Datenleck in Berlin: Fast sechs Terabyte Verwaltungsdaten gestohlen. Täter setzen Senat Ultimatum. Was funktioniert in der Hauptstadt eigentlich noch? Die Experten Markus Krall und Florian Homm erklären in unserer Gold-Ausgabe, was hinter dem Bitcoin-Hype steckt. Hier mehr erfahren.
Eine Hackertruppe namens Rhysida erpresst das Land Berlin und verlangt via Darknet-Auftritt 30 Bitcoin als Lösegeld oder als Startgebot einer Auktion – das sind umgerechnet derzeit rund zwei Millionen Euro. Andernfalls, so drohen die Täter, sollen fast sechs Terabyte gestohlener Verwaltungsdaten versteigert oder veröffentlicht werden, darunter Ordnungswidrigkeitsverfahren, Passwörter und andere sensible Daten. Der einwöchige Countdown läuft seit Freitag.
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COMPACT unterstützenNach bisherigen Erkenntnissen zum Ablauf der Attacke zog sich der Datenklau vom 7. bis zum 12. August hin. Entdeckt wurde das Leck allerdings erst am 14. August. Unmittelbar danach verharmloste der Berliner Senat den Vorfall zunächst und bestritt, dass auch sensible Daten abgeflossen seien. Nach Angaben der Senatskanzlei waren die Verwaltungen für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen sowie für Mobilität, Verkehr, Umwelt und Klimaschutz betroffen, die daraufhin vom Landesnetz genommen wurden.
Ermittlungen mit Hochdruck
Eine detaillierte Inventur der gestohlenen Daten stammt allerdings von den Tätern, nicht vom Senat. Laut Angaben auf der Leak-Seite von Rhysida im Darknet behaupten die Täter, Zugriff auf Unterlagen zu rund 80.000 Ordnungswidrigkeitsverfahren und über 46.500 Verträgen zu haben. Darüber hinaus sollen ihnen Angaben zu Anlagen der kritischen Infrastruktur, Gerichtsakten und Notfallpläne, Passwörter sowie knapp 6.000 Dateien mit Zugangsdaten vorliegen.
Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) und Innensenatorin Iris Spranger (SPD) bekräftigten nichtsdestotrotz, dass sich das Land nicht erpressen lassen werde:
«Gegen die mutmaßlichen Täter des Hacker-Angriffs auf das Landesnetz Berlin ermitteln in enger Zusammenarbeit das Landeskriminalamt Berlin, die Staatsanwaltschaft und die Sicherheitsbehörden des Bundes mit Hochdruck.»
Bei Rhysida handelt es sich um eine seit 2023 bekannte Hacker-Bande, die Trojaner einsetzt und nach Einschätzung von Sicherheitsforschern im russischsprachigen Raum angesiedelt sein soll. Sie gilt als Nachfolgerin der früheren Gruppe Vice Society gilt. Rhysida verschlüsselt nicht nur Systeme, sondern stiehlt zuvor große Datenmengen und setzt Opfer mit Veröffentlichungen oder Auktionen unter Druck.
Ihre Forderung nach 30 Bitcoin gibt dem Fall zusätzliche Brisanz, denn die Kryptowährung lässt sich rasch transferieren und könnte eine Rückverfolgung deutlich erschweren. Sollte das Land zahlen, könnte dies andere Hacker zu einem ähnlichen Schlag motivieren.
Kurz vor der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus am 20. September wirft die Erpressung jedenfalls kein gutes Licht auf die CDU-geführte Landesregierung, auch wenn die IT-Systeme für die Wahl laut Spranger nicht betroffen seien. Man erinnere sich nur an den Anschlag in Lichterfelde am 3. Januar 2026, der zu einem großflächigen Stromausfall führte. Dass führende Berliner Politiker den Schaden zunächst kleinredeten und die detaillierte Inventur den Tätern überließen, ist zweifellos ein besonderes Armutszeugnis.
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