Dichtersoldaten I: Theodor Körner – Mit Leier und Schwert

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Er habe sich zum Krieger gesungen und zum Sänger geschlagen, und um seine Schläfe winde „sich dafür ein doppelter Ruhmeskranz: der Lorbeer, vermählt mit der Eiche“, schrieb 1894 Hans Zimmer. Die Rede ist von Theodor Körner, der wie kein anderer zum Inbegriff des Dichtersoldaten der Befreiungskriege wurde. Ein Auszug aus dem Buch Libro e Moschetto –  Lebensbilder von Dichtersoldaten.

_ von Johannes Scharf

Am 23. September des Jahres 1791 als Sohn des Schiller-Freundes Dr. Christian Gottfried Körner in Dresden geboren, wuchs Carl Theodor Körner in einem behüteten Elternhaus auf, in welchem die ganz Großen der Zeit ein und aus gingen. So verkehrten dort etwa neben Friedrich Schiller auch Johann Wolfgang von Goethe, Heinrich von Kleist, die Brüder Wilhelm und Alexander von Humboldt, Novalis und die Brüder August Wilhelm und Friedrich Schlegel. Die starken Einflüsse Schillers auf Theodor Körners dramatische Dichtungen blieben stets unverkennbar.

Theodor Körner auf einer Darstellung aus dem 19. Jahrhundert. | Bild: CC0, Wikimedia Commons

Gleich dem Vater verfügte der junge Körner über ein hohes Maß an musikalischer Begabung, im Zeichnen stand er der Mutter nicht nach. Früh zeigte er in der Schule eine Neigung zur Mathematik und den Naturwissenschaften, weniger zu den Sprachen, wiewohl er auch bald seine rechte Lust am Dichten hatte. Die Freundinnen seiner Schwester Emma, zu welcher er Zeit seines kurzen Lebens eine innige Geschwisterliebe empfand, wurden von ihm mit Gedichten umworben. Von Friedrich Förster, einem Jugendfreund Theodors, der später dessen Biograf werden sollte, ist die Feststellung überliefert, bei Körner habe es sich „von Haus aus um eine verliebte Seele“ gehandelt, „die nur allzu leicht Feuer fing, wenn ein Paar schöne Augen ihn freundlich grüßten, ein holder Mund ihm zulächelte“. (…)

Zunächst wählte Theodor Körner den Bergmannsberuf, zu dem er sich – das stellt Dr. O. F. Scheuer fest – lebhaft hingezogen fühlte. Schon vor der Aufnahme seines Studiums an der renommierten Bergakademie Freiberg hatte Körner die Gedichte „Bergmannsleben“ und „Der Kampf der Geister mit dem Bergknappen“ zu Papier gebracht. Ob er sich in Freiberg der Landsmannschaft der Montanen – wie vielfach behauptet – anschloss oder Fuchs bei der Franconia wurde, wie Dr. Scheuer in dem Buch Theodor Körner als Student schlüssig nachzuweisen scheint, ist nicht abschließend geklärt. Fest steht hingegen, dass er den Glockenschläger mit Bravour führte und sogar selbst ein „System der Hiebe“ ausarbeitete. Dr. Scheuer vermutet seinem Werk, Körner habe „recht bald die Fechtübungen seiner Landsmannschaft geleitet“ und es habe ihm „der Fechtboden derselben bis zu seinem Abgange aus Freiberg unterstanden“. Er unterfüttert seine These mit einem Brief des jungen Studenten an die Seinen vom 11. Dezember 1809, in welchem Theodor diese um „zwey Wolfsklingen für Hau-Rapiere“ ersucht, da er zwei zerbrochen habe und die Männer ihre schönen Fechtübungen nicht lange aufzuschieben wünschten. Sonst habe er sie immer aus Leipzig kommen lassen, doch sein Vorrat sei ausgegangen. (…)


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Am 15. März des Schicksalsjahres 1813 hatte Körner seiner so innig geliebten Braut und den Freunden, die er in Wien zurückließ, Lebewohl gesagt. Er schloss sich den Lützower Jägern an. In diesem Verband, der – wie Zimmer schreibt – vor allem dazu bestimmt gewesen sei, „einen Vereinigungspunkt aller derjenigen Deutschen zu bilden, deren Regierungen gehindert oder nicht gewillt waren, der nationalen Sache beizutreten“, stand der hochrangige Beamte neben dem Studenten, der ausgezeichnete Naturforscher neben dem jungen Pastor und der Dichter neben Männern wie Jahn und Friesen.

Körner-Tafel an der Leipziger Oper. | Foto: ALoK, CC BY 3.0, Wikimedia Commons

Der ans Marschieren gewöhnte ehemalige kaiserliche Hoftheaterdichter ließ sich zunächst der Infanterie zuteilen. Zwar entstanden in der Folgezeit in der für Körner charakteristischen Dichtwut eine ganze Reihe von Gelegenheitsgedichten, etwa „Frisch auf, ihr Jäger, frei und flink“ oder das späterhin so berühmte Lützows wilde verwegene Jagd“, doch verdross ihn der Umstand, dass die Jäger nicht an den zumeist weiter südlich stattfindenden Kämpfen teilnehmen konnten. Der junge Leutnant Körner – diesen Dienstgrad bekleidete er seit dem 24. April – äußerte daher in einem Brief an die Seinen: „Derweilen sitze ich hier an der Elbe und recognoscire, und finde nichts, sehe nach Westphalen über, und sehe nichts, lade meine Pistolen, und schieße nichts.“

Als Lützow ein gewagtes Unternehmen seiner Kavallerie in die Tat zu setzen sich anschickte, wechselte Theodor Körner zu dieser Waffengattung, um an der Operation teilnehmen zu können, und wurde alsbald dessen Adjutant. In der Folge tat sich Körner mit einem Handstreich hervor, bei dem er das Gestüt Wendelstein an der Unstrut seiner Rosse entledigte. Auch kam es nun immer wieder zu Geplänkeln zwischen der Reiterei und Einheiten des Gegners. Allein der zwischen den kriegführenden Parteien am 4. Juni zu Poischwitz geschlossene Waffenstillstand vereitelte die weiteren Pläne Lützows. (…) Ende des Auszugs.

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Der deutsch-amerikanische Publizist Johannes Scharf (*1988), stammt aus Richmond, Virginia, und wuchs am Bodensee auf. Er war als Infanterist der US Army unter anderem in der Oberpfalz stationiert. Sein Bachelor-Studium der Geschichte und Klassischen Archäologie an der Universität Heidelberg schloss er 2018 mit der Gesamtnote 1,2 ab. Derzeit absolviert er einen Master-Studiengang der Geschichte in Mannheim. Scharf ist Autor mehrerer Bücher, zuletzt erschien seine Essaysammlung Kampf ums Dasein (2019). Außerdem ist er Mitherausgeber des Sammelbandes Libro e Moschetto – Lebensbilder von Dichtersoldaten (2020).

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6 Kommentare

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    Ein Jüngling mit beneidenswertem Schicksal. irgendwo in Norddeutschland erwischte ihn aus dem Hinterhalt die Kugel eines franzischen Voltigeurs,nicht ganz sauber,denn er brauchte eine Weile ,um zu sterben. Aber trotzdem, die Not des Alterns, den Verfall alles Vergänglichen,mußte er nicht erleben. Nur ein Reitpferd mußte er beklagen: "Ich hab mein Roß verloren, mein apfelgraues Roß…"

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      heidi heidegger am

      Ghetto-heidi kann und will und darf auch so (das toppän mit die Fferd unn datt):

      „Ein Fferd! ein Fferd! Mein ²Königreich für ein Fferd!“, da sein (Ritschie 3 od. ²Peter Fitzek wohl auch so..) eigenes Fferd getötet wurdää..tia-isso!

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    Wuchs in einem Elternhaus auf,in welchem die "ganz Großen der Zeit" ein und aus gingen. Und diese "ganz Großen" waren lauter Dichterfexe (nur Alex v. Humboldt zählte lieber Fischschuppen). "Groß" waren sie wohl deshalb,weil sie meist auch Propagandisten der bürgerlichen Revolution waren;allen voran der unsägliche F.Schiller.

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      heidi heidegger am

      Nun, der *TyrannenMörderDichter* Schiller war immerhin kein Maurer m. W., also bitte!, tsstss..

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      Ludwig Adolf Wilhelm v. Lützow am

      Wir Deutsche kämpften auch damals schon für die Freiheit unseres Vaterlandes und gegen die Unterdrückung unseres Volkes durch die napoleonische Fremdherrschaft. Allen voran Ferdinand Schill, Andreas Hofer und Blücher. Nur mit Adel wars wie heute mit den Bonzen nicht so rein, für den Königstitel opferten sie ihr eigenes Volk, Bayern Sachsen Württemberg. „Preußen“stand immer für Tugend Fortschritt Pflichterfüllung und für die Freiheit des ganzen Deutschen Landes und deswegen musste es 1945 von der Landkarte verschwinden…..

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    Kurt Eggers am

    Das war noch Intelligenz die Deutschland heute leider nicht mehr viel hat…..aber dafür das Supertalent !

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