Angesichts möglicherweise knapper Ergebnisse in vielen Wahlkreisen wäre eine Kooperation von Reform UK und Restore Britain sinnvoll. Doch nun heizt ein Social-Media-Post gegen Nigel Farage den Konflikt zwischen den beiden Rechtsparteien an. Darum geht es um ein Tabuthema, das wir mit unserer aktuellen Spezial-Ausgabe «Schurkenstaat – Geschichte und Gegenwart Israels» brechen. Hier mehr erfahren.
Kürzlich sah es danach aus, als könnte es in Großbritannien – schon aus rein rationalen Erwägungen – Absprachen oder gar eine Kooperation zwischen den beiden rechten Parteiführern Nigel Farage (Reform UK) und Rupert Lowe (Restore Britain) geben. Laut einer aktuellen Umfrage liegt Reform UK mit 24,4 Prozent knapp vor der linken Labour Party (23,4 Prozent) und deutlich vor den konservativen Tories (19,9 Prozent).
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COMPACT unterstützenDiese Zahlen besagen jedoch erstmal wenig. Durch das britische Mehrheitswahlrecht kommt es ausschließlich auf die Führung in den Wahlkreisen an. Laut aktuellen Projektionen von Anfang August könnte Reform UK etwa 118 bis 141 Wahlkreise und damit Sitze im Unterhaus gewinnen. Restore Britain könnte Farage die Petersilie verhageln. Die nächste Parlamentswahl in Großbritannien findet regulär am 15. August 2029 statt, doch bei einer erneuten Regierungskrise könnte ein Urnengang auch früher anstehen.
«Bedenken hinsichtlich Antisemitismus»
Eine Kooperation der beiden rechten Parteien, in welcher Form auch immer, wäre also sinnvoll. Doch nun meldeten die englischsprachigen Jewish News, dass Reform UK von Farage derzeit jegliche politische Vereinbarung mit Lowes Restore Britain ausschließt. Grund seien «Bedenken hinsichtlich Antisemitismus und Extremismus innerhalb der Führung von Restore», so die jüdische Wochenzeitung aus London.
Demnach erklärte ein Sprecher von Reform UK gegenüber dem Blatt, dass «Antisemiten und andere extreme Rassisten zuerst gehen müssten», bevor Gespräche mit Restore Britain fortgesetzt würden. Parteichef Nigel Farage hatte jüngst im Times Radio bekundet, dass er bereit sei, «frühere Differenzen beiseitezulegen, um eine Einigung zu erreichen». Doch nun sorgen Aussagen eines Restore-Führungsmanns für neuen Zündstoff.
Israel-Kritik im Fokus
Dabei geht es um einen Social-Media-Post von Charlie Downes, Mitgründer von Restore Britain, enger Weggefährte von Parteichef Rupert Lowe und Wahlkampf-Manager der Partei. Dieser hatte auf einen Beitrag von Farage reagiert, in dem dieser von sich sagte, er sei nicht käuflich. Downes teilte dazu ein Bild von Mr. Brexit bei einer Veranstaltung der Reform Jewish Alliance und deutete damit an, dass Farage sich jüdischen Lobbygruppen beeinflussen lasse.
Der Reform-UK-Sprecher erklärte dazu gegenüber dem Telegraph, dass es «keine Einigung mit Lowes Partei geben könne, solange Downes im Amt sei». Dessen Rhetorik erinnere an den US-Rechten Nick Fuentes, der sich immer wieder scharf gegen Israel und deren Lobbygruppen in Amerika wendet. Der Sprecher warnte davor, dass sich ähnliche «antijüdische Äußerungen» nun auch in Großbritannien ausbreiten könnten. Bislang habe es solche Tendenzen nur bei der «extremen Linken» gegeben.
Downes hatte zuvor dem Telegraph vorgeworfen, in den vergangenen drei Jahren «den Völkermord Israels an Muslimen im Gazastreifen gedeckt» zu haben. Dabei ist der Restore-Mann selbst kein Moslem-Freund. Erst kürzlich hatte er behauptet, Muslime seien weniger britisch als Christen, was die Kontroverse um seine Person weiter verschärfte.
Außenpolitische Differenzen
Tatsächlich gibt es Differenzen zwischen Reform UK und Restore Britain vor allem mit Blick auf deren außenpolitische Positionen. Rupert Lowe war, wie Nigel Farage Lowe, zunächst klar pro-israelisch, ist seit dem Krieg in Gaza und im Iran davon jedoch davon abgerückt. Farage hingegen sieht Israel als westlichen Verbündeten im Kampf gegen Islamismus an und verteidigte das Vorgehen der israelischen Armee in Gaza. Die britische Anerkennung Palästinas 2025 lehnte er ab, den Krieg Israels und der USA gegen den Iran begrüßte er ebenso wie eine britische Unterstützung der Angriffe.
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Rupert Lowe und Restore Britain hingegen sagen: Großbritannien solle nur militärisch eingreifen, wenn britische Interessen unmittelbar bedroht sind. Regimewechsel durch militärische Interventionen im Ausland werden als gescheiterte Strategie ausdrücklich zurückgewiesen.
Zum Irankrieg erklärte Lowe im Februar 2026, England habe «genügend eigene Probleme», weswegen man sich heraushalten sollte. In einer ausführlicheren Stellungnahme argumentierte er, Großbritannien habe gar nicht die militärischen Kapazitäten, um sich an dem Konflikt zu beteiligen. Zudem sei es nicht Aufgabe Londons, als eine Art Weltpolizist aufzutreten.
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