Der fehlgedeutete Kapp-Putsch

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Vor gut 100 Jahren begann in Berlin der sogenannte Kapp-Putsch einer Handvoll monarchistischer Generäle, der in der Geschichtsschreibung bis heute fast ausschließlich äußerst negativ beurteilt wird. Doch wenn es damals sehr früh gelungen wäre, die Fesseln des Versailler Vertrages abzustreifen, wäre den Deutschen vielleicht Hitler und der Nationalsozialismus erspart geblieben.

In dem COMPACT-Geschichtsheft zum Versailler Vertrag stellte unser Autor Guido Giacomo Preparata in seinem Artikel „Der Traum der 100 Stunden“ zum Kapp-Putsch fest:

„Nach der Ratifizierung des Versailler Vertrags begann die Inkubationszeit des Nationalsozialismus. Zu Beginn wurde der Hitlerismus allerdings von den getreuen Anhängern der alten Ordnung – Armeegenerälen und früheren hochrangigen Reichsbeamten – bedroht. Diese wollten eine monarchische Allianz in Mitteleuropa bis nach Russland ins Leben rufen. Der Nationalsozialismus hätte in einem so frühen Entwicklungsstadium eine solche Wende nicht überlebt. Der Putsch des Jahres 1920 war ein monarchistischer und kein nationalsozialistischer Aufstand. Kapp, Ludendorff und Kollegen hatten nichts mit dem aus dem deutschen Untergrund wieder auftauchenden Rassenkult gemein, der sich später um die «begabte Persönlichkeit» eines Hitlers scharen sollte. Wäre für die Generäle alles nach Wunsch gelaufen, dann hätten sie ein blasses Abbild der Wilhelminischen Ära wieder errichtet, und das hätte einen Schraubenschlüssel ins Räderwerk der Briten geworfen. Es hätte den allmählichen Aufmarsch der Nazis aus dem Tritt gebracht.

England setzte deswegen Ignaz Trebitsch-Lincoln, einen in Aufstandbekämpfungs- und Desinformationstaktiken abgebrühten Agenten, ein, um die Putschisten auszubremsen, bloßzustellen und sich verbrennen zu lassen. Trebitsch war eine der Hebammen des Nationalsozialismus.

Die Reorganisierung der Monarchisten

Nach den Friedensvereinbarungen trat die Oberste Heeresleitung – das Gespann Hindenburg-Groener – zurück. Da nun die Verbindung zwischen Armee und Regierung fehlte, waren die Truppen tatsächlich von Juni bis November 1919 führungslos. In das Vakuum stießen die Kräfte der Reaktion vor, um sich mit ungewöhnlicher Elastizität das wieder zu nehmen, was sie legitimerweise als das Ihre ansahen. Natürlich hatte man in England über eine solche Eventualität nachgedacht. Die Briten beobachteten 1919 eine Gegenbewegung von beträchtlichen Teilen der deutschen Armee, die sich neu zu organisieren versuchte, um ihren mitteleuropäischen
Besitz zurückzugewinnen. Diese etwas verworrene, aber bedrohliche Regung unter den deutschen Kriegern nahm in Ostpreußen und in Teilen der baltischen Staaten unverkennbar Form und Farbe an. Dort hatte sich viele Monate nach Ende des Krieges ein Konglomerat aus Freikorps und uniformierten Deserteuren hartnäckig eingenistet, um einerseits die Polen und andererseits die Bolschewiken zu bekämpfen, während sie sich mit den Kommandeuren der russischen Weißen [Antikommunisten, zumeist zarentreu] verbrüderten.

Jetzt ist die Schmach von Versailles gerade 100 Jahre her. Noch immer sitzt dieser Stachel tief. Zeit daran zu erinnern, dass damals alle Parteien in Deutschland dieses Diktat der Siegermächte ablehnten, selbst die Kommunisten. Auch bei den Siegern gab es warnende Stimmen. „Der fürchterlichste aller Kriege [Erster Weltkrieg] hatte einen Friedensvertrag zur Folge, der kein Vertrag des Friedens ist, sondern die Fortsetzung des Krieges. Europa wird durch ihn zugrunde gehen, wenn es nicht die Vernunft zu seinem Ratgeber wählt,“ urteilte der französische Literat Anatole France. Lesen Sie in der fünften Ausgabe unserer Geschichtsreihe, warum sich der Versailler Vertrag so verheerend auf das Geschehen im 20. Jahrhundert auswirken sollte. Das Heft kann hier bestellt werden.

Von Tilsit in Ostpreußen aus berichtete General Turner, der britische Vertreter einer internationalen Kommission, die mit dieser Meuterei umgehen sollte, am 9. Dezember 1919: «In Ostpreußen scheint man sich nicht bewusst zu sein, dass Deutschland den Krieg verloren hat. Die militärische Partei ist allmächtig und der Militarismus blüht in jeder Form. Ich persönlich zweifle nicht daran, dass zur Zeit ein Komplott geschmiedet wird, um die Regierung zu stürzen, und habe auch keine Zweifel, dass die Armee über ausreichende Kräfte zu seiner Durchführung verfügt.»

Freikorps Roßbach während des Kapp-Putsch in Wismar. Quelle: Von Bundesarchiv, Bild 119-2815-20 / Unbekannt / CC-BY-SA 3.0

Ludendorff kehrte im Februar 1919 aus seinem vorübergehenden Exil in Schweden nach Deutschland zurück. Im Oktober führte er die sogenannte Nationale Vereinigung an: die gesammelte Creme des reaktionären Deutschlands – Offiziere, Bürokraten und Industrielle –, die seit den Aufständen der Räte und ihrer blutigen Unterdrückung im Frühjahr 1919 entschlossen waren, Weimar zu stürzen.

Tatsächlich waren die Deutschen ja nicht auseinandergejagt worden. Rechnet man das ausgedehnte Netzwerk paramilitärischer Untergrundorganisationen zur Armee hinzu, konnten sie noch immer auf eine gut ausgerüstete Streitmacht von ungefähr zwei Millionen Mann zählen. Wäre ihr Putsch erfolgreich gewesen, hätte die langfristig angelegte Einkreisungsstrategie der Seemächte einen verhängnisvollen Rückschlag erlitten. Wäre der Putsch geglückt, was durchaus wahrscheinlich war, hätte sich vielmehr eine konsolidierte Front der Weißen aus Deutschen, Russen und Ungarn weit in das europäische Russland hinein erstreckt. Diese hätten die Herrschaft der Bolschewisten, die eine Schachfigur der Alliierten waren, unterminiert, wenn nicht sogar ausgelöscht und den Kern einer eurasischen Partnerschaft gebildet. Diese wiederum hätte den Kontinent gegen eine britische Blockade immun gemacht und sofort zur Ablehnung des Versailler Vertrags durch Deutschland geführt.

Die Männer der Nationalen Vereinigung, monarchistische Preußen der alten Schule, die nicht weniger antibolschewistisch als englandfeindlich waren, stellten eine klare Bedrohung für Englands Pläne dar und mussten deswegen gestoppt werden – oder besser noch: Sie sollten dabei verbrennen.

Das Netz der Verschwörung

Wie England den bevorstehenden Putsch der deutschen Weißen tatsächlich hat stranden lassen, ist ein weiteres glorreiches Meisterwerk der Intrige in der Geschichte des 20. Jahrhunderts und bleibt bis heute immer noch einigermaßen mysteriös. Aber eine Reihe von Elementen, die in den bekannteren Darstellungen zusammengetragen wurden, lässt sich teilweise zu einem roten Faden in dieser Angelegenheit zusammenfügen.“

Ende des Textauszugs. Den gesamten Artikel können Sie in COMPACT Geschichte 05 „Der Versailler Vertrag“ lesen. Das Heft kann hier bestellt werden.

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6 Kommentare

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    Besser nicht. Das ist ja ein Musterbeispiel der Hätte- WÄRE-Wenn- Spinnerei. Und die bösen,bösen Engländer,so böse, böse oder auch nicht, wie alle anderen Menschen auf diesem Erdball. Wenn die Zaristen u. Demokraten nicht von den Roten besiegt worden wären, dann hätte der 1000-Jährigen Freundschaft zwischen Iwan u. Hans nix mehr im Wege gestanden,wie? Wo sich schon die leibhaftigen Vettern Wilhelm u. Nikolaus nicht einigen konnten. Die Fürsten waren schon vor dem Krieg unfähig,der linken Brut Herr zu werden.es mußte was anderes her,und daß kam ja zum Glück.

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        heidi heidegger am

        😕 werwardas, häh? drrr Paule wars (featuring Höcke)..aha! zifix!-dies ist ein astreiner FreiKorpsFadään..kuckt mal auf den Kalendäär!! *schimpfwieRohrSpatz*

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    heidi heidegger am

    Giacomo Girolamo Preparata (der Name sagt mimimir doch was, hihi) beliebt wohl zu scherzen, was? bzw. häh? Der Kaiser war ausgebüxt und die Prinzen taugten alle nix – wo bitte in der Geschichte jibbett denn sowatt, dass dann weiter Monarchie gespielt wurde/worrrdäään wäre ? Mir fällt da doch glatt das Monokel in den Absinth! Neinein, die Massen wollten damals die Republik, da jibbett kein Verdun äh Vertun, *hrrmpf* 😕

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      Jeder hasst die Antifa am

      Preparata ist das der welcher tote Tiere ausstopft und Jagdtrophäen prepariert. hihihaha

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        heidi heidegger am

        mja, gut gesehen: Monarchie ausstopfen und hinstellen und so irgendwas in der Richtung evtl…aber unser äh ²GeschichtsCasanova meinte *es* ja gut m. E.: *aaadolf verhindäärn* und so, ja?

        ² Diesen C. kann man übrigens fairerweise als reisenden Gelehrten betrachten und sollte ihn nicht reduzieren auf *bungabunga*, hehe..

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