Corona-Rebellen: Katholische Gemeinde geht gegen Gottesdienst-Verbot vor

28

Für Gläubige in Deutschland und aller Welt ist es eine schier unerträgliche Vorstellung: Zu Ostern, dem Fest der Wiederauferstehung Christi, soll es keine öffentlichen Gottesdienste geben. Eine katholische Gemeinde in Berlin und ein Rechtsanwalt aus Bayern wollen dies nicht hinnehmen. Rückhalt von den Offiziellen der Kirche gibt es nicht.

Osterreiter in Wittichenau (Lausitz). 
Foto: Autor

In einem Beitrag für die Welt am Sonntag vom 29. März warnte der Göttinger Kirchen- und Verfassungsrechtler Hans Michael Heinig vor dem Hintergrund der Corona-Maßnahmen von Bund und Ländern davor, „dass sich unser Gemeinwesen von einem demokratischen Rechtsstaat in kürzester Frist in einen faschistoid-hysterischen Hygienestaat“ verwandeln könnte. Explizit wies er dabei auf die derzeit in der ganzen Republik geltenden Allgemeinverfügungen hin, die öffentliche Versammlungen und demnach auch Gottesdienste untersagen. Wie schwerwiegend die Beschränkungen seien, zeige sich auch daran, dass in diesem Jahr „zum ersten Mal seit der Christianisierung Europas keine Ostergottesdienste stattfinden dürfen“, erklärte Heinig. „Die flächendeckende Absage der Gottesdienste ist auch Ausdruck einer tief greifenden Säkularisierung unserer Gesellschaft“, so der Leiter des Kirchenrechtlichen Instituts der Evangelischen Kirche in Deutschland.

Eine katholische Gemeinde in Berlin will dies nicht hinnehmen und geht nun juristisch gegen das allgemeine Gottesdienstverbot in der Hauptstadt vor. Dabei handelt es sich um den Freundeskreis St. Philipp Neri, der vor dem örtlichen Verwaltungsgericht einen Antrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung eingereicht hat, in dem gefordert wird, dass die Gemeinde künftig öffentliche Gottesdienste mit bis zu 50 Teilnehmern abhalten dürfe. Man werde sich im Gegenzug sicherstellen, dass die Besucher „beim Betreten und Verlassen des Gebäudes sowie während der Gottesdienste einen Mindestabstand von 1,5 Metern untereinander einhalten“, heißt es in der Begründung des Antrags. Außerdem sage man zu, die Namen, Adressen und Telefonnummern aller Teilnehmer der Messen zu sammeln und aufzuheben.

Titelseite der B.Z. vom gestrigen Montag. | Bild: Repro COMPACT

Die Gemeinde des Instituts St. Philipp Neri – einer Gesellschaft apostolischen Lebens nach päpstlichem Recht – argumentiert, dass es für Kirchen nicht strengere Regeln als etwa für Supermärkte geben dürfe. Das umfassende Veranstaltungsverbot des Berliner Senats stelle „einen unverhältnismäßigen Eingriff in die Freiheit der Religionsausübung dar und ist insoweit unwirksam“, erklärte der Anwalt der Gemeinde, Nikolai Nikolov, gegenüber dem Sender RBB. Auch Propst Gerald Goesche, der das Institut Sankt Philipp Neri leitet und Priester der Kirche St. Afra der Gemeinde im Berliner Wedding ist , weist darauf hin, dass die Religionsfreiheit zu den grundgesetzlich verbrieften Rechten gehöre. Ein allgemeines Gottesdienstverbot sei ein schwerwiegender Eingriff in die Grundrechte. „Deshalb hat sich der Freundeskreis unseres Instituts dazu entschlossen, den Rechtsweg zur Überprüfung zu beschreiten und einen entsprechenden Antrag beim Verwaltungsgericht eingereicht“, erklärte Goesche. Es müsse „einen Mittelweg geben zwischen einem totalen Verbot und einer kompletten Freigabe“, so der Geistliche.

Laut einem Bericht der Tagesschau missbilligt die Katholische Kirche in Deutschland das Vorgehen des Freundeskreises St. Philipp Neri. Seitens der Deutschen Bischofskonferenz heiße demnach, dies sei weder die Position noch die Linie der Kurie in der Corona-Krise. Es handele sich bei der juristischen Gegenwehr der Berliner Gemeinde um einen „Alleingang“.

Möglicherweise liegt die distanzierte Haltung der Offiziellen auch darin begründet, dass es sich bei dem Institut St. Philipp Neri um eine Gesellschaft handelt, die sich dem traditionellen Katholizismus verschrieben hat. Die Messen in der Kirche St. Afra werden nach altem Römischen Ritus (tridentinische Messen) auf Latein abgehalten, die Neue Zürcher Zeitung zitierte Propst Goesche, der sechs Jahre als Seelsorger der zur Piusbruderschaft gehörenden St.-Petrus-Kapelle in Berlin-Kreuzberg tätig war, in einem Porträt vom 23. Dezember 2019 mit den Worten: „Erzkonservativ? Wir sind noch schlimmer!“ Papst Benedikt XVI. setzte sich seinerzeit persönlich für das Institut St. Philipp Neri ein.

Inzwischen hat auch ein Rechtsanwalt in München per Eilantrag gegen das allgemeine Gottesdienstverbot geklagt. „Das absolute Verbot verletzt mich in meiner Religionsfreiheit. Ähnlich den Regelungen zu lebensnotwendigen Dienstleistungsbetrieben wäre eine Erlaubnis mit strengen seuchenhygienischen Auflagen das mildere Mittel gewesen“, so der Jurist gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Er klage nicht nur als Katholik, sondern auch für andere Christen und Glaubensgemeinschaften, die den gleichen Einschränkungen unterworfen seien. Das Verwaltungsgericht München will bis Gründonnerstag eine Entscheidung über die Klage treffen.


JETZT VORBESTELLEN: COMPACT-Aktuell „Corona – Was uns der Staat verschweigt“ ist auf dem Zeitungs- und Zeitschriftenmarkt konkurrenzlos! COMPACT-Aktuell bringt auf 84 Seiten die Fakten, die andere unterdrücken. In unserer Sonderausgabe kommen angesehene Wissenschaftler mit Argumenten gegen die inszenierte Panik ausführlich zu Wort: Dr. Wolfgang Wodarg, Prof. Dr. Sucharit Bhakdi, Prof. Dr. Karin Mölling. Und: COMPACT-Aktuell dokumentiert die Pandemie-Übung der Bundesregierung aus dem Jahr 2012 – schockierend! Hier vorbestellen – Auslieferung ab 15. April.

Über den Autor

Avatar

Daniell Pföhringer, Jahrgang 1973, stammt aus Bayern, wuchs in Hamburg auf und studierte dort Politikwissenschaft, Soziologie und Kulturwissenschaften. Seit Oktober 2017 ist er Redakteur von COMPACT-Magazin und betreute federführend diverse Sonderausgaben wie COMPACT-Spezial „Finanzmächte“, „Politische Morde“ oder „Tiefer Staat“.

28 Kommentare

  1. Avatar

    Hm. Wieder einmal interessant. Ich kann mich nicht erinnern, dass die Kirche bezgl. der Einschränkungen der Grundfreiheiten bisher großartig eine Kritik angebracht hätte. Jetzt wo das eigene Geschäftsmodell aber betroffen ist, da will man plötzlich eine Ausnahme von der Regel.

  2. Avatar

    Auch der neuapostolische Gebetssaal und die lokale Moschee sind geschlossen. Und die Zeugen missionieren nicht mehr mehrsprachig im Hbf. Von den Musels weiß ich aber, daß die auch solo zu Hause auf ihrem Gebetsteppich Gottesdienst abhalten können, das ging auch im Freien, hinter dem Fohmarktstand! Und den Iman können sie sich dazu im Netz runterladen, sogar aufs Telefon!
    Das ist überhaupt ein deutlicher Unterschied zu den christlichen Religionen. Die müssen wohl in geschlossenen Räumen ihre Gottesdienste abhalten. Die verächtliche Bezeichnung Heiden für Naturreligiöse kommt daher, daß diese ihre Zeremonielle/Versammlungen grundsätzlich draußen (auf der Heide) abhalten!
    Gerade den Kirchen Ausnahmen zu erteilen ist dumm, denn deren hauptsächliche Anhängerschaft ist alt bis uralt. Corona könnte gerade diese umbringen! Die Infektion zum Wiederaufflammen bringen und erneut weiter die Wirtschaft würgen.

  3. Avatar
    Marques del Puerto am

    @bernd hagemann
    Wer ist schon Prinz Frédéric von Anhalt ?! Der hat noch einen größeren an der Klatsche als die komplette Welfen Truppe.

    MBG
    der Marques

  4. Avatar
    Käptn Blaubär am

    Schon,aber auch nicht mehr Honk, als ein Deutscher,der Trumpel haßt und von einer "freien Welt "träumt, deren "Führer" der jeweilige US-Präsident sei.

  5. Avatar

    Bei der Bundeswehr gibts doch auch den Feldgottesdienst . Müssen die unbedingt in eine Kirche ?
    Wo ist das Problem ?

  6. Avatar
    Heinrich George am

    Ich denke den Pfaffen geht es mehr um die Osterspenden, jetzt merkelt man da auch schon rum, wenn die Lämmer fehlen….die sollen sich einmal an unserer Landesmutter ein Beispiel nehmen, die regiert ihr Land auch ohne das Volk….also predigen und beten ohne die Untertanen ….

    • Avatar

      Jawoll ….. Coronavirus ängstigt nicht die Pfaffen ,aber die Klingelkasse muss voll sein am wichtigsten Kirchenhokuspokus des Jahres….. Die satten Märchenverkünder wollen schliesslich auch gut leben in ihren armen Hütten ……

  7. Avatar
    Käptn Blaubär am

    Die Gemeinde "rebelliert" nicht, sie beschreitet den Rechtsweg. Und auch nicht gegen Corona- Restriktionen allgemein, sondern gegen das Verbot von Gottesdiensten. Es sind die feinen Unterschiede,die im Leben zählen. Und es ist die Fähigkeit,diese feinen Unterschiede zu erkennen, die den Unterschied zwischen Vieh und Mensch ausmacht.

    • Avatar
      Käpt'n Pappnase am

      Ja stimmt, wurde allerdings im Artikel genau so sachlich beschrieben, somit monierst du lediglich die Überschrift, oder?

      "Mensch" (zumindest) kennt den (Beweg-) Grund für kurze, knackige (von mir aus reißerische) "Überschriften" und "Schlagzeilen".

      Ich hab übrigens auch einen aus dem göttlichen Viehstall: "Das Tier, das überall zuerst den Unrat sucht, ist ein Schwein."

      😉

    • Avatar

      Ich glaube gegen diesen Religionshype ist wohl der Arbeitsplatz und die sogenannte grundgestzliche Freiheit viel wichtiger. Es ist erbärmlich wie sich der Blödmichel für unwichtige abgefahrene Themen aufgeilt. Zumal der Vatikan das Grundübel aller weltlichen Leiden ist.

      • Avatar
        Käptn Blaubär am

        Die Dummheit von in der "DDR" geborenen Schotten stirbt zuletzt.

    • Avatar
      Käptn Blaubär am

      Was heißt "lediglich"?! Reißerische Schlagzeilen sind unseriös u. gehören in die "Bild"-Zeitung. Hirnrissig,die Wahrheit erst zu verfälschen um sie weiter unten wieder richtig zu stellen. Gelingt oft nicht,weil viele nur die Überschrift lesen.

      • Avatar
        Käp't Pappnase am

        Wer nur Überschriften liest, sollte erst gar nicht mitreden. Ich meine nicht dich persönlich, sondern Fremdes Elend, was mich aber nichts angeht….außer ich hab Langeweile und bin in Stänkerlaune..

    • Avatar

      Ganz genau ….gut formuliert ….,die Katholiken UND PROTESTANTEN rebellieren nicht ,die machen alles wie brave Untertanen…. Es steht geschrieben …" SEI UNTERTAN DER OBRIGKEIT ,DIE GEWALT ÜBER DICH HAT….. " !!!! Schliesslich kassieren sie ja mit Hilfe des Staates Kirchensteuer !!!!!! Dafür sind sie bereit den Soldaten ….Gott mit Euch auf den Weg zu geben…. natürlich nur für die Christianisierung !!!
      Appropo Unterschied Vieh und Mensch …… Im Bundestag … Die Show ist wie im Tierpark bei den Schimpansen …. Das Geschrei und Gejodel,wo ist da der feine Unterschied ???????? Fehlt nur noch das die besonders guten Abgeordneten auf den Bänken umherturnen….

  8. Avatar
    Keine Extrawürste! am

    Soki… wo bleibt dein täglicher Kotau vorm Coronakalb?
    Was erlaube sich diese Christen! Wollen die etwa Tote in Kirchen stapeln?

  9. Avatar

    Danke für diesen interessanten Beitrag zum bevorstehenden Osterfest!!

    Es ist sehr mutig seitens der erwähnten katholischen Institution/Gemeinde, ihr Recht auf Religionsausübung – unter Einhaltung aller Sicherheitsstandards – einzufordern!! Wenig überraschend ist, dass diese Aktion von jenen initiiert wird, die in der hässlichen und antitheistisch-feindseligen Mainstreampropaganda fast nur noch mit "sexuellem Missbrauch" und ähnlichen politideologischen Kampfbegriffen in Verbindung gebracht werden – der katholischen Kirche und dem Katholizismus generell. Der offiziellen Kirchenrepräsentanz kann man nur wärmstens ans Herz legen, hier klare Kante zu zeigen, sich nicht einschüchtern zu lassen, und dafür zu kämpfen, dass das Osterfest – unter Einhaltung aller Sicherheitsvorkehrungen – gemäß den verbrieften Grundrechten zelebriert werden kann!

    Zu befürchten ist allerdings, dass die sog. "Gerichtsbarkeit" auch hier – wie immer in ähnlich gelagerten Fällen – einknickt vor der "staatlichen Autorität". Warten wir’s ab. Es soll ja gelegentlich auch noch Wunder geben.

  10. Avatar

    SOS ……der Klingelbeutel ist in Gefahr……..!!!!!

    ……. faschistoid-hysterischen Hygienestaat“ ….. man lernt nie aus ….. Wieder eine rechte Diktaturbeschreibung ….

    Wartet mal ab ……….. die Katholiken werden Merkel kreuzigen …..

  11. Avatar
    Archangela am

    GG Art 8:

    (1) Alle Deutschen haben das Recht, sich ohne Anmeldung oder Erlaubnis friedlich und ohne Waffen zu versammeln.

    (2) Für Versammlungen unter freiem Himmel kann dieses Recht durch Gesetz oder auf Grund eines Gesetzes beschränkt werden.

    Dieses Grundrecht ( Art 8 (1)) reicht aus. Es kann im Gegensatz zur Versammlung unter freiem Himmel (Satz 2) nicht beschränkt werden. Da brauche ich nicht einmal die Religionsfreiheit zu bemühen. Jeder Bußgeldbescheid, der gegen dieses Gesetz spricht, ist demnach unwirksam.

    Wenn also zu Ostern alle Kirchen ihre Pforten öffneten und die Gläubigen zum Gottesdienst kämen, wie die zum Teil nichtdeutschen, Musels es sowieso straffrei machen, wer könnte dagegen etwas unternehmen?

    Dass die staatstreuen staatlich subventionierten und somit vom Staat abhängigen Staatskirchen hier den Schwanz einziehen, ist mal wieder bezeichnend.

    Corona ist die neue Religion, der Alle huldigen.

    Ein Hoch auf die mutigen Rebellen, denen ihre Rechte noch was Wert sind.

    • Avatar
      heidi heidegger am

      Sokis Lausitzer Kavallerie sieht das bestimmt sehr ähnlisch, hihi, ditt heidi dagegen reitet bescheiden auf einer Eselin daher und Tiffi auf einer EdelSchneeZiege aus Colorado, hah! 🙂

      • Avatar
        Käptn Blaubär am

        Edel-Schneeziege? Gut, Verwechslungen von Reiter u. Reittier sind da ausgeschlossen. Arme EDEL-Schneeziege!

      • Avatar
        heidi heidegger am

        Nicht doch, @Käp, Schneeziegen nehmen es sogar mit Berglöwen auf und sind belastbar und ²Tiffi (mit seinem Faible für die IB, die wiederum aus flinken KletterInnen besteht) ist evtl. drahtig geblieben wie äh Iggy Pop od. Wolgang Eggert, also: no prob, yo! *kicher*

        ²..müsste ihn allerdings, um da sicher zu sein, zur Inspektion mal wieder in die Glaskuppel bitten (Rasur und Haarlänge und Kragen), hihi..Grüßle an beide!

    • Avatar
      Käptn Blaubär am

      Hm,ein richtiges Hoch aus der falschen Ecke. Der Weg zur Vergebung ist immer der Gleiche: 1. Einsicht, 2. Reue.3. der feste Vorsatz,nicht mehr zu sündigen,4. Buße. (Die muß der Sünde angemessen sein,hier also einige Jahre als Eremitin leben,o.s.ä.

    • Avatar

      Leider nein, Pandemie (Lebensrettung/Seuchenbekämpfung) machts möglich. Um so mehr Angst gestreut wird, um so höher die Akzeptanz. Kein Ende absehbar, generell bedarfsgerecht ausbaufähig.

      • Avatar
        Käptn Blaubär am

        Ei, unter dem Hopliten-Helm muß es in der Sonne ganz schön heiß werden, gelegentlich lüften,absetzen.

      • Avatar
        heidi heidegger am

        kleine heidi-Ergänzung: lütfen = bitte auf türkisch od.turkmenisch auch wohl so unn datt, häh? LOL

Bitte beachten Sie unsere Kommentarregeln.

Empfehlen Sie diesen Artikel