EUROPÄER!
    DIE USA UND RUSSLAND SIND AUFGEFORDERT ALS HAUPTVERANTWORTLICHE ALLIIERTE, DIE ZERSTOERTE
    ORDNUNG WIEDER EINZURICHTEN! DIE BRD MUTIERT GERADE UNTER MERKEL ZU EINER BOLSCHEWISTISCHEN RÄTE-REPUBLIK! DIE MASSEN SCHLAFEN NOCH, ABER DIE DRECKSARBEIT MUESSEN WIR SCHON SELBST ERLEDIGEN! EIN REICHSTAG IST VORHANDEN, ABER KEIN REICHSVOLK! WIR MUESSEN ES SCHNELL FINDEN, SONST GNADE UNS GOTT!!

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