Das Ahrtal in größter Not: Neun Wochen nach der Flutkatastrophe hat sich am Staatsversagen nichts geändert. Nur dies ist anders: Jetzt ist das Interesse der Medien am Elend der Flutopfer erloschen.

    Dabei fehlt es immer noch am Nötigsten. In dieser Situation leistet COMPACT wieder einmal Erste Hilfe: Wir eröffnen diese Woche ein dauerhaftes Büro im Ahrtal und laden am Freitag ein zu Bürgerfesten. Das wird ein Kraftakt: Wir bitten unsere Leser um Unterstützung!

    Das große Staatsversagen

    Foto einer COMPACT-Leserin, das den völlig zerstörten Ort Dernau im Ahrtal zeigt. Quelle: Privat

    „Wir werden Sie nicht vergessen“, versprach Bundeskanzlerin Angela Merkel den Betroffenen nach der Flutkatastrophe am 16. Juli. Doch heute, neun Wochen nach der Tragödie, fehlt es noch immer am Nötigsten. Verschärfend kommt hinzu: Jetzt kommt der Winter! In vielen überfluteten Häusern sind die Wände immer noch feucht – bei Frost gefrieren sie.

    Und wie soll man die Wohnungen, die noch stehen, warm bekommen, wenn vielerorts die Gasversorgung erst wieder im Frühjahr 2022 liefern wird, nachdem Gasdepots und Leitungen weggeschwemmt wurden? Behörden geben den Tipp, mit Strom über Heizlüfter etc. zu heizen – aber das ist erstens teuer und zweitens funktioniert auch der Strom längst nicht überall, soll erst zum Jahresende wieder repariert sein, warmes Wasser dito.

    In dieser Situation flüchten viele Verweifelte aus dem Ahrtal, gehen den Winter über zu Verwandten in anderen Regionen oder ziehen ganz weg. Cornelia Weigand, Bürgermeisterin der Verbandsgemeinde Altenahr, forderte schon Anfang August – vergeblich – Soforthilfe: „Ansonsten wird das Tal zum Teil schlussendlich erst mal entvölkert sein, eine wichtige Tourismusregion für das Land Rheinland-Pfalz zerstört sein, das Zuhause von vielen Menschen, die dort teilweise in vielen Generationen leben, einfach weg sein.“ Deutsche in Deutschland auf der Flucht, zum ersten Mal seit 1945  – wer hilft diesen – unseren! – Flüchtlingen?

    Verhöhnung der Opfer

    Mitte September legte das Bundesinnenministerium eine Schadensbilanz vor: „Demnach haben 65.000 Personen in Rheinland-Pfalz mit Flutschäden zu kämpfen, allein 42.000 davon aus dem Gebiet Ahrweiler. Rund 3000 Unternehmen seien von der Zerstörung betroffen, genau wie 82 Prozent aller Brücken und 95 Prozent aller Weinbaubetriebe. Der gesamte Schaden der Privathaushalte belaufe sich auf rund zehn Milliarden Euro“, fasste der Focus zusammen.

    Beschlossen wurde vom Bund ein Wiederaufbauprogramm, das 30 Milliarden Euro schwer ist. Doch das Geld kommt nicht bei den Betroffenen an! 1.500 Euro Soforthilfe wurden einmalig ausgezahlt – für Menschen in abgesoffenen Wohnungen und oft ohne jedes Einkommen ein Tropfen auf den heißen Stein.

    Besonders skandalös, dass in der erwähnten Schadensbilanz des Seehofer-Ministerium über die Fluthilfe der Satz steht: „Das System des Bevölkerungsschutzes mit der klaren kommunalen Verantwortung und der aufwachsenden Unterstützung durch Landkreise, Länder und den Bund hat sich in dieser langanhaltenden Hochwasserlage grundsätzlich als trag- und leistungsfähig erwiesen, wird aber gleichwohl im Rahmen eines Evaluierungsprozesses betrachtet werden…“. Eine Verhöhnung der Opfer, ein Spucken auf die Gräber der 182 Toten, von denen viele bei rechtzeitiger Evakuierung hätten gerettet werden können.

    COMPACT-Hilfe: Wir lassen unsere Landsleute nicht im Stich!

    COMPACT war neben Bild das einzige Medium, das dringend benötigte Hilfsgüter direkt in das Katastrophengebiet gebracht hat. Und im Unterschied zu der Springer-Lieferung wurde unser Transport sogar vom Chefredakteur persönlich geleitet… Alle anderen Medien riefen zu Geld- oder Sachspenden auf, die an den Staat oder staatsnahe Organisationen adressiert waren– aber von dort gelangt sie nur in den seltensten Fällen zu den leidgeprüften Menschen vor Ort.

    COMPACT-Fluthilfe. 14.8.: 10.000 Euro übergeben

    Unser erster Hilfstransport startete am 23.7. ins Ahrtal – wir übergaben Hilfsgüter im Wert von 7.500 direkt an Betroffene im besonders schwer getroffenen Ort Schuld. Unser zweiter Hilfstransport starte am 14.8. – wir halfen fünf im Elend lebenden Familien mit jeweils 2.000 Euro. Das Video dokumentiert die Aktion.

    Darüber hinaus war unsere neue Redakteurin Sophia Fuchs drei Wochen lang im Krisengebiet: Aufräumen, Schutt schippen, Keller entrümpeln. Die Leitmedien (außer Bild) filmten nur voyeuristisch das Elend der Menschen ab, brachten selbst überhaupt nichts zustande und deckten in ihren Berichten das Staatsversagen. Der zur Zeit  gehörende Antifa-Blog Störungsmelder  erdreistete sich sogar, unsere Hilfe zu verunglimpfen: «Das rechtspopulistische COMPACT-Magazin sandte entgegen allen journalistischen Standards eine Reporterin ins Krisengebiet, die dort Schlamm schippte.» (29.7.2021)

    Diese Woche eröffnet das Büro von COMPACT.Werk im Ahrtal

    Jetzt geht die COMPACT-Hilfe weiter: Noch diese Woche eröffnen wir ein Büro im Ahrtal, das nicht nur die Lage fortlaufend dokumentieren, sondern auch dringend benötigte Arbeiten zur Renovierung von Häusern koordinieren soll. Wir helfen UNENTGELTLICH, denn die Menschen haben kein Geld. Für die Winterhilfe in den Flutgebieten haben wir die Einsatzgruppe COMPACT.Werk gebildet, in der sich Handwerker zusammenfinden, die ständig an der Ahr bleiben und ihre Arbeitskraft zur Verfügung stellen.

    Wo schweres Gerät benötigt wird, wird COMPACT die Ausleihung finanzieren. Natürlich kann COMPACT.Werk, da es auf Dauer angelegt ist, nicht auf bloßer Freiwilligkeit beruhen. Wir schaffen deshalb zwei ganze und zwei halbe Stellen für das COMPACT-Büro im Ahrtal, die mögliche freiwillige Hilfskräfte anleiten und den Kern der „Operation Winterhilfe“ bilden.

    An diesem Freitag (24. September) startet COMPACT.Werk seinen Auftritt mit Bürgerfesten in verschiedenen Dörfern. Wir kommen mit dem 7,5-Tonner und bauen Tische und Bänke auf, schenken Bier und Säfte aus, es gibt leckere Buletten, ein Gitarrist sorgt für die Musike – und das alles gratis!

    Wir wollen den Menschen, die seit Wochen so wenig zu lachen haben, in paar schöne Stunden bereiten – und natürlich hören, was sie zu sagen haben. Der gesamte Tag und die Büroeröffnung werden dokumentiert in unserem TV-Nachrichtenformat COMPACT.Der Tag – vielleicht schon am Sonntag, 26.9., in unserer Wahlsendung um 20 Uhr.

    Es ist die größte und teuerste Kampagne in der fast elfjährigen COMPACT-Geschichte. Was Bürgerfeste, Bürobetrieb und die neu geschaffenen Stellen kosten, können wir im Augenblick noch nicht seriös beziffern – es könnte sich allein für die nächsten fünf Wochen (bis Ende Oktober) auf mindestens 20.000 Euro summieren.

    In dieser Situation brauchen wir wieder die treue Hilfe unserer Leser: Wir können die „Aktion Winterhilfe“ nur stemmen, wenn unsere Leser uns mit Spenden unterstützen. Je mehr Spenden wir bekommen, umso mehr können wir fürs Ahrtal leisten. COMPACT – wir reden nicht nur, wir helfen! COMPACT.Werk – Wir tun was!

    Bitte spenden Sie für unsere Arbeit:

    • via Paypal auf verlag@compact-mail.de
    • Oder direkt auf das Konto von COMPACT Magazin GmbH: IBAN: DE70 1605 0000 1000 5509 97
      (BIC: WELADED1PMB)
    • Alle Spendenmöglichkeiten auf einer Seite mit direkten Klicks finden Sie hier.

    Für Ihre Unterstützung möchte ich Ihnen schon jetzt meinen Dank aussprechen.

    COMPACT-Chefredakteur

    Jürgen Elsässer

     

     

     

     

     

    19 Kommentare

    1. Nachdem sich Herr Laschet mit seinem Lacher unmöglich gemacht hat, mußte die Flut von den Titelseiten schnell wieder runter; denn das ruiniert die CDU.
      Aber auch die modernen Zeiten machen ganze Gegenden schnell und langfristig unbewohnbar! 1910, bei der letzten Flutkatastrophe in der Gegend hatten die meisten Wohnungen noch Kamine und Holz- oder Kohleöfen, die man recht schnell wieder in Betrieb nehmen konnte, elektrifiziert war man auf dem Land damals auch nicht.
      Die Stadt Ahrweiler hat übrigens schon im August bekannt gegeben. daß ihre Einwohnerzahl ordentlich geschrumpft ist. Gerade junge Leute, die sowieso woanders eher Arbeit bekommen, Selbständige, die ruiniert sind, bauen sich lieber schnell woanders wieder ein Leben auf als mit Wiedrigkeiten, viel Arbeit und Verzicht an der Stelle wo alles verloren ging zu bleiben. In einer Zeit, in der Mobilität über alles geht ist Heimat zweitrangig.
      Und (die Nachfahren) jener, die aus Platznot in der "Häuslebauerzeit" der 1960 in Flutungsgebieten, Auwäldern gebaut hatten, bekommen auch – hoffendlich – da keine Genehmigung mehr.

    2. Sicher haben die ör Staatssender während einiger Monate auf ihre Abzockergebühr verzichtet. Oder träume ich?

      • Keinen Strom für den Fernsehapparat zu haben,
        entbindet noch lange nicht von der Pflicht zur GEZ.

    3. Sehr interessant, das Engagement im Ahrtal ! Jetzt, Herr Elsässer bin ich gespannt auf das Wahlergebnis der Ahrer. Sie werden es bestimmt an dieser Stelle kundtun ! Soll ich mal raten ?

      • @ O. NAGEL

        Gestern mit Bekannten aus dem Landkreis Ahrweiler telefoniert. Fazit: Solidarität der deutschen Stämme war herzergreifend, aber auch BW und THW im besten Lichte. Alles im Groben soweit in Ordnung. (Allerdings hatten sie – Gott sein Dank! – nicht den Kesselinger Bach im Wohnzimmer, sondern "nur" Grundwasser im Keller. Strom und Warmwasser funktionieren wohl auch wieder.)

    4. Echt großartig was ihr dort tut.
      In unserer heutigen Zeit, verfliegt das alles immer so nur als Schlagzeilen. Das ihr dort wirklich aktiv weiter mitanpackt und helft lässt mich nicht ganz verzweifeln.

      Ich hoffe die Leute dort bekommen die Sache wieder lebenswert hin.
      Wünsche euch und den Menschen dort nur das Beste, von ganzem Herzen.

    5. Tja, diese Opfer sind leider nur Deutsche, Pech gehabt!!
      Wären es Wirtschaftsmigranten sähe es natürlich anders, ganz anders aus!!
      P

      • Der Verbrecherstaat an

        Es ist einfach nur eine Schande……deutsches Steuergeld wird von den Bonzen nur für andere verprasst….Afghanistan 12 Milliarden € jetzt für sogenannte Ortskräfte und eingeschleuste Talibans, 2015 sprudelte das Geld nur so für Wohnungen und Betreuung…usw. Was Jürgen macht verdient nur Hochachtung, aber er kann das finanziell nicht alleine schuldern, denn die Hochwasserschäden gehen in die Billionen und es wird noch Jahre dauern……Der BRD Staat entzieht sich bewusst seiner Verantwortung und dessen Bonzen machen lieber Wahlkampf, als eine Schaufel mit anzufassen und auf ihre Diäten zu Gunsten der vielen Opfer zu verzichten.

        • Marques del Puerto an

          @ DER VERBRECHERSTAAT…ääh…. Kolonie,

          Ihre Ausführung ist komplett richtig, blos lassen Sie bitte das Wort Staat weg.
          Ich weiß, das geht leicht über die Lippen, aber nochmals, wir leben hier in einer BRD Steuerzahlerkolonie in einer Art staatsähnlicher Form.
          Nicht mehr und nicht weniger !
          Im übrigen, von Alaska bis Florida, lernen das die Schüler schon in der 5. Klasse in Geschichte was hier in der bunten BRD in Wahrheit los ist.
          Und alles das was Sie aufzählen geht nur, weil wir eben nichts sind außer Schafe, außer Deppen die reichlich Steuern zahlen.
          Schauen Sie sich an der Tanke die Zahlen an , beste und einfachste Beispiel.

          Mit besten Grüssen
          der Marques

        • 100 Millionen für den Ankauf afghan. Kollaborateure an die Taliban,
          500 Millionen für die Aufnahme afghan. Kollaborateure in die Nachbarländer,
          100 Millionen für die Palästinenser,
          450 Millionen für die laufende Versorgung Afghanistans…

          Das nur in den letzten Wochen. Unser Geld fließt weg wie …Wasser…

        • Und unsere bunten selbsternannten Volksvertreter wollen wie diese jüngst im Wahlkampf sagten, deutsches Steuergeld für unbemannte Drohnen ausgeben, damit man dann auch in anderen Ländern demokratisch mit morden kann….

    6. hallo
      kommt da noch ein video oder ist das nur platzhalter ?
      also wo (video) in klammer steht wie bei mir

      • Marques del Puerto an

        @PRIVAT,

        Videos werden überbewertet. Schauen Sie lieber im Compact Buch-Shop nach und holen Sie sich einen Schmöker.
        Abends Stehlampe an, Glas Vino Tinto dazu und Brille richten….
        So schön kann Wahrheit werden….. ;-)

        Mit besten Grüssen

    7. heidi heidegger an

      Wahnsinn! eine Agentur, endlich!..zwar anzunehm‘ nicht ganz so glamourös wie eine Mission in RIO od. CAIRO od. ZAR (Jean-Bédel Bokassa (* 22. Februar 1921 in Bobangui, Französisch-Äquatorialafrika; † 3. November 1996 in Bangui, Zentralafrikanische Republik) aber egal: ditt heidi strickt schon Socken wie Hund und setzt Glühwein an mit einem Schuß äh *ultrabrutale*, ehehheeee..

      • heidi heidegger an

        Teil 2

        JE goes Richard Wagner (Gesamtkunstwerk und so..*raunraun*): COMPACT.Werk startet seinen Auftritt mit Bürgerfesten in verschiedenen Dörfern. (das Fest als theatraler Akt: Schleiertanz der Sopia usw. *sabber*) Wir kommen mit dem 7,5-Tonner und bauen Tische und Bänke auf, schenken Bier und Säfte aus, es gibt leckere Buletten (Floischkiachlé!), ein Gitarrist sorgt für die Musike – und das alles gratis! *lecker* Floischkiachlé bitte griechisch mit Ziegen!käse innen (zum Gedenken an Mikis T.!) ;-)

        • heidi heidegger an

          7,5-Tonner Tankwagen..vastehe: 70.5 Hektoliter Bier, abgelastet, hehe. Freie und gute Fahrt!

        • Nero Redivivus an

          Liebe Heidi, bitte keine Witze vor diesem ernsten Hintergrund und dem schändlichen Versagen "unseres" Staates unseren Landsleuten gegenüber!
          … obwohl zum"Kannibalen-Kaiser Bokassa" und Richard Wagners Gesamtkunstwerk auch mir noch einiges einfallen täte …
          Ganz großartig, die COMPACT-Hilfe, lieber Jürgen, liebes COMPACT-Team vor Ort!!!

        • Marques del Puerto an

          @Heidi von Klunkerborch….

          welcher Jitarist ???

          Keine Sau ruft mich an…. nicht mal Ritter Jürgen. ;-)
          Na Egal , schicke wieder Traubensaft aus Spanien nach Werder.

          Pfirtde…
          der Marques